Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Die Vorbereitung auf mein Erasmus-Semester lief relativ gut ab. Anfangs gab es ein paar Kommunikationsschwierigkeiten und ich habe mich entschieden, erst im Sommersemester zu gehen und nicht, wie geplant, schon im Wintersemester. Das war zum Glück kein Problem für beide Universitäten. Die Kommunikation hat manchmal etwas Zeit beansprucht und teilweise kamen viele Antworten verspätet, aber zeitlich gesehen war das kein Problem. Teilweise waren ein paar Dinge nicht so transparent, zum Beispiel habe ich nachgefragt, ob ich einen Sprachkurs machen könnte, jedoch wurde mir nicht mitgeteilt, dass die Bewerbung für diese bereits vor der Belegung der normalen Kurse geschehen muss, weshalb ich letztendlich keinen Sprachkurs an der Gastuniversität belegen konnte. Ansonsten lief alles sehr reibungslos ab und hat keine weiteren Probleme bereitet. Das International Office der Universität Potsdam bietet eine sehr gute Check-Liste mit den Dokumenten, die man benötigt und wenn man diese befolgt kommt man sehr leicht durch den Bewerbungszeitraum. Das war alles sehr gut strukturiert und vorgegeben. Es hilft noch zu wissen, dass man an der URJC keine Seminare der Sozialwissenschaften belegen kann, wie ausgeschrieben, sondern nur Fächer aus dem Bachelor „Internationale Beziehungen“.


Studienfach: Soziologie

Aufenthaltsdauer: 01/2020 - 06/2020

Gastuniversität:Universidad Rey Juan Carlos

Gastland:Spanien

Studium an der Gastuniversität

Da ich leider die meiste Zeit des Semesters Online-Unterricht besucht habe, fällt es mir schwer zu beschreiben, wie das Klima an der Universität ist. In der Zeit, in der ich den Unterricht persönlich besuchen konnte, war es ganz angenehm. Der Unterricht fand ausschließlich in Seminaren mit ca. 30-40 Teilnehmer*Innen statt. Die Professor*Innen haben zu Beginn des Semesters erklärt, was die Anforderungen an den Kurs sind und womit wir rechnen müssen. Meistens haben sie auch kurz nachgefragt, ob es Erasmus-Studierende gibt, aber da alle meine Kurse auf Spanisch gehalten wurden, gab es kaum ausländische Studierende. Bei Fragen konnte ich mich aber immer an die Professor*Innen wenden und sie haben mir auch mit der Sprache geholfen. So hat mir zum Beispiel ein Professor angeboten, dass ich die Abschlussklausur auch zur Not auf Englisch schreiben durfte. Während des Lock Downs war die Kommunikation etwas schwieriger, was vermutlich aber auch daran lag, dass es einfach eine neue und vor allem eine Ausnahmesituation für alle war und keiner genau wusste, wie der Unterricht in den nächsten Wochen stattfinden wird. Im Prinzip fanden alle Kurse vierstündig statt, was deutlich mehr Präsenzzeit als in Deutschland bedeutet. Dafür gab es relativ wenig Texte zu lesen und vieles ist während des Unterrichts passiert. In allen Kursen gab es Prüfungsnebenleistungen, die, zusammen mit der Abschlussprüfung, aufsummiert die Gesamtnote des Kurses ergeben. Es gibt außerdem ein Dokument, welches genau beschreibt, was die Inhalte des Kurses sind und was auf einen zukommt. Das fand ich sehr hilfreich, denn diese Dokumente waren bereits vorhanden, bevor ich die Kurse belegen musste. Der Campus in Fuenlabrada ist sehr groß und bietet viele Möglichkeiten, die Zeit zwischen in den Seminaren draußen in der Sonne zu verbringen. Die Bibliothek ist ebenfalls sehr groß und bietet Möglichkeiten an ruhigen Orten alleine, aber auch in Gruppen zu arbeiten. Die Cafeteria kann ich nicht wirklich empfehlen, da es eher ungesundes Essen gibt und auch jeden Tag das gleiche. Sehr cool ist jedoch die Möglichkeit, Mikrowellen zu benutzen und das eigene Essen von zu Hause in der Cafeteria zu erhitzen.

