Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Die Bewerbung für die SciencesPo lief recht schnell und reibungslos vonstatten – verlangt wurden dafür ein Motivationsschreiben, ein Lebenslauf, die im ERASMUS-Downloadcenter der Universität Potsdam zu findenden Schriftstücke sowie eine Übersicht meiner bisherigen Noten. Generell gibt es nur wenige Plätze für die Universität, aber aufgrund ihres exzellenten Rufes und des sehr guten Netzwerkes, auf das man durch einen Auslandsaufenthalt dort zugreifen kann, lohnt sich die Bewerbung meiner Meinung nach. Prinzipiell ist es möglich, ein Jahr dort zu verbringen, was für mich jedoch aus verschiedenen Gründen nicht infrage kam. Nach Rücksprache mit Frau Dr. Schmidt war es jedoch auch möglich, nur ein Semester zu bleiben, was sich ebenfalls sehr gelohnt hat.


Studienfach: Verwaltungswissenschaft (M.A.)

Aufenthaltsdauer: 01/2020 - 05/2020

Gastuniversität: Sciences Po Paris

Gastland: Frankreich

Nach der Zusage für das Auslandssemester wollte ich gerne alles so bald wie möglich organisieren, was, wie sich später herausstellte, so nicht funktionierte. Online sind auf den Seiten der SciencesPo generell nur sehr spärlich Informationen zu Themen wie Anmeldungsfristen, Semesterdaten, Wohnheimbewerbungen oder der Kurswahl zu finden, viele Informationen werden auch erst veröffentlicht, wenn sie unmittelbar relevant werden (z.B. das Kursangebot ca. 1 Woche vor der Anmeldung). Zur Vorbereitung kann deshalb generell gesagt werden, dass alle notwendigen Anmeldungen (anders als bei einigen anderen Gastuniversitäten, bei der man diese Fristen mitunter erfragen muss) rechtzeitig per Mail kommuniziert werden. Für diese sollte man allerdings genug Zeit einplanen, da ich zumindest am Anfang ein paar Schwierigkeiten mit den Universitätsportalen hatte und erst Rücksprache mit dem IT-Service der SciencesPo halten musste. Dort hat man mir allerdings recht schnell helfen können.

