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Mein Auslandssemester in Granada

“Never in my life have I lived in a place more delightful and never will I find one the same” sagte Washington Irving über seine Zeit in Granada. Nach sechs Erasmus-Monaten in dieser andalusischen Stadt kann ich diese Meinung nur teilen. Granada ist wundervoll und ich bin sehr dankbar, dass ich dort für ein Semester wohnen und studieren durfte.
Seit Beginn meines Studiums wollte ich einen Auslandsaufenthalt während der Studienzeit absolvieren, zu dessen tatsächlicher Durchführung ich mich aber noch ein wenig gedulden musste. Mein fünftes Mastersemester (Wintersemester 2018/2019) im Studiengang Psychologie durfte ich dann endlich in Granada (meinem Erstwunsch) verbringen.
Meine Wahl fiel auf Granada, da ich unbedingt in dieser kleinen und kulturell so vielseitigen Stadt leben und außerdem meine Spanisch-Kenntnisse verbessern wollte. Außerdem ist die Universidad de Granada (UGR) vergleichsweise groß, an Erasmus-Studierende gewöhnt und hinsichtlich Psychologie (insbesondere in Bezug auf erweiterte und anwendungsbezogene Sozialpsychologie) breiter aufgestellt als die meisten anderen spanischen Universitäten. Leider bestand aber für den Masterstudiengang Psychologie keine Kooperation mit dieser Universität, weshalb ich mich entschied, dort im Bachelor zu studieren, obwohl ich mich in Deutschland bereits im Master befinde. Hierfür hielt ich Rücksprache mit allen Verantwortlichen, die mir diese Möglichkeit gestatteten – unter Berücksichtigung des Nachteils, dass ich mir wohl (abgesehen von einem Kurs nach Rücksprache mit den Beauftragten für den Fachbereich) eher keine Studienleistungen für mein eigentliches Masterstudium anrechnen lassen könne. Dies stellte für mich aber kein Problem dar und ich war mir sicher, auch so mein Wissen erweitern zu können. So bietet z.B. die UGR Kurse aus dem Bachelor-Repertoire an, die es so weder im Bachelor noch im Master in Potsdam gibt. Insbesondere das große logopädische und sozialpsychologische Angebot interessierte mich.


Studienfach: Psychologie

Aufenthaltsdauer: 09/2018-02/2019

Gastuniversität: Universidad de Granada

Gastland: Spanien

Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Alle erforderlichen Informationen holte ich mir über Kommiliton*innen, Informationsveranstaltungen und die offiziellen Erasmus+ Website der Universität Potsdam. Insbesondere der Schritt-für-Schritt-Leitfaden sowie die nach einer Informationsveranstaltung bereitgestellte Präsentation für Wissenswertes zum Erasmusaufenthalt war eine große Hilfe. Bei Fragen, die sich so nicht klären ließen, war das Team des Potsdamer International Office sehr hilfsbereit.
Nach der Nominierung durch die Heimatuniversität (Februar) folgte etwa zwei Monate später eine persönliche Online-Bewerbung an der UGR (April-Mai). Diese wurde etwas im Vorfeld via E-Mail vom zuständigen Erasmus-Koordinationsteam der UGR angekündigt und man sollte aufpassen, hier keine Fristen zu versäumen. Bei der Online-Bewerbung musste man persönliche Daten angeben, eine Ausweiskopie hochladen und außerdem die Kurse auswählen, die man dann während des Erasmussemesters absolvieren möchte. Entgegen anderer Erfahrungsberichte war es dann in meinem Semester (im Studiengang Psychologie) häufig nahezu unmöglich, die Kurse zu wechseln. Kurse abzuwählen geht zwar immer, aber in neue Kurse reinzukommen wurde meist aufgrund zu hoher Teilnehmer*innen-Anzahl nicht gestattet. Ich würde hier also dazu raten, sich die Kurse ordentlich durchzulesen und die Wahl so zu gestalten, dass sie ggf. dann auch wirklich so bleiben kann.
Per E-Mail (im Juni) folgten dann eine Annahme-Bestätigung sowie detaillierte Informationen zu Einführungsveranstaltungen und eine Auflistung aller mitzubringenden Unterlagen. Den Großteil dieser Informationen findet man auch auf den entsprechenden Internetseiten der UGR sowie einem Handbuch im pdf-Format (sowohl in spanischer als auch in englischer Fassung). Angekommen in Granada fanden dann die gut strukturierten und informativen Einführungsveranstaltungen statt und man sollte sich möglichst zeitnah im International Office der UGR immatrikulieren. Insgesamt verlief der Bewerbungsprozess sehr unkompliziert. Die Kommunikation mit dem Team im International Office an der UGR (Humanwissenschaftliche Fakultät) lief immer problemlos und abgesehen von Verzögerungen in den ersten drei Semesterwochen (da dann alle Studierenden zeitgleich ihre Kurse anmelden) recht zügig.

