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Mein Erasmus+ Semester in Madrid

Während ich das hier schreibe, bin ich noch in Madrid. Das Semester ist vorbei, aber ich habe mich entschieden, hier in den Semesterferien noch ein Praktikum zu machen. Ich wollte noch nicht gehen. Das zeigt schon, wie wohl ich mich hier fühle. Das letzte halbe Jahr war eine spannende Zeit und ich bin wahnsinnig froh um die Erfahrungen, die ich hier sammeln konnte. Ich habe viel erlebt und gesehen, Spanisch gelernt, das Land und natürlich vor Allem Madrid kennengelernt und habe in kurzer Zeit intensive Freundschaften geschlossen. Wenn ich jetzt zurückblicke finde ich einerseits unglaublich, wie viel in dieser Zeit passiert ist, aber gleichzeitig frage ich mich, wie die Zeit so schnell verfliegen konnte. Falls du noch zögern solltest: Mach es! Für mich war es eine der bisher schönsten und spannendsten Erfahrungen meines Lebens.


Studienfach: Europäische Medienwissenschaft

Aufenthaltsdauer: 09/18-01/19

Gastuniversität: Universidad Complutense de Madrid

Gastland: Spanien

Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

  • Die Sprache

Ich habe mich etwa ein Jahr vor Beginn des Erasmusaufenthalts dazu entschieden, im fünften Semester ins Ausland zu gehen. Damals hatte ich erst einen einzigen Spanischkurs begleitend an der Uni besucht und mit A2 abgeschlossen. Ich konnte in meinem dritten Fachsemester aus zeitlichen Gründen keinen weiteren Spanischkurs belegen, doch ich wusste, dass es unbedingt nach Spanien gehen sollte, und so entschied ich mich dafür, im vierten Semester direkt vor Beginn des Auslandsaufenthaltes einen zweiten Sprachkurs (B1) zu belegen und mich so auf das Studium im Ausland vorzubereiten. Sprachkurse an der Uni in Deutschland zu belegen kann ich sowieso allen empfehlen, die das mit ihrem Stundenplan vereinbaren können. Ihr werdet wahrscheinlich nicht wieder die Möglichkeit haben, kostenlos eine neue Sprache zu lernen.

Die Universidad Complutense de Madrid (UCM) fordert Sprachkenntnisse auf einem Mindestniveau von B1. Das habe ich direkt vor Beginn des Semesters erreicht. Das Zertifikat musste ich nach der Bewerbung an der Uni im Ausland nachreichen. Ich hatte mir vorher Sorgen gemacht, dass es schwierig werden könnte, dem Unterricht sprachlich zu folgen. Denn meine Kurse fanden alle auf Spanisch statt. In den ersten Wochen war es wirklich ziemlich anstrengend, aber es ist definitiv machbar. Ich würde sogar behaupten, es ist das Beste, was man tun kann, um innerhalb kurzer Zeit Spanisch zu lernen. Was mir außerdem geholfen hat ist, dass die Kurse inhaltlich nicht viel voraussetzten. Und das, obwohl ich auch Kurse aus höheren Semestern belegt habe. Der Unterricht ist mit vielen Hausaufgaben zwar relativ arbeits- und zeitintensiv, war inhaltlich – zumindest in meinem Fall – aber nicht besonders anspruchsvoll.

Direkt vor Beginn des Semesters bietet die UCM dreiwöchige Intensiv-Sprachkurse an, für die sich Erasmus-Studenten kostenlos registrieren können. Ich bin froh, an einem solchen Kurs teilgenommen zu haben. Nicht nur wegen der Sprache. Ich hatte so außerdem mehr Zeit, anzukommen und bekam vor Ort ein Gefühl für die Sprache, unsere jungen Dozierenden, ein spanisches Pärchen, das gerade selbst die Uni beendet hatte, gab uns viele wertvolle Tipps für Madrid und vor Allem lernte ich dort eine Erasmus-Studentin aus Frankreich kennen, die in den folgenden Monaten eine meiner besten Freundinnen hier in Madrid wurde und über die ich wiederum neue Freunde von anderen Fakultäten kennenlernte.

