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01.01.2007: 850 Jahre Brandenburg

Die Brandenburg war im 10. Jahrhundert eine bedeutende slawische Burg und Zentrum einer ausgedehnten Herrschaft. 928/29 wurden Burg und Herrschaft durch König Heinrich I. erobert. Wahrscheinlich 948 wurde hier das erste Bistum östlich der Elbe gegründet. Mit dem Slawenaufstand 983 wurden die Deutschen wieder vertrieben. Nach Wiederannäherung und Kooperation zwischen Slawen und Deutschen seit dem 10./11. Jahrhundert gelang es Albrecht dem Bären, dem Markgrafen der Nordmark, sich nach dem Tod des letzten slawischen Herrschers Pribislaw-Heinrich 1150 als Erbe in den Besitz der Brandenburg und des Hevellerreiches zu setzen. Dies wurde ihm jedoch von Jaxa, einem Verwandten des Pribislaw streitig gemacht, der die Brandenburg besetzte. Mit Hilfe des Erzbischofs Wichmann gelang es Albrecht dem Bären am 11. Juni 1157 nach längerer Belagerung und blutigen Kämpfen, die Burg zurückzuerobern, die seither dauerhaft in deutscher Hand blieb.

Auf der folgenden Seite beschreiben Dr. Lutz Partenheimer, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Professur für Mittelalterliche Geschichte am Historischen Institut, und Prof. Dr. Peter-Michael Hahn, Professor für Landesgeschichte, in zwei Beiträgen die Entwicklung der Mark Brandenburg in den vergangenen 850 Jahren.

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Als sich der „Bär“ seine Burg zurückholte

Von Dr. Lutz Partenheimer, Historisches Institut

Das Jahr 1157 gilt als das Gründungsjahr der Mark Brandenburg. Am 11. Juni 1157 konnte Graf Adalbert von Ballenstedt, genannt „Albrecht der Bär“, in blutigen Kämpfen die Macht in der Burg Brandenburg zurückerobern (Bild rechts), Jaxa von Köpenick vertreiben und eine neue Landesherrschaft auf slawischem Boden begründen. Mit einer entsprechenden Urkunde nannte er sich dann selbst Markgraf von Brandenburg. Doch die Geschichte der Mark reicht noch 600 Jahre weiter zurück in die Vergangenheit.

Nachdem das Gebiet zwischen Elbe und Oder im 5. und 6. Jahrhundert im Zuge der Völkerwanderung weitgehend von germanischen Stämmen frei war, rückten im 7. und 8. Jahrhundert aus dem heutigen Polen und aus dem böhmischen Raum Slawen nach. Sie wurden damit Nachbarn der von Karl dem Großen um 800 in das Frankenreich einbezogenen Sachsen. Diese besiedelten etwa das heutige Niedersachsen, Westfalen, Holstein, die Altmark und die Gegend um den Harz. 919 wurde der wohl mächtigste sächsische Adlige, Heinrich, König des 843 entstandenen Ostfrankenreiches. Wahrscheinlich im Winter 928/29 griff Heinrich I. die Heveller (Havelslawen) an und nahm ihre Fürstenresidenz ein: die Brandenburg. Von der Anlage auf der heutigen Brandenburger Dominsel gibt es keine oberirdischen Reste mehr.

Heinrichs Sohn Otto I. wollte die Slawen stärker ins Reich einbeziehen. Dazu ernannte er Markgrafen (Grenzgrafen) und bildete schließlich die Nordmark. Für diesen Bereich entstanden wahrscheinlich 965 zur Christianisierung der Slawen auch die Bistümer Havelberg und Brandenburg, deren Gründung man bisher im Jahr 948 vermutet hat.

983 beseitigte ein großer Aufstand die Herrschaft des sich langsam zum deutschen Staat wandelnden Ostfrankenreichs. Dabei wurden die Bischofssitze Havelberg und Brandenburg zerstört. Im Zusammenhang mit den um 1000 aufgegebenen Rückeroberungsversuchen erscheint 993 erstmals Potsdam in den Quellen. Am Anspruch auf das Gebiet zwischen Elbe und Oder hielt das deutsche Königreich jedoch fest, was unter anderem durch die Weiterbesetzung der entsprechenden Markgrafen- und Bischofsämter geschah.

Ab etwa 1100 begannen die Magdeburger Erzbischöfe und ostsächsischen Fürsten erneut, in die slawischen Gebiete einzudringen. Auch Graf Otto von Ballenstedt wurde in diesem Sinne aktiv. Er entstammte dem nach Aschersleben benannten Geschlecht der Askanier. Otto schob wohl seinen Einfluss um 1110 über die Elbe in Richtung auf die Hevellergrenze bei Görzke vor. Der Sohn Adalbert setzte diese Politik fort. Nach seinem ihm schon von Zeitgenossen gegebenen Beinamen ist er als „Albrecht der Bär“ in die Geschichte eingegangen. Um 1123/25 brachte er Pribislaw-Heinrich, einen getauften Angehörigen der Hevellerdynastie dazu, ihm die Nachfolge im Brandenburger Slawenfürstentum zuzusichern und Otto, dem ältesten Sohn des Askaniers, als Taufpate die Zauche, den südlich der Havel zwischen Brandenburg und Potsdam gelegenen Landstrich, zu schenken. Aber erst 1127 oder noch später konnte Pribislaw-Heinrich – vielleicht von Albrecht unterstützt – die Herrschaft auf der Brandenburg antreten.

1134 belehnte der deutsche König den Askanier mit der Nordmark. 1150 starb Fürst Pribislaw-Heinrich und Albrecht der Bär übernahm die Brandenburg. Trotzdem legte er sich den für ihn schon zwischen wohl 1140 und 1152 manchmal in der königlichen Kanzlei benutzten Titel „Brandenburgischer Markgraf“ auch jetzt nicht zu, denn mit diesem Titel wollte der König vielleicht ausdrücken, dass Albrecht das Brandenburger Erbe nur im Auftrag der Krone zu verwalten habe.

