Wohnungssuche

Meine Wohnung in Palermo hab ich schon zwei Monate vor dem Auslandsaufenthalt gesucht und auch relativ schnell gefunden. Auf subito.it oder idealista.it oder bacheca.it kann man möblierte Zimmer finden. Bei der Wohnungssuche ist es von Nutzen Italienisch zu sprechen; eher wenige Vermieter sprechen auch Englisch. Die meisten Studenten bezahlen 150 -200 € für ein möbliertes Zimmer. Man sollte darauf achten, dass man nicht allzu weit entfernt von der Uni wohnt. Es gibt verschiedene Campus, die meisten Fakultäten befinden sich jedoch in der Viale delle Scienze, welche parallel zum Corso Ernesto Basile verläuft. Von der Stazione Centrale aus braucht man eine knappe halbe Stunde zu Fuß zur Uni. Das Viertel hinter der Stazione (Richtung Osten) um die Via Oreto herum ist nicht unbedingt ruhig… Man bekommt öfters von den Einheimischen gesagt, dass man als Mädchen nachts nie alleine unterwegs sein sollte. Ich habe mitten im Zentrum, bei Piazza Bellini, gewohnt und es war nie ein Problem gegen Mitternacht alleine nach Hause zu gehen. Wenn ihr euch dabei ein bisschen mulmig fühlt, keine Sorge, meistens bekommt man das Angebot nach Hause gebracht zu werden. Allerdings ist es immer schlau sich an dem Rat der Einheimischen zu orientieren und sich der Kultur anuzupassen. Diese kennen ihre Stadt schließlich und es ist alle Male besser Vorsicht als Nachsicht walten zu lassen! 

Das Zentrum um Via Maqueda und Piazza Bellini, Quattro Canti und die Piazza della Vergogna herum sind eine architektonisch unglaublich schöne Umgebung (Kloster, arabisch-normannisch Kirchen, etc.). Wenn man in Richtung des Ballarò Marktes geht, wird die Umgebung schon ein bisschen wilder. Drogendealer, Marktschreier, abends grillende Männer auf den kleinen Straßen, durch die sich ein paar Autos quetschen und leise, elektrische oder per Pedaltritt angetriebene Vespas sausen. Ich möchte euch nicht zu viel vorwegnehmen, schaut selbst. 


Studienfach: Französsiche und Italienische Philologie

Aufenthaltsdauer: 09/2019-01/2020

Gastuniversität: Università di Palermo

Gastland: Italien

Studium an der Gastuniversität

Die Uni befindet sich, wie schon erwähnt, eine knappe halbe Stunde zu Fuß vom Zentrum entfernt (von der Kathedrale und Palazzo dei Normanni nur ca. 15 Minuten). Dort in der Viale delle Scienze sind die meisten Fakultäten. Die Naturwissenschaftliche Fakultät (Pharmazie, Bio, Chemie, etc.) befinden sich allerdings in der Nähe vom Orto Botanico, die Fakultät für Lingue moderne direkt neben der Stazione centrale in Piazza Sant’Antonino, die facoltà di Giurisprudenza ca. 30 Meter neben der berühmten Kreuzung namens “Quattro Canti”. In Piazza Sant’Antonino befindet sich auch das ITASTRA (Zentrum für Sprachen, vor allem für Italienischkurse für uns Erasmusstudenten). Dort durften wir einen Italienischkurs à 40 Stunden umsonst besuchen. Der Unterricht bei dem Lehrer war sehr struktiert, interessant, gut, hilfreich, lehrsam, lustig, usw. Ich habe gesehen, dass es ein Formular gibt, um sich die Kosten für weitere Sprachkurse zurückerstatten zu lassen. Macht euch schlau. Die Kurse lohnen sich auf jeden Fall. Ich habe nur einen gemacht, da ich keine Zeit für weitere hatte. Ansonsten hätte ich diese Möglichkeit auf jeden Fall in Betracht gezogen.

