Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Bei der Vorbereitung zu meinem Auslandssemester fühlte ich mich sehr gut betreut. Durch die Informationsveranstaltungen an der Universität Potsdam wusste ich genau, welche Unterlagen ich brauchte und was noch zu beachten war. Der Kontakt mit der Universität Toulouse erwies sich als absolut reibungsfrei. Sobald ein Problem auftauchte, hatte ich innerhalb weniger Tage die Antwort. Zu beachten gilt allerdings, dass die Mitarbeiter*innen in Frankreich im Sommer meist einen Monat im Urlaub sind und man sich daher rechtzeitig um die benötigten Dokumente kümmern muss.
Kompliziert gestaltete sich allerdings die Aufnahme im Studierendenwohnheim. Obwohl man selbst im Vorhinein nicht einmal die genaue Miete ermitteln kann, müssen Haftpflicht- und Hausratsversicherung und ein Anmeldung für eine Bürgschaft eingereicht werden. Letztendlich hat aber alles funktioniert. 


Studienfach: Psychologie

Aufenthaltsdauer: 09/2019 - 01/2020

Gastuniversität:Université Toulouse – Jean Jaurès

Gastland: Frankreich

Studium an der Gastuniversität

Das französische Studiensystem ist noch frontaler als das deutsche. Hauptsächlich habe ich Vorlesungen besucht, aber auch die Seminare waren selten interaktiv. Trotzdem ist höchste Konzentration gefordert, denn die Folien bekommt man nur in Einzelfällen online. Das Mitschreiben kann am Anfang eine Herausforderung sein, aber man gewöhnt sich schnell daran und französische Kommilitonen und Kommilitoninnen sind sehr hilfsbereit, wenn einem ein Satz entgangen ist. In den meisten Fächern müssen innerhalb des Semesters zwei Prüfungen abgelegt werden – eine zur Hälfte des Semesters und eine weitere am Ende in der Prüfungszeit. Die Halbsemesterprüfung kann auch darin bestehen, eine Hausarbeit zu schreiben oder einen Vortrag zu halten, wie ich es erlebt habe. Die Prüfungsphase ist anspruchsvoll, da alle Abschlussprüfungen innerhalb von zwei Wochen abgelegt werden und man oftmals nur die eigenen Notizen zur Wiederholung hat. Anders als in Deutschland, muss das ganze Semester lang gearbeitet werden, da am Ende keine Zeit zum Nachholen besteht.Der Kontakt zu den Dozierenden war durchwachsen. Ich habe sehr engagierte Lehrkräfte erlebt, die auch außerhalb ihrer Lehrzeit ansprechbar waren. Auf der anderen Seite habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass man selten bis gar keine Antworten auf Mails erhält und beim Schreiben der Hausarbeit kaum begleitet wird. Dies liegt vor allem daran, dass die Université Jean Jaurès eine sehr große Universität ist (ca. 20 000 Studierende) und pro Lehrkraft zu viele Studierende zu betreuen sind.
Der gesamte Campus ist erst einige Jahre alt und sehr modern gestaltet. Leider ist aber bei der Planung des Gebäudekomplexes der zunehmende Ansturm an Studierenden nicht einberechnet worden. So kommt es zu überfüllten Räumen und langen Schlangen an der Mensa. Trotzdem hat jede studentische Fachschaft ihren eigenen Raum, in dem es Kaffee für 30 Cent und gute Gespräche kostenfrei gibt. Diese Orte und die zahlreichen vor allem politischen Organisationen, die sich am Campus engagieren sorgen für einen extrem lebendigen und pulsierenden Studienort.

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

Mit den anderen Erasmus Studierenden kommt man sofort in Kontakt. Es existiert eine Organisation namens „EIMA“, die sich um die Begrüßung und Betreuung der ausländischen Studierenden kümmert. Mindestens einmal in der Woche gibt es eine Veranstaltung, die von heiße Schokolade trinken im „EIMA“ Raum auf dem Campus, über Stadttouren bis zu Partyangeboten geht. Ich hatte trotzdem hauptsächlich nur Kontakt zu einheimischen Studierenden. Über die bereits erwähnten politischen Initiativen knüpft man als politisch engagierter Mensch schnell Kontakte. Das kostenlose Sportprogramm bietet ebenfalls die Möglichkeit neue Freundschaften zu schließen.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Ich hatte bereits nach dem Abitur ein Jahr in Frankreich gelebt und gearbeitet und daher ein gutes Sprachniveau. Da ich mein Französisch aber vor allem übers Sprechen gelernt habe, hat das Studieren in dieser Sprache meine Lese- und Schreibkompetenz stark verbessert. Dass man in Frankreich selten auf Englisch ausweichen kann, hilft dem Sprachenlernen ungemein.

