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Mein Wintersemester in Vigo

Gerade in den letzten Wochen kurz bevor es losgeht, ist die Ungewissheit groß und die Liste mit Dingen, die noch erledigt werden müssen, scheint unendlich lang.

Selbst wenn man vor Beginn des Erasmus Semesters das große Bedürfnis verspürt und alles so schnell wie möglich  vorab klären will,  hat es sich für mich bewahrheitet, alles in Ruhe anzugehen. Denn das meiste regelt sich einfach am besten vor Ort oder  wie man in Galicien sagen würde: „ Malo será!“ – „Es wird schon schief gehen!“

Mein erster Blick bezüglich der Vorbereitung auf meine Erasmussemsester galt der Website der Universidad de Vigo. Schnell musste ich feststellen, dass ich trotz meines Spanischstudiums nicht besonders viel verstand, denn in Galicien spricht man galicisch, eine der offiziellen Minderheitssprachen in Spanien und so hat auch galicisch an der Universidad de Vigo Priorität. Davon sollte man sich jedoch keines Falls abschrecken lassen, denn eine Verständigung auf Spanisch ist in Vigo überall problemlos möglich und aufgrund der großen Ähnlichkeit des Galicischen  mit dem Spanischen kam es mir schnell nicht mehr so befremdlich vor. Aber um dies hier schon mal vorwegzunehmen, einen Kurs in galicischer Sprache zu belegen, habe ich mir dann doch nicht zugetraut. Die nötigen Informationen ausfindig zu machen, gestaltete sich zunehmend als kleine Geduldsprobe, da die Website nicht besonders durch Übersichtlichkeit glänzt. Daher empfiehlt es sich direkt auf der Hompage der Fakultät, in meinem Fall die Faculdade de Filoloxía e Tradución, nachzusehen. Dort findet man auch das Kursangebot, welches zur Erstellung des Learning Agreements nötig ist. Generell empfiehlt sich jedoch die Erstellung des Stundenplans vor Ort vorzunehmen, einerseits ist einem der Erasmus Koordinator dabei behilflich, andererseits hat man bei der Anmeldung ausreichend Zeit (5 Wochen) in verschiedene Kurse hineinzuschnuppern, um einen Eindruck zu gewinnen.
Des Weiteren empfahlen mir Kommilitoninnen, die bereits ein Erasmus in Spanien absolviert hatten, vorab der Facebook Gruppe des örtlichen ESN (Erasmus Student Network) beizutreten. Dieser Tipp erwies sich später als goldwert, denn über die Gruppe wurde ich auch auf das buddy Programm des ESN Vigo aufmerksam. Das Anmeldeformular war schnell ausgefüllt und insbesondere für die erste Zeit war für mich sehr hilfreich, einen Ansprechpartner vor Ort zu haben. Mein buddy sollte mich beispielsweise vom Flughafen abholen und mir auch bei der Wohnungssuche helfen.


Studienfach: Kulturwissenschaft & Spanische Philologie

Aufenthaltsdauer: 09/18-01/19

Gastuniversität: Universidad de Vigo 

Gastland: Spanien

Anreise

Vigo besitzt einen Flughafen, welcher jedoch sehr klein und von Deutschland aus nicht direkt zu erreichen ist. Ich entschied mich schließlich für einen Flug nach Vigo über Madrid. Von Berlin aus nach Vigo zu fliegen, kann unter Umständen leider sehr teuer werden, weshalb auch eine Anreise über Porto problemlos möglich ist.  Von dort fahren täglich zwei  Züge (vormittags und abends) nach Vigo. Zudem verkehren täglich mehrere Busse der Busgesellschaften autna und alsa zwischen Vigo und dem Flughafen in Porto, die meist auch sehr günstig sind (< 10 €). Auf diesem Weg ist man ebenfalls unkompliziert innerhalb von ca. 2 h in Vigo.