Ich habe außer dem Italienisch-Sprachkurs insgesamt vier Kurse an der Uni auf Italienisch belegt. Bevor ich mich für diese Kurse entschieden habe, habe ich sie mir angeguckt, ich war mindestens in zehn verschiedenen Kursen “schnuppern”. Das hat sich gelohnt, denn ich wollte auf jeden Fall Kurse besuchen, die von einem guten Prof gehalten wurden und mich interessieren, damit ich daraus etwas mitnehmen konnte. Glücklicherweise war es dank der großzügige Anrechnung von Frau Kimminich möglich gerade diese interessanten Kurse zu wählen, die nicht zu 100 % in mein Kurrikulum passten. Nach diesen Schnupperwochen habe ich mich für zweieinhalb Vorlesungen und zwei Seminare entschieden. Leider habe ich ein Fach erst nach den ersten sechs Wochen gewechselt, da ich dann erst gemerkt hatte, dass 10 Wochenstunden für nur einen Kurs zu arbeitsaufwendig waren (Also aufpassen, es wird nicht immer auf der Website der Uni angegeben, wie intensiv der Kurs ist. In meinem Fall kam noch ein obligatorisches Lateintutorium dazu...). Ich würde euch auf jeden Fall empfehlen immer zum Unterricht zu gehen. Dort lernt ihr die Sprache! Dort lernt Ihr die Leute kennen (Ich habe überraschend viele kennengelernt, die deutsch sprechen! Entweder aus Interesse oder weil sie selbst oder weil ihre Eltern mal dort gelebt haben.). Also selbst wenn man alleine unterwegs ist, fühlt man sich nie alleine, weil man so herzlich aufgenommen wird. 

Es gibt jedoch einen Unterschied zwischen Bachelorkursen und Masterkursen. Die Studenten in den Bachelorkursen waren eher verschlossen und auch nicht besonders an ihrem Fach interessiert. D.h. dass es schwieriger war, mit ihnen in Kontakt zu kommen. 

Außerdem würde ich euch empfehlen, wenn es geht, eher in Seminare als in Vorlesungen zu gehen, da man in den Vorlesungen nicht so viel versteht; der Prof steht weit entfernt, vorne an seinem Pult, und ist nicht immer einfach zu verstehen, vor allem auch, weil viele Studenten quatschen (das gilt natürlich nicht für jede Vorlesung, manchmal ist es auch mucksmäuschenstill). In Seminaren hingegen kann man im Plenum diskutieren, Fragen stellen, der Prof kennt einen und weiß ob man sich bemüht. Wenn man also während des Semesters am Unterricht teilgenommen hat, ist die abschließende Prüfung (die übrigens immer mündlich ist) um einiges entspannter und einfacher zu bestehen. Noch ein Grund aus dem ich euch empfehlen kann immer zum Unterricht zu gehen ist, dass das Semester wirklich kurz ist. In meinem Fall hat es am 24.09.2019 angefangen und ein Kurs war schon nach vier Wochen zu Ende (Intensivkurs, eine Woche jeden Tag Unterricht) und ein anderer am 26.10.2019! Ein weiterer Kurs ging bis Mitte November, und nur ein Kurs ging bis Weihnachten. Die Dozenten stehen jederzeit für Fragen und Rücksprachen bereit und sind super freundlich. Ein Angebot, das man auf jeden Fall nutzen sollte.

Wenn ihr dann für die Klausuren lernen müsst, beachtet, dass es viel länger dauert auf einer anderen Sprache einen komplizierten Sachverhalt zu verstehen und zu lernen; man leistet während des normalen Lernens ja zusätzliche Übersetzungsarbeit!