  • Organisatorisches für die Uni

Ich würde gerne behaupten können, dass alles problemlos geklappt hat, aber die Zusammenarbeit mit dem Erasmus-Büro der UCM erwies sich als ziemlich kompliziert. Ich war bis kurz vor Antritt des Auslandssemesters nicht sicher, ob meine Bewerbung überhaupt eingegangen war, denn das Erasmus-Büro der UCM antwortete mir monatelang nicht auf meine E-Mails. Auch vor Ort hatte ich das Gefühl, als Erasmus-Studentin unerwünscht zu sein. Und das gerade in einem Büro, das ausschließlich für Erasmus-Studenten zuständig ist. Das fand ich schon absurd. Mit dem Eindruck war ich nicht allein; alle anderen Erasmus-Studenten, mit denen ich sprach, fühlten sich dort komisch behandelt. Ich habe bis heute nicht verstanden, wo eigentlich das Problem lag. Gottseidank war das Erasmus-Büro der UCM der einzige Ort, an dem mir dieses Gefühl vermittelt wurde. Die Dozierenden, meine Kommilitonen und die Madrilenen generell waren alle sehr offen und herzlich.

Doch von vorn: Zwischen meinem Studiengang und dem Studiengang der Audiovisuellen Kommunikation an der UCM besteht eine Partnerschaft. So konnte ich mich ganz einfach über den Erasmus-Koordinatoren meines Studiengangs an der Uni Potsdam für das Auslandssemester bewerben. Ich bekam die Zusage im Februar. Nach der problemlosen Bewerbung in Deutschland musste mich mein Koordinator an der UCM vorschlagen. Erst im Anschluss konnte ich mich dort bewerben. Den Link für die Online-Bewerbung bekam ich im März per Mail zugeschickt. Die direkte Bewerbung an der UCM verlief dann leider unnötig kompliziert.

Die Bewerbung für ein Erasmus-Semester läuft an der UCM über ein Online-Portal ab. Dokumente wie beispielsweise das Learning-Agreement before Mobility und der Sprachnachweis werden online hochgeladen. Ich ließ mir von meiner Spanischdozentin bestätigen, dass ich an einem B1-Spanischkurs teilnahm und gab an, das Zertifikat schnellstmöglich nachzureichen. Das Learning-Agreement before Mobility füllte ich aus und ließ es von meinem Erasmus-Koordinatoren bestätigen. Ich lud alles fristgemäß auf der Bewerbungsplattform hoch. Lange bekam ich keine Bestätigung und war etwas besorgt. Das Erasmus-Outgoing –Büro meiner Heimatuni beruhigte mich, dass insbesondere in Spanien die Zusagen oft später versendet würden, also ging ich davon aus, dass alles funktioniert hatte.

Im Mai bekam ich schließlich eine E-Mail mit der Zusage der UCM. Ich wurde aber aufgefordert, das Learning-Agreement before Mobility und den Sprachnachweis einzusenden, da diese noch fehlen würden. Das Learning Agreement hatte ich ja eigentlich schon hochgeladen, ich schickte es aber per Mail noch einmal und bat um eine Bestätigung. Doch die kam nicht, auch nicht auf Nachfragen. Das Sprachzertifikat reichte ich per Mail so früh wie möglich direkt nach der Prüfung nach, doch auch darauf kam  keine Reaktion. Ich schickte mehrere Mails mit der Bitte um Rückmeldung, die alle unbeantwortet blieben. Auch am Telefon erreichte ich niemanden.

Ich war zwar besorgt, plante aber trotzdem den Auslandsaufenthalt und buchte meinen Flug. Ende August kam ich in Madrid an und ging Anfang September, direkt am ersten Öffnungstag des Erasmus-Büros, persönlich in die Uni. Ich fragte, ob und wie ich mich immatrikulieren könnte und wurde unhöflich zurechtgewiesen, das ginge jetzt noch nicht. Ich fragte, ob meine Dokumente angekommen seien, worauf mir mitgeteilt wurde, in dem Ordner seien sie unter meinem Namen zumindest nicht abgeheftet. Ich hatte sie auch im Original dabei und bot an, sie zu kopieren, doch ich wurde zurückgewiesen und gebeten, die Dokumente per Mail noch einmal einsenden – was ich direkt danach zum ich weiß nicht wievielten Mal tat. Und ob ich mir so sicher sei, dass ich ein Erasmus-Semester machen wollte, wo ich doch sprachlich noch so unsicher sei? Wenigstens bekam ich innerhalb dieser Woche eine Bestätigung des Eingangs des Learning Agreement before Mobility. Trotzdem verließ ich das Erasmus-Büro mit einem mulmigen Gefühl.

