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Potsdamer Stadtschloss: pro und contra 1945–1960


Einleitung

Am 20. Mai 2005 beschloss das Land Brandenburg, den neuen Landtag in den Um- und Aufrissen des historischen Potsdamer Stadtschlosses am Alten Markt zu errichten. Während unserer Recherchen im Stadtarchiv Potsdam und im Brandenburgischen Landeshauptarchiv erfuhren wir, dass das Potsdamer Stadtschlosses am 14. April 1945 durch einen englischen Bombenangriff zerstört wurde.

Die Bürgerinnen und Bürger, Historiker aber vor allem der Rat der Stadt Potsdam sowie die SED Bezirksleitung standen damals vor der Frage, ob man das zerstörte Stadtschloss wiederaufbauen oder die Ruine sprengen sollte. Heute wissen wir, dass man sich damals für die Sprengung entschieden hat. Das Projekt bietet Materialien an, die die Diskussionen um den Wiederaufbau beziehungsweise Abriss des Potsdamer Stadtschlosses von 1945 bis 1960 aufzeigen.

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Hintergrundinformationen

Am nördlichen Havelufer entstand im Verlauf des 12. Jahrhunderts eine Burg aus Holz und Erde, welche die Aufgabe hatte, den Übergang über die Havel zu kontrollieren und zu beschützen. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde die „Holz-Erde-Burg“ durch die sogenannte Askanische Burg ersetzt. Es entstand eine Burganlage mit einem steinernen eckigen Turm (Bergfried) auf einem quadratischen Grundriss.

Die dörfliche Ansiedlung im Bereich der Burg erhielt 1325 das Stadtrecht. In der Mitte des 14. Jahrhunderts wurde die Burg mit einer steinernen Umfassungsmauer und vier Rundtürmen an den Ecken ausgebaut. Die erste urkundliche Erwähnung der Burg als „Castrum“ findet sich im Landbuch Kaiser Karls IV. im Jahre 1375.

Am 11. Februar 1598 schenkte Kurfürst Joachim Friedrich seiner Gemahlin Katharina das Amt Potsdam mit seinen Einkünften. Die Kurfürstin wollte in Potsdam ihren Wohnsitz nehmen. Nach dem Abbruch der alten Burg wurde ein neues Schloss unter Leitung des Baumeisters Valtin Herkloz gebaut. Dieser sogenannte Katharinenbau war im März 1599 bezugsfertig. Das dreigeschossige Gebäude hatte einen Treppenturm in der Mitte der Fassade und war umgeben vom Mauerzug und den Rondells des 14. Jahrhunderts. Im Verlauf des Umbaus wurde eine Schlosskapelle eingebaut.

Nach dem Tod der Kurfürstin 1602 war das Schloss bis 1607 im Besitz von Eleonore, der zweiten Ehefrau des Kurfürsten Joachim Friedrich. Der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm kaufte am 2. März 1660 das Amt und Schloss Potsdam. Seit dieser Zeit wurde das Schloss kontinuierlich um- und ausgebaut. Geplant war ein Gebäude zum ständigen Aufenthalt. Man begann mit der Beseitigung der mittelalterlichen Ringmauern und Türme und einem teilweisen Abbruch des Katharinenbaus. Unter Leitung des Architekten Johann Gregor Mernhardt wurde zwischen 1662 und 1669 eine neue Schlossanlage gebaut. Die neue kurfürstliche Residenz bestand aus einem Hauptbau mit zwei anschließenden niedrigen Seitenflügeln, die durch einen Torbau verbunden waren. Das Gelände war von einem Wassergraben umgeben. Von 1679 bis 1682 wurden die Seitenflügel unter der Leitung des Hofbaumeisters Michael Matthias Smidts verlängert und durch eine halbrunde Galerie mit einem Torbogen dazwischen abgeschlossen. Westlich des Schlosses wurde 1685 von Johann Arnold Nering eine Orangerie gebaut.

Am 29. Oktober 1685 unterzeichnete der Große Kurfürst im Stadtschloss das Edikt von Potsdam: „Nachdem die harten Verfolgungen, mit denen man bisher in […] Frankreich wider Unsere, der evangelisch-reformierten Religion zugetanen Glaubensgenossen verfahren, viele Familien veranlaßt, sich […] hinweg in andere Lande zu begeben, Wir daher aus gerechtem Mitleiden bewogen werden, vermittelst dieses Edikts denselben eine sichere und freie Zufluchtsstätte in allen Ländern und Provinzen anzubieten.“ Als der Große Kurfürst am 29. April 1688 im Stadtschloss verstarb, war Potsdam eine bedeutende Residenz geworden. 1689 ging das Schloss in den Besitz des Kurfürsten Friedrich III. über. Nachdem sich der Kurfürst 1701 im Dom zu Königsberg selbst zum König Friedrich I. krönte, begann die repräsentative Gestaltung des Schlosses. Der hugenottische Baumeister Jean de Bodt errichtete 1701 ein Fortunaportal am Nordtrakt des Schlosses. Das Portal erhielt seinen Namen von der auf dem Tor postierten vergoldeten Statue der Glücksgöttin Fortuna.