Wahrscheinlich im Frühjahr 1157 konnte ein gewisser, angeblich mit Pribislaw-Heinrich verwandter Jaxa die Brandenburg Albrecht dem Bären durch Bestechung der askanischen Besatzung entreißen. Er war nach den Quellen ein polnischer Fürst und saß wohl unter polnischer Oberhoheit als Herr der Spreeslawen auf der Burg Köpenick. Daraufhin belagerte der Markgraf die Brandenburg und zwang sie zur Kapitulation. Am 11. Juni 1157 zog Albrecht der Bär in die alte Hevellerfeste ein. Nachdem der Askanier auf diese Weise gezwungen worden war, seine Brandenburg zurückzuerobern, nannte er sich erstmals selbst am 3. Oktober 1157 „Markgraf von Brandenburg“.

Als Albrecht 1170 starb, übernahm der älteste Sohn Otto I. die Mark Brandenburg, die sich nun deutlich aus der Gesamtheit aller askanischen Güter heraushob, da Ottos Brüdern die außerhalb der Mark gelegenen Besitzungen ihres Vaters zufielen. Ab 1172 bezeichnete ihn auch die königliche Kanzlei, nun stets, als „Brandenburgischen Markgrafen“. Die Mark war als neues Fürstentum innerhalb des deutschen Königtums anerkannt.

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Im Schatten der preußischen Geschichte – Der lange Weg zum brandenburgischen Territorialstaat

Von Peter-Michael Hahn, Historisches Institut

Wenn in diesen Tagen unter Hinweis auf die Eroberung der Brandenburg durch Albrecht den Bären vor 850 Jahren die Traditionen des heutigen Landes Brandenburg eifrig gefeiert werden, dann dominiert in dem bei einem solchen Anlass präsentierten Geschichtsbild historische Kontinuität. Sie schafft eine Aura von Legitimität und Würde.

Source: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:MarkBrandenburg.png
Mark Brandenburg 1320

Lange sorgte der preußische Blick auf die kriegerischen Erfolge der Jahre 1866 und 1871 dafür, dass diese auf die ältere Vergangenheit Brandenburg-Preußens zurück projiziert wurden. Brüche, Zäsuren und gegenläufige Entwicklungen wurden dagegen ausgeblendet, weil sie den erwünschten Eindruck verdunkelten. So führte von der Eroberung eines slawischen Fürstensitzes und seines Herrschaftsbezirkes kein direkter Weg zur Formierung eines brandenburgischen Territorialstaates. Es bedurfte vieler damals nicht abzusehender Faktoren, damit sich in einem komplizierten Prozess personale Herrschaft flächenhaft zu verdichten vermochte. Der Weg zur Verstaatung seit dem späten 14. Jahrhundert erweist sich bei näherem Hinsehen als äußerst verschlungen. (Karte: Brandenburg im 14. Jahrhundert) Erbteilungen, Verkäufe und Verpfändungen von Teilen dieses Territoriums, die aus dynastischen Motiven erfolgten, waren zu überwinden. Oft geschah dies unter Bedingungen, auf die Brandenburgs Akteure keinen oder nur geringen Einfluss hatten. All dies trug im Ergebnis jedoch dazu bei, der Mark Brandenburg die Gestalt zu verleihen, die vom späten 16. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts Bestand hatte.

Mit dem territorialen Ausgreifen der Hohenzollern nach Preußen und an den Rhein um 1600 wurde die Mark zu einem einzelnen Baustein im Herrschaftsgefüge einer Dynastie. Der Umstand, dass diese dort ihre Residenz unterhielt, sollte nur für einen kleinen Teil Brandenburgs zum Vorteil ausschlagen. Es gehörte zu den europäischen Merkmalen der Verstaatung, dass man seine sämtlichen Ressourcen im Umfeld der Residenz konzentrierte. Von dort übertrug man oft verwaltungstechnische Neuerungen auf die übrigen Teile der Monarchie. Für die Bewohner zog dies oft aber keinen sozialen oder ökonomischen Fortschritt nach sich. Die höfische Landschaft um Berlin und Potsdam, zu der noch ein vom Hofadel bewohntes Umland zu rechnen ist, bildete fortan das Kerngebiet der Monarchie, während die übrige Mark zur tiefen Provinz mutierte. Verstärkt wurde dies noch durch den konfessionellen Gegensatz zwischen diesen Gebieten.

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Mark Brandenburg 1320
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Wappen Preußische Provinzen - Brandenburg

Mit dem Untergang des Alten Reiches verschwand auch die Mark Brandenburg von der politischen Landkarte (im Bild unten links das historische Wappen der Mark Brandenburg). Nach Preußens totaler Niederlage gegen Napoleon erstand eine Provinz Brandenburg, die durch das Herauswachsen Berlins aus seinem agrarischen Umland, die Abgabe großer Gebiete im Westen (Altmark) und Osten sowie die Einbeziehung okkupierter sächsischer Gebiete (unter anderen die Niederlausitz) politisch neu vermessen wurde.

Nach den tiefgreifenden räumlichen und administrativen Veränderungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts und der Preußenfixierung der Öffentlichkeit um die Mitte dieses Jahrhunderts war es symptomatisch für die geschwundene Bedeutung und Eigenständigkeit Brandenburgs im Gefüge des preußischen Staates, dass ein Literat, Theodor Fontane, zumindest vordergründig die Mark als eine historische Landschaft wieder entdeckte. In seinen Wanderungen verlieh er jedoch vor allem der höfischen