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Friedrich der Große -Potsdamer Ausgabe

Frédéric le Grand - Édition de Potsdam

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Der Siebenjährige Krieg (1756–1763). Ein europäischer Weltkrieg im Zeitalter der Aufklärung, hg. v. Sven Externbrink, Berlin 2009.

Siebenjähriger Krieg
Ende August 1756 befahl Friedrich der Große die Besetzung des Kurfürstentums Sachsen. Damit löste er einen Krieg aus, der das Königreich Preußen an den Rand des Abgrundes führte und weite Teile Nord- und Westdeutschlands sowie Böhmen, Mähren und Schlesien verwüstete.
Der Siebenjährige Krieg festigte Preußens Anspruch als europäische Großmacht und begründete den die deutsche Geschichte des 19. Jahrhunderts nachhaltig prägenden österreichisch-preußischen Dualismus. Zugleich festigte der Krieg Russlands Status als europäische Großmacht.
Bei dieser Entwicklung wird oft vergessen, dass der Siebenjährige Krieg nicht nur der letzte „Kabinettskrieg“ des Ancien Régime in Europa, sondern auch der "erste Weltkrieg“ war. Schon im Sommer 1756 hatte der seit Jahren schwelende Streit um Grenzverläufe in Nordamerika zum offenen Krieg zwischen England und Frankreich geführt. An dessen Ende wurde mit dem britischen Sieg über Frankreich und Spanien die Grundlage des britischen „Empire“ des 19. und frühen 20. Jahrhunderts gelegt. England vertrieb Frankreich aus Nordamerika und gewann Kanada. Von Frankreichs einstigem Kolonialbesitz blieben nur die Antillen sowie zwei Inseln und die Fischereirechte vor Neufundland. Auch ihre Stützpunkte in Indien verloren die Franzosen. Dort schickten sich die Briten an, das Erbe des Mogulreiches anzutreten. Somit hatte dieser Krieg nicht nur für Europa weit reichende Konsequenzen, sondern er veränderte auch die Beziehungen Europas zur nichteuropäischen Welt.
Der Sammelband dokumentiert den Siebenjährigen Krieg als „Weltkrieg“. In den Beiträgen werden die weltgeschichtliche Bedeutung, die globale Dimension, unmittelbare und langfristige Wirkungen und Wahrnehmungen des Siebenjährigen Krieges sowie Krieg und Kriegsführung im Zeitalter der Aufklärung diskutiert.

Aus dem Inhalt:

Olaf Asbach, Internationale Beziehungen, Völkerrecht und Krieg in der Aufklärung.
Brendan Simms, A tale of two Empires. Britain and the origins of the Seven Years War.
Lucien Bely, La Politique extérieure de la France au milieu du XVIIIe siècle.e
Michael G. Mann, Der ungeliebte Krieg: Compagnie des Indes und East India Company 1744-1761.
Ulrike Kirchberger, Our country bleeds again under the Savage knife: Europäische Kolonisten und nordamerikanische Indianer während des Siebenjährigen Krieges
Beatrice Heuser, Friedrichs Siebenjähriger Krieg in den Strategiedebatten der darauf folgenden Jahrhunderte.
Sven Externbrink, Voltaire zwischen Candide und Roi philosophe.
Günther Lottes, Der Kriegsherr als Historiker: Krieg und Politik in den historischen Schriften Friedrich des Großen.
Joachim Rees, Krieg und Querelle. Die Kontroverse um das zeitgenössische Ereignisbild in England, Frankreich und Deutschland (1756–1763)
Jörg Ulbert, Zur Wirkungsgeschichte der diplomatischen Revolution: Das renversement des alliances in der internen Beurteilung des französischen Außenministeriums
Sylviane Linares, Les aspects humains de la mobilisation navale française au temps de la guerre de Sept Ans

 

 

Francesco Algarotti: Ein philosophischer Hofmann im Jahrhundert der Aufklärung (Aufklärung und Moderne, Band 16), hg. v. Hans Schumacher und Brunhilde Wehinger, Hannover 2009.

