Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Da ich im Rahmen meines Studiums entweder ein Praktikum oder ein Auslandssemester durchführen musste und mich aufgrund meines Studiums für andere Sichtweisen und kulturelle Diversität sehr interessierte, entschied ich mich für ein Auslandssemester in Rumänien. Glücklicherweise scheint Rumänien, besonders im Sommersemester, nicht wirklich vergriffen zu sein. So bekam ich die Stelle, obwohl ich mit meiner Bewerbung bereits etwas spät war. Das erschien mir besonders seltsam, weil ich persönlich das Sommersemester für einen Auslandsaufenthalt weit passender halte, besonders wenn man viele Reisen in dieser Zeit plant.Die Bewerbung selbst entpuppte sich als recht einfach. Ich musste lediglich meinen Lebenslauf, ein Motivationsschreiben und ein ausgefülltes Bewerbungsdokument an das International Office senden. Bei der Gastuniversität musste ich ebenfalls lediglich ein ausgefülltes Dokument schicken und dort angeben, ob ich in eines der Wohnheime ziehen will. Das International Office war dabei sehr hilfsbereit bei Fragen. Ebenfalls hilfreich war das Informationsmaterial, was ich erhielt. Da ich leider nicht zu der Informationsveranstaltung erscheinen konnte, bekam ich einfach den Foliensatz, der selbsterklärend genug war, dass ich die Vorlesung nicht vermisste. Zur Vorbereitung besuchte ich außerdem einen Englischkurs. Das würde ich allen empfehlen, die zumindest nach Cluj ins Erasmus wollen. Das Sprachniveau an meiner Fakultät war zwar nicht sehr hoch, trotzdem haben Studierende besonders aus anderen Ländern Probleme gehabt, da grundlegende Englischkenntnisse fehlten.


Studienfach: Politik, Verwaltung und Organisation

Aufenthaltsdauer: 02/2020 - 06/2020

Gastuniversität: Universität Babes-Bolyai

Gastland: Rumänien

Studium an der Gastuniversität

An meiner Gastuniversität wurden wir Erasmusstudierende sehr freundlich und allumfassend aufgenommen. Während die Ankunft im Studierendenwohnheim noch etwas chaotisch ablief, gab es in folgenden Wochen eine informative Informationsveranstaltung erst für alle Erasmusstudierenden und dann noch an den einzelnen Fakultäten. Neben diesen offiziellen Informationsveranstaltungen wurde vom ESN (Erasmus Student Network) die Intro-Days geplant, um die Erasmusstudierenden miteinander zu vernetzen und die Stadt ein wenig vertrauter zu machen. Das funktionierte recht gut, auch wenn einige Veranstaltungen (wie beispielsweise der rumänische Kulturabend) ein wenig aufgesetzt erschienen. Dafür, dass das alles allerdings von Studierenden in ihrer Freizeit organisiert wird, wurde den Erasmusstudierenden sehr viel geboten. Neben diesen Veranstaltungen gab es auch viele Angebote, sich sportlich zu betätigen. Auch die angebotenen Trips schienen gut geplant, waren allerdings wohl für zu wenige Menschen ausgelegt. Deswegen wurde sich um diese Plätze in den letzten Semestern viel gerissen. Bedingt durch Corona kam es allerdings zu keinem dieser Trips. Neben diesen Veranstaltungen ist auch das Buddy-Programm sehr zu empfehlen, da dort nach meiner Erfahrung viele engagierte Menschen bereit sind, Erasmusstudierenden zu helfen. Generell scheint die Universität und ihre Studierenden sehr viel Wert darauf zu legen, dass sich Erasmusstudierende wohlfühlen. Ein gutes Beispiel sind die Wohnheime. Für normale Studierende gibt es Räume für vier oder fünf Personen ohne Balkon. Wir Erasmusstudierende bekamen für weniger Geld Räume, in denen lediglich zwei Personen schliefen und fast alle Räume hatten einen Balkon. Die Studierenden an meiner Fakultät mit denen ich Kurse hatte schienen weniger Interesse an Erasmusstudierenden zu haben. In den wenigen Wochen, in denen ich Präsenzveranstaltungen hatte, empfand ich eine neutrale Haltung mir gegenüber, was ich auch als angenehm empfand, da ich nicht als Attraktion, sondern als einfacher Teil der Gruppen angesehen wurde. Die Professor*innen hatten deutlich mehr Interesse an mir, was wohl auch an ihrem Arbeitsfeld (Politik und Organisation) lag. Ich konnte mich sehr gut mit ihnen austauschen, wurde oft gefragt, wie bestimmte Themen in meinem Land gesehen wurden. Für mich als eher extrovertierten Menschen bot das viele Möglichkeiten. Wenn ich allerdings nicht so viel Interesse gezeigt hätte, wäre ich vermutlich auch mehr in Ruhe gelassen worden. Was ich besonders interessant fand, war das völlig andere Arbeitsklima und Interesse von meinen Mitstudierenden. Das Niveau an der Gastuniversität war deutlich geringer als an der Universität Potsdam und die Studierenden waren deutlich desinteressierter und investierten sehr viel weniger Zeit in das Studium. Teilweise gab es Seminare, in denen ich mich praktisch alleine mit den Professor*innen unterhielt. Allerdings hing der Anspruch der Kurse auch stark von den verschiedenen Professor*innenab, da manche Professor*innen besonders am Anfang des Online-Unterrichts plötzlich sehr viele, sehr zeitaufwändige Aufgaben verteilten. Das wurde allerdings im Laufe des Semesters und aufgrund der Kritik von Studierenden anders. Während der Corona-Pandemie musste ich viel selbst nachfragen bei Mitstudierenden und Mitarbeitenden der Universität bezüglich Online-Kursen und der Moodle-Plattform. Auf Nachfrage wurde mir allerdings viel geholfen. Nach meinem Empfinden hing diese fehlende Organisiertheit weniger mit der generellen Situation an der Universität sondern generell von der Covid19-Situation ab. Nach einigen Wochen funktionierte der Online-Betrieb dann auch mehr oder weniger reibungslos.