Einkaufen gehen 

Die Sizilianer sind unfassbar hilfsbereit, es scheint sogar ihre Lebensaufgabe zu sein, dem Fremden in Not oder Ungewissheit zur Seite zu stehen. Nicht wundern jedoch, wenn manch einer am Anfang misstrauisch ist und ein bisschen barsch scheint! Auf dem Markt zum Beispiel wimmelt es nur so von Touristen, die sich nicht auf Italienisch verständigen können und sich in ihrer Touristenblase über den Markt bewegen. Kein Wunder, dass manchmal der Kontakt und das Gespräch an Herzlichkeit und Kommunikation einbüßen müssen. Die Sizilianer sind sehr lieb und hilfsbereit, aber sie möchten auch ihr Geld verdienen. Sucht euch auf dem Markt euer Gemüse gut aus, wenn euch jemand mit unfassbar geschickten, schnellen Handgelenkbeweguneng Tomaten in eine Tüte pfeffert, dann ist es meistens sinnvoll zu kontrollieren, ob schlechte dabei sind und die dann auszutauschen. Wenn man dann immer zu den gleichen Verkäufern geht, kann man auch erwarten gut behandelt zu werden und wird immer sehr freundlich begrüßt (auch mal mit Handkuss oder man wird auf einen Caffè (=Espresso) eingeladen). Der Markt öffnet jeden Tag seine Stände; ich bin circa sechs Mal in sechs Monaten in den Supermarkt gegangen, da ich mich vorwiegend von den frischen Sachen vom Markt ernährt habe. Die Vucciria war mal ein Markt, heute existieren nur noch die überteuerten Reminiszenzen von einem damals reichen und günstigen Angebot. Ballarò ist ein kultureller Mischmasch, gute Preise (für unsere Verhältnisse zum Teil unglaublich günstig), dort habe ich sehr oft eingekauft. Il Capo ist ein weiterer Markt, dort war ich eher selten. Einheimische sagen, dass er noch der Originalste ist (obwohl auch er in jedem Touristenführer angepriesen wird und dementsprechend besucht ist). Bioläden gibts auch. Cafés (it.: bar) gibt es en masse. Streetfood (vorwiegend frittierte Reisbällchen, die arancine, und Caponata (Aubergine-Tomaten-Olivenöl-Gericht) gibt es auch überall. Ich hab dennoch viel zu Hause gekocht, nach einer Weile wird das Aus-Essen-gehen sehr fettig. Oder man gewöhnt sich dran… Ist auf alle Fälle lecker.

Transportmittel

Die Busse kommen immer verspätet. Alle - bis auf der 101er und der 102er, die die Stadt von Osten nach Westen durchqueren. Sie kommen alle 5-10 Minuten. Wenn man zum Strand nach Mondello fahren will, muss man Glück haben, um nicht eine halbe Stunde auf den Bus warten zu müssen. Manchmal hat man Glück… Aber auch das Warten lohnt sich allemal (im Bus sind es ohne Stau dann nur 20 Minuten bis zum Strand). Zurück sollte man am vorderen Teil des Strandes einsteigen (genau dort wo man auch eingestiegen ist und eine Runde durch Mondello fahren bevor es zurück Richtung Palermo geht), denn wenn man den Bus in der Parallelstraße nimmt (dort wo er direkt Richtung Palermo fährt), kann es sein, dass die Bustüren sich wegen menschlicher Überfüllung nicht mehr öffnen werden. 

Bahnen und Züge sind pünktlich, günstig und führen zu wunderschönen Ausflugszielen (Cefalù (50 min), Bagheria (10 min), Riserva Naturale Grotta Conza (20 min).

Freizeit

Freizeitangebote gibt es zu Genüge. Ich habe Taekwondo und Yoga gemacht und war vor allem von der Yogalehrerin (Iyengar Yoga) sehr begeistert. Ich hab auch manchmal Klavier gespielt, bin einfach in Bars oder zu einer Freundin gegangen, die ein Klavier hatten, und konnte dann dort ein bisschen üben. 