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

Ehrlich gesagt habe ich so gut wie keinen Kontakt zu anderen Studierenden meines Faches gehabt, was auch zum Teil an dem Online-Unterricht lag. Wie bereits beschrieben gab es kaum andere Erasmus-Studierende in meinen Seminaren und die einheimischen Studierenden kannten sich alle sehr gut, da, anders als in meinem Studienfach in Deutschland, man sich fast in jedem Seminar wiedersieht und alles gemeinsam belegt. Aus diesem Grund war das generelle Interesse neue Kontakte zu knüpfen nicht so hoch. Ich habe verschiedene Gruppenarbeiten gemacht und dann manchmal mit meinen Gruppenmitgliedern geredet, aber ich habe oft das Gefühl gehabt, dass ich in den Gruppen eher unerwünscht war. Eventuell haben sie schlechte Erfahrungen mit Erasmus-Studierenden gemacht und hatten Angst, dass ich gar kein Spanisch spreche bzw. mich nicht für die Gruppe einsetzen würde – ich weiß es nicht. Auf jeden Fall waren die ersten Erfahrungen in den Gruppen etwas unangenehm, weil offen und vor mir über mich auf Spanisch gesprochen wurde, da sie zunächst annahmen, ich würde sie nicht so gut verstehen. Vereinzelt gab es aber auch sehr nette Studierende, die mir bei kleinen Fragen geholfen haben. Ich denke die Zeit des Präsenz-Unterrichts war einfach zu kurz, um andere Studierende wirklich kennenzulernen, was ich wirklich sehr schade finde.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Insgesamt würde ich schon sagen, dass ich unterschätzt habe, wieviel Arbeit es sein kann, auf einer Sprache zu studieren, die ich nicht fließend spreche. Ich bin mit einem B1 nach Spanien gegangen, welches ich kurz vor dem Aufenthalt erreicht habe. Gleich zu Beginn ist mir aufgefallen, dass es sehr viele verschiedene Dialekte und Akzente gibt, die es wirklich schwer machen, alles zu verstehen. Ich konnte während der Seminare schon verstehen, worum es ging, aber oftmals war es recht laut unter den Studierenden und wenn es zu Diskussionen kam, war es extrem schwer zu folgen. Schwierig war es auch, wenn die Professor*Innen Unterrichtsmaterialien nicht online zur Verfügung stellten. Insgesamt muss ich aber sagen, dass ich mich recht schnell daran gewöhnt habe und bereits im Februar relativ gut folgen konnte. Die Tatsache, dass die Prüfungsnebenleistungen auch die Endnote des Seminars beeinflussen, hat mich sehr beruhigt, da ich mich zu Hause besser auf die Aufgaben konzentrieren konnte und mir die Klausuren am Ende des Semesters etwas Sorgen bereitet haben. Der Online-Unterricht war wiederum extrem schwer für mich, da zum Beispiel ein Professor kein Internet zu Hause hatte und deshalb einen Studenten anrufen musste, der dann sein Handy neben den Laptop hielt, sodass wir den Professor sprechen hören konnten. Darunter litt die Qualität des Mikrofons sehr und ich konnte absolut nicht verstehen, was gesagt wurde. Aber dabei handelt es sich ebenfalls um eine Situation, die im Normalfall nicht so abgelaufen wäre. Am Ende des Semesters habe ich schon gemerkt, dass ich deutlich besser verstehen und hören kann, als zuvor. Auch die Angst vor dem Sprechen habe ich verloren und konnte mich gegen Ende des Semesters sehr gut auf Spanisch unterhalten, auch wenn nur außerhalb des Unterrichts. Ich würde anderen Studierenden schon empfehlen, eher mit einem B2 oder C1 Sprachniveau an die URJC zu gehen, wenn es keine Möglichkeit gibt, Kurse auf Englisch zu belegen. Auch wenn ich viel dazugelernt habe und am Ende auch alles irgendwie geschafft habe, war es wirklich sehr anstrengend.