Wohnungssuche

Ähnlich wie mit der Kurswahl verhält es sich auch mit der Wohnungssuche. Da auch hier alles sehr spontan läuft, regelt man dies am besten vor Ort. Außerdem stellt man so sicher, dass man nicht in einem überteuerten, gammeligen, fensterlosen Hinterhofzimmer endet. Für die ersten Nächte empfiehlt es sich somit ein Hostel zu buchen. Das Kaps Hostel, in dem ich meine ersten Nächte in Vigo verbringen sollte, entpuppte sich schnell als beliebte Anlaufstelle für Erasmus Studierende in Vigo. So konnte ich hier bereits am ersten Tag Kontakte zu anderen „Wohnungslosen“ knüpfen und gemeinsam schien die Situation gleich weniger aussichtlos. Die Ungewissheit bezüglich der Wohnsituation klärte sich für mich jedoch sehr schnell. Der ESN Vigo ist sehr  aktiv und gut organisiert und bietet sogenannte „roomtours“ an, sodass ich mir bereits am Folgetag Wohnungen ansehen konnte. Die Treffpunkte für Wohnungsbesichtigungen werden z.B. ebenfalls über die ESN Vigo Facebook Gruppe bekannt gegeben. Zusätzlich organisierte mir mein buddy eine Besichtigung in der WG einer Freundin, sodass ich bereits zwei Tage nach Ankunft in mein neues WG Zimmer einziehen konnte.

Die Universität

Der Campus der Universität liegt etwas außerhalb der Stadt in den Bergen und nicht selten wird man dort oben mit Nebel begrüßt. Eine Fahrt dauert je nach Wohnlage und Verkehr 30 – 60 Minuten und insbesondere morgens müht sich der ordentlich volle Bus nur schwerfällig den Berg hinauf. Eine besondere Abneigung gegen steigungsreiche Busfahrten ist in dieser Stadt somit definitiv fehl am Platz. Während der Fahrt wurde ich jedoch nicht selten mit einem wunderschönen Panorama über die Stadt mit Blick auf die Islas oder einem Sonnenaufgang über den Bergen belohnt. Außerdem hat diese tägliche kleine Reise einen wahren Podcast und Hörbuch Experten aus mir gemacht. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang außerdem, dass es in Spanien kein Semesterticket gibt, wie wir es aus Deutschland kennen. Alternativ kann man aber den sogenannten Pass Vigo beim örtlichen Busunternehmen online beantragen, mit dem man  nur noch die Hälfe (ca. 60 cent pro Fahrt) des Regeltarifs zahlt. Dies empfiehlt sich so schnell wie möglich zu tun, da man wie gesagt auf die Busse angewiesen ist und sich das Unternehmen mit der Ausstellung der Karte gern mehrere Wochen Zeit lässt.
Auch das Uni Leben gestaltete sich um einiges anders, als ich es aus Potsdam gewöhnt bin. Alle Kurse finden zwei Mal die Woche für zwei volle Zeitstunden statt, was insbesondere die Erstellung des Stundenplans nicht gerade einfacher machte. Das mir erst sehr umfangreich erschienene Kurs Angebot minimierte sich somit schnell, da zusätzlich auch alle Kurse auf Galicisch für mich keine Option darstellten. Nach einigen eher chaotischen ersten Wochen, in denen ich mich wieder ein bisschen wie ein planloser Ersti fühlte, war mein  Unialltag schließlich straff durchgeplant. Die Fakultät, welche ein bisschen an eine alte amerikanische High-School erinnert, ist jedoch nicht gerade weitläufig, sodass man schnell von einem Kurs zum anderen gelangt. Im Allgemeinen herrscht an der Uni Anwesenheitspflicht, wodurch ich mich schnell in meine Schulzeit zurückversetzt fühlte. Wie sich jedoch mit der Zeit herausstellte, sind  nicht alle Dozenten gleich pingelig, was die Anwesenheit betrifft und auch bezüglich der Prüfungstermine konnte viel spontan abgesprochen werden, sodass die meisten Klausuren für mich bereits vor Weihnachten stattfanden. Trotz des meist knappen Zeitplans blieb dennoch ab und an Zeit sich mit den Kommilitonen in der Cafeteria, welche nicht besonders optisch, aber durch den guten uns sehr günstigen Kaffee überzeugt, zu treffen.