Studium an der Gastuniversität

Es empfiehlt sich im Wintersemester in Granada zu studieren, da man so dem deutschen Winter entgehen kann und das Sommersemesters außerdem in Spanien beginnt, wenn in Deutschland noch das Wintersemester läuft (Februar). Das spanische Wintersemester startet Anfang September und überschneidet sich nicht mit dem Vorlesungszeitraum in Deutschland. Ich musste leider in den ersten zwei Erasmus-Monaten noch meine Abschlussarbeit fertig schreiben, was sehr nervig war. Parallele Hausarbeiten etc. sollte man lieber vermeiden.
Bei der Kurswahl hatte ich große Freiheiten, da ich mir als Masterstudentin eigentlich sowieso nichts aus dem Bachelor-Repertoire anrechnen lassen konnte. So konnte ich frei nach Interesse Kurse aus dem Bereich der Psychologie und Logopädie wählen. Eigentlich hätte ich auch gerne Kurse aus der Kriminologie besucht, aber die Wahl von Kursen aus anderen Fakultäten gestaltet sich in Granada häufig schwierig. Probieren kann man es aber immer. Dabei sollte man nur auch beachten, dass die Fakultäten (z.B. Psychologie und Medizin) teilweise sehr weit auseinander liegen obwohl Granada so klein ist.
Die meisten meiner Kurse setzten sich aus je zwei theoretischen Stunden (clase teoría) und einer praktischen Stunden (clase práctica) pro Woche zusammen. Die clase teoría gleicht einer normalen Vorlesung (Frontalunterricht) und geht nur teilweise mit Anwesenheitspflicht einher. Die clase práctica findet stattdessen eher in Kleingruppen statt (Seminare) und erfordert meist Anwesenheit (Listen). In den praktischen Stunden werden dann sehr häufig Gruppen- oder Einzelarbeiten durchgeführt, die das theoretische Wissen vertiefen sollen. Hier musste ich z.B. ein sozialpsychologisches Projekt entwickeln, einen Film drehen, verschiedene Vorträge halten etc. Generell ist der Arbeitsaufwand während des Semesters aufgrund derartiger Aufgaben sowie häufiger Tests und kleinen schriftlichen Abhandlungen/Essays, die man schreiben muss, vergleichsweise hoch. Dafür zählen dann die Abschluss-Klausuren im Januar häufig nur 50% für die Endnote und so kann man diese etwas entspannter angehen. Die Klausuren sind größtenteils Multiple-Choice-Klausuren (Abzug bei falschen Antworten), die sich so auch gut bewältigen lassen, wenn der eigene Schreibfluss aufgrund der Fremdsprache etwas länger dauern würde. Zu den Klausuren dürfen meist Wörterbücher mitgebracht werden (kann man sich davor auch spontan in der Bibliothek ausleihen).
Pro Kurs erhält man bei erfolgreicher Absolvierung 6 ECTS. Um die geforderte Gesamtanzahl von 30 ECTS in einem Semester zu erhalten sollte man also nach Möglichkeit fünf Kurse besuchen. Diese sollte man in ihrem Aufwand definitiv nicht unterschätzen. Gute Noten sind durchaus erzielbar wenn man sich kontinuierlich Mühe gibt und die ganzen einzelnen Projekte während des Semesters gut erledigt sowie die Anwesenheitspflichten ernst nimmt. Die Leistungsbewertung erlebte ich als fair und transparent. Der Ablauf der Kurse sowie sämtliche zu erbringende Leistungen und deren Wertung für die Kursnote sind online im Vorfeld in den sogenannten guías docentes der entsprechenden Lehrveranstaltungen zu finden.
Online findet man auch kurz vor Semesterbeginn das Vorlesungsverzeichnis – mit etwas Übung gut verständlich. Die Studiengänge sind chronologisch aufgebaut (primer, segundo, tercer, cuarto cuatrimestre) und erforderliche Vorkenntnisse sowie das Anforderungsniveau steigen in der Regel in der gleichen Reihenfolge. Der Vorlesungszeitraum endet kurz vor Weihnachten und wird dann von Klausurterminen im Januar gefolgt. Fällt man im Januar durch eine Klausur kann man diese in der Regel zu den „extraordinären“ Terminen im Februar nochmals schreiben.
Die Vorlesungen finden aufgrund der Siesta meist entweder vormittags statt oder dann wieder ab ca. 17 Uhr (teilweise sind die Kurse am Abend etwas leichter als die entsprechenden Kurse am Vormittag). Eine Vorlesung von mir endete z.B. erst um 20 Uhr, aber dafür musste ich auch nie vor 12 Uhr mittags in der Uni erscheinen. Generell verschiebt sich der Lebensrhythmus in Granada schnell nach hinten, da z.B. auch die meisten Restaurants erst um 21 Uhr öffnen und ein Clubbesuch vor 2 Uhr nachts selten Sinn macht. Insgesamt ist die Atmosphäre in der Universität und auch in der gesamten Stadt sehr entspannt und angenehm.
In der Universität gibt es mit Personal besetzte Kopierer/Druckerräume, in denen man günstig drucken kann. Für einige Vorlesungen werden außerdem keine Unterlagen online zur Verfügung gestellt, sondern man kann sich in den Druckerräumen die Zusammenfassungen für die einzelnen Themen kaufen. Die Mensa ist sehr preiswert. Ich habe zwar nie ein Menü getestet, aber Snacks wie z.B. Tortilla im Boccadillo sind sehr günstig, lecker und sättigend.