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

Bedingt durch Corona hatte ich leider recht wenig Kontakt mit einheimischen Studierenden. Der Kontakt, den ich allerdings hatte, war ausnahmslos freundlich. Der Großteil der Erasmusstudierenden lebte in einem Wohnheim und die dortige Lebenssituation führte aufgrund der Gemeinschaftsküchen und der Ausgangsbeschränkungen (wir durften nur aus triftigen Gründen und mit ausgefüllten Dokument über Ziel und Zeitraum das Wohnheim verlassen) dazu, dass wir alle sehr zusammenschweißten. Wir hatten praktisch keinen Kontakt nach außen und dementsprechend kamen wir im Laufe des Semester zunehmend zusammen. Tatsächlich blieben die verschiedenen Nationen lange meist unter sich. Nachdem die Ausgangsbeschränkungen gelockert wurden, gab es allerdings wieder mehr Kontakt. Da viele Deutsche zu Beginn der Pandemie nach Hause zurück kehrten, schloss ich mich der französischen Gruppe an. Ich genoss sehr den interkulturellen Austausch. Generell muss ich sagen, dass ich sehr positiv überrascht war von der Freundlichkeit jedes anderen Erasmusstudierenden. Wir alle haben uns sehr viel Halt gegeben in dieser Zeit, in der wir nicht nach Hause konnten und Covid-19 unseren Auslandsaufenthalt komplett veränderte.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Mein Englisch hat sich sehr verbessert, da ich wie schon oben erwähnt sehr viel mit den Professor*innen geredet habe. Durch die zusätzlichen schriftlichen Abgaben bedingt durch Covid-19 habe ich mich auch schriftlich vom Gefühl her sehr verbessert, insbesondere in meinem Fachgebiet. Am Anfang hatte ich den Plan, an einem rumänischen Sprachkurs teilzunehmen. Durch Covid-19 brach ich diesen allerdings ab, da er mir nicht mehr als sinnvoll erschien und ich zu dieser Zeit viele Aufgaben abgeben musste.