Das klingt jetzt alles ziemlich negativ, aber ich würde euch Erasmus in Madrid trotzdem absolut empfehlen und würde es definitiv wieder tun. Denn was ich sonst erlebt habe, hat diesen Stress allemal wettgemacht. Das Erasmus-Office gibt einem vielleicht nicht das Gefühl, willkommen zu sein, aber die anderen Studierenden und die Stadt Madrid tun es! Unzuverlässigkeit und stoische Bürokratie (dazu später mehr) wurden bei mir durch die spanische Offenheit und Lebensfreude und unzählige einmalige Erfahrungen wieder wettgemacht.

  • Die Wohnungssuche

In meinen Vorbereitungen auf das Erasmus-Semester half mir eine Freundin aus dem Studium, die selbst zwei Jahre zuvor ein Auslandssemester an der gleichen Fakultät abgeschlossen hatte. Einer der wertvollsten Tipps, die sie mir gab, betraf den Wohnort: Sie empfahl mir, mich in den Stadtteilen Lavapiés oder La Latina nach einem Zimmer umzusehen. Außerdem gab sie mir den Tipp, schon etwas früher anzukommen und dann vor Ort nach einem Zimmer zu suchen. Der Tipp war Gold wert, denn in Spanien geht das alles sehr viel spontaner und schneller als in Deutschland. Anders als in Deutschland bewirbt man sich hier bei der WG-Suche meistens nicht bei den Mitbewohnern, sondern bei den Vermietern. Dafür reicht oft schon ein kurzer Text. Ich hatte das Gefühl, je mehr ich schreibe, desto unwahrscheinlicher ist es, dass ich eine Antwort bekomme. Ein bisschen erzählte ich aber schon von mir.

Auf der Seite Idealista, dem spanischen Pendant zu WG-gesucht, kontaktierte ich kurz bevor ich mich auf den Weg nach Spanien machte Anzeigen in Lavapiés und La Latina. Meist bekam ich dann direkt eine Einladung für eine Besichtigung am selben Tag oder zumindest in derselben Woche oder wurde gebeten, anzurufen. Wer früher sucht, wird wahrscheinlich nichts finden, oder nur auf Touri-Abzocken hängen bleiben. Ich würde empfehlen, bloß nichts zu unterschreiben oder zu überweisen, bevor ihr die Wohnung besichtigt habt! Von anderen Erasmus-Studenten habe ich Horrorgeschichten von ziemlich schrecklichen, überteuerten WGs gehört, oft vermietet von strengen Rentnern, die selbst auch in der Wohnung leben, und von Knebelverträgen aus denen man dann nicht herauskommt. Viele Vermieter sehen in WGs eher Hotelzimmer, die sie vermieten und in denen sie Besuche entweder generell verbieten, oder für die sie dann pro Nacht zusätzlich Geld verlangen. Ich war deswegen sehr froh, dass ich bei der Wohnungssuche so großes Glück hatte.

Ein paar Tage vor meinem Flug nach Madrid antwortete mir ein Vermieter einer WG in Lavapies und bat mir ein Skype-Gespräch an. So bekam ich schon mal einen ersten Eindruck und direkt an meinem zweiten Tag in Madrid kam ich persönlich vorbei, um mir die Wohnung anzusehen. Vorher wollte ich nichts unterschreiben, ich bekundete aber schon mein Interesse. Der Vermieter stellte sich als hilfsbereit und freundlich heraus, die Lage war perfekt und die Wohnung sehr schön, mit großem Wohnzimmer und Balkon. Das Zimmer war sehr klein, hatte keinen Schreibtisch und nur ein Fenster zum Flur. Dafür war es aber verhältnismäßig günstig. Man muss dazu sagen, dass die Mieten in Madrid, insbesondere im Zentrum, ziemlich teuer sind. Ich entschied mich trotzdem für das Zimmer, denn ich wollte dort ja sowieso nur schlafen. Als Aufenthaltsort konnte ich auch das Wohnzimmer nutzen und meine Hausaufgaben konnte ich in Bibliotheken erledigen. Das war zwar nicht optimal, aber für die Lage, den Preis und den Balkon und den kurzen Zeitraum fand ich es aber in Ordnung.