aufklaerungsmoderne  
Der italienische Aufklärungsschriftsteller Francesco Algarotti (Florenz 1712 – Pisa 1764) war um die Mitte des 18. Jahrhunderts eine europäische Berühmtheit: Er war Mitglied der Royal Society, der Berliner Akademie der Wissenschaften und anderer gelehrter Gesellschaften. Mit Voltaire, Maupertuis, Graf Burlington, Lord Hervey, der Schriftstellerin Mary Montagu und dem russischen Autor Antioch Kantemir war er befreundet und vor allem war er ein Freund Friedrichs des Großen, sein Kammerherr, Berater in künstlerischen Dingen und ständiger Gast der Tafelrunde von Sanssouci. Algarotti verbrachte auch vier Jahre am Dresdner Hof und kaufte im Auftrag Augusts III. italienische Kunstwerke. Er war Kosmopolit. Auf seinen weiten Reisen lernte er die Hauptstädte Europas kennen und korrespondierte mit den bedeutendsten Vertretern der europäischen Aufklärung ebenso wie mit gekrönten Häuptern, die der Aufklärung nahe standen.

Mit seinem vielschichtigen Werk schrieb er sich in die europäische Kulturgeschichte ein: In der Rolle des philosophe, des aufgeklärten Intellektuellen, beleuchtete er zentrale Fragen der Kultur- und Wissenschaftsgeschichte. Als Akteur des europäischen Kulturtransfers übernahm er auch die Rolle des Vermittlers zwischen Hofkultur und bürgerlicher Stadtkultur. Sehr schnell behauptete er sich als Autor brillanter Essays auf dem europäischen Buchmarkt. Der Durchbruch gelang ihm bereits im Alter von 24 Jahren mit seiner Schrift Newtonianismo per le dame (1737): Sogleich ins Französische übertragen, wurde der »Newtonianismus für die Damen« (oder: Dialoge über die Optik Newtons) ein europäischer Bestseller.

Dieser Sammelband stellt das Oeuvre des italienischen Aufklärers vor und beleuchtet es unter philosophiegeschichtlichen, literaturwissenschaftlichen, kunsthistorischen und musikwissenschaftlichen Vorzeichen.

Aus dem Inhalt:

Hans Schumacher, Brunhilde Wehinger: Schriftsteller-Philosoph, Kosmopolit, Aufklärer. Francesco Algarotti zwischen Hof- und Stadtkultur, Barock und Klassizismus
Gian Franco: Algarotti, Descartes und Newton. Der Streit um die neue Wissenschaftsmethodik
Gino Ruozzi: Algarotti, der Enzyklopädist, seine Adressaten und die »offenen Formen«: Tagebuch, Brief, Essay und Aphorismus.
William Spaggiari: Algarottis Viaggi di Russia und die aufklärerische Reiseliteratur
Brunhilde Wehinger: »Mon cher Alagarotti«. Zur Korrespondenz Friedrich II. und Algarotti
Anna Salvadè: Das poetische Werk Francesco Algarottis
Hans Schumacher: Der Widerspruch bei Machiavelli, Friedrichs II., Voltaire und Algarotti
Luca Farulli: Algarottis ästhetische Anschauungen
Ventina Ciancio: Francesco Algarotti und die Galerie der modernen Maler am Hof von Dresden (1742-1746)
Jörg Deuter: Repräsentation und Funktion: Algarotti, Lodoli und »der Klassizismus«. Lodolis Bauen und seine Theorie
Ingeborg Allihn: Algarotti, die Musik am Berliner Hof und in den preußischen Residenzstädten Berlin und Potsdam

 

 

Hofkultur und aufgeklärte Öffentlichkeit. Potsdam im 18. Jahrhundert im europäischen Kontext, hg. von Günther Lottes und Iwan D'Aprile, Berlin, Akademie-Verlag, 2006.