Die Stadt und Umgebung

In Vigo bewahrheitete sich mein Traum, in einer Stadt am Meer zu leben. Mit seinen 300.000 Einwohnern gehört Vigo zu den  größten Städten Nordspaniens und bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten. Touristen verirren sich jedoch nur wenige in die Hafenstadt und wer spätestens mal im durchaus sehenswerten Santiago die Schwärme an aufgeregten, in Funktionsjacken gehüllten Pilgern erlebt hat, ist auch froh in Vigo fernab des Touristenstroms zu leben. Obwohl Vigo über keinen Stadtrand verfügt, ist der Weg (natürlich mit dem Bus) zum nächsten Strand nicht weit. Der größte Strand ist Praia de Samil, wobei auch der nicht viel weiter gelegene Praia Vao einen Besuch wert ist. Am Strand erhält man zudem einen wunderschönen Blick auf die Islas Cíes, eine vorgelagerte Inselgruppe, die definitiv vorm Winter besucht werden müssen. Neben weißen Stränden, die einen eher an Karibik, als an die Atlantikküste erinnern, erhält man zudem mit etwas Glück beim Wetter einen tollen Ausblick über die Islas und den Ría de Vigo.
Bereits bei meiner Ankunft im September wurde ich von den Einheimischen immer wieder daran erinnert, dass es in Galicien im Winter sehr viel regnet. Warum das Galicische jedoch über 70 verschiedene Wörter für Regen kennt, sollte mir erst ab November bewusst werden. Es verging nun kaum ein Tag ohne Regen. So entwickelte sich unsere Straße kurzzeitig zu einem kleinen Fluss und die Treppe mutierte zum Wasserfall. Wer sich den Winter in Vigo jetzt aber grau in grau ausmalt, liegt ebenso falsch. Der Wind, der einerseits die Benutzung eines Regenschirms unmöglich macht, sorgt andererseits dafür, dass ich die Wolken von Zeit zu Zeit verziehen und die Sonne rauskommt.
In der Weihnachtszeit verwandelt sich die Stadt zudem in ein wahres Lichtermeer.  Weihnachten in Vigo läuft ganz getreu dem Motto: mehr ist mehr! Es gibt kaum eine Straße, die nicht mit Weihnachtslichern geschmückt wird und zum feierlichen encendio de luces kommt die halbe Stadt in den Straßen Vigos zusammen. Unter großem Applaus drückt der Bürgermeister schließlich nach Feuerwerk und  Countdown einen Buzzer, der die Stadt zum Leuchten bringt und sofern man dem Bürgermeister glauben schenken darf, müssen die Menschen von diesem Zeitpunkt an in New York Sonnenbrillen tragen.

Freizeitgestaltung

Über einen Mangel an Freizeitangeboten kann man sich in Vigo definitiv nicht beklagen. Die Landschaft um Vigo lädt zu zahlreichen Ausflügen ein und besonders im Sommer verbringt man seine Zeit am besten am Strand. Für Veranstaltungen ist ebenfalls der ESN eine gute Adresse. Besonders in den ersten Wochen werden fast täglich verschiedene Events und Partys, aber auch Ausflüge vom ESN Vigo organisiert. Hier habe ich gleich zu Anfang  auch viele meiner Freunde kennengelernt.
Die Innenstadt von Vigo, insbesondere das Casco viejo ist in den Abendstunden sehr belebt und viele kleine Bars laden zum Verweilen ein, bevor die Nacht in Vigo richtig beginnt. Denn gefeiert wird in Spanien spät und lang. Mit der ESN Card, welche man im ESN Büro bekommt, erhält man zudem freien Eintritt in einigen Clubs, sowie Rabatte in mehreren Bars und Cafés.   

Studienfach: Kulturwissenschaft & Spanische Philologie

Aufenthaltsdauer: 09/18-01/19

Gastuniversität: Universidad de Vigo 

Gastland: Spanien


Rückblick

Rückblickend hätte ich es mit Vigo als Stadt für mein Erasmussemester nicht besser treffen können. Umgeben von einer wunderschönen Landschaft, hat Vigo eine angenehme Größe, man sollte jedoch keine längeren Busfahrten scheuen.  

Ich hatte in Vigo die Chance einen Teil Spaniens kennenzulernen, den ich wohl nie als Urlaubsziel in Erwägung gezogen hätte. Ich kann die Stadt nur allen ans Herz legen, die Lust haben, eine Facette Spaniens fernab des Touristenstromes kennenzulernen.

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