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

Das Erasmus Student Network (ESN) ist in Granada gut ausgebaut und bietet gerade zu Beginn und auch im weiteren Verlauf viele Möglichkeiten, um Granada zu entdecken und in Kontakt mit anderen Erasmusstudierenden zu kommen. Von Tapas/Bar-Abenden über Stadttouren und Entdeckungsrallyes bis hin zu organisierten Clubbesuchen ist dort alles dabei. Die Präsenz von ESN (in der Uni, online, whatsapp-Gruppen und facebook-Seiten) ist hoch und so bekommt man jede Menge Angebote, aus denen man sich dann einfach die passenden aussuchen kann.
Ich selbst habe allerdings nur am Anfang ab und zu derartige Erasmusveranstaltungen besucht und später dann wesentlich mehr Zeit mit Menschen verbracht, die ich über die Uni oder über meine Mitbewohner*innen kennen gelernt habe. Generell gestaltete sich der Kontakt zu anderen Studierenden in Granada sehr einfach. Die Mehrheit meiner Freund*innen stammte nicht aus Spanien, aber auch der Kontakt zu spanischen Studierenden funktionierte durchweg gut. Meine spanischen Kommiliton*innen waren immer sehr freundlich und hilfsbereit und spätestens durch gemeinsame Gruppenprojekte kam man sowieso miteinander ins Gespräch. Die Mensa/Cafeteria bietet sich ebenfalls an, um Kontakte zu knüpfen.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Leider hatte ich im Rahmen meiner schulischen Ausbildung nicht die Möglichkeit, Spanisch zu lernen. Dafür allerdings Latein und Französisch, was mir das Erlernen spanischer Grammatik sowie sämtlicher Vokabeln massiv erleichtert. Im Studium habe ich dann begonnen, selbstständig Spanisch-Kurse an der Sprach- und Kulturbörse der TU-Berlin zu belegen (ca. 80€ pro Kurs/40h). Vor Beginn des Erasmus-Semesters hatte ich so B1-Niveau abgeschlossen (im Leseverstehen B2). Dieses Niveau reichte für die Ankunft in Granada soweit gut aus, auch wenn der starke andalusische Dialekt zu Beginn das Verständnis massiv erschwerte.
In der Uni läuft in der Regel alles nur auf Spanisch und die spanischen Studierenden haben oft nur sehr geringe Englisch-Kenntnisse. Auch im normalen Alltag kommt man mit Englisch meist nicht weit, sodass basale Spanisch-Kenntnisse meiner Meinung nach unabdinglich für einen Aufenthalt dort sind. Durch die Vorlesungen und die Kommunikation mit Kommili-ton*innen und meinen Mitbewohner*innen verbesserte sich mein Spanisch schnell. Nach anderthalb Monaten musste ich dann bereits Vorträge auf Spanisch halten, was zum Glück gut funktionierte. Leider hatte ich keine Zeit, parallel Spanischkurse zu besuchen. Hat man das Geld (~400€; Kurse ohne ECTS-Erwerb sind aber günstiger) und die Zeit für einen Kurs, würde ich das sehr empfehlen. Bei mir hat sich zwar der Wortschatz und das Hör- und Leseverständnis deutlich gebessert, aber meine Grammatikkenntnisse wurden vernachlässigt.
Ich würde auf jeden Fall dazu raten, sich nicht zu Beginn verunsichern zu lassen. Man gewöhnt sich schnell an den andalusischen Dialekt. Bittet bei Verständnisproblemen einfach nochmal um eine langsamere Wiederholung. Generell sollte man keine Scheu haben, Spanisch zu sprechen. Die Menschen in Granada reagieren in der Regel sehr freundlich – auch bei fehlerhaftem Spanisch und eine Verständigung kommt so dann gut zustande. Auch in der Kommunikation mit anderen Erasmusstudierenden ist es sicherlich sinnvoll, möglichst viel Spanisch zu sprechen auch wenn der Wechsel ins Englische häufig einfacher ist.

