Maßnahmen Lehre und Lehrdeputat

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(4) Die Fakultäten und betroffenen Einrichtungen entscheiden, welche Lehrveranstaltungen (auch im Online-Format) im Wintersemester 2020/21 erneut angeboten werden, sofern dies innerhalb des im jeweiligen Fach verfügbaren Gesamtlehrdeputats erfolgt und dadurch keine anderen Lehrveranstaltungen entfallen müssen.

(5) Bei pandemiebedingt nicht erbrachten Lehrleistungen im Sommersemester 2020 können in gut begründeten und klar dokumentierten Fällen alternative Arbeiten anerkannt und vom Nachholen des entsprechenden Lehrdeputats in den Folgesemestern abgesehen werden.  

(6) Das Zentrum für Qualitätsentwicklung in Lehre und Studium (ZfQ) etabliert ein Format zur reflexiven Verarbeitung und zur Dokumentation der Lehrerfahrungen im Online-Semester.

 

Zum Hintergrund:

Vorab sei gesagt, dass der Personalrat vorgeschlagen hatte, ab einer bestimmten Lehrbelastung eine behutsame temporäre Ermäßigung des regulären Lehrdeputates zu ermöglichen. Angesichts des zeitlichen Aufwandes, den die komplette Umstellung der Lehre auf ein digitales Format mit sich brachte, hielten und halten wir diesen Schritt für angebracht. Dabei haben wir auch einbezogen, dass die vorhandene Infrastruktur für digitale Lehre zum Zeitpunkt des Ausbruchs der Pandemie alles andere als förderlich war und daher von jedem Einzelnen zusätzliches Engagement und Kreativität erforderten. Unser Vorschlag war jedoch nicht konsensfähig. 

Es sei jedoch daran erinnert, dass lt. § 8 Abs. 3 Nr. 3 LehrVV des Landes Brandenburg die Möglichkeit besteht, für maximal 2 Semester eine Reduzierung des Lehrdeputates „um 1-2 LVS“ zu beantragen, wenn ein „überdurchschnittliche(r) Aufwand für die Vor- und Nachbereitung bei der Entwicklung und beim Einsatz neuer, innovativer Lehrangebote“ vorliegt. Diese Option besteht also und sollte gerade vor dem Hintergrund des „Corona-Semesters“ genutzt werden. Der Antrag ist an das zuständige Dekanat zu richten.

Zu den Maßnahmen im Einzelnen:

Vereinbart wurde mit Maßnahme (4) die Möglichkeit, die im Sommersemester 2020 erprobten digitalen Formate und Kurse auch im Wintersemester 2020/21 zu wiederholen, sofern dies die Studienordnungen zulassen. So könnte sich der hohe Aufwand bei der Erstellung der digitalen Formate wenigstens etwas auszahlen. In bestimmten Bereichen findet diese Regelung sicherlich ohnehin schon Anwendung, wir wissen aber von anderen Bereichen, in denen von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in jedem Semester neue Seminarthemen verlangt werden. Hier könnte man sich auf die Regelung (4) des Merkblattes berufen. Leider hat der Diskussionsprozess zum Merkblatt länger als erwartet gedauert, sodass es schwierig werden könnte, die Regelung für das Wintersemester 2020/21 noch geltend zu machen. Wir hoffen daher, dass in den Bereichen akzeptiert wird, dass der Geist der Regelung auch noch für das Sommersemester 2021 gilt. Unabhängig davon werden wir das Gespräch dazu noch einmal mit dem für die Lehre zuständigen Vizepräsidenten suchen.

Mit Maßnahme (5) kann abgewendet werden, nicht erbrachte Lehrleistungen in Folgesemestern nachholen zu müssen. Hierfür ist es erforderlich, dass „alternative Arbeiten“ für den entfallenen Aufwand in der Lehre nachgewiesen werden können. 

Wir wollten an dieser Stelle festgehalten sehen, dass unverschuldet nicht erbrachte Lehre grundsätzlich nicht nachgeholt werden muss. 

Die jetzige Formulierung könnte den Eindruck erwecken, als wäre dies jetzt ohne weiteres möglich. Dem würden wir als Personalrat jedoch so nicht zustimmen, denn: 

  1. Insofern nachgewiesen werden kann, dass die volle Arbeitszeit erbracht wurde und für die Zeiten des möglichen Wegfalls eines Kurses „alternative Arbeiten“ vorlagen, kann keine zusätzliche Lehre in Folgesemestern abverlangt werden.
  2. Sollte dennoch der Fall eintreten, muss darauf geachtet werden, dass dann andere Tätigkeiten der Tätigkeitsdarstellung entsprechend entfallen.

Wir möchten nicht unerwähnt lassen, dass wir recht frühzeitig aus bestimmten Bereichen das Signal bekamen, dass geplant sei, Lehre nachholen zu lassen. Ohne Maßnahme (5), so problematisch sie auch erscheinen mag, würden sich solche Anweisungen von Vorgesetzten jeglicher Einflussnahme entziehen. 

Bei Maßnahme (6) gab es zwischen dem Personalrat und dem Präsidium keinerlei Divergenzen. Der erste Schritt, die PotsBlitz-Umfrage des ZfQ, ist bereits erfolgt. Wir meinen jedoch, dass sich diese Maßnahme damit nicht erledigt haben kann. Wir würden uns wünschen, dass das ZfQ eine komplexere und tiefgründigere Analyse nachfolgen lässt, die u.a. auch die digitale Infrastruktur einschließt, die aber v.a. auch die tatsächlichen Lernergebnisse der Studierenden berücksichtigt (Prüfungen). Ob hier Umfragen als Instrument ausreichen, sei zumindest gefragt. Interviews, die die Fächerspezifik und sonstige Besonderheiten berücksichtigen, sollten erwogen werden, dazu ein moderiertes Diskussionsforum.

Wir sind jedoch auch der Meinung, dass jeder Arbeitsbereich seine Lehrerfahrung im „Corona-Semester“ kritisch verarbeiten und diese – auch ungefragt – dem ZfQ mitteilen sollte. Hinweise zu zeitlichen Belastungen oder auch zu fehlenden sächlichen Ressourcen können hier ebenso angesprochen werden wie wünschenswerte Formate und Themen zur Weiterbildung auf dem Gebiet der digitalen Lehre.

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