Ich hatte schließlich auch großes Glück mit meinen Mitbewohnerinnen. Die lernte ich erst nach dem Einzug kennen, denn wir kamen alle etwa gleichzeitig in der Wohnung an. Mir war sehr wichtig, zuhause Spanisch zu sprechen und nicht Englisch oder Deutsch. Eigentlich hatte ich gehofft, eine WG mit spanischen Mitbewohnern zu finden, aber das erwies sich als ziemlich unmöglich. Die meisten spanischen Kommilitonen, die ich in der Uni kennenlernte, lebten noch bei ihren Eltern. Mit meinen Mitbewohnerinnen aus Frankreich und Italien konnte ich mich aber auf Spanisch unterhalten und dass wir alle neu in Madrid waren und die Stadt und Umgebung deshalb zusammen erkunden konnten, war auch nicht schlecht. Nach dem Auslandssemester habe ich nicht nur neue Freunde in Spanien, sondern in der ganzen Welt.

  • Organisatorisches für den Alltag

Online-Banking ist im Auslandssemester sehr praktisch. Mit der normalen Maestro-Karte und einer Prepaid-Kreditkarte kam ich ansonsten gut zurecht. In Madrid kann man fast überall mit der Karte bezahlen – oft auch kleinere Beträge, beispielsweise in Bars. Um Geld abzuheben, musste ich mit meiner Sparkassen-Karte immer einen kleinen Aufschlag bezahlen. Am günstigsten war der bei der Santander-Bank mit einer Geführ von etwa 2€ pro Abhebevorgang.

Es macht Sinn, sich vor Beginn des Auslandssemesters rechtzeitig wegen der Krankenversicherung zu informieren. Ich konnte mich beispielsweise über die Familienversicherung auch im Ausland mitversichern lassen. Hilfreiche Informationen zur Versicherung bekommt ihr in der Vorbereitung auch vom Erasmus-Outgoing -Büro eurer Heimatuni.

Alltag in Madrid

  • Lavapiés

Ich liebe Lavapiés. Der Stadtteil ist bunt und lebendig. Er liegt zentral, ist aber trotzdem ziemlich alternativ und nicht so kommerziell wie beispielsweise das Partyviertel Malasaña. Das ehemalige Arbeiterviertel Lavapiés ist mit seinen kleinen Häusern, aufgereiht an verwinkelten, schmalen und steilen Straßen, einer der traditionellsten Barrios. Lavapiés liegt im Südosten des Zentrums in Embajadores. Der Stadtteil ist multikulti, es gibt Restaurants mit Speisen aus aller Welt. Außerdem ein bunt gefächertes kulturelles Angebot, kleine Kunsthandwerker und Galerien, aber auch große Kulturzentren wie die Tabacalera (in einer ehemaligen Tabak-Fabrik) und die Casa Encendida, die jeweils regelmäßig wechselnde Ausstellungen zeigen, die für alle kostenlos zugänglich sind. Dort werden außerdem oft Konzerte, Flohmärkte und Poetry Slams organisiert. Abends ist auf den Straßen viel los, überall treffen sich Menschen für eine caña oder ein Glas Wein und die obligatorischen Tapas, und auf den Straßen wird Musik gespielt. Die Gentrifizierung ist leider auch hier stark zu spüren, denn Lavapiés zieht Menschen aus der ganzen Welt an. Für mich ist der Stadtteil das Kreuzberg Madrids. Ich kann es euch nur ans Herz legen, nach Lavapiés zu ziehen oder dem Stadtteil zumindest einen Besuch abzustatten!