Wohn- und Lebenssituation

-Wohnung

Nachdem aus anderen Erfahrungsberichten hervorging, dass die Wohnungssuche in Granada sehr unkompliziert und außerdem besser vor Ort auszuführen sei, kümmerte ich mich darum nicht wirklich im Voraus. Stattdessen mietete ich über AirBnB ein Zimmer für die ersten 10 Tage (Beginn etwa eine Woche vor Studienbeginn) und machte mich dann in Granada daran, Wohnungen zu suchen und zu besichtigen. Um zuvor einen groben Überblick über die verschiedenen Stadtteile und Besonderheiten bei der Wohnungssuche zu bekommen, recherchierte ich hierfür etwas online und las andere Erfahrungsberichte.
Zehn Tage vor der Ankunft in Granada stellte ich außerdem in eine von mehreren Facebook-Gruppen für Wohnungen/Zimmer/etc. (v.a. für Erasmusstudierende) ein Gesuch mit einer kurzen Beschreibung von mir und meinen Anforderungen an ein Zimmer ein. Infolgedessen erhielt ich schnell mehrere Antworten mit Einladungen zur Besichtigung. Außerdem schrieb ich auch einigen Personen, die selbst Angebote in diese Gruppe gestellt hatten – erhielt hierbei aber entweder gar keine Antwort oder die Info, das Zimmer sei schon weg.
Angekommen in Granada fühlte ich mich in dem AirBnb leider sehr unwohl, aber es stellte ja zum Glück nur eine Übergangslösung dar. Von anderen Erasmusstudierenden, die die ersten Tage in Hostels verbrachten, wurden mir sehr positive Erfahrungen berichtet. Eventuell ist das gar nicht schlecht, um schnell Kontakte zu knüpfen und einen Ausgangspunkt für die Wohnungssuche zu haben. Eine Kommilitonin ist z.B. dann später auch mit den Personen zusammen gezogen, die sie an den ersten Tagen im Hostel kennengelernt hat.
Direkt am ersten Tag in Granada schaute ich mir schon die ersten beiden Zimmer an (beide Besichtigungen einige Tage vorher via Facebook ausgemacht). Das erste Zimmer für 290€, nette Wohnung, Besuch nur insgesamt eine Woche während der gesamten Erasmuszeit erlaubt. Am zweiten Tag schaute ich mir ein weiteres Zimmer an: ein Zimmer in einem Haus mit insgesamt 9 Zimmern auf zwei Etagen im wunderschönen Stadtteil Albaicín. Die Lage des Hauses und seine beiden Terrassen sowie die geringe Miete von 190€ (inklusive Strom etc.) gefielen mir so gut, dass ich dem Vermieter direkt zusagte. Eine Woche später zog ich dann ein und fühlte mich auf Anhieb wohl in dem Haus. Zwei Mitbewohner stammten direkt aus Andalusiern und die Anderen aus aller Welt (Frankreich, Polen, Belgien, Marokko, Mexiko). Ich hatte das große Glück, dass bei mir im Haus primär Spanisch gesprochen wurde, was sich sehr positiv auf meine Spanischkenntnisse auswirkte.
Als ich das Zimmer besichtigt hatte, wohnten dort bereits drei andere Personen. Nach meinem Einzug folgten dann nach und nach weitere fünf bis wir dann schlussendlich zu neunt in dem Haus wohnten. In Granada ist es häufig so, dass sich nicht die Mieter*innen ihre Mitbewohner*innen aussuchen dürfen, sondern die Auswahl von den Vermieter*innen getroffen wird. Somit wohnte ich auch mit Personen zusammen, mit denen ich sonst vermutlich so nicht unbedingt eine WG gegründet hätte. Für die begrenzte Erasmuszeit war das aber eine tolle Erfahrung und ich würde zu 100% wieder in dieses Haus ziehen. Bei Einzug muss man in der Regel eine Kaution in Höhe einer Monatsmiete zahlen, die dann mit der letzten Mietzahlung verrechnet wird. (Darauf sollte auch geachtet werden – ich habe von anderen Erasmusstudierenden gehört, die ihre Kaution nicht zurückbekommen haben).