Hofkultur  
Zu keiner Zeit hat Potsdam auf die europäische Kultur einen größeren Einfluss ausgeübt als im 18. Jahrhundert, als Friedrich der Große, der Philosophenkönig, den Absolutismus und die Aufklärung miteinander in Einklang zu bringen versuchte. Seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts setzte der Aufstieg des Bürgertums in Verbindung mit den neuen Ideen der Aufklärung das höfische Monopol immer stärker unter Druck.
Friedrich der Große nahm die Herausforderung an und wollte als König und Bürger der Leserepublik, als Herrscher und Intellektueller, Macht und Geist zueinander führen. Der Hof in Potsdam, die Residenz am Rande der Metropole, wurde zum Ort dieses komplexen und spannungsreichen Rollenspiels, in dem die alte Welt der ererbten Herren und die neue Welt der kritischen Bürger ihre Grenzen auslotete.
Das geschah unter den Augen Europas. Denn Friedrich der Große hatte dem Experiment Potsdam von Anfang an einen europäischen Rahmen gegeben. In Potsdam traf sich und auf Potsdam blickte die aufgeklärte Intelligenz aus ganz Europa. Die deutschen Aufklärer betrachteten das Rollenspiel vor den Toren Berlins dagegen skeptischer, weil sie der kulturellen Konstellation misstrauten und der europäische Hof quer lag zum großen Ziel einer deutschen Nationalkultur, für die der Philosoph von Sans-Souci so wenig Sinn zeigte.

Aus dem Inhalt:

Günther Lottes, Versailles und Potsdam
Sven Externbrink, Hof und Heer. Das Preußenbild der französischen Diplomatie zur Zeit
Ludwigs XV. (1715–1774)
Joachim Rees, Die höfische Gesellschaft unterwegs. Residenzkultur im Spiegel handschriftlicher Reisetagebücher des 18. Jahrhunderts
Christoph Frank, Lumières françaises ou rayonnement européen de la France? Zur Situation der zeitgenössischen französischen Skulptur an den deutschen Höfen des 18. Jahrhunderts
Chantal Grell, Les Historiens Français, la Noblesse et la Cour de France (1650-1789)
Ursula Goldenbaum, Friedrich II. und die Berliner Aufklärung
Hartmut Hecht, Maupertuis und die Leibniztradition an der Berliner Akademie
Iwan-Michelangelo D’Aprile, Hof und Stadt in Lessings Minna von Barnhelm
Robert Charlier, Die Muse von Weimar. Vom Philosophenhof zur Musenstadt der deutschen Klassik
Thomas Gil, Höfische Rhetorik und aufklärerische Rationalität. Zwei Modelle menschlicher Kommunikation
Uwe Steiner, Glück im Unglück. Leibniz am Grab der Königin Sophie Charlotte
Heinz-Dieter Kittsteiner, Zu Gast in Königs Wusterhausen. Das Tagebuch des J.A. Freylinghausen vom 4.-10. September 1727
Ursula Pia Jauch, Herr Maschine im Jenseits von Gut und Böse. La Mettrie in Potsdam
Agnieszka Pufelska, Ignacy Krasicki – ein heiterer Pole am preußischen Hof

 

 

Sven Externbrink, Friedrich der Große, Maria Theresia und das Alte Reich: Deutschlandbild und Diplomatie Frankreichs im Siebenjährigen Krieg, Berlin Akademie-Verlag 2006.

friedrich der große Maria theresia  
Der Siebenjährige Krieg (1756–1763) bildete in gewissem Sinne den "Ersten Weltkrieg" in der Geschichte. In seinem Verlauf vertrieb England Frankreich aus Nordamerika und Indien und legte damit den Grundstein für sein weltumspannendes Empire. Als weitere Folge des Krieges bildete sich der die deutsche Geschichte bis 1871 prägende Dualismus zwischen Österreich und Preußen heraus.
Nachdem Friedrich der Große durch seine Allianz mit Großbritannien die französisch-österreichische Verständigung beschleunigt hatte, erklärte Frankreich den über zweihundertjährigen Kampf gegen Österreich für beendet und verbündete sich mit seinem ehemaligen Feind. Doch der Versuch König Ludwigs XV. von Frankreich, mit dieser Allianz den Frieden in Deutschland und Europa zu sichern, war zum Scheitern verurteilt.
Der sich eingekreist wähnende Preußenkönig löste einen Krieg aus, der den Großmachtstatus Preußens festigte und den Frankreichs auf Dauer schwächte. Mit dieser Studie liegt erstmals seit über einem halben Jahrhundert wieder eine aus den Quellen geschöpfte Darstellung der französischen Deutschlandpolitik in der Epoche des Siebenjährigen Krieges vor, eine Arbeit, welche die lange von nationalistischen Urteilen geprägte Forschung grundlegend korrigiert.