  •  Öffentliche Verkehrsmittel

So zentral in Madrid zu leben hat außerdem den Vorteil, dass fast alles zu Fuß erreichbar ist. Und wenn es doch mal etwas weiter sein sollte, sind die öffentlichen Verkehrsmittel sehr gut ausgebaut. Bis 25 gibt es eine monatliche Metrokarte für den Großraum Madrid. Die Karte kann man entweder online beantragen, oder man vereinbart einen Termin und lässt sie sich direkt ausstellen. Diese Karte kann bis zum 26sten Geburtstag monatlich mit 20€ aufgeladen werden und ist wahnsinnig praktisch. Man kommt damit auch ins Umland und kann so kostenlos wunderschöne Wanderrouten anfahren, kommt in benachbarte Städte wie zum Beispiel Toledo und zum Beispiel nach Mejorada del Campo, wo ein alter Mönch seit über fünfzig Jahren eigenhändig eine Kathedrale baut.

Da die Universidad Complutense in Madrid relativ weit außerhalb liegt (mein Campus war in der Ciudad Universitaria im Westen der Stadt), bin ich dorthin immer mit der Metro gefahren. Ich habe von Tür zu Tür etwas über eine halbe Stunde gebraucht. Das war es mir auf jeden Fall wert. Es gibt auch viele Studierende, die in Moncloa, Argüelles oder Chamberí in der Nähe der Uni leben und dort ist deswegen auch relativ viel los, aber andere Ecken der Stadt sind meiner Meinung nach viel schöner. Zu den Stoßzeiten ist die Metro immer sehr voll, obwohl sie regelmäßig fährt. Für mein Praktikum, das ich im Anschluss an das Semester in den Semesterferien in Madrid gemacht habe, bin ich deswegen immer zu Fuß zur Arbeit gegangen. Zur Uni wäre das zu weit gewesen. Zur Arbeit brauchte ich immer etwa eine Dreiviertelstunde – das war mir lieber, als mich für 20 Minuten in die volle Bahn zu quetschen. Das liegt aber auch daran, dass Madrid eine sehr schöne Stadt zum Spazierengehen ist.

  • Lebensmittel

Die Miete ist in Madrid wie gesagt relativ teuer. Die Lebensmittelpreise sind dafür ziemlich günstig, ähnlich wie in Deutschland. Aber das Gemüse schmeckt viel besser! Überhaupt gibt es tolles Essen. Meistens gibt es mindestens eine vegetarische Option. Ich liebe beispielsweise Tortilla, Patatas Bravas (die kommen sogar ursprünglich aus Madrid) und Pimientos. Zum Frühstück kann ich die typische Barrita con Tomate empfehlen, und ab und zu auch mal Churros con Chocolate. Viele Spanier gehen gerne und regelmäßig aus, auch während der Woche.

Es gibt zahlreiche Markthallen, mit Gemüse-, Käse- und Fischtheken und einer riesigen Auswahl an Oliven und anderen Nahrungsmitteln. Ich empfehle den Mercado de San Fernando in Lavapiés! Dort ist tagsüber am Wochenende übrigens ziemlich viel los – ein super Ort, um Sonntags nach einem Ausflug auf den Rastro-Flohmarkt in La Latina Tapas essen zu gehen.

  • Freizeit in Madrid

In Madrid ist immer etwas los und für alle etwas dabei. Die Stadt scheint zumindest in Lavapiés nie zu schlafen und still ist es eigentlich nie, aber anders als in anderen großen Städten wie Berlin finde ich persönlich Madrid nicht anstrengend. Natürlich gibt es auch stressige volle Plätze wie etwa die Puerta del Sol, aber es gibt eben auch Barrios, in denen zwar viel passiert, die aber trotzdem gemütlich sind: Die Menschen nehmen sich Zeit, um gemeinsam auszugehen, sich lautstark zu unterhalten, Musik zu machen, zu tanzen, zusammen zu essen, zu trinken und zu lachen.