Ich hatte für mein Zimmer gar keinen Mietvertrag, sondern musste zu Beginn die Kaution zahlen und dann immer monatlich die Miete für den entsprechenden Monat. Das hatte den großen Vorteil, dass ich nach Ende meines Erasmussemesters einfach ausziehen konnte und nicht erst eine*n Nachmieter*in suchen musste. Das scheint sonst häufig der Normalfall zu sein: bleibt man weniger als ein gesamtes Jahr, muss man sich darum kümmern, eine*n Nachmieter*in zu suchen. Das klappt zwar in der Regel ganz gut, aber bei einigen anderen Erasmusstudierenden kam es hierbei zu Konflikten mit ihren Vermieter*innen.
Mein Vermieter war nur ab und zu im Haus anwesend, wenn er die Miete von jemandem einsammelte oder es was zu reparieren gab oder so. Für Besuch verlangte er 10€ pro Nacht extra – stellte dann aber sogar ein extra Zimmer zur Verfügung. Abgesehen von diesen zusätzlichen Kosten, habe ich mit 190€ Miete pro Monat aber einen guten Fang gemacht. Insbesondere da mir auch im Nachhinein erst klar wurde, dass der Großteil der anderen Erasmusstudierenden mehr zahlte und meist auch länger für die Wohnungssuche benötigt hatte. Bei den meisten klappte die Suche ganz gut. Man sollte sich aber wohl auch auf kurzfristige Absagen etc. einstellen und sich davon nicht frustrieren lassen.
Nach dem Lesen einiger Erasmusberichte, in denen die Wichtigkeit einer Heizung betont wurde, hatte ich darauf bei der Wohnungssuche ein besonderes Augenmerk gelegt. Nur um dann zu bemerken, dass wirklich der Großteil der Wohnungen (trotz sehr schlechter Isolierung) keine Heizungen besitzt. Auch das Zimmer, in dem ich dann wohnte, besaß keine Heizung. Stattdessen stellte mir der Vermieter sobald die Nächte kälter wurden dann eine kleine Elektroheizung ins Zimmer (wie er zuvor auf Nachfrage hin versichert hatte). Diese wärmte zwar nur solange sie auch auf voller Stufe heizte, aber damit kam man ganz gut über die kalten Tage.
Der Großteil der Zimmer, die ich besichtigt habe, verfügte über ein Bett, Schreibtisch + Stuhl und einen Schrank. Teilweise wurde auch Bettzeug gestellt und ich hatte außerdem einen kleinen Kühlschrank in meinem Zimmer. Trotz Bettzeug war ich froh darüber, einen Schlafsack mitgenommen zu haben, der mich in kälteren Nächten besser warmhielt als das bereitgestellte Bettzeug. Generell wird es in den Wintermonaten nachts und teilweise auch tagsüber wirklich kalt und ungemütlich in den Wohnungen. Außerdem sollte man nach Möglichkeit eine „all-inclusive-Miete“ ohne weitere Kostenübernahmen suchen, um nicht selbst die Stromrechnungen zahlen zu müssen, da hier z.B. durch Heizlüfter hohe versteckte Kosten entstehen können. Ein Schlafsack sowie dicke warme Socken und ggf. Hausschuhe sollten auf jeder Packliste stehen, um nicht unter dem typischen Fliesenboden in den Wohnungen zu leiden. Tagsüber kann man sich dafür häufig in der Sonne aufwärmen, die selbst im Winter durchaus wärmt und teilweise sogar im Dezember ein paar Stunden nur im Shirt erlaubt.
In Granada sind die Wohnungen/Zimmer in der Regel sehr hellhörig – Ohropax sollte also definitiv auf der Packliste stehen. In meiner WG und auch in den Wohnungen meiner Freund*innen war eigentlich immer Trubel – wer sich z.B. zum Lernen konzentrieren möchte, sollte ggf. dann auf eine der in ganz Granada verteilten Bibliotheken zurückgreifen.