In der Zeit vom 2. bis 8. Juli 1702 hielten sich Friedrich IV. von Dänemark und August („der Starke“) von Polen und Sachsen im Stadtschloss auf. Bis zum Tode Friedrichs I. 1713 wurde das Schloss mehrfach umgebaut. 1713 bis 1740 war das Stadtschloss ständiger Wohnsitz König Friedrich Wilhelms I. (Soldatenkönig). In seiner Regierungszeit wurden nur wenige Baumaßnahmen am Schloss durchgeführt, da er sich mehr dem Ausbau der Stadt widmete. Als Friedrich Wilhelm I. 1740 im Stadtschloss starb, übernahm Friedrich I. (Friedrich der Große) die Regierung Er begann 1744 mit dem schrittweisen Umbau des Schlosses, der sich bis 1756 hinzog. Der Nachfolger Friedrichs des Großen, sein Neffe Friedrich Wilhelm II., der 1786 die Regierungsgeschäfte übernahm, zeigte wenig Interesse für das Stadtschloss. Anders verhielt es sich mit seinem Sohn, König Friedrich Wilhelm III. und dessen Frau Königin Luise, die eine Vorliebe für das Stadtschloss hatten. Der Aufenthalt Napoleons im Schloss am 23. und 24. Oktober 1806 gilt als besonderes Ereignis. 1918 übernahm der Potsdamer Magistrat das Stadtschloss und nutzte es als Museum und Verwaltungsgebäude. Im Jahr 1927 wurde das Schloss der Preußischen Verwaltung für Schlösser und Gärten zugeordnet. Am 21. März 1933 fand im Lustgarten eine Reichswehr- und SA-Parade statt. Der Besichtigungs- und Museums betrieb wurde 1941 eingestellt und mobile Kunstwerke ausgelagert. Das Stadtschloss blieb von den ab 1943 einsetzenden Bombenangriffen zunächst verschont. Am 14. April 1945, circa 3 Wochen vor Ende des Zweiten Weltkrieges, wurde das Gebäude bei einem alliierten Luftangriff auf Potsdam schwer beschädigt und brannte bis auf die Umfassungsmauern nieder.

Vgl. Schulze, Susanne: Das Potsdamer Stadtschloss. Pro und Contra 1945–1960, in: Mitteilungen der Studiengemeinschaft Sanssouci e. V. 7.2 (2002), S. 2-5.

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Weiterführende Quellen und Literatur

  • Berg, Hans: Die verlorene Potsdamer Mitte, Berlin 1999.
  • Drengenberg, Hans Jürgen: Die sowjetische Politik auf dem Gebiet der Bildenden Kunst. Von 1917–1934, in: Forschungen zur osteuropäischen Geschichte, Berlin 1972. (= Osteuropa-Institut an der Freien Universität Berlin: Historische Veröffentlichungen 16)
  • Giersberg, Hans-Joachim: Das Potsdamer Stadtschloß, Potsdam 1998.
  • Mielke, Friedrich: Das Ende des Potsdamer Stadtschlosses. Zur Geschichte der deutschen Stadtplanung nach dem 2. Weltkrieg, in: JGMOD 37(1988), S. 104–130.
  • Schächte, Wolfgang: Zum Bauwerk und Standort des Stadtschlosses in Potsdam. Eine bauhistorische Expertise mit Bilddokumentation, Berlin 1997.
  • Schulze, Susanne: Das Potsdamer Stadtschloss. Pro und Contra 1945–1960, in: Mitteilungen der Studiengemeinschaft Sanssouci e.V., 7. Jahrgang (2002) Heft 2, S. 1–33. (Stadtarchiv Potsdam, Signatur: Buch 4551)
  • Wernicke, Thomas: Zwischen Kunstdenkmal und „Hort des Feudalismus“. Die Stadtschlossruine 1945–1960, in: Mitteilungen der Studiengemeinschaft Sanssouci e.V., 12. Jahrgang (2007) Heft 1, S. 2–24.

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Bildquellen

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