Marc Helbling

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Lehrstuhlinhaber

für Politische Soziologie an der Universität Bamberg und Fellow am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB)

Foto: David Ausserhofer

 

Was haben Sie studiert?

Ich habe Politikwissenschaft an der Universität Lausanne und am Institut d’Etudes Politiques in Paris studiert. Danach folgte ein Promotionsstudium an der Universität Zürich mit einem Forschungsaufenthalt an der New York University.

Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?

Da vor Kurzem das Sommersemester zu Ende ging, musste ich Klausuren korrigieren sowie diverse Promotionen und Masterarbeiten lesen und Gutachten dazu schreiben. Die Sommerpause erlaubt mir, mich verstärkt meiner Forschung zu widmen. Zur Zeit arbeite ich gerade an zwei Umfragen, in welchen wir den Einfluss von Überwachungsgesetzen auf das Vertrauen in den Staat sowie die Effekte von Terroranschlägen auf die Einstellungen gegenüber Eiwanderungsgesetzen untersuchen. Zudem habe ich in den letzten Wochen verschiedene Manuskripte für wissenschaftliche Zeitschriften begutachten müssen.

Hatten Sie schon immer den Plan, in der Wissenschaft zu arbeiten? Wer oder was hat Ihnen dabei geholfen, diesen Schritt zu gehen?

Ich hatte zwar gegen Ende des Studiums schon mal überlegt, eine Dissertation zu schreiben, bin dann aber doch eher per Zufall in einem Dissertationsprojekt gelandet, nachdem ich für eine Assistentenstelle angefragt wurde. Die Promotionszeit war sehr bereichernd und interessant. Lange war für mich aber unklar, ob ich in der Wissenschaft bleiben möchte, da ich mir auch gut vorstellen konnte, in einem anderen Bereich zu arbeiten. Nach Abgabe der Diss habe ich mir dann ein/zwei Jahre Zeit gegeben, um zu sehen, ob es mir weiterhin in der Wissenschaft gefällt und ich meine Arbeiten überhaupt publizieren kann. Nachdem mir eine tolle Postdocstelle in Berlin angeboten wurde und es mit den Publikationen klappte, war klar, dass dies mein Weg sein wird. Insgesamt hat es mir sehr geholfen, in spannenden Projekten und mit interessanten Menschen arbeiten zu dürfen.

An wie vielen Hochschulen haben Sie auf Ihrem Weg in die Professur Station gemacht? Wie wichtig ist es für die wissenschaftliche Karriere, dass man unterschiedliche Hochschulen kennen gelernt hat?

Ich war während des Studiums in Lausanne und Paris und während der Diss in Zürich und New York. Während meiner Postdoczeit in Berlin habe ich längere Forschungsaufenthalte in Princeton und Harvard eingelegt und für kürzere Zeit war ich u.a. in Oxford, Sydney und Montreal. Während meines Sabbaticals an der Uni Bamberg letztes Jahr habe ich je ein Semester am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz und der City University of New York verbracht. Ich fand diese Aufenthalte immer sehr bereichernd, auch weil ich generell gerne viel reise. Die Tatsache alleine, dass ich woanders sitze, hilft mir schon, auf neue Gedanken zu kommen. Und natürlich lernt man auch viele Leute kennen. Trotz aller moderner Kommunikationsmittel finde ich es immer noch wichtig, andere Wissenschaftler*innen persönlich zu treffen, um über ihre Arbeiten zu sprechen. Aufenthalte an anderen Universitäten und in anderen Ländern helfen sicherlich, Netzwerke auszubauen und den Horizont zu erweitern. Dies ist dann wiederum wichtig, um neue Projekte zu starten und Stellen zu finden.

Woran forschen Sie gerade?

Neben den zwei oben erwähnten Umfragen zu Überwachungsgesetzen und Terrorismus arbeite ich u.a. an Projekten zum Einfluss von Klimawandel auf Migrationsströme, zu Einstellungen zu Klimaflüchtlingen und zur Frage wie sich die Regulierungen von Einwanderung und Einbürgerung auf die Wahrnehmung von Immigranten auswirken.

