Sophia von Schenck

Praktikantin

in der Verwaltung des Europäischen Parlaments


Was haben Sie studiert?

Im Bachelor habe ich an der Uni Potsdam Politik und Verwaltung und Französische Philologie, im Master an der gleichen Uni Verwaltungswissenschaft studiert.

Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?

Ich bewarb mich im Herbst 2015 online für das Praktikantenprogramm des Europäischen Parlaments. Da mein Lebenslauf gut zu den Anforderungen des Europäischen Parlaments passte – und sicherlich auch ein Quäntchen Glück im Spiel war ;-) –  erhielt ich Mitte November eine Zusage. Am 1. Februar 2016 startete ich schließlich in den Brüsseler Praktikanten-Alltag.

Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?

Mein Lieblingsprojekt als Praktikantin war die Initiierung eines Alumni-Netzwerks für ehemalige Praktikanten des Europäischen Parlaments und der Europäischen Kommission. Aus einer anfangs vagen Idee entwickelte ich in mehreren Verhandlungsrunden mit Referatsleitungen und Praktikantenvertretern ein fertiges Konstrukt. Gegen Ende meines Praktikums konnte ich den ersten Entwurf der Netzwerkstatuten niederschreiben.
Darüber hinaus habe ich, gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus drei weiteren Generaldirektionen, einen gemeinsamen Stand für den Tag der offenen Tür des Europäischen Parlaments mit vorbereitet. Wir haben Aktivitäten für die Besucher – bspw. Quizfragen und Kinderspiele – konzipiert und umgesetzt. Das Ergebnis durfte ich als freiwillige Helferin beim Tag der offen Tür in Straßburg und Brüssel selbst bestaunen.
Schließlich habe ich das Korrektur-Lesen und den Druck der Broschüre „Wege ins Europäische Parlament“ in 24 EU-Amtssprachen koordiniert. Dafür stand ich mit Muttersprachlern – meist Kolleginnen und Kollegen – und dem Druckservice des Europäischen Parlaments in engem Kontakt.

Haben Sie schon einmal berufsbedingt im Ausland gelebt? Wenn ja, wo?

Ich habe während meines Studiums Auslandspraktika in Italien, Kamerun und Vietnam gemacht. In Vietnam habe ich zusätzlich Expertengespräche für meine MA-Arbeit geführt.

Was sind die Herausforderungen eines internationalen Arbeitsumfeldes?

Eine große Herausforderung, die mir vor allem in Kamerun und Vietnam begegnet ist, sind unterschiedliche Mentalitäten einheimischer Kolleginnen und Kollegen am Arbeitsplatz, bspw. was Pünktlichkeit, Deadlines oder das offene Ansprechen von Problemen betrifft. Viele dieser Probleme ließen sich später durch genaueres Kennenlernen, Empathie und Gespräche lösen.
Eine weitere Herausforderung, mit der ich hauptsächlich in Kamerun zu kämpfen hatte, ist der dortige, vollkommen anders strukturierte Alltag. Bspw. gibt es in Kamerun keine öffentlichen Verkehrsmittel in unserem Sinne und oft kein fließendes Wasser. Ich benötigte damals (2012) mehr als vier Wochen, um mich einigermaßen in meiner neuen Umgebung zurechtzufinden.

Was waren Ihre Arbeitssprachen? Wie viele Sprachen beherrschen Sie?

Obwohl Deutsch auf dem Papier eine offizielle EU-Arbeitssprache ist, wurde sie in meinem Arbeitsalltag kaum gesprochen. Der Schriftverkehr erfolgte in Englisch, Meetings fanden entweder in Englisch oder Französisch statt.
Ich selbst beherrsche neben meiner Muttersprache Deutsch auf verhandlungssicherem Niveau Englisch und Französisch. Auch kann ich mich mündlich gut auf Italienisch verständigen.

Was forderte Sie an Ihrem Beruf heraus?

Nicht leicht war es für mich anfangs, nur auf Englisch und Französisch zu arbeiten und ständig zwischen beiden Sprachen zu wechseln. Im ersten Praktikumsmonat hatte ich deshalb häufiger Kopfweh und war nach getaner Arbeit sehr müde. Nach ca. vier Wochen setzte jedoch ein Gewöhnungseffekt ein, Kopfweh und Müdigkeit verschwanden. Auch bekam ich auf der Arbeit bereits nach kurzer Zeit eine Vielzahl anspruchsvoller Aufgaben anvertraut. Ich fühlte mich anfangs dadurch etwas überfordert, wuchs jedoch durch die sehr gute Einarbeitung meiner Kolleginnen und Kollegen und eigenes Ausprobieren schnell in die neuen Tätigkeiten hinein.

Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?

Ich empfehle Berufseinsteigern, in Bewerbungsprozessen selbstbewusst aufzutreten und sich für die eigenen Traumstellen zu bewerben. Die Bewerberzahlen für EU-Praktika sind hoch und mögen deshalb entmutigen. Allerdings haben Bewerberinnen und Bewerber mit guten Sprachkenntnissen und relevanter Berufserfahrung sehr gute Chancen, am Ende einen interessanten Praktikumsplatz zu ergattern.
Auch empfehle ich, mit früheren Kolleginnen und Kollegen sowie Vorgesetzten in Kontakt zu bleiben, ab und zu ein paar E-Mails hin- und herzuschicken und/oder einen Besuch der ehemaligen Arbeitsstelle einzuplanen. Nach Ende des Studiums ist die Stellensuche mit einem großen Netzwerk viel einfacher.