Annabelle Wischnat

koordiniert die Arbeitsgemeinschaften

für die Abteilung Mobilisierung des SPD Parteivorstands


Was sind Ihre Aufgaben?

Ich bin im SPD-Parteivorstand in der Abteilung Mobilisierung tätig. Dort arbeite ich im Referat Arbeitsgemeinschaften, welches die insgesamt zehn Arbeitsgemeinschaften in der SPD betreut. Ich koordiniere die Arbeit von fünf Arbeitsgemeinschaften, organisiere Konferenzen, Gremien- und Vernetzungstreffen, bin Ansprechperson für die Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen der Arbeitsgemeinschaften. In Wahlkampfzeiten plane ich außerdem Kampagnen der einzelnen Arbeitsgemeinschaften und organisiere den Zielgruppenwahlkampf der SPD mit.

Was haben Sie studiert?

Ich habe in Mannheim Politikwissenschaften und Anglistik im Bachelor studiert, ein Auslandssemester im Bereich European Studies gemacht, und dann wieder Politikwissenschaften im Master an der FU Berlin studiert.

Wie sind Sie an Ihre derzeitige Stelle gekommen?

Ich wollte eigentlich in die politische Bildungsarbeit oder im Stiftungsbereich arbeiten, was ich als Studentin auch schon gemacht habe. Aufgrund meines Studiums und ehrenamtlichem Engagements bei der SPD habe ich mich dann doch für die politisch hauptamtliche Arbeit entschieden. Und da dann den klassischen Weg genommen: Ausschreibung gesehen, beworben, Bewerbungsgespräch.

Ist es leicht, an eine hauptamtliche Stelle in einer Partei zu kommen?

Jein. Ich habe als Studentin schon mal für die SPD in Berlin gearbeitet und engagiere mich auch ehrenamtlich in der Partei, das hat mir sicherlich geholfen, da ich die Strukturen und Arbeitsweisen der Organisation kannte.
Wie bei allen Bewerbungsgesprächen zählten aber vor allem Arbeitserfahrung und bei meinem Job spezifisch Erfahrungen in der Organisation von Veranstaltungen, der Öffentlichkeitsarbeit und der Koordination von Ehrenamtlichen.

Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?

  • In einer Runde gesessen, in der wir ein Konzept für eine Veranstaltung zum Frauentag am 8. März weiter ausgearbeitet haben
  • Ein Konzept zur Mobilisierung von Frauen ausgearbeitet
  • Eine Konferenz im gesundheitspolitischen Bereich und Gremiensitzungen weiter vorbereitet: Referent*innen angefragt, Tagesordnungen geschrieben, Einladungen versendet, Cateringabsprachen, Veranstaltungsvorbereitungen

Wie nehmen Sie konkret Einfluss auf die Politik?

Ich formuliere keine politischen Inhalte der Partei, sondern nehme vor allem durch die Unterstützung ehrenamtlicher Strukturen Einfluss. Meine Aufgabe ist es, Zielgruppen zu definieren; die Arbeitsgemeinschaften als Multiplikatoren unserer politischen Arbeit mit gesellschaftlichen Akteuren zu vernetzen und Mobilisierungsstrategien zu entwerfen.

Politik – wird da nicht immer nur rumdiskutiert?
Wie zufrieden sind Sie mit der Umsetzung Ihrer politischen Ideen?

Dieser Vorwurf ist alt – und teilweise auch berechtigt. In einem politischen System wie in Deutschland und mit immer mehr Parteien in den Parlamenten (und Regierungen) wird das Regieren, also das Finden von inhaltlichen Kompromissen zwischen den Koalitionsparteien, immer schwieriger und langwieriger.
Als SPD haben wir in dieser Legislatur (2017-2021) bisher viel durchgesetzt: Von der Vollzeit in die Teilzeit und zurück, berufliche Förderung von Langzeitarbeitslosen, Entlastungen bei den Kita-Gebühren und Krankenkassenbeiträgen, Investitionen in den sozialen Wohnungsbau, Ausweitung des Mietschutzgesetzes, Aufstockung von Pflegeberufen, Stabilisierung der Rentenbeiträge.
Trotz dieser Erfolge konnten wir wichtige gesellschaftliche Vorhaben in der Koalition mit der Union bisher nicht angehen, dazu zählen bspw. die Abschaffung des §219a, die Erhöhung des Rentensatzes, die Einführung einer Bürgerversicherung und die Vermögenssteuer.

Sind Sie immer auf dem aktuellsten politischen Stand?

Ich versuche es. Ich höre viel Radio und lese (online) Zeitungen.

Was ist Ihre größte politische Vision?

Vollkommene Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern auf allen Ebenen.

Was sind die nächsten Schritte, die Sie in Ihrer politischen Karriere planen? - Fernziel Bundeskanzlerin?

Auf gar keinen Fall, zu wenig Freizeit. Eine politische Karriere hat für mich keine Priorität. Politische Entscheidungen und Strukturen hauptberuflich mitentwicklen zu können, ist super spannend, ich muss das nicht vor Kameras tun.

Welches sind die wichtigsten Fähigkeiten, die man für die Arbeit in der Politik mitbringen muss? Was braucht man, um sich intern durchzusetzen?

Das Wichtigste sind eigentlich die Soft Skills. Organisationsgeschick und strategisches Denken, schnelles Auffassungsvermögen und Beurteilung von politischen Lagen. Was man aber auch mitbringen muss: Ausdauer, Empathie, Frustrationstoleranz, die Bereitschaft wenig zu schlafen – und vor allem: Spaß an der politischen Arbeit und den Willen, die Gesellschaft zum Besseren zu verändern.

Wie man sich am besten durchsetzt: Kenne die Strukturen, Verfahren und Zusammenhänge, wende dich an die Personen an bestimmten Schnittstellen und lass dich nicht von deinem Standpunkt abbringen, sei hartnäckig.

Was fordert Sie an Ihrem Beruf heraus, was ist besonders spannend?

Ich koordiniere Arbeitsgemeinschaften in verschiedenen thematischen Bereichen. Ich muss keine Expertin sein, mir aber die inhaltlichen Zusammenhänge in jedem Feld zu eigen machen können und habe so Einblick in die unterschiedlichsten inhaltlichen Politikfelder auf unterschiedlichen politischen Ebenen. Besonders spannend sind natürlich auch die Wahlkampfzeiten, wenn das politische Tagesgeschäft ganz anderen Regeln unterliegt, Entscheidungen und Prozesse sich von heute auf morgen ändern können.


Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?

Lasst euch nicht vorschreiben, was ihr studieren, welche Sprache ihr lernen oder welches Praktikum ihr machen sollt. Macht das, was für euch am besten erscheint.

Und vor allem: Nehmt keine unbezahlten Praktika an. Das ist Arbeit und muss honoriert werden. Ein Praktikum in bspw. einem Ministerium oder in einer Internationalen Organisation ist sicherlich spannend, es gibt aber auch andere Möglichkeiten, dort beruflich Fuß zu fassen, als unentgeltlich für auch nur ein paar Wochen (ohne richtig anzukommen) dort zu arbeiten. Ich finde es sinnvoller, in der Studienzeit eine Stelle anzunehmen und so über eine längere Zeit einen tiefen Einblick in die Prozesse und Strukturen zu erhalten und so selbst auch intensiver, eigenverantwortlicher und verantwortungsvoller zu arbeiten.