Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Ich hatte mich etwa ein Jahr vor meiner Abreise bezüglich diverser Möglichkeiten ins Ausland zu gehen umgeschaut und mich dann an der Uni Potsdam auf Restplätze für das Sommersemester 2020 beworben. Von der Uni Potsdam erhielt ich so alle relevanten Informationen immer direkt per E-Mail. 

Die Kontaktaufnahme mit der Uni Strasbourg verläuft eigentlich ähnlich, indem die Uni den Link für die Online-Bewerbung per Mail verschickt. Da ich bis kurz vor Bewerbungsschluss keinen Link erhalten hatte, habe ich selbst noch einmal nachgefragt. Das International Office in Frankreich war sehr hilfsbereit und hat mir dann sofort den Link zugeschickt, so dass ich meine Unterlagen noch rechtzeitig einreichen konnte. 

Die Unterlagen waren recht überschaubar, das meiste musste direkt online hochgeladen werden. Man konnte auch direkt bei der Onlinebewerbung über einen Link eine Bewerbung für ein Wohnheimzimmer mit einreichen, was ich empfehlen kann, wenn man nicht vor Ort mit der Wohnungssuche erst beginnen will. 


Studienfach: Soziologie

Aufenthaltsdauer: 01/2020-05/2020

Gastuniversität: Université de Strasbourg

Gastland: Frankreich

Studium an der Gastuniversität

Allgemein ist das Studium an der französischen Uni um einiges analoger als bei uns. Die allermeisten Lehrveranstaltungen, die für Erasmusstudierende offen sind, sind Vorlesungen, in denen man am Ende des Semesters eine Klausur schreibt. Ich hatte nur einen Kurs, in dem auch im Semester ein kleiner Essay geschrieben werden musste. Teilnahmeleistungen sind weniger üblich. 

Der Master ist vor Ort in unterschiedliche Linien aufgeteilt und die französischen Studierenden entscheiden sich zu Beginn für ein Programm und haben dann alle Kurse in diesem einen Feld. Als Erasmusstudent/in darf man sich aus allen Programmen das heraussuchen, was einen interessiert und was mehr als 12 Semesterstunden hat. Wenn man will, kann man auf Nachfrage auch praktische, mehr anwendungsbezogene Kurse belegen. Diese fangen allerdings großteils im Wintersemester an und gehen über zwei Semester. Im Sommersemester ist der Einstieg dort etwas schwieriger. Man kann zudem bis zu drei Kurse aus anderen Instituten oder Studienrichtungen wählen oder auch Bachelor/Masterkurse die nicht dem eigenen Niveau entsprechen. Bei anderen Instituten/Studienrichtungen solltet ihr euch nur vorher im Klaren sein, dass ihr das dann großteils organisieren müsst und sicherstellen müsst, dass beide Institute Noten und alles andere austauschen. 

In den Vorlesungen gibt es in der Regel kein Script und oftmals auch keine PowerPoint, das heißt man muss von Anfang an viel mitschreiben. Ich persönlich fand, dass man dadurch sehr schnell in die Sprache reinkommt und im Notfall kann man immer Kommilitonen nach Mitschriften fragen. 

Man sollte darauf achten, dass man am Anfang darauf besteht, auf alle E-Mail-Listen gesetzt zu werden, damit man relevante Informationen erhält. Ein Teil der Dozenten arbeitet mit Moodle, aber ein Teil auch nicht und mir ist es ein oder zwei Mal passiert, dass eine Veranstaltung ausfiel oder verschoben wurde und ich die entsprechende Mail nicht erhalten hatte, weil ich auf den Listen nicht war.

Durch die Covid-19 Pandemie fanden alle unsere Prüfungen online statt, was aber recht gut verlief. Man hatte immer ein bestimmtes Zeitfenster in dem eine Argumentation oder ein Essay von bestimmtem Umfang zum Thema des Kurses geschrieben werden musste. Für mich war das ein Vorteil, weil alles am PC geschrieben werden konnte und ich mich so sprachlich besser ausdrücken konnte. Im Normalfall werden die Klausuren aber vor Ort und handschriftlich geschrieben. 

