Annika Lingk

Erzieherin

im Evangelischen Internat in Potsdam.

 

Was haben Sie studiert?

Erziehungswissenschaft und Germanistische Linguistik (M.A.)

Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?

Besonders die Möglichkeiten, die mir das Studienfach Erziehungswissenschaft bot, waren vielseitig. Gerade deshalb war für mich irgendwie nichts wirklich fassbar. Erziehungswissenschaft? Was machst du denn dann damit? - War so eine Frage, die ich öfter hörte. Meine Antwort dazu lautete dann immer, dass ich damit Vieles machen kann. Genaueres hatte ich nicht im Kopf. Ich konnte mir den Bereich der Erwachsenenbildung ebenso gut, wie Jugendarbeit vorstellen.
Im Laufe der Zeit entwickelte sich mein Lebenslauf doch tendenziell: Noch während meines Studiums prägte der Werkstudentenjob im Bereich Marketing/Admissions für bilinguale Kindergärten und Schulen in ganz Deutschland mein Interesse. Ich war hier unter anderem für die Begleitung der Eltern bei den Aufnahmeprozessen ihres/r Kinder zuständig und agierte in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Einrichtungen. Der Job forderte mich und war ein guter Ausgleich zur Uni. Im Anschluss war ich als Praktikantin bei einem Fortbildungsinstitut für die pädagogische Praxis im Aufgabenfeld der schulbezogenen Sozialarbeit tätig. Der Bereich Schule ließ mich, wie ich rückblickend bemerkte, irgendwie nicht los. Hier übernahm ich Einzelförderstunden, war in der Elternarbeit aktiv und leitete eine Mädchen AG.
Nach der Verteidigung meiner Magisterarbeit zum Thema "Pädagogisches Beratungshandeln" hatte ich den Abschluss Magister Artium in der Tasche und es folgte ein Auslandsjahr in Australien. Super Sache!

Wieder in Deutschland angekommen, folgte relativ schnell der erste "richtige" Job, den ich als Pädagogin bei einem Familienservice im Bereich der Kinderbetreuung bekam. Der Fokus lag hier auf der Beratung von Eltern zum Thema Kinderbetreuung und zu ihrer Unterstützung in problematischen Lebenssituationen. Zudem reiste ich im Rahmen meiner Anstellung und hielt Elternseminare. Nach 16 Monaten Schreibtisch und Reisen bemerkte ich jedoch, dass mir das direkte persönliche Arbeiten mit Menschen fehlte. Ich wusste, dass wenn ich mich jetzt nicht für die pädagogische Praxis bewerbe, ich aufgrund meiner eher schreibtischlastigen Tätigkeit, die ja die erste Vollzeittätigkeit nach dem Studium war, nur wieder schwer den Einstieg ins aktive pädagogische Handeln erreichen kann. Ich bewarb mich folglich beispielsweise als Integrationsbegleiterin, als pädagogische Fachkraft fürs Jugendwohnen und unter anderem auch als Erzieherin/Sozialpädagogin im Evangelischen Internat, wo ich dann genommen wurde.

Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?

  • Leitung der Theater AG
  • Supervision
  • Abreise der Schüler*innen in die Ferien

Welche Altersklasse bzw. Zielgruppe betreuen Sie?

Kinder und Jugendliche im Alter von 12 - 18 Jahren und ihre Eltern.

Haben Sie den Erziehungsplan?

DEN Erziehungsplan gibt es meiner Meinung nach nicht. Situationsspezifisches Handeln und Flexibilität sind im Rahmen des Umgangs/Begleitens/Unterstützens der Kinder und Jugendlichen überaus bedeutend. Für mich ist es wichtig, niemals zu denken, dass ich von meinem Gegenüber alles weiß. Vielmehr sollte es grundsätzlich, um ein Verstehen der Person, des Problems, seines/ihres Umfelds und der spezifischen Situation gehen. Die Art und Weise, wie man seinem Gegenüber entgegen tritt, ist ausschlaggebend für den weiteren Verlauf der Beziehung zueinander. Diesbezüglich stellt für mich der lösungsorientierte Ansatz in jeder Hinsicht den optimalen Weg dar, um einander zu verstehen.

Was macht für Sie eine „gute Erziehung“ aus?

Natürlich geht es in meinem Berufsfeld um Erziehung. Viel bedeutender ist für mich jedoch der Begriff der Beziehung. Denn nur durch diese können Lehr-/Lernprozesse greifen bzw. Entwicklungsprozesse aktiv gefördert und authentisch unterstützt werden.

Was können Sie aus Ihrem Studium im Beruf anwenden?

Eine grundsätzliche Empathie mit Menschen umzugehen und eigene Kompetenzen einzuschätzen stellen unter anderem Fertigkeiten dar, die meine Arbeit noch heute prägen. Während des Studiums suchte ich viel nach "anwendbaren" Wissenskontexten, bemerkte aber erst zum Ende dieser Zeit, welche Eigenheiten des jeweiligen Studienganges ich mir letztendlich zu Nutzen machte. Verstehen lernen stellte dabei für mich eine enorme Bereicherung dar, die ich nicht missen möchte.

Was war Ihr schönstes/spannendstes Erlebnis?

In meinem Berufsfeld ist es für mich das Schönste, individuelle Entwicklungen zu beobachten. Zudem werden Vertrauensverhältnisse aufgebaut, die ich nicht missen möchte. Das Feedback der eigenen Arbeit ist oftmals in kleinen Ansätzen zu sehen, die aber schon völlig ausreichen, um zufrieden mit sich selbst zu sein. Zudem gehört ein tolles Team für mich ebenso zu den wichtigen und schönen Sachen, die meinen Arbeitsalltag ausmachen. Schon schön der Job :)!

Was fordert Sie an Ihrem Beruf heraus?

Herausfordernd in meinem Job sind immer wieder neue Ereignisse, die nicht planbar oder vorhersehbar sind. Neue Situationen entstehen von jetzt auf gleich und dies täglich. Spannende, aber zugleich auch fordernde Ereignisse bedürfen einer gewissen Klarsicht, die es in jeglichen Situationen zu bewahren gilt. Ob in der Elternarbeit, im Kontext des Internatsalltags oder beispielsweise bei unseren Campusveranstaltungen - der Durch- und Weitblick sollte nicht fehlen.

Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?

Ja, habe ich :)... Auch wenn es vielleicht niemand mehr hören kann, aber Praktika und Werkstudentenjobs sind die beste Vorbereitung für den Alltag nach dem Studium. Nutzen Sie die Zeit, um Erfahrungen zu sammeln, erste Kontakte zu knüpfen und selbst einen Hauch Ahnung davon zu bekommen, was Sie eventuell interessieren könnte. Sie müssen sich mit Ihren Nebentätigkeiten nicht verheiraten, aber ein Kennenlernen möglicher Felder ist schon eine feine Sache!