Wohn- und Lebenssituation

Für das Wohnheim habe ich mich bereits im Juni beworben. Da die Plätze knapp sind, ist es sehr empfehlenswert, sich rechtzeitig um die Wohnung zu kümmern. Ich kam im Studierendenwohnheim „Daniel Faucher“ unter. Es besteht aus sieben Gebäuden, von denen einige neu gebaut worden sind und den anderen sieht man ihr Alter deutlich an. Ich kam in einem der älteren Häuser unter und habe mich trotzdem sehr wohlgefühlt. Meine Wohnung war 18 Quadratmeter groß und enthielt Bad und Küchenzeile, das Highlight ist aber sicherlich der große Balkon und mit etwas Dekoration sieht man die Gebrauchsspuren der Vorgänger*innen auch nicht mehr. Allerdings enthält die Wohnung zwar alle nötigen Möbel – Bettdecke, Geschirr und Küchenutensilien muss man sich allerdings selbst besorgen.
Da das Wohnheim auf einer Insel der Garonne etwas abgelegen liegt, würde ich den Kauf eines Fahrrads unbedingt empfehlen. Die App „Le bon coin“ ist so etwas wie das französische Ebay und hilft günstig an Fahrräder zu kommen. Zur Uni braucht man etwas mehr als 35 Minuten mit den Öffentlichen und eine Monatskarte für Studierende kostet gerade mal 10,20 Euro. Es lohnt sich, gleich bei der Ankunft die nächstgelegene „Tisseo“ Zentrale aufzusuchen und sich eine sogenannte „Carte Pastel“ zu kaufen, mit der man an das Ticket kommt und die man danach einfach immer wieder aufladen kann. Ansonsten läuft man circa eine Viertelstunde zu nächsten öffentlichen Transportmitteln. Gerade nachts würde ich aber nicht empfehlen diese Wege allein zu gehen, da es in der Vergangenheit bereits mehrerer Angriffe gerade auf Frauen gab.
Toulouse ist eine sehr beliebte Studierendenstadt und das sicherlich zu Recht. Es gibt ein reges Nachtleben, viele Bars und im Sommer trifft man sich gerne neben der Garonne für ein Bier. Zahlreiche Cafés und ein reges Stadtleben machen Toulouse auch tagsüber attraktiv. Die Stadt, deren Zentrum nur aus Backsteinen gebaut ist und daher auch die „rosa Stadt“ genannt wird, zieht mit ihrer Schönheit in den Bann.

Studienfach: Psychologie

Aufenthaltsdauer: 09/2019 - 01/2020

Gastuniversität:Université Toulouse – Jean Jaurès

Gastland: Frankreich


Rückblick

Rückblickend würde ich immer wieder ein Auslandssemester in Toulouse machen. Ich hätte auch gerne verlängert, wäre die Anrechnung der Kurse in Psychologie in Potsdam nicht so schwierig bis unmöglich.Ich hatte das Glück, zu einem Zeitpunkt in Frankreich zu sein, in dem es eine große soziale Mobilisierung gegen die Rentenreform gab. An den Protesten teilzunehmen und sich am Campus zu organisieren, hat mir einen neuen Blick auf Frankreich und auf die Welt eröffnet. Die Universität war eine Woche lang geschlossen und mehrere Prüfungen sind verschoben worden aufgrund der Bewegung und der Angst vor einer Blockade des Campus. Es hat mein politisches Verständnis komplett verändert, zu sehen, wozu eine soziale Bewegung fähig sein kann. Die Polizeigewalt, die man jeden Samstag bei Gelbwesten Protesten in der Innenstadt sehen konnte, hat mich nachhaltig erschüttert. Diese Erfahrung gemacht zu haben, dabei gewesen zu sein, war mit Abstand die entscheidendste und nachhaltigste Spur die mein Erasmussemester in mir hinterlassen hat.

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