Wohn- und Lebenssituation

Mein Zimmer im Wohnheim kostete 40€ pro Monat. Dementsprechend war die Einrichtung sehr spartanisch, Kochutensilien und ähnliches mussten wir alle dazukaufen. Für vier Monate war es allerdings völlig in Ordnung in dieser spartanischen Einrichtung mit Gemeinschaftsküchen zu leben. Über die Stadt Cluj kann ich nur über die Erfahrung aus den wenigen Wochen am Anfang und am Ende etwas sagen. Generell hat nichts gefehlt, es gab genug Banken/Einkaufsmöglichkeiten und eine Vielzahl von Bars und Restaurants. Während die Preise beim normalen Einkaufen den deutschen Preisen recht ähnlich sind, ist Ausgehen weitaus billiger. Besonders in Clubs und Bars zahlst du weit weniger als die Hälfte der Preise, die du in Berlin oder Potsdam vorfindest. Auch die öffentlichen Verkehrsmittel sind sehr billig. Wäre Covid-19 nicht gewesen, hätte jeder Studierende zwei Buslinien kostenlos benutzen können und auch einen Pass zum kostenlosen Fahren der Züge in Rumänien erhalten. Diese sind übrigens sehr langsam, haben aber sehr viel Charme. In den letzten Wochen bin ich ein wenig gereist und habe die Zugfahrten sehr genossen. Auch das Mieten von Autos ist sehr preiswert, da es allerdings kaum Autobahnen gibt, muss man auch mit dem Auto sehr viel Zeit einplanen.

Studienfach: Politik, Verwaltung und Organisation

Aufenthaltsdauer: 02/2020 - 06/2020

Gastuniversität: Universität Babes-Bolyai

Gastland: Rumänien


Rückblick

Durch Covid-19 habe ich eine Erfahrung gemacht, die sich wenig mit vorherigen und nachfolgenden Erasmuserfahrungen in Cluj decken wird. Dementsprechend kann ich nicht so viel sagen, was den nächsten Erasmusstudierenden helfen wird. Auf jeden Fall aber ist das,was ich in den letzten Wochen von dem Land und den Leuten gesehen habe auf jeden Fall wert, das Erasmussemester dort durchzuführen. Ich bedauere es sehr, dass die COvid-19 Pandemie genau auf diesen Zeitraum gefallen ist, auch wenn ich dadurch eine außergewöhnliche Erfahrung gemacht habe. Was ich getan habe und jeder Person raten kann, ist sich ein Fahrrad gebraucht zu besorgen (ich habe das getan über die App OXL, die das Ebay-Kleinanzeigen Pendant in Rumänien ist) und sich auch die Umgebung von Cluj anzuschauen. Es lohnt sich. Oder man bucht mit Freund*innen ein Taxi oder Bolt (das rumänische Pendant zu Uber) und lässt sich fahren. Die Preise dafür sind ebenfalls sehr viel billiger als in Deutschland. Mich haben viele Leute vorher gefragt: Warum denn Rumänien? Rumänien hat einen negativen Touch. In Wahrheit ist das Land weit moderner, als man denken würde, besonders die Städte. Die Menschen sind unglaublich nett und hilfsbereit, die Natur unfassbar schön. Cluj selber gefiel mir mit jedem Monat mehr, den ich in ihr verbrachte. So ging es auch den anderen Erasmusstudierenden. Neben alter Sowjet-Bauart, die viele wahrscheinlich abschrecken wird, gibt es im Stadtkern schöne Gässchen und sehr viel Natur. In vielen Teilen ist Cluj wirklich eine bezaubernde Stadt mit Charme. Die kulturellen Unterschiede sind ebenfalls sehr spannend, wenn man sich dafür interessiert. Auch wenn Cluj an vielen Ecken wie eine typische Studierendenstadt erscheint, gibt es doch untergründige Konflikte, wie der Konflikt zwischen Ungar*innen, Rumän*innen und den Sinti und Roma. Die Rumän*innen geben nach meiner Erfahrung auch gerne Auskunft über die Probleme in ihrem Land. Neben den ethnischen Konflikten ist auch die Korruption ein großes Thema in Rumänien, über das man sich lange unterhalten kann. Schlussendlich kann ich Rumänien und insbesondere Cluj nur empfehlen. Trotz Covid-19 habe ich den Besuch dort nicht bereut und bin schlussendlich trotz der Option nach Hause zurückzukehren bis zum Ende geblieben.

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