Wie finanzieren Sie Ihre Forschungsprojekte?

Zwei meiner aktuellen Forschungsprojekte werden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Leibniz Gemeinschaft über je drei Jahre finanziert. Kleinere Projekte kann ich aus meinen Lehrstuhlmitteln oder zusätzlichen Mitteln der Universität Bamberg finanzieren.

Stimmt das Klischee vom Elfenbeinturm oder gibt es in Ihrem Feld eine gute Rückkopplung von der Wissenschaft in die Praxis? Wie bringen Sie Ihre Forschungserkenntnisse unter die Leute?

Meine Forschungsthemen im Bereich Migration sind so aktuell, dass man sich gar nicht dem Interesse der Praxis und der Medien entziehen kann. Einerseits kommen die Medien oft direkt auf mich zu. Wichtig sind aber auch die Kommunikationsabteilungen der Institutionen, an denen ich arbeite, die meine Forschungsergebnisse in Pressemitteilungen übersetzen und so unter die Leute bringen. Ein wenig Elfenbeinturm ist aber dennoch wichtig. Wissenschaft soll auch dazu dienen, Abstand zu aktuellen Problemen zu gewinnen und sich Zeit zu nehmen, soziale Probleme gründlich zu untersuchen. Dabei kann es nicht immer darum gehen, schnelle Antworten auf aktuelle Fragen zu finden.

Wie schaffen Sie sich neben Forschung und Lehre Zeit für Hobbies und Familie?

Am besten ist es, Tatsachen zu schaffen, die einem nicht erlauben zu arbeiten: Pläne für das Wochenende machen, Treffen mit Freund*innen organisieren oder Urlaube buchen, die man nicht mehr rückgängig machen kann. Seit ich Kinder habe, arbeite ich nicht mehr an den Wochenenden.

Was fordert Sie an Ihrem Beruf heraus?

Eine große Herausforderung besteht darin, die zum Teil sehr verschiedenen Tätigkeiten, die an eine Professur gebunden sind, unter einen Hut zu bringen. Als Professor darf ich nicht nur forschen, sondern auch viel unterrichten, viele Tätigkeiten in der akademischen Selbstverwaltung übernehmen, fortlaufend Forschungsideen und -ergebnisse anderer begutachten und einige Doktorand*innen betreuen. Da besteht vor allem die Gefahr, dass die Forschung zu kurz kommt.

Was halten Sie von Hochschul-Rankings?

Wie alle Rankings erlaubt uns auch das Hochschul-Ranking, ein wenig Orientierung zu finden. Wie auch in der Wissenschaft hilft oft erst ein Vergleich mit anderen zu verstehen, wie eine Hochschule oder ein Fachbereich funktioniert. Beim letzten Ranking unseres Fachbereichs fand ich es hilfreich zu sehen, wie wir wahrgenommen werden, wo wir wirklich erfolgreich sind und welche Aspekte wir noch verbessern können. Eine systematische Aufstellung erlaubt zudem, objektive Kriterien anzuwenden. Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, die Grenzen solcher Rankings zu sehen, fortlaufend an der Methodik zu arbeiten und nur das aus den Daten zu lesen, was sie auch wirklich aussagen.

Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?

Einer der großen Vorteile wissenschaftlichen Arbeitens ist es, dass man wie in kaum einem anderen Beruf extrem viele Freiheiten genießt und meistens sein eigener Chef oder seine eigene Chefin im Angestelltenverhältnis ist. Das bedeutet aber, dass man viel Disziplin und Ausdauer mitbringen muss, um über Jahre eine Forschungsidee zu verfolgen. Es kann sicher nicht schaden als Student*in schon mal als Hilfskraft an einem Lehrstuhl oder in einem Projekt zu arbeiten, um zu sehen, wie das wissenschaftliche Arbeiten aussieht.