Wohn- und Lebenssituation

Die Wohnungssuche hat sich als sehr schwierig erwiesen. Von der URJC gibt es kaum Informationen, inwiefern man sich eine Unterkunft suchen kann und auch die Wohnheim-artigen Angebote sind nicht wirklich hilfreich. Sehr teuer, sehr weit weg und der Bewerbungsprozess ist sehr kompliziert. Letztendlich habe ich mit Hilfe verschiedener Apps nach Wohnungen gesucht, da ich keine Wohnung für Erasmus-Studierende haben wollte (ebenfalls extrem teuer). Mit der App „Badi“ hatte ich dann Glück und habe im Dezember, relativ kurzfristig, ein Zimmer im Zentrum von Madrid für 400 Euro im Monat gefunden. Mein Mitbewohner kam aus Madrid und hat kaum Englisch gesprochen, was sehr hilfreich für meine Sprachkenntnisse war. Da ich im Zentrum gelebt habe konnte ich fast alles zu Fuß erreichen und auch relativ schnell zu meinem Campus kommen. Mein Campus war in Fuenlabrada, was so ca. 40 Minuten Fahrzeit bedeutete. Ich bin auf jeden Fall sehr froh, dass ich was im Zentrum gefunden hatte, da die U-Bahn nachts nie durchfährt. Es gibt zwar ziemlich viele Nachtbusse, aber die Möglichkeit fast immer zu Fuß nachhause zu kommen war mir wirklich viel Wert. Lange Fahrzeiten zur Universität bin ich außerdem gewohnt und konnte so ein bisschen Vorbereitung für die Kurse betreiben. Insgesamt war alles ein bisschen günstiger als zu Hause in Berlin. Es gab viele Einkaufsmöglichkeiten und im Zentrum natürlich immer sehr viel zu tun.

Studienfach: Soziologie

Aufenthaltsdauer: 01/2020 - 06/2020

Gastuniversität:Universidad Rey Juan Carlos

Gastland:Spanien


Rückblick

Der Rückblick und mein Erfahrungsbericht insgesamt gehen mir nicht gerade leicht von der Hand, da ich einfach kein normales Erasmus-Semester erlebt habe. Ich bereue es nicht, dass ich nach Spanien gegangen bin, auch rückblickend mit der COVID-19 Situation, da ich trotzdem schöne Erfahrungen gemacht habe und viele neue Leute kennengelernt habe, von denen mir ein paar heute sehr wichtig sind. Aber ehrlich gesagt frage ich mich manchmal, ob es nicht vielleicht besser gewesen wäre, den Lock Down in Deutschland und nicht in Spanien zu verbringen. Es war eine sehr schwere Zeit und auch deutlich strenger als in Deutschland, ich finde, dass man nicht sagen kann es hätte einen kompletten Lock Down in Deutschland gegeben, die Situation war wirklich ganz anders. Aus diesem Grund kann ich mir vorstellen, dass viele glauben, dass der Lock Down nicht so schlimm war, da man in Deutschland jederzeit vor die Tür gehen durfte. Ich würde keinem empfehlen nach Spanien zu gehen, wenn die Chance besteht, dass der Unterricht nur online stattfindet und es wieder zu einem Lock Down kommt. Ich bin sehr traurig darüber, dass ich viele Erfahrungen nicht machen konnte, aber ich hatte auch nicht die Wahl darüber zu entscheiden. Insgesamt denke ich, wie bereits beschrieben, dass ein Sprachniveau von B2 oder C1 wirklich hilfreicher ist, um auf Spanisch zu studieren. Ansonsten verbringt man sehr viel Zeit alles zu bearbeiten und zu übersetzen. Ich denke es hätte mir sehr geholfen, wenn ich an einem Sprachkurs hätte teilnehmen können, auch wenn der relativ teuer gewesen wäre. Die Wohnungssuche kann sehr kompliziert sein und viel Zeit in Anspruch nehmen, ich würde schon empfehlen sich früh damit auseinanderzusetzen, auch wenn ich das Gefühl habe, dass viele Mietverträge in Madrid sehr spontan und kurzfristig geschlossen werden.

Spanien

Zurück zur Länderseite

Studium im Ausland

Hier finden Sie alle Informationen zum Studium im Ausland

Finanzierung & Stipendien

Wie Sie Ihr Auslandsstudium finanzieren können und welche Stipendien Sie erhalten können, erfahren Sie hier