-Stadtteil

Mein Zimmer befand sich in dem alten Stadtteil Albaicín. Ich würde jedem raten, nach Möglichkeit dort zu wohnen. In meinen Augen ist es einfach der allerschönste Stadtteil Granadas. Man muss sich zwar an die steilen engen Kopfsteinpflaster-Straßen gewöhnen und die größeren Supermärkte befinden sich auch alle mindestens 20 Minuten entfernt, aber das ist es absolut wert. Dort findet man viele kleine Cafés, Aussichtspunkte, Häuschen mit tollen Balkonen und hat einfach mehr Raum als unten im Stadtzentrum. Und da Granada so klein ist, kommt man auch von dort eigentlich überall gut zu Fuß hin. Durch das Hinab- und vor allem anschließende Hinauflaufen macht man dann auch gleich noch ein bisschen Sport. Zu meiner Uni (Psychologie – Campus Cartuja) konnte ich zum Glück auch entspannt in 15 Minuten zu Fuß laufen. Meine Freund*innen in anderen Stadtteilen waren aber ebenfalls zufrieden mit ihren Wohnungen und da man in Granada sowieso überall recht schnell ist, kommt man fast überall gut zurecht. Neben Albaicín sind besonders das Zentrum, Realejo und die Gegend um das Kneipenviertel Pedro Antonio sowie rund um Camino de Ronda beliebt.