Ich war auch vorher schon ein unternehmungslustiger Mensch, aber hier in Madrid war ich wirklich ständig unterwegs. Ich wollte diese Stadt nicht verpassen. Oft haben wir zusammen Ausflüge gemacht, in Madrid oder auch außerhalb, nach Valencia und Segovia zum Beispiel. Wie ich schon angesprochen habe, ist Madrid eine Traumstadt für alle Kulturinteressierten. Von Jam Sessions über kleine Konzerte in der Eckkneipe (Da empfehle ich das Bodegas Lo Maximo am Mittwochabend!) über unzählige Theater bis hin zu den großen Museen wie dem Prado, dem Museo Reina Sofía und dem Thyssen Museum ist wirklich für alle etwas dabei. Hier treffen viele offene, kreative Menschen aufeinander, hinterlassen ihre Spuren und fordern zum Mitmachen auf. In Madrid wird es im Winter zwar vor allem nachts relativ kühl, aber ich hatte trotzdem das Gefühl, keinen Winter zu erleben. Das liegt auch daran, dass die Sonne so viel scheint. Das viele Licht macht gute Laune; das merkt man eigentlich überall. Es gibt auch viele schöne Orte, an denen ihr die Sonne genießen könnt! Ich war gerne im Retiro und im Park Casa de Campo und zum Sonnenuntergang am Templo de Debod. Falls ihr Lust habt, Sport zu machen, kann ich euch Yoga Conmigo und El Horno empfehlen. Oder ihr geht am Rio oder im Retiro joggen oder engagiert euch in einem der vielen Uni-Sportteams.

Viele Erasmus-Studenten nehmen die Angebote von ESN (Erasmus-Student-Network) wahr. Das habe ich nicht getan und kann deswegen nichts dazu sagen. Ich habe es auch nicht vermisst. Für mich ist dieses organisierte Spaßhaben eher nichts und ich wollte meine Freizeit auch nicht nur mit anderen Erasmus-Studenten verbringen, sondern auch Madrilenen oder zumindest Menschen kennenlernen, die schon eine Weile da sind. Außerdem hatte ich so schon so viele spannende Orte und Menschen kennengelernt. Das ist in Madrid bestimmt einfacher als in anderen Städten, aber letztendlich habe ich mich trotzdem hauptsächlich mit anderen Erasmus-Studenten angefreundet. Meine Freunde habe ich vor allem über meine WG, die Uni und bei Veranstaltungen in Lavapiés kennengelernt. Es ist schön, Leute um sich zu haben, mit denen man die Stadt und Umgebung gemeinsam entdecken kann. Im Nachhinein finde ich es so wie es sich ergeben hat richtig schön. Und theoretisch könnte ich jetzt eine Weltreise machen und meine Freunde aus Madrid besuchen, wenn sie auch wieder zuhause sind: In Frankreich, Italien, Kolumbien und Argentinien zum Beispiel.

Studium an der UCM

  • Kurswahl

Im Nachhinein finde ich unglaublich, wie schnell die Studienzeit an der UCM vorbeigegangen ist. Nach dem holprigen Start im Erasmus-Büro fand ich mich ziemlich schnell ein. Praktisch ist, dass ihr am Anfang drei Wochen lang unterschiedliche Veranstaltungen besuchen könnt, bevor ihr euch immatrikulieren und auf bestimmte Kurse festlegen müsst. Ich hatte allerdings die spanische Bürokratie unterschätzt. Da ich in den ersten Wochen möglichst viele verschiedene Kurse ausprobieren wollte, entschied ich mich nämlich dazu, mir die Bestätigung der Fakultät erst am Ende dieser drei Wochen zu holen und das führte zu einigem Durcheinander. Deswegen mein Tipp: Wenn ihr an einer anderen Fakultät Kurse belegen wollt, klärt das unbedingt frühzeitig ab!

Ich hatte mir nämlich vorgenommen, nicht nur Kurse an meiner Fakultät (Ciencias de la Información) zu belegen, sondern auch an der Kunstfakultät (Bellas Artes). Dort besuchte ich ab der ersten Woche einen Zeichenkurs und die Dozentin sagte mir zu, dass ich teilnehmen könnte, woraufhin ich die Arbeitsmaterialien kaufte und die Stunden in meinem Stundenplan freihielt. Ich hatte sogar schon einen Stempel des Sekretariats der Fakultät der bildenden Künste und die Professorin hatte mir ebenfalls unterschrieben und zugesagt, dass ich teilnehmen könnte. Aber als ich kurz vor der Immatrikulation ein weiteres Dokument beim Erasmus-Office der Kunst-Fakultät unterschreiben lassen wollte, stellte dieses sich quer. Es hieß, die Kurse seien schon zu voll und deshalb müssten Studierende der Kunst-Fakultät Vorrang haben. Das Ja meiner Dozentin reichte nicht aus. Zu dem Zeitpunkt war es zu spät, einen anderen Kurs zu belegen. Das war ziemlich ärgerlich – Nicht nur, weil es absolut unnötig war (die Dozentin hätte mich ja in dem Kurs behalten) und ich diesen Kurs oder zumindest einen anderen Kurs an der Kunstfakultät gerne belegt hätte, sondern auch, weil es zu dem Zeitpunkt zu spät war, andere Veranstaltungen zu belegen, die ich vorher wegen der zeitlichen Überschneidung ausgeschlossen hatte. So kam ich letztendlich auf eine Veranstaltung weniger und konnte keine 30 Leistungspunkte erreichen. Weil ich in Deutschland ein Urlaubssemester genommen hatte, war das nicht so schlimm und letztendlich hatte ich so mehr Zeit für die anderen Kurse und für Madrid, aber ärgerlich war es trotzdem.

