Tanja Wiehn

Doktorandin

am Institut für Kunst und Kulturwissenschaft der Universität Kopenhagen

 

Was haben Sie studiert?

Ich habe Kulturwissenschaft mit dem Nebenfach Romanistik (im Bachelor) studiert.
Dabei habe ich im Master einen Schwerpunkt auf digitale Kultur in meiner Abschlussarbeit gelegt.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, zu promovieren?

Nach dem Abschluss wollte ich zunächst einen Job im Kultursektor in Berlin finden, da ich bereits einige Arbeitserfahrungen in Galerien, Museen und NGOs gesammelt hatte. Die Idee für eine Promotion war allerdings immer im Hinterkopf, da mir wissenschaftliches Arbeiten und Schreiben immer große Freude bereitet hat. Zunächst habe ich dann eine Teilzeitstelle an der FU Berlin angenommen und nebenbei an meinem Promotionsvorhaben gearbeitet. Parallel habe ich mich dann mit meiner Projektidee auf offenen Stellen für Doktorand*innen in Kopenhagen und Utrecht beworben. Letztlich ist es dann Dänemark geworden :-)

Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?

Zurzeit schreibe ich an einem Artikel, den ich bei einer Summer School in Portugal im Juli vorstellen möchte. Abgesehen davon habe ich mich mit meiner Forschungsgruppe getroffen, um einen kommenden Workshop mit Kolleg*innen in Israel zu besprechen. Und ich habe eine Kursbeschreibung für meine erste Lehrveranstaltung im kommenden Wintersemester verfasst. Letzteres war eine besonders spannende Erfahrung, da ich mir nun zum ersten Mal von der anderen Seite her überlegen musste, was denn eigentlich die Studierenden interessant finden würden. 

An was forschen Sie gerade?

Ich forsche zurzeit zu künstlerischen Arbeiten, die sich mit der Analyse von DNA befassen und diese kritisch betrachten. Dabei schaue ich mir Positionen aus der Kybernetik, Posthumanismus und Theorien zu algorithmischen Kulturen an.

Wie unterscheidet sich Ihre Promotion zu Ihrem Studium, welche Aufgaben sind neu hinzugekommen?

Die Promotion unterscheidet sich für mich deutlich dadurch, dass es selbstständigeres Arbeiten über einen wesentlich längeren Zeitraum ist, was Vor- und Nachteile bringen kann. Einerseits bietet es die Freiheit ein eigenes Forschungsprojekt voranzutreiben, andererseits kann es auch eine einsame Angelegenheit sein. Ich glaube der Austausch mit und die Unterstützung durch andere Doktorand*innen ist dabei sehr wichtig. Neue Aufgaben sind für mich auf jeden Fall das Planen und Durchführen von eigenen Lehrveranstaltungen. Das wird für mich eine komplett neue Erfahrung sein, bei der ich sicher sehr viel Neues lernen kann.

Was sind klassische Schwierigkeiten beim Schreiben einer Dissertation?

Ich glaube, das hängt sehr von der individuellen Situation der Doktorand*innen ab, die durchaus sehr prekär in finanzieller Hinsicht sein kann. Aber die Balance zu finden zwischen dem Arbeiten an einem eigenen Projekt, das sehr viel Zeit in Anspruch nimmt und intellektuell sehr fordernd ist und einem Sozialleben ist immer schwierig. Außerdem ist man in der Wissenschaft auch immer der Versuchung ausgesetzt, noch mehr zu machen, den Stift quasi nie aus der Hand zu legen. Hier könnte man noch eine Konferenz besuchen oder da noch einen weiteren Forschungsaufenthalt planen. Also die klassische fomo (fear of missing out) gibt es auch im akademischen Betrieb ;)

Wieso haben Sie sich zu einer Promotion entschlossen? Welche Absichten verfolgen Sie damit?

Ein eigenes Promotionsprojekt durchzuführen ist für mich eine der größten beruflichen Freiheiten, die ich mir vorstellen kann. Auch wenn einige administrative Aufgaben hinzugekommen sind, ist es doch das Forschen an Inhalten, die meinen Interessen liegen, die mich immer wieder motivieren. Ich kann mir vorstellen in der Wissenschaft zu bleiben, sehe die Promotionsphase aber gleichzeitig als persönlichen Testlauf, ob ich auch in Zukunft akademisch arbeiten möchte.

 

Lässt Ihnen die Promotion auch noch Zeit für andere Projekte?

Ich bin vor ca. einem halben Jahr von Berlin nach Kopenhagen gezogen. In diesem Zeitraum hatte ich tatsächlich wenig Zeit für andere Projekte außerhalb der Universität und dem eigentlichen Ankommen in Kopenhagen. Allerdings gibt es in Dänemark aus meiner Perspektive ein ausgeprägtes Verständnis von Work-Life-Balance, was auch neben der Arbeit Freizeitaktivitäten und Privatleben zulässt. Also niemand erwartet, dass man freitags bis 19 Uhr im Büro sitzt.

Was fordert Sie an Ihrer Tätigkeit heraus?

Immer auf dem Laufenden zu bleiben, sich mit den aktuellen wissenschaftlichen Diskursen zu befassen, was besonders in meinem Forschungsgebiet der digitalen Kultur eine echte Herausforderung ist. Und auch das Schreiben, was für mich immer eine sehr intensive, aber auch gewinnbringende Erfahrung ist, wenn das Endprodukt steht.


Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?

Der Einstieg in eine Promotion, inklusive der Organisation einer adäquaten Finanzierung ist sicher der schwierigste Teil.  Zukünftigen Doktorand*innen kann ich aber empfehlen schon mal die Fühler auszustrecken und sich für Graduiertenkonferenzen oder wissenschaftliche Workshops zu bewerben. Aus meiner Erfahrungen lernt man dadurch nicht nur interessante Forscher*innen kennen, sondern erhält auch wichtige Informationen, wie z.B. kommende Ausschreibungen für Stipendien oder Stellen.