-Öffentliche Verkehrsmittel

In den ersten Tagen des Vorlesungszeitraumes kann man sich für eine UGR-Universitätskarte registrieren. Diese muss man dann an einem Schalter an einem der verschiedenen UGR-Standorte als Busticket freischalten und kann diese dann beim Busfahrer mit einem 5€-Schein aufladen. Da ich bereits 25 Jahre alt war, wurden pro Fahrt dann 80ct von dieser Karte abgezogen. Unter 25 Jahre kostet es soweit ich mich erinnere nur 60ct pro Fahrt. Im Prinzip bin ich aber abgesehen von ein paar Fahrten zur Zentralen Busstation alle Wege immer nur gelaufen. Für die Abfrage von Busverbindungen empfehle ich die App movit.
Es bietet sich außerdem an, sich gleich in den ersten Tagen eine ESN-Karte für 10€ erstellen zu lassen. Diese kann dann nach der entsprechenden Registrierung für Rabatte bei z.B. ALSA-Bussen (15%) und Ryanair (15%, freies Aufgabegepäck) genutzt werden. Das ALSA-Busnetz ist recht gut ausgebaut und kann für günstige Busreisen in ganz Spanien verwendet werden. Von Granada aus sind die Anbindungen recht gut. Teilweise gab es bei der Online-Buchung Probleme mit der Kreditkarte wofür sich der Besitz eines Paypal-Kontos anbietet.
Von Berlin nach Granada fliegt Easyjet inzwischen direkt und meist bei frühzeitiger Buchung auch recht preisgünstig. Ansonsten bietet es sich immer an, die Easyjet- und Ryanair-Flüge nach Malaga zu prüfen und dann ggf. von Malaga nach Granada mit dem ALSA-Bus zu fahren (2h Fahrt; etwa 12€). Taxis innerhalb von Granada sind relativ günstig.

-Bankgeschäfte

Ich besitze eine DKB-Kreditkarte, mit der ich an allen Bankautomaten weltweit gebührenlos Bargeld abheben kann. Die meisten spanischen Banken stellen aber ihrerseits Gebühren von ca. 2€ pro Abhebung. Es gibt eigentlich überall in fußläufiger Entfernung Geldautomaten und in vielen Cafés, Restaurants und Bars ist auch Zahlung mit Kreditkarte möglich.

-Krankenversicherung

Die UGR fordert eine Krankenversicherung für den Erasmus-Aufenthalt dort. Ich beantragte also neben meiner normal weiterlaufenden Barmer-GEK-Versicherung eine ARAG-Versicherung für insgesamt 50€. Die Informationen dazu findet man auf den Internetseiten des International Office in Granada.

-Lebenshaltungskosten

Granada an sich zählt sicherlich zu den günstigsten Städten in Spanien. Die günstigen Mieten tragen zu relativ niedrigen Lebenshaltungskosten bei. Außerdem sind die Bars und Restaurants oft vergleichsweise günstig und durch die gratis Tapas spart man ebenfalls Geld. Ein Kaltgetränk (z.B. ein caña Bier oder Tinto de Verano) mit einem gratis Tapas erhält man häufig für nur 1.80€. Supermärkte sind preislich mit Deutschland vergleichbar. Auf Märkten findet man günstiges Obst und Gemüse.

