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Auslandsjahr in Paris

Ich studiere deutsch-französisches Recht und bin für ein Jahr an die Uni Paris-Nanterre gegangen, um dort meine Licence en droit zu erwerben, das französische Äquivalent zum Bachelor of Laws. Da ich mich schon seit meiner Immatrikulation in Potsdam in einem zweisprachigen Studiengang befinde, bin ich keine klassische Erasmus-Studentin. Für mich und meine Kommilitonen aus dem Doppelstudiengang war nämlich schon von Anfang an klar, dass wir unser drittes Studienjahr in Paris verbringen würden. Trotzdem hoffe ich, dass mein Bericht nicht nur für diejenigen, die sich für den deutsch-französischen Studiengang interessieren oder sich bereits in diesem Studiengang befinden, hilfreich sein kann, sondern auch für alle anderen, die gern ein Auslandsjahr (oder sogar zwei) in Paris verbringen würden. Für mich persönlich ist dies kein Abschluss-, sondern nur ein Halbzeitbericht. Ich bin nämlich eine derjenigen aus meinem Jahrgang, die sich entschieden haben, ihren Master in Nanterre anzufangen und somit ein weiteres Jahr an dieser Uni zu studieren.


Studienfach: Jura (Deutsch Französischer Studiengang)

Aufenthaltsdauer: 09/18-06/19

Gastuniversität: Université Paris Ouest Nanterre La Défense

Gastland: Frankreich

Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Das Auslandsjahr in Nanterre für den Erwerb der Licence en droit war in unserem Studienprogramm vorgesehen. Die einzige Zulassungsvoraussetzung für die Uni Nanterre war für uns, dass wir die Klausuren in den französischen Blockseminaren im Durchschnitt mit mindestens 10 von 20 Punkten bestanden haben sollten. Wenn wir in einem Fach unter diesem Durchschnitt lagen, konnten wir das Defizit mit einem anderen Fach ausgleichen.

Durch den integrierten Studiengang wurde mir einiges an Vorbereitung von der Koordinatorin des deutsch-französischen Studiengangs abgenommen, aber auch allgemein wird man in Potsdam gut über die Möglichkeiten des Auslandsaufenthaltes mit dem Erasmusprogramm aufgeklärt. Wenn man sich frühzeitig vorbereiten möchte, findet man schon viele nützliche Informationen auf der Seite des International Office der Uni Potsdam. Für die Deutschen aus meinem Jahrgang und alle anderen Interessierten fand im Juni 2018 im Vorfeld zum Wintersemester 2019/20 die erste Erasmus-Infoveranstaltung statt. Während dieser Infoveranstaltung haben wir eine Checkliste ausgehändigt bekommen, auf der die Schritte für die Erasmus-Bewerbung vor, während und nach dem Auslandsaufenthalt aufgelistet worden sind. Erasmus ist viel Papierkram, aber das International Office steht einem immer für Fragen zur Verfügung. Am besten, man wendet sich zunächst an seine Heimatuni, aber während des Auslandsaufenthalts habe ich auch in Nanterre insgesamt gute Erfahrungen mit dem International Office gemacht.

Kernstück der Bewerbung für das Erasmusprogramm ist das sogenannte Learning Agreement, das seit gewisser Zeit online ausgefüllt werden kann. Auf diesem Online-Formular müsst ihr alle Kurse eintragen, die ihr während des Auslandsaufenthaltes belegen wollt, und deren ECTS angeben. Das ist eine Punktzahl, die euren Arbeitsaufwand für das jeweilige Fach widerspiegeln soll. Am Ende des Auslandsaufenthalts ist es wichtig, dass ihr entsprechende ECTS erreicht habt, das heißt die Fächer, die ihr gewählt, auch tatsächlich besucht habt. Da ich im Rahmen des Doppelstudiengangs mit dem Ziel nach Nanterre gegangen bin, mit der Licence abzuschließen, war die Fächerauswahl für mich eingeschränkter als für reguläre Erasmus-Studenten, denn der Großteil unseres Stundenplans für beide Semester war bereits vorgeschrieben. Neben den Pflichtfächern gab es dennoch einige Wahlfächer, die wir unseren Interessen nach wählen konnten. So habe ich mich zum Beispiel für Europarecht, Völkerrecht und besonderes Vertragsrecht auf Französisch entschieden, während andere Steuerrecht oder Strafrecht belegt haben. Die Wahl unserer Fächer konnten wir problemlos ändern, nachdem wir an der Gastuniversität in Nanterre angekommen waren.