 

 

Geist und Macht. Friedrich der Große im Kontext der europäischen Kulturgeschichte, hg. v. Brunhilde Wehinger, Akademie Verlag Berlin 2005.

 
Aus kulturwissenschaftlicher Perspektive steht Friedrich der Große in einer historischen Konstellation, die aufschlussreiche Einblicke in die spezifischen Möglichkeiten und Grenzen eines Bündnisses von Geist und Macht im Kontext der europäischen Aufklärung eröffnet. Als „roi philosophe“, in seiner Doppelrolle als König und Philosoph, gelang es ihm, dem Ideen- und Kulturtransfer (von West- nach Mitteleuropa) nachhaltige Impulse zu geben und die Dynamik der soziokulturellen Modernisierung auf der Grundlage der grenzüberschreitenden, transnationalen Kulturbeziehungen zu intensivieren.
Dabei verkörperte er die Rolle eines entscheidenden Akteurs, weil er sich in Abkehr von der höfischen Konvention als ein Intellektueller auf dem Thron verstand und dies als Autor eines umfangreichen Werkes auch sichtbar unter Beweis stellte. Zugleich nahm er diese Aufgabe als Herrscher wahr, entschlossen, auch auf der politischen Bühne eine entscheidende Rolle zu spielen. Die mit seiner Person verknüpften Attribute Kultur und Politik oder Geist und Macht sind mit seiner Person untrennbar verknüpft und galten ihm selbst keineswegs als inkompatibel. Dennoch unterzogen bereits Zeitgenossen die friderizianische Verknüpfung von (politischer) Macht und (allgemeiner) Kulturentwicklung einer grundsätzlichen Kritik. Diese Kritik wiegt umso mehr, als sie sich, wie etwa im Falle Voltaires, auf dieselben aufgeklärten Ideen berief, die Friedrich für sich in Anspruch nahm.
Die Beiträge des interdisziplinär konzipierten Bandes von Literaturwissenschaftern, Kunsthistorikern, Kulturwissenschaftlern und Kulturhistorikern beleuchten das von Friedrich II. angestrebte Bündnis von Geist und Macht kritisch und erörtern die Frage nach seiner historischen Funktion als Akteur der europäischen Kulturgeschichte.

Aus dem Inhalt:

Eberhard Lämmert: Friedrich der Große und die deutsche Literatur
Uwe Steiner: Die Sprache der Gefühle. Der Literaturbegriff Friedrichs des Großen im historischen Kontext
Corina Petersilka: Zur Zweisprachigkeit Friedrichs II.
Brunhilde Wehinger: Zwischen Literatur und Politik. Zur literarischen Korrespondenz Friedrichs II.
Jens Häseler: Friedrich II. oder wie viel Wissenschaft verträgt die höfische Kultur?
Gerhard Knoll: Friedrich der Große und die „vaterländischen Altertümer“
Pierre Pénisson: Pamphlet und dialektisches Bild. Johann Georg Hamanns „Au Salomon de Prusse“
Alexander Košenina: Friedrich, „die Morgensonne“ der Aufklärung: „Sechs deutsche Gedichte, dem Könige von Preußen gewidmet“ (1781) von Karl Philipp Moritz
Iwan D’Aprile: Daniel Jenischs „Borussias“ im Kontext der zeitgenössischen literarischen Debatten
Klaus Weissenberger: Friedrich der Große und der Bruderzwist im Hause Mann
Heinz Dieter Kittsteiner: Werner Hegemann als Historiker
Frank-Lothar Kroll: Friedrich der Große als Gestalt der europäischen Geschichtskultur
Christoph Martin Vogtherr: Königtum und Libertinage. Das Audienz- und Speisezimmer im Schloss Sanssouci
Marcus Becker: Der friderizianische Alte Markt in Potsdam.
Anette Dorgerloh: Friedrich II. als Gartengestalter– Repräsentation und historische Verortung
Christoph Frank: Der friderizianische Kunsttransfer nach Russland: Zur Bedeutung Rembrandts und Georg Friedrich Schmidts