-Freizeitangebote

Das Leben in Granada findet zu 95% draußen in den schönen Straßen und zahlreichen Plätzen mit all den kleinen Cafés, (Tapas-)Bars, Restaurants und Geschäften statt. Allein mit dem Verweilen dort kann man schon sehr viel freie Zeit verbringen. Die vielen Miradores sind zu jeder Jahres- und Tageszeit wunderschön (v.a. San Nicolás und San Miguel Alto) und die Alhambra ist definitiv sehenswert und sehr beeindruckend.
Das Meer (z.B. Salobreña oder Almuñecar) mit schönen Stränden ist nur ein bis zwei Stunden mit dem ALSA-Bus entfernt. Für Tagestrips bietet sich außerdem auch immer die Sierra Nevada an. In Monachil kann man z.B. wunderschön wandern gehen oder auch im Winter in anderen Orten in den Bergen Ski fahren.
Die Organisationen ESN, BestLifeExperience und Emycet bieten außerdem jede Menge Tagesexkursionen und (verlängerte) Wochenendtrips in andere Städte, Länder und Regionen an (z.B. Sierra Nevada, Sevilla, Córdoba, Ronda, Cádiz, Lissabon und auch nach Marokko sowie Gibraltar). Derartige Trips finden dann eben ausschließlich mit anderen Erasmusstudierenden statt. Möchte man nicht auf Reiseveranstalter zurückgreifen, kann man sich auch problemlos ein Auto mieten und auf eigene Faust Ausflüge unternehmen.
Soziale und Kulturelle Einrichtungen bieten außerdem verschiedene Kurse wie z.B. Tanz- oder Kunstkurse an. Diese sind sehr zu empfehlen und stellen außerdem eine Möglichkeit dar, um mit der lokalen Bevölkerung in Kontakt zu kommen. Auch die Uni bietet Kunst- und Tanz- sowie viele verschiedene Sport- und Musikkurse an.
Ansonsten kann man sich einfach immer wieder an den tollen Cafés und (Tapas-)Bars erfreuen. Die mit Abstand besten Tapas gibt es meiner Meinung nach in Poes. Dicht gefolgt von Babel – Tapas aus aller Welt und außerdem leckerem Cidre. Auf meinem Platz 3: das im Albaicín versteckte El Higo, das auch Musik-/Film-/Kunst-Abende anbietet. Schön vegetarisch/vegan essen kann man im Wild Food. Zum Frühstücken (was gerne auch um 2 Uhr mittags stattfinden kann) oder Café-Besuch würde ich vor allem Salta Maria, 4 Gatos und Café Baraka empfehlen. Den besten Kaffee und tolles selbstgemachtes Brot gibt es im Minuit und den leckersten Kuchen in der Panadería Solana in der Calle Panaderos im Albaicín.

Studienfach: Psychologie

Aufenthaltsdauer: 09/2018-02/2019

Gastuniversität: Universidad de Granada

Gastland: Spanien


Rückblick

Zusammenfassend war das Erasmus-Semester in Granada einfach toll und ich kann einen Studienaufenthalt dort absolut empfehlen. Granada ist eine wunderschöne, lebendige und sympathische Stadt mit hoher Lebensqualität. Die Größe der Stadt ist toll, um sich dort schnell einzufinden und dennoch aufgrund des reichhaltigen Kultur- und Freizeitangebotes immer etwas unternehmen zu können. Ich wäre sehr gerne noch länger dort geblieben und kann meinen nächsten Besuch gar nicht erwarten. Die Einwohner*innen sind sehr freundlich und hilfsbereit. Das Studium dort sollte in seinem Anspruch nicht unterschätzt werden und die Kurswahl im Vorfeld überlegt getroffen werden. Insgesamt ist es aber alles gut machbar und der Aufwand lohnt sich für das Leben und Studieren in Granada definitiv.

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