Ansonsten kann man im Meer nicht nur schwimmen, sondern auch Segeln oder Kitesurfen lernen (was ich gerne gemacht hätte, aber zeitlich nicht geschafft habe) oder Beachvolleyball spielen. Am Strand trifft man jeden Tag (außer wenn es regnet) jemanden der ein Volleyballnetz aufgespannt hat! Zum Teil sind sehr gute Spieler dabei und jeder wird eingeladen mitzumachen! 

Wanderwege und Naturparks gibt es übrigens auch zu Genüge! Dazu lohnt es sich auch mal anderthalb Stunden weit raus zu fahren. Zum Beispiel zur Riserva Naturale dello Zingaro. 

Eine weitere schöne Erfahrung, die mir erlaubt hat das Land und seine Kultur besser kennen zu lernen war es Wwoofen (world wide opportunities on organic farms) zu gehen! Man bezahlt eine einmalige Anmeldegebühr von 35 Euro (alles online) damit man registriert und versichert ist. In Sizilien gab es 32 landwirtschaftliche Betriebe die Wwoofing anbieten. So kann man italienisch reden (oder sizilianisch; so lernt man auch junge Sizilianer kennen, die kein italienisch sprechen) und die Kultur und Land(wirt)schaft des Landes kennenlernen. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Nur eins: lasst euch nicht ausbeuten! Wwoofing ist in erster Linie ein kultureller Austausch und ein soziales Zusammenleben, dass ohne Geldaustausch funktioniert. Man gibt seine Arbeitskraft und erhält Essen und Schlafplatz. 20 Stunden Arbeit in der Woche sind der Normalfall. Bevor ihr hingeht, sprecht ab, wie viel ihr arbeiten werdet! Wenn man dort ist, lässt man nicht um 17 Uhr alles stehen und liegen, wenn die Oliven noch geerntet werden müssen und es am nächsten Tag regnen soll und arbeitet gerne mehr, als man sollte! Aber der Aufenthalt sollte nicht nur aus Arbeit bestehen, sondern auch Freizeit und Austausch auf Augenhöhe. Das Überleben dieser landwirtschaftlichen Betriebe sollte auf keinen Fall nur durch die Wwoofer gesichert sein, sondern eine selbstständige Infrastruktur haben, die durch die Wwoofer lediglich bereichert wird! Seht selbst! 

Freunde

Natürlich hängt man mit Deutschen ab. Die ersten, die man im Sprachkurs kennenlernt oder die man bei der Wohnungssuche antrifft, sind oft internationale Studenten. Ich habe also jetzt neue deutsche Freunde, aber auch französische und palermitanische. Die habe ich im Sprachkurs, in der Uni, beim Woofen, auf einem Campingplatz und in einer Eisdiele kennengelernt. Fazit: Macht was euch Freude macht und ihr werdet Leute mit ähnlichen Interessen kennenlernen! Das schöne ist, dass die Sizilianer alles andere als verschlossen, sondern sehr kommunikativ sind.

Studienfach: Französsiche und Italienische Philologie

Aufenthaltsdauer: 09/2019-01/2020

Gastuniversität: Università di Palermo

Gastland: Italien


To See

  • Orto Botanico

  • Monastero Santa Caterina

  • Capella Palatina

  • Piazza Marina + Steri (Macht euch schlau, durch Dozenten, Mitstudenten oder Schwarzes Brett (it.: bacheca) wann welche Veranstaltung stattfinden. Es gibt unzählige Seminare und Kolloquien mit Gästen aus der Fach- und Berufswelt. Diese Veranstaltungen sind meist äußerst interessant und werden dazu noch in wunderschönen historischen Palazzi abgehalten)

  • Palazzo Conte Federico 

  • Chiesa San Giovanni degli Eremiti

  • Mondello (wunderschöner Strand, im Sommer leider überlaufen, d.h. die Wasserqualität hat zu leiden. Dann lieber nach Addaura, Tuna Beach oder Capo Zafferano)

  • Cefalù

Italien

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