Studium an der Gastuniversität

Als Austauschstudentin kann man aus einem breit gefächerten Angebot wählen, das aus sogenannten Common Core Courses (Vorlesungen, 6 ECTS) und Electives (Seminaren, 4 ECTS) besteht. Aufgrund meiner persönlichen thematischen Präferenzen habe ich nur Electives gewählt und war mit dieser Entscheidung auch sehr zufrieden. Erstens besteht die Möglichkeit, sich die 4 ECTS-Kurse an der Universität Potsdam später zu 6 ECTS-Kursen aufskalieren zu lassen. Zweitens entspricht der Arbeitsaufwand eines 4 ECTS Kurses an der SciencesPo mindestens dem Arbeitsaufwand eines 6 ECTS Kurses an der Universität Potsdam. Mit meinen insgesamt fünf Kursen war ich am Ende sehr gut beschäftigt, aber nicht überlastet. Will man sich wirklich mit den behandelten Studieninhalten und Texten auseinandersetzen, würde ich es sehr empfehlen, maximal sechs Kurse zu machen. Die Bewertung wird nach außen immer als sehr streng kommuniziert, so gilt es z.B. als sehr unüblich mehr als 16 Punkte und als quasi unmöglich, mehr als 18 Punkte zu erreichen (bei einer Skala, die bis 20 Punkte geht). Dabei ist die Übertragung ins deutsche Notensystem jedoch recht großzügig und ich zumindest war mit meinen Noten auch überaus zufrieden. Generell schien es mir und auch einigen anderen ERASMUS-Studierenden so, als ob der Fokus der Universität eher auf praktischen Kompetenzaspekten als auf einer besonders ausgefeilten wissenschaftlichen Methodik liegen würde. Das fand ich persönlich für das Semester sehr angenehm, da ich Fähigkeiten wie z.B. das Führen von Verhandlungen trainieren konnte. Methodisch herrschten in den Hausarbeiten jedoch keine überzogenen Ansprüche, was angesichts der Masse an Aufgaben für die einzelnen Kurse andererseits auch nicht zu bewältigen gewesen wäre. Das Studienklima auf den Campus fand ich sehr ansprechend. Es gibt mehrere Standorte der Universität in Paris, welche jedoch jeweils nur wenige Gehminuten auseinanderliegen und deshalb alle sehr gut zu erreichen sind. Die Stimmung ist insgesamt sehr international, da die Universität einen hohen Anteil internationaler Studierender aufweist. So konnte ich auch nicht nur andere ERASMUS-Studierende kennenlernen, sondern z.B. auch Leute aus Kanada, Brasilien, den USA oder Indien. Es gibt außerdem viele interessante Studierendenorganisationen zu den unterschiedlichsten Themen wie z.B. Debattieren, Umwelt, Diplomatie, Sport, Kunst, Französisch-Internationale Beziehungen, etc. Diese waren oft auch zweisprachig, sodass man dort auch mit sporadischen Französischkenntnissen zurechtkommt. Generell kann ich auch das Angebot an Sport- und Kunstkursen sehr empfehlen, für welches man sich in der ersten Kurswoche anmelden kann. Ich habe während meines Semesters einen Zeichenkurs besucht, der eine gute Gelegenheit war, französische Studierende kennenzulernen und noch mehr an der Universität anzukommen. Für die Anmeldung zu den Kunstkursen, welche persönlich stattfindet, ist es sehr zu empfehlen, frühzeitig da zu sein, da sehr beliebte Kurse wie die Weinverkostung schnell ausgebucht sind. Zum Einstieg in das Auslandssemester gibt es an der SciencesPo die Möglichkeit an der Welcome Week teilzunehmen, eine Einführungswoche für Austauschstudierende. Die Teilnahmekosten für 250€ müssen allerdings selbst getragen werden. Enthalten sind vor allem ein Methodik-Kurs, verschiedene Angebote um die Universität kennenzulernen (Bibliotheksführung, Vorstellung der Studierendenorganisationen, etc) und Freizeitangebote, bei denen man die anderen Austauschstudierenden und die Stadt besser kennenlernt (Wein- und Käseverkostung, Filmabend, Stadtführung, etc.). Ich persönlich habe am Anfang wegen der hohen Kosten lange hin und her überlegt, bin letztendlich jedoch sehr froh darüber,  mich für die Teilnahme entschieden zu haben. Einerseits habe ich während der Einführungswoche viele Freunde gefunden, mit denen ich mich sowohl während des Semesters als auch danach noch täglich getroffen habe. Während des Semesters ist es, auch aufgrund des hohen Workloads, deutlich schwerer neue Leute kennenzulernen als am Anfang. Andererseits braucht es viel Selbstorganisation, um sich selbstständig einen Überblick über die verschiedenen Universitätseinrichtungen und -modalitäten zu verschaffen.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Kurse werden ca. 50/50 in englischer und in französischer Sprache angeboten, sodass man auch ohne Französisch sprechen zu müssen sehr gut durch das Semester kommt. Möchte man allerdings Kurse auf Französisch belegen, muss man Sprachkenntnisse auf C1-Niveau nachweisen können (offizieller Sprachtest). Für Englisch gilt dasselbe. Allgemein wird unter internationalen Studierenden viel Englisch gesprochen, es empfiehlt sich aber sehr für den Alltag wenigstens etwas Französisch zu können. Ich habe es vor allem in meinem Kunstkurs, auf der Straße, in Museen und in meinem Wohnhaus gebraucht.

