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Grenzenloser Blick ins All

Prof. Dr. Christian Stegmann sucht mit Gammateleskopen nach kosmischen Beschleunigern
Bild: Christian Stegmann, DESY

Bild: Christian Stegmann, DESY

Ein Termin jagt den anderen. Christian Stegmann hastet über den Flur, den Schutzhelm unterm Arm. Auf dem Campus wird gebaut. Stegmann ist Chef des Deutschen Elektronen-Synchrotrons (DESY) in Zeuthen. Tempo gehört hier zum Programm: Mit Beschleunigern und Teleskopen werden am DESY die fundamentalen Bestandteile und Kräfte des Universums erforscht.

Wenn Christian Stegmann über seine Arbeit spricht, wechselt er blitzschnell vom konzentrierten Manager zum leidenschaftlichen Wissenschaftler. Sein Fach ist die Physik der kosmischen Strahlung, jenes Stroms hochenergetischer Teilchen, der aus dem All kommend unaufhörlich die Atmosphäre der Erde und die auf ihr lebenden Organismen durchdringt. Stegmann und seine Kollegen interessiert, wo die Quellen dieser Strahlung liegen und wie die Natur es schafft, die kosmischen Teilchen so viel höher zu beschleunigen, als dies auf der Erde je möglich wäre.

Diese Fragen beschäftigen ihn nicht nur am DESY in Zeuthen, sondern seit Kurzem auch an der Universität Potsdam, wo er eine Professur für Teilchen- und Astroteilchenphysik inne hat und derzeit eine Forschergruppe aufbaut. Ein kleines Team aus Wissenschaftlern und Doktoranden wird mit den Daten hochempfindlicher Gammateleskope arbeiten. „Auf der Suche nach den Beschleunigern haben wir in den vergangenen zehn Jahren eine Revolution erlebt“, schwärmt Christian Stegmann von den neuen Erkenntnissen, die insbesondere das H.E.S.S.-Gammastrahlenexperiment in Namibia hervorgebracht hat. Mit dem international betriebenen Teleskopsystem – benannt nach dem Physiker Victor Hess, der die kosmische Strahlung vor 100 Jahren entdeckte und dafür den Nobelpreis erhielt – gelang es, 60 neue Strahlungsquellen zu identifizieren. Stoßwellen gewaltiger Sternenexplosionen gehören ebenso dazu wie die magnetischen und elektrischen Felder von Pulsaren. Auch die Umgebungen von Schwarzen Löchern im Kern aktiver Galaxien wirken als Triebkräfte.

„Mit den Gammateleskopen haben wir ein neues Fenster ins All aufgestoßen“, sagt Stegmann, der seit diesem Jahr Sprecher und damit so etwas wie der Primus inter Pares des H.E.S.S.-Experiments ist. Rund 200 Wissenschaftler aus 27 Institutionen weltweit sind daran beteiligt. Stegmann fasziniert es, große Dinge anzuschieben. So hat sein Institut den Prototyp der riesigen Spiegelteleskope für das Cherenkov Telescope Array (CTA) konstruiert. Das neuartige Observatorium soll künftig mit einer bislang unerreichten Empfindlichkeit und über 50 Einzelteleskopen in der nördlichen und südlichen Hemisphäre nach kosmischen Beschleunigern suchen. Mehr als 1.000 Quellen wird CTA erfassen können. „Interessant für die Studierenden an der Universität ist, dass sie durch unsere Kooperation Zugang zu solch spannenden Forschungsfeldern und internationalen Projekten bekommen“, sagt Christian Stegmann und kündigt an, dass junge Wissenschaftler vom DESY demnächst an der Uni Seminare halten werden. Es sei wichtig, den Nachwuchs zu begeistern, „eine Flamme zu entzünden“. Er selbst hat sich als Professor an der Universität Erlangen-Nürnberg viele Jahre in der Lehre engagiert. Derzeit betreut er vier Doktoranden. Und seit Kurzem arbeitet ein erster Physikstudent aus Potsdam am DESY als wissenschaftliche Hilfskraft. Stegmann hält die Kooperation mit der Universität für eine „gute strategische Entscheidung“ und freut sich auf die gemeinsamen Projekte: „Mit dem Institut für Physik und Astronomie an der Uni und dem Astrophysikalischen Institut ist Potsdam einfach ein Schwerpunkt der Astroforschung.“ 

Perlen der Wissenschaft 

Jede einzelne hat ihr unverwechselbares Profil, gemeinsam wollen sie ihr Potenzial besser ausschöpfen: 18 führende Wissenschaftseinrichtungen Brandenburgs haben sich 2009 auf Initiative der Universität Potsdam zum „pearls • Potsdam Research Network“ zusammengeschlossen. Im Netzwerk wollen sie Synergien nutzen, um die Forschung und Ausbildung enger zu verzahnen, gemeinsam noch erfolgreicher Drittmittel-Projekte einzuwerben und innovative, zukunftsweisende Forschungsbereiche zu entwickeln.

www.pearlsofscience.de

Text: Antje Horn-Conrad, Online gestellt: Agnes Bressa