Ich hätte gerne mehr praktisch ausgelegte Veranstaltungen belegt, aber meine Fakultät schickte kurz vor Beginn des Semesters eine Liste mit Veranstaltungen herum, die Erasmus-Studenten nicht belegen durften. Viele dieser Kurse hätten mich interessiert. Besonders verwirrend war, dass diese Liste noch während des Semesters immer länger wurde. Mich persönlich hat das nicht betroffen, aber ich habe mit anderen Erasmus- Studenten gesprochen, die deswegen auch Schwierigkeiten mit ihrem Stundenplan bekamen.

Begleitend zum Studium hätte ich gerne auch während des Semesters einen Sprachkurs belegt, aber das wäre sehr teuer gewesen. Eine gute Alternative ist das Erasmus OLS – Angebot. Dort könnt ihr online während des Auslandssemesters kostenlos in eurem eigenen Tempo die Fremdsprache des Landes üben, in dem ihr seid.

  • Die Kurse

Die Kurse fanden jeweils zweimal wöchentlich statt. Pro Veranstaltung gab es 6 Leistungspunkte, also sehr viel mehr als für die Kurse in Deutschland (dort bekomme ich pro Veranstaltung normalerweise 2 Leistungspunkte). Ich belegte zeitgenössische spanische Kunstgeschichte, Kommunikationspsychologie, Soziologie und Audiovisuelle Narration. Insbesondere spanische Kunstgeschichte war interessant, weil ich das Land und die spanische Perspektive so viel besser kennenlernen konnte. Die Veranstaltungen waren relativ zeitintensiv, setzten aber kaum etwas voraus. Ich hatte den Eindruck, dass das Studium in Spanien verschulter ist als in Deutschland. Was mich überraschte, war, dass wir so gut wie keine wissenschaftliche Lektüre lesen sollten. Stattdessen bereiteten die Dozierenden die Inhalte auf und stellten sie in Vorlesungen vor. Austausch untereinander fand in den Kursen leider kaum statt; stattdessen gab es Frontalunterricht. Nur teilweise wurden Referate gehalten. Dafür gab es Hausaufgaben, die eingereicht werden mussten und mehrere Prüfungen, die während des Semesters geschrieben wurden. An der UCM heißen alle Veranstaltungen „asignatura“ – es gibt keine Differenzierung zwischen Vorlesung und Seminar, aber alle Kurse, die ich belegt habe und von denen ich von Freunden gehört habe, waren Vorlesungen. Ich fand meine Kurse inhaltlich interessant, wäre aber gerne mehr in die Tiefe gegangen. Letztendlich wurde meistens nur die Wiedergabe von Wissen verlangt. Wir hatten relativ wenige Möglichkeiten, das Wissen praktisch anzuwenden. Die größte Herausforderung war für mich die Sprache – was das betrifft, habe ich während des Semesters am meisten gelernt. Zu Beginn des Semesters hatte ich B1, nach Abschluss des Semesters laut dem OLS- Sprachtest C1. Um die Sprache zu lernen war es ganz praktisch, dass der Stoff so gut verständlich war.