Wohn- und Lebenssituation

In jedem Fall ist es sehr zu empfehlen, sich möglichst frühzeitig um eine Unterkunft zu bemühen, da die Mietpreise sehr hoch sind und man schnell in einem weit vom Zentrum entfernt gelegenen Vorort landet. Mein ursprünglicher Plan war es, mich für ein Wohnheim zu bewerben. Da diese jedoch schnell ausgebucht sind gibt es keine Garantie, dort auch einen Platz zu bekommen, sodass man besser einen Plan B in der Hinterhand haben sollte. Mir wurde einen Monat vor Universitätsbeginn gesagt, dass ich eventuell ein Zimmer bekommen könnte, dies jedoch noch nicht sicher sei. Allerdings habe ich während des Semesters sehr viele Leute kennengelernt, die in der Cité Internationale Universitaire de Paris gewohnt haben, einer Wohnheimanlage für Masterstudierende und Promovierende, auf der viele Nationalitäten ihr eigenes Haus haben, in denen jeweils ca. 60% Studierende der entsprechenden Nationalität und ca. 40% Studierende anderer Herkunft wohnen. Die Mietpreise dort sind deutlich geringer als der Durchschnitt und das Areal selbst ist gut angebunden und bietet viele Angebote wie Sportplätze und Restaurants. Ich habe letztendlich über eine Vermittlerin, Anne Valeska, mein Studio, eine für Pariser Verhältnisse recht geräumige 1-Zimmer-Wohnung im Zentrum, gefunden. Für die Vermittlungsleistung verlangt sie eine Gebühr, allerdings sind die Wohnungen, die sie anbietet für Pariser Verhältnisse sehr günstig und wirklich gut gelegen. Ich hatte ein Studio, welches direkt unter dem Dach lag und zu Fuß jeweils ca. 10 min von der Universität und 10min vom Musée d’Orsay entfernt lag. Gekostet hat die Wohnung 600€ zzgl. Strom und Internet, was für Paris generell schon sehr günstig ist und in der Lage quasi unmöglich zu finden. Zudem hat mir Anne bei der Eröffnung eines Bankkontos geholfen und dabei das französische Wohngeld CAF, welches auch internationale Studierende erhalten können, zu beantragen. Ansonsten hat die SciencesPo auch eine eigene Housing Sektion auf ihrer Website, auf welche man über seinen Student Account Zugriff hat. Studierende stellen dort oft ihre eigenen Studios oder Zimmer rein, wenn sie ihr Studium an der SciencesPo beenden und eine:n Nachmieter:in suchen. Es lohnt sich dort regelmäßig reinzuschauen, da sich dort mit genügend Vorlauf und Glück auch gute Angebote finden lassen – sowohl hinsichtlich des Preises als auch der Lage. Allerdings sind diese sehr schnell vergriffen. Bei Wohnungsangeboten auf anderen Websites sollte man ansonsten sehr vorsichtig sein, da sich dort viele Betrüger herumtreiben – generell gilt: kein Geld überweisen, bevor man die Wohnung nicht selbst betreten hat. In den Studierendengruppen auf Facebook sind regelmäßig Leute auf der Suche nach Mitbewohner:innen – oft nur zur Zwischenmiete, aber für den Anfang ist es eine gute Alternative zum Hostel. Zur Lage in Paris ist zu sagen, dass alles was innerhalb des „Rings“ (der 20 Arronsissements) liegt, sehr gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, insbesondere der Metro, angebunden ist. Nur auf die RERs, die man oft aus den Vororten von Paris nehmen muss um ins Zentrum zu kommen, würde ich mich nicht blind verlassen, da es dort oft spontane Änderungen im Fahrplan gibt. Muss man täglich die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, empfiehlt sich ein Navigo Pass, welchen man wöchentlich oder monatlich kaufen kann. Braucht man nur gelegentlich ein Ticket ist der Kauf eines Carnets, welches 10 Fahrten enthält, günstiger, als Einzeltickets zu kaufen (1,69€ statt 1,90€ pro Fahrt)., Ansonsten bietet Paris ein extrem breites Angebot an verschiedensten Kunst- und Kulturmöglichkeiten. Es gibt Websites, die regelmäßig über anstehende Events, Konzerte und Ausstellungen informieren – diese zu nutzen würde ich sehr empfehlen, da es sonst quasi unmöglich ist, einen Überblick über das breite Angebot zu behalten. Besonders empfehlen würde ich auch, sich die verschiedenen Museen in Paris abseits von Touristenzeiten anzuschauen – besonders günstig ist es dort Mo-Do entweder kurz nach Öffnung oder abends 2h vor Schließung zu kommen. Selbst wenn man dann nicht die Zeit hat sich alles anzusehen – der Eintritt in die öffentlichen Museen von Paris ist für EU-Bürger:innen unter 26 Jahren kostenlos, sodass man diese prinzipiell so oft man möchte besuchen kann. Neben den bekanntesten Museen wie dem Louvre und dem Musée d’Orsay kann ich noch besonders die Galerie de Paléontologie et d’Anatomie comparée im Jardin des Plantes, das Musée du Quai Branly und das Musée Rodin empfehlen. Natürlich gibt es aber noch viele mehr, die ebenso sehenswert sind.

Studienfach: Verwaltungswissenschaft (M.A.)

Aufenthaltsdauer: 01/2020 - 05/2020

Gastuniversität: Sciences Po Paris

Gastland: Frankreich


Rückblick

Insgesamt blicke ich auf ein wirklich sehr gutes Semester zurück. Insbesondere die gemeinsame Zeit mit den anderen internationalen Studierenden und die Momente, in denen man sich schon nicht mehr ganz wie eine Touristin gefühlt hat, weil man selbst schöne oder interessante Orte gefunden hat, waren besonders einprägsam. Um auch bei hohem Arbeitsaufwand nicht nur in der SciencesPo zu hocken, würde ich abschließend erstens noch das Crous Café Mabillon empfehlen, welches 10-15min zu Fuß von der Uni entfernt liegt, sehr günstig und wirklich gut zum Arbeiten ist. Zweitens fand ich die beiden Bibliotheken Bibliothèque Sainte-Geneviève und Bibliothèque Mazarine fantastisch, da beide wirklich sehr schön sind und eine Arbeitsplatzalternative zur immer überfüllten Bibliothek der Universität darstellen.

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