Die Betreuung erfolgt durch verschiedene Leute, wobei meine Erfahrung war, dass man am schnellsten Dinge klären kann, wenn man direkt bei der Studienorganisation anfragt. Die einzelnen Fachbereiche sind, aufgrund der getrennten Masterprogramme, recht abgetrennt und können meistens nur für ihre eigenen Kurse weiterhelfen. In der allgemeinen Studienorganisation, wo man sich am Anfang auch einschreiben muss und seinen Studentenausweis erhält, ist man da besser in der Lage übergreifende Fragen zu klären oder mit Bürokratie zu helfen. In den Kursen kann man sich aber auch immer direkt an die Dozenten wenden. 

Allgemein funktioniert die Bürokratie an der Uni recht gut, aber deutlich langsamer als bei uns und man muss in den allermeisten Dingen persönlich in einem Büro vorbeischauen. Ich würde deshalb stark empfehlen, mindestens eine besser zwei Wochen vor Beginn der Lehrveranstaltungen anzureisen, damit man genug Zeit hat, die Gänge zu tätigen und sich zu orientieren. Das International Office hilft dabei sehr weiter. Es empfiehlt sich zudem, die E-Mail-Adresse der Uni vor Ort zu nutzten, sobald man eine hat, da auf Mails von externen Adressen sehr viel später oder gar nicht geantwortet wird. 

Die Uni Strasbourg hat sehr viele Bibliotheken, die auch alle mit Computern ausgestattet sind und in denen man auch bspw. etwas drucken kann. Die Fakultät hat eine eigene kleine Bibliothek im Institutsgebäude, ansonsten gibt es für die Soziologie eine große Bibliothek auf dem Campus und am Wochenende kann man gut in die Nationalbibliothek gehen, in die man mit dem Studienausweis auch reinkommt.

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

Die ESN-Gruppe in Strasbourg ist sehr gut organisiert und hat eigentlich jede Woche irgendwelche Aktivitäten, an denen man teilnehmen kann. Jeden Montag gibt es ein Sprachencafé in einer Bar, was sehr zu empfehlen ist. Ansonsten würde ich raten, am Anfang die Willkommensveranstaltungen mitzumachen. Im Wohnheim kommt man ebenfalls gut in Kontakt mit anderen Studenten, weil man bspw. die Küche miteinander teilt. Außerdem hat die Uni ein großes Sportangebot, in das man sich als Erasmusstudent/in kostenlos einschreiben kann. 

Wenn man sich am Anfang eine WG sucht, kommt man vielleicht schneller in Kontakt mit einheimischen Studenten, aber zumindest im Master sind die Studiengänge recht klein und man lernt eigentlich auch seine Mitstudent/innen gut kennen.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Allen Erasmusstudent/innen steht ein Sprachkurs zu, für den es auch 3 ECT gibt. Der ist weniger ein Frontalunterricht als eine sehr individualisierte Begleitung, wo man Fragen stellen kann und alle zwei Wochen etwas abgibt. Ich fand diese Art des Lernens sehr sinnvoll, weil man so einen Ort hat, wo man all die Dinge nachfragen konnte, die sich im Alltag so angehäuft hatten. Die Kurse finden an der WiWi-Fakultät statt und dort werden außerdem jeden Freitag und Samstag zusätzliche Intensivstunden angeboten. Diese haben mir sehr geholfen, gerade wenn man nicht mit Einheimischen zusammenwohnt, kann man hier Konversation üben. Aber es gab auch Angebote speziell für’s Akademische Schreiben oder Stunden, in denen man Vorträge über konnte.

Ansonsten schult das tägliche Mitschreiben in den Kursen sehr. Außerdem war meine Erfahrung, dass auch unter den Erasmusstudenten viel Französisch gesprochen wurde. 

Das von der Uni erwartete B1-Niveau ist aber wirklich notwendig und sollte man, wenn möglichst auch überschritten haben. Gerade am Anfang muss man sich mit einem Haufen Bürokratie auf Französisch beschäftigen und in der Regel sind die wenigsten offiziellen Stellen geneigt Englisch zu sprechen. 

Bei mir haben sich vor allem Schreib- und Sprechkompetenzen verbessert und das ging auch bedeutend schneller, als ich das zunächst angenommen hatte.

Wohn- und Lebenssituation

Wie bereits oben beschrieben, hatte ich ein Zimmer im Wohnheim. Die werden vom Studierendenwerk Crous vermietet. An sich kann ich das jedem empfehlen, wenn man nicht am Anfang erst einmal lange eine Wohnung suchen will. Das sind natürlich keine 5-Sterne Zimmer, aber ich hatte ein eigenes kleines Bad und habe mir die Küche mit den anderen Zimmern auf meiner Etage geteilt und das ganze für etwa 260€. In den Wohnheimen ist alles vorhanden, was man so braucht und man hat schnell Kontakt zu anderen Studierenden. WG-Zimmer sind meistens etwa doppelt so teuer, aber dafür hat man dort natürlich deutlich mehr Sprachtraining. 