  • Studienklima

Das Studienklima habe ich die meiste Zeit als sehr angenehm empfunden. Meine Kommilitonen waren mir gegenüber sehr aufgeschlossen, neugierig und hilfsbereit. Die meisten spanischen Studierenden sind noch ziemlich jung. Hier in Spanien ist es üblich, nach dem Schulabschluss direkt zu studieren. Da das Studium in Spanien ziemlich teuer ist, studieren die meisten in der Regelstudienzeit. So haben viele mit zwanzig schon ihren Bachelor. Die etwas älteren Kommilitonen waren meist selbst Erasmus-Studenten. Diesen finanziellen und zeitlichen Druck habe ich während des Studiums trotzdem kaum wahrgenommen. Das Arbeitsklima war eher entspannt und teilweise etwas chaotisch.

  • Ausstattung der Uni

In den Veranstaltungen, die ich belegt habe, arbeiteten alle mit ihren Laptops. Ich druckte mir meine Mitschriften in der Uni aus, um damit arbeiten zu können. Das klappte immer problemlos direkt im Gebäude. Gerade in den Pausen gibt es im Drucker-Raum oft eine lange Schlange, aber dafür ist es günstig. Dadurch, dass die UCM einen so riesigen Campus hat, gibt es in der näheren Umgebung keine Geschäfte, außer in der Uni selbst. Ich habe mir gerne mal einen Kaffee in der Mensa geholt, aber habe mir mein Essen selbst mitgebracht. Praktisch ist, dass es in der Mensa mehrere Mikrowellen zum Aufwärmen gibt.

Die UCM hat mehrere Bibliotheken. Die größte mit den längsten Öffnungszeiten ist die Biblioteca María Zambrano im Gebäude de Philologie. Ich war aber meistens in der Bibliothek meiner eigenen Fakultät. Dort ist es oft relativ unruhig, aber schön hell und gerade in der Prüfungszeit kann man dort, wenn man noch einen Platz findet, gut lernen. Sie ist außerdem gut ausgestattet, auch was Filme betrifft. Um ungestört zu arbeiten, war ich meistens trotzdem nicht in der Uni, sondern in der Nähe meiner WG in der Casa Encendida. Dort gibt es oben im ersten Stock gute Arbeitsplätze. Ansonsten sind zum konzentrierten Arbeiten auch der Matadero (ein großes Kulturzentrum am Rio; und das Muesum Reina Sofía zu empfehlen. Eine Bibliothek, die mir empfohlen wurde, die aber während meines Aufenthalts gerade renoviert wurde, möchte ich auch noch erwähnen – vielleicht ist das für jemanden interessant, der in der Zukunft in Madrid studiert: Die Bibliothek der U.N.E.D. Madrid Escuelas Pías in Lavapiés liegt in einem ehemaligen, halb zerstörten Kloster und sieht zumindest von außen ziemlich beeindruckend aus.

Wegen des guten Wetters saßen wir aber auch oft einfach draußen in der Sonne bei der Uni oder im Park und haben dort an unseren Hausaufgaben gearbeitet oder gelernt.

Studienfach: Europäische Medienwissenschaft

Aufenthaltsdauer: 09/18-01/19

Gastuniversität: Universidad Complutense de Madrid

Gastland: Spanien


Rückblick

Ich bin so froh, die Entscheidung getroffen zu haben, als Erasmus-Studentin nach Madrid zu gehen! Es war außerdem gut, nach dem Ende des Semesters zumindest noch in den Semesterferien für das Praktikum in Madrid zu bleiben. Das Semester ist einfach viel zu schnell vorbeigegangen und ich hätte im Januar nicht schon wieder gehen wollen. So konnte ich etwas länger in meinem Umfeld in Madrid bleiben, Spanisch sprechen und habe ich die Stadt durch die Arbeit außerdem noch einmal von einer ganz anderen Seite kennengelernt. Es macht bestimmt auch Sinn, zwei Semester zu machen, wenn sich das mit dem Studienplan irgendwie vereinbaren lässt. Dadurch, dass das Sommersemester in Madrid schon im Februar beginnt, endet es übrigens auch schon im Mai. Ich bin wirklich wahnsinnig froh darüber, dass ich diese Zeit erleben konnte. Die Chance nicht zu nutzen, wäre einfach nur schade. Ich habe hier in kurzer Zeit so viel erlebt, gelernt und gesehen, so viele Erfahrungen gemacht und so tolle Menschen kennengelernt… Was soll ich noch sagen – Erasmus ist super!

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