Studium an der Gastuniversität

Die Universität Nanterre hat ein sehr interessantes Studienangebot, vor allem wenn man sich für internationales Recht begeistert. Es gibt an der Universität Nanterre Haupt- und Nebenfächer. Die Hauptfächer werden von sogenannten travaux dirigés (TDs) begleitet, zu deutsch AGs, in denen man in einer Klassenstärke Unterricht hat. Die TDs sind ideal für die Vertiefung der Hauptfächer. Man hat eine gute Gelegenheit, dem TD-Leiter Verständnisfragen zu stellen und das in der Theorie Gelernte anzuwenden. Die konkrete Ausgestaltung der TD ist aber natürlich stets von der Person des TD-Leiters abhängig. Die TDs sind jedenfalls anwesenheitspflichtig und insofern ist mir das französische Studiensystem weitaus verschulter vorgekommen als das deutsche.

Auch die Vorlesungen in den großen Hörsälen ähneln oftmals eher einem Diktat. Jeder Professor hat zwar seinen eigenen Präsentationsstil, hält sich aber an vorformuliertes Skript, das die Studenten mehr oder weniger wortgetreu mitschreiben. Trotz der weniger freien Vortragsweise haben die meisten Professoren an der Universität Nanterre es geschafft, den Vorlesungsstoff lebhaft zu gestalten und zum kritischen Nachdenken anzuregen. An das maschinelle Mitschreiben musste ich mich am Anfang zwar sehr gewöhnen, jedoch habe ich als Nichtmuttersprachler auch meine Vorteile daraus gezogen. So habe ich während der Vorlesungen mein Vokabular erweitern und an meinen Schreibstil feilen können, was mir sehr dabei geholfen hat, in den Klausuren einen angemessenen Ton zu finden.

Die Lehre an der Universität Nanterre befand sich insgesamt auf einem sehr hohen Niveau und dieser Aspekt sowie die Möglichkeit, sich im Master auf internationales Recht auszurichten, haben mich schließlich dazu bewogen, meinen Auslandsaufenthalt zu verlängern, um in Nanterre den Master anzufangen.

Nanterre hat nur einen Campus, der aber umso mehr zu bieten hat. Auch wenn die Gebäude auf den ersten Blick nicht sehr modern und ansprechend wirken, ist das Unigelände insgesamt sehr grün. Gerade im Sommer kann man in den Pausen auf den Wiesen durchatmen. Erwähnenswert ist auch das umfangreiche Sportangebot der Universität. Für einen vergleichsweise kleinen Betrag kann man sich eine Sportkarte für das ganze Jahr holen und sich somit Zugang zu allen verschiedenen Sportkursen verschaffen. Den freien Zugang zum Schwimmbad der Uni gibt es für einen kleinen Aufpreis. Wenn man kein regelmäßiger Schwimmer ist, kann man sich gegen einen geringen Eintrittspreis auch ohne Abonnement Zutritt verschaffen.

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden und Sprachkompetenz

Vor dem Erasmus-Aufenthalt musste ich einen Sprachtest absolvieren, in dem mein Sprachniveau nach dem europäischen Referenzrahmen eingestuft worden ist. Da ich schon in den ersten beiden Studienjahren in Potsdam anteilig auf Französisch studiert habe und mit guten Vorkenntnissen ins Studium eingestiegen war, fiel mir die Umstellung auf den französischsprachigen Unialltag in Nanterre nicht schwer. Dennoch konnte ich noch tiefer ins Französische einsteigen und habe insbesondere im Schreibstil und in der französischen Methodik enorme Fortschritte gemacht. Auch mündlich habe ich mich verbessern können. Da ich in einer WG mit einer deutschen und einer französischen Mitbewohnerin gewohnt habe, habe ich auch in meiner Freizeit viel Übung bekommen. Über den Doppelstudiengang kannte ich schon einige Franzosen, bevor ich nach Nanterre kam – so auch meine französische Mitbewohnerin. Regulären Erasmusstudenten kann ich aber nur empfehlen, aus sich herauszukommen und zu versuchen, Muttersprachler kennenzulernen. Auch mich hat es weitergebracht, mit Franzosen zu sprechen, die kein Deutsch verstehen. Dadurch war ich dazu gezwungen, auf Französisch zu bleiben, selbst wenn ich nicht auf Anhieb wusste, wie man etwas ausdrückt, und es dementsprechend umschreiben musste.

Der Auslandsaufenthalt in Nanterre hat meinen Jahrgang aus dem deutsch-französischen Studiengang auf jeden Fall enger zusammengeschweißt. Zum einen waren wir sehr auf einen gegenseitigen Informationsaustausch angewiesen, da Nanterre eine größere Uni als in Potsdam ist und man deshalb nicht so umfangreich betreut wird. Zum anderen haben wir uns viel im Studium weitergeholfen. Und natürlich ist auch der Spaß nicht zu kurz gekommen. Nach den ersten zwei Studienjahren in Potsdam hatte ich das Gefühl, dass sich der Spieß umgekehrt hat und meine französischen Kommilitonen nun an der Reihe waren, mir ihre Heimat zu zeigen. Wir haben mehr auf Französisch gesprochen und ich habe dank meiner Kommilitonen viele interessante Orte in und um Paris kennengelernt. All dies hat dafür gesorgt, dass ich mich schnell heimisch gefühlt habe und mir die Entscheidung, den Aufenthalt um ein weiteres Jahr zu verlängern, überhaupt nicht schwergefallen ist.

Wohn- und Lebenssituation

Obwohl Paris eine Immobilienhölle ist, haben alle aus meinem Jahrgang es geschafft, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Meine Mitbewohnerinnen und ich (die wir alle im selben Jahrgang in Potsdam angefangen hatten), haben es mit der Wohnungssuche überraschend einfach gehabt. Wir hatten das Glück, dass Studentinnen aus dem Jahrgang über uns eine Wohnungsannonce an uns Studenten in Potsdam weitergeleitet haben. Es kann lohnenswert sein, sich zu erkundigen, ob andere Erasmus-Studenten, deren Aufenthalt sich dem Ende neigt, Wohnungen oder WG-Zimmer zu übergeben haben. Ich bin in einer WG untergekommen, in der ich vergleichsweise wenig Miete zahlen muss. Zum einen gehört ein bisschen Glück dazu, zum anderen spielt natürlich auch die Wohnlage eine große Rolle. Ich wohne etwas außerhalb von Paris, dafür aber sehr nah an der Uni. Von der Fläche her ist Paris nicht so groß wie beispielsweise Berlin. Man kommt also selbst vom Stadtrand aus sehr schnell ins Zentrum.

Um den Geldbeutel zu schonen, ist es wichtig, dass man sich als Student nach einer Wohnung oder einem Zimmer umschaut, dass den Anforderungen für die aide personnalisée au logement (APL) entspricht, einem Wohngeld u. a. für Studenten, das von der Caisse d’allocations familiales (CAF) des jeweiligen département ausgezahlt wird. Der Antrag ist zwar kompliziert und gerade als ausländischer Student kann es vorkommen, dass man sehr lange warten muss, bevor die erste Rate ausgezahlt wird, finanziell kann sich der Antrag aber auf jeden Fall lohnen. Ich persönlich bekomme fast die Hälfte meines monatlichen Mietbetrags über die APL zurückerstattet. Es sei allerdings gesagt, dass die Höhe des APL sich individuell berechnet, also für jeden anders ist.  

Wenn man auf dem privaten Wohnungsmarkt nicht fündig wird, sind Wohnheime eine gute Alternative. In Paris ist insbesondere die Cité Internationale Universitaire im Süden von Paris hervorzuheben, die mit einem herrschaftlichen Campus aufwartet und viele Freizeitangebote zu bieten hat. Zudem befindet sich der Parc Montsouris gleich um die Ecke. In der Cité Internationale findet man Studenten aus aller Welt. Man kommt dort in Häusern unter, die verschiedene Nationalitäten repräsentieren. Normalerweise landet man im Haus seines Heimatlandes. Eine gewisse Anzahl von Studenten landet aber auch in Häusern anderer Nationalitäten. Man kann auch direkt gewisse „Wunschhäuser“ beantragen. Die Chancen, für ein anderes Haus als das des eigenen Heimatlandes genommen zu werden, erhöhen sich, wenn man einen gewissen Bezug zum gewünschten Land nachweisen kann. Eine deutsche Freundin von mir ist beispielsweise im kanadischen Haus untergekommen, da sie im Antrag angegeben hatte, während der Schulzeit ein Auslandsjahr in Kanada verbracht zu haben. Im kanadischen Haus hatte sie die Möglichkeit, sowohl ihr Französisch als auch ihr Englisch zu üben.


Studienfach: Jura (Deutsch Französischer Studiengang)

Aufenthaltsdauer: 09/18-06/19

Gastuniversität: Université Paris Ouest Nanterre La Défense

Gastland: Frankreich


Rückblick

Ein letzter praktischer Tipp für unterwegs: An der Uni Nanterre ist das Semesterticket nicht im Studentenausweis inbegriffen. Jedoch gibt es in der Pariser Region eine Jahreskarte zum Studententarif, die sogenannte Imagin-R. Wie für die CAF gilt auch hier, der Antrag ist kompliziert, aber lohnt sich. Für 350 € kann man mit diesem Ticket durch die gesamte Region Île de France fahren und muss sich nie wieder Gedanken darüber machen, Tickets zu kaufen (mit der kleinen Ausnahme, wenn man zum Flughafen Paris Orly fährt). Der einzige Haken am Imagin-R-Ticket ist, dass man unter 26 Jahre alt sein muss, um davon profitieren zu können.

Sowohl für die Beantragung des Imagin-R-Tickets als auch für die APL braucht man ein französisches Bankkonto und eine französische Handynummer. Da die französische Bürokratie sehr kompliziert und langwierig sein kann (und das insbesondere für Ausländer), ist es wichtig, dass man sich um all diese Dinge frühzeitig kümmert, damit man entspannt ins Studienjahr starten kann.

Einem erfolgreichen und aufregenden Erasmus-Aufenthalt sollte dann nichts mehr im Wege stehen! 

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