Für die öffentlichen Verkehrsmittel gibt es im Grunde zwei Optionen: Man kann recht günstig eine Monatskarte für die Tram und alle Busse erstehen. Dann ist man ziemlich gut an alles angebunden. Oder man kann sich ein Fahrrad mieten/kaufen, dann kommt man in der Stadt ebenfalls sehr gut von A nach B. Das kommt ein bisschen auf die Jahreszeit an. Im Winter regnet es sehr viel, da sind Bus und Bahn vielleicht angenehmer. Das Monatsticket kauft man direkt im Büro von CTS (der Nahverkehrsgesellschaft) in der Innenstadt und kann es dann jeden Monat neu an Automaten oder den meisten Kiosken aufladen. Ansonsten gibt es auch eine App, auf der man Tickets kaufen kann und alle Fahrpläne etc. einsieht. 

Ich persönlich habe kein Bankkonto eröffnet, aber wenn man das CAF (französisches Wohngeld) beantragen will, braucht man eines. Hier hilft es aber, vor Antragstellung einmal online ausrechnen zu lassen, wie viel man erhalten würde. Mit der europäischen Krankenkarte sollte man eigentlich überall auch beim Arzt drankommen. Ansonsten hat die Uni selbst eine Stelle für medizinische Versorgung, wo man als Student ebenfalls behandelt werden kann.

Lebensmittel kosten in Frankreich etwas mehr als in Deutschland. Wenn man seine Lebensmittelkosten vorher überschlägt, sollte man in etwa so rechnen, als würde man hier immer in teure Supermärkte gehen. Es empfiehlt sich eher bei Auchant einzukaufen, Carrefour ist zwar an jeder Ecke, aber sehr teuer. Ansonsten gibt es neben der WiWi-Fakultät am Samstag auch immer einen großen Bauernmarkt. In Bistros oder in der Mensa essen ist allerdings recht günstig. 

Freizeitangebote sind hingegen deutlich billiger. Mit dem Studentenausweis kommt man in die meisten staatlichen Museen kostenlos oder sehr stark vergünstigt rein. Tickets für’s Theater kosten damit nur 5€ oder 6€. An der Uni selbst und über das Studierendenwerk gibt es viele kostenlose oder sehr günstige Angebote. Es lohnt sich auf jeden Fall die Veranstaltungsseiten der Stadt zu durchsuchen. Straßburg ist durch das EU-Parlament sehr gut besucht und es gibt ein sehr vielfältiges Angebot aller möglichen Dinge.

Studienfach: Soziologie

Aufenthaltsdauer: 01/2020-05/2020

Gastuniversität: Université de Strasbourg

Gastland: Frankreich


Rückblick

Wenn man zeitig bucht und unter der Woche fährt, kann man für 15€-20€ mit dem TGV nach Paris und ist in 2,5h da. Man kann mit Gruppentickets gut nach Colmar fahren, was sehr schön ist. 

Für Essen empfiehlt sich Au Brasseur (möglichst früh da sein, da man sonst warten muss), Atlantico (besonders fürs Frühstück) und La Latern. Als Bar sind Tavern Francaise und Les Savons d’Hélène zu empfehlen. Bücher: Librerie Kleber und alle Antik und Trödelläden. Kino: Le star Saint-Exupéry. Wenn man an Anfang Ausstattung braucht (Teller, Tassen, Decke o.ä.) entweder in den Second Hand-Läden nachgucken oder bei Mr, Bricolage, das spart den Weg bis raus in den IKEA. 

Bei bürokratischen Gängen Geduld mitbringen. In der Regel bekommt man überall viel Hilfe und muss deutlich weniger ausfüllen, als bei uns, aber es dauert alles ein bisschen länger. Macht vorher ein paar Passbilder und nehmt mehrere Exemplare mit. Man braucht bei fast allen Stellen immer ein aktuelles Bild, wenn man etwas beantragen will. 

Es empfiehlt sich eine Kreditkarte, da man damit überall, auch in den Bars und Restaurants bezahlen kann. Fragt überall nach Studentenrabatten, bei Eintritt gibt es eigentlich immer eine Ermäßigung.

Schlechtes Französisch bringt einen in der Regel weiter als das beste Englisch.

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