Vorlesungs- und Lehrendenverzeichnis

SoSe 2020

Gott und Sein. Die philosophische Bibelexegese

Daniel Krochmalnik

PULS

Die philosophische Bibelexegese knüpft im Judentum wie im Christentum an die Schlüsselstelle Exodus 3, 14 an, die Dornbusch-Offenbarung des Gottesnamens. Jüdische wie christliche Philosophen haben die Ableitung des Gottesnamens יהוה aus dem Verb היה, sein, als Beleg für die Gleichsetzung von Gott und Sein angesehen (Deus est esse, Esse est Deus). Der französische Historiker der mittelalterlichen christlichen Philosophie, Etienne Gilson, sprach von einer „Metaphysik des Exodus“. Das philosophische Verständnis der Stelle wurde durch die alten Übersetzungen ins Griechische (LXX) und Lateinische (Vulgata) begünstigt, während etwa die Wiedergabe der Dornbusch-Episode im Koran (Q 20) zu keinen philosophischen Kommentaren Anlass gegeben hat. Auch in den rabbinischen Auslegungen überwogen zunächst nichtphilosophische Auslegungen der Stelle. Weshalb ist sie in der mittelalterlichen Exegese zu einer Einbruchstelle für die philosophische Exegese geworden? Wie wurde sie von jüdischen Philosophen/Theologen wie Philon von Alexandrien, Saadia Gaon, Moses Maimonides, Abraham ibn Esra ausgelegt? Diese philosophischen Auslegungen sind in ihrer Zeit nicht unwidersprochen geblieben, wie unter anderem die Auslegung von Jehuda HaLevi beweist. Und sie sind von mystischen Auslegungen überboten worden, wie die Auslegung von Moses ben Nachman zeigt. Dieser Zusammenhang soll in der Vorlesung aufgezeigt und als Paradebeispiel philosophisch-jüdischer Exegese behandelt werden.

WICHTIGER HINWEIS:
Die Veranstaltung wird digital angeboten und beginnt planmäßig am 20.4.2020 um 10 Uhr c.t. in Form einer Online-Sitzung. Bitte schreiben Sie sich zeitnah in den zugehörigen Moodle-Kurs ein, um die notwendigen Zugangsdaten zu erhalten.

Literatur

Quellen:
Chumasch Mikra‘ot Gedolot (Biblia Rabbinica), Czuker Edition, Mesorah-Artscroll, 2. Aufl., New York 2014.
Abraham ibn Esra, Langer Kommentar zum Buch Exodus, Bd. 1, dt. u. kom. v. Dirk U. Rottzoll, Berlin, New York 2000.
Sekundärliteratur:
Études Augustiniennes, Dieu et l’Être. Exégèses d’exode 3, 14 et du Coran 20, 11 -24, Paris 1978.
Maurice-Ruben Hayoun, L’exégèse philosophique dans le judaïsmemédiéval, Tübingen 1992.
Daniel Krochmalnik, EHJEH – Die Botschaft aus dem Dornbusch, in: Stefano Bancalari (HG.), Archivo Di Filosofia 86 (2018) Nr. 2: La Presenza, Pisa/Rom 2019, S. 13-25.
Ludwig Kröner, Deus et Esse. Eine Spurensuche, Münster 2002.
Alain de Libera, Émilie zum Brunn (hg.), Celui qui est. Interprétations juives et chrétiennes d’Exode 3, 14, Paris 1986.

Leistungspunkterwerb

Anstelle der sonst obligatorischen Klausur: schriftliche Ausarbeitung zu einem vorlesungsrelevanten Thema (10.000 Z.)

Studiengänge und Module

LPSWSbenotet
B2 Jüdische Studien 2010
  100 
Vorlesung, Grundmodul Religion / Philosophie
2
2
nein
  220 
Seminar / Vorlesung, Erweiterungsmodul 1
2
2
nein
  221 
Seminar / Vorlesung, Erweiterungsmodul 1
2
2
nein
  222 
Seminar / Vorlesung, Erweiterungsmodul 1
2
2
nein
B2 Jüdische Studien 2017
  294711 
Vorlesung, Basismodul Religion, Religionsgeschichte, Religionsphilosophie
3
2
nein
BA Jüdische Theologie 2013
  290212 
Vorlesung Philosophie, Basismodul Jüdische Religion und Philosophie
3
2
nein
BA Jüdische Theologie 2017
  290212 
Philosophie (Vorlesung), JTH_BA_005: Basismodul Jüdische Religion und Philosophie
3
2
nein
Studium+ 2008
  4301 
Veranstaltung (4301-10), Veranstaltungen 3 LP
3
2
ja/nein
Studium+ 2009
  10242 
Veranstaltung, Aufbaumodul Kunst, Religion, Philosophie
3
2
ja/nein
  10243 
Veranstaltung, Aufbaumodul Kunst, Religion, Philosophie
3
2
ja/nein
  10262 
Veranstaltung, Aufbaumodul Kunst, Religion, Philosophie
3
2
ja/nein
  10263 
Veranstaltung, Aufbaumodul Kunst, Religion, Philosophie
3
2
ja/nein
Studium+ 2013
  200111 
Variante I: Vorlesung oder Seminar, Literaturen, Sprachen, Religionen und Kulturen
3
2
nein
  200112 
Variante I: Seminar mit Klausur oder Kurzessay oder Referat/Handout, Literaturen, Sprachen, Religionen und Kulturen
3
2
ja

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Philosophische Fakultät
Am Neuen Palais 10
14469 Potsdam

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