 

 

"Vom Kurfürstentum zum "Königreich der Landstriche". Brandenburg-Preußen im Zeitalter von Absolutismus und Aufklärung, hg. v. Günther Lottes, Berlin 2003.

kurfürstentum

Kaum eine Geschichte ist von den Geschichtsschreibern dramatischer und kontroverser gedeutet worden als die preußische. Während sie im 19. Jahrhundert zur stellvertretenden Nationalgeschichte avancierte und der deutsche Beruf Preußens (Droysen) zur Leitkategorie des nunmehr professionalisierten Umgangs mit Geschichte wurde, brach diese Interpretation nach 1945 gründlich diskreditiert in sich zusammen. Das 18. Jahrhundert, als das Gründungs- oder Durchbruchsjahrhundert des modernen Preußen, steht am Anfang dieser Kontroversgeschichte. In ihm wird die Janusköpfigkeit Preußens besonders deutlich - einerseits steigt Preußen zur europäischen Militärmacht auf, andererseits haben hier in der Toleranzpolitik gegenüber religiösen und ethnischen Minderheiten, in der friderizianischen Vorurteilsfreiheit und in der vornationalen, europäischen Ausrichtung von Politik und Kultur die aufklärerischen Traditionen Preußens ihren Ursprung.

Aus dem Inhalt:

Thomas Fuchs: Dynastische Politik, symbolische Repräsentation und Standeserhöhung. Die preußische Königskrönung 1701.
Sylvain Hänsel: Die Bildnisse Friedrichs III./I. Überlegungen zu den Staatsporträts des ersten Königs in Preußen
Stefan Lorenz: Ezechiel Spanheim und das höhere Bildungswesen in Brandenburg-Preußen um 1700
Brunhilde Wehinger: „Denkwürdigkeiten der Hauses Brandenburg“. Friedrich der Große als Autor der Geschichte seiner Dynastie
Jens Häseler: Franzosen im Dienste des Aufstieg Preußens
James Jakob Fehr: Conscientious Objection in the Militarist State. The Mennonite Refusal of Military in Brandenburg-Prussia
Thomas Fuchs: Der Durchbruch eines Denkstils. Zur Geschichte des Frühkantianismus (1781-1804)
Iwan-Michelangelo: Modelle des Ästhetischen im Berlin der Spätaufklärung

 

 

Europäischer Kulturtransfer im 18. Jahrhundert. Literaturen in Europa - Europäische Literatur?, hg. v. Barbara Schmidt-Haberkamp, Uwe Steiner, Brunhilde Wehinger, Berlin 2003.

kulturtransfer

Von Deutschland aus betrachtet stellt sich das 18. Jahrhundert als das Zeitalter der Aufklärung dar und zugleich als die Epoche, in der sich eine eigenständige deutsche Literatur herausbildete. Doch wie die Aufklärung ist auch die Entstehung einer deutschen Nationalliteratur ein europäisches Ereignis und Teil jener kulturellen Transferprozesse, die sich paradoxerweise vor allem dann am nachdrücklichsten geltend machen, wenn es darum geht, Differenzen zu markieren und Nationalkulturen hervorzubringen.
Doch Nationalliteraturen, die kulturell in sich geschlossen und nur den eigenen Traditionen verpflichtet sind, gibt es eigentlich gar nicht, denn literarisches Geschehen fand in Europa stets grenzüberschreitend statt.
Gibt es also eine europäische Literatur? Diese Frage steht im Mittelpunkt der Beiträge dieses Bandes, die davon ausgehen, dass nicht nur die Aufklärung, sondern ebenso die nationalen Literaturen, die sich im Laufe des 18. Jahrhunderts herausbildeten, untrennbar mit dem europaweit wirksamen Austausch der Ideen und literarischen Konzepte verknüpft sind.

Aus dem Inhalt:

Bernhard Fabian: Englisch-deutsche Kulturbeziehungen im achtzehnten Jahrhundert
Marie-Luise Spieckermann: Anthologien englischer Autoren und die Bildung eines deutschen Kanons der englischen Literatur
Franziska Sick: Die Bibliothek als Ort des Kulturtransfers. Das Beispiel der Fürstlich-Waldeckischen Hofbibliothek zu Arolsen
Helmut J. Schneider: Familiendramaturgie und Nationaltheateridee: Zur Publikumskonzeption in der deutschen und französischen Dramaturgie des 18. Jahrhunderts
Rainer Zaiser: „Dieses Theater des Herrn Diderot“: Empfindsamer Kulturtransfer im bürgerlichen Drama der Aufklärung – Diderot, Lessing, Goldoni
Sivia Mergenthal: Jean-Jacques oder die weibliche Erziehung: Aspekte der Rousseau-Rezeption in Großbritannien
John H. Zammito: Die Rezeption der schottischen Aufklärung in Deutschland. Herders entscheidende Einsicht
Susanne Scholz: Römische Miniaturen – Zur kulturellen Funktion von Gran Tour-Souvenirs im England des 18. Jahrhunderts
Vanessa de Senarclens: Missverständnisse – Friedrich der Große als Leser von Montesquieus Considérations sur les causes de la grandeur des Romains et de leur décadence (1734)
Martin Vöhler: Ein Adler über den Krähen ? Zur Funktion der Antike im europäischen Kulturtransfer des achtzehnten Jahrhunderts am Beispiel Pindars

 

Friedrich der Große: Totengespräch zwischen Madame de Pompadour und der Jungfrau Maria, hg. v. Gerhard Knoll, 2. erw. Aufl., Berlin 2000.

Totengespräch Madame Pompadour und Jungfrau Maria
Mit dem Regierungsantritt Friedrichs II. als König von Preußen im Jahre 1740 wurde die Aufklärung in Europa zur herrschenden Geistesströmung. Die grundsätzlichen Schwierigkeiten, die Personalunion zwischen Aufklärungsschriftsteller und Monarch mit sich brachte, sind durch das kriegerische Dementi des Anti-Machiavel bisher völlig überschattet worden. Der jetzt zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich gemachte Dialogue des morts entre Madame de Pompadour et la vierge Marie, den der König in den Jahren 1772/1773 niederschrieb, macht das paradoxe Verhältnis von Literatur und Politik offenbar: Zu Lebzeiten des Autors nicht publikabel, nach seinem Tod für die Zensur in Preußen wie in Großbritannien nicht tolerabel, galt der Dialog seither als verloren. Bei bibliographischen Recherchen durch Gerhard Knoll entdeckt, wird hier der Originaltext zusammen mit einer deutschen Übersetzung und einem ausführlichen Kommentar vorgelegt.

 

 

In Vorbereitung:

Friedrich der Große als Leser-Intertextualität und Dialogizität im Oeuvre des roi-philosophe, hg. v. Günther Lottes und Brunhilde Wehinger

Mit Beiträgen von Anne Baillot, Manuela Böhm, Sven Externbrink, Joachim Gessinger, Michael Knobloch, Bernhard R. Kroener, Günther Lottes, Jörg Ulbert, Brunhilde Wehinger u. a.

 

 

 

 

 

 

 

 

 
Universität Potsdam / Historisches Institut / Prof. G. Lottes
Letzte Aktualisierung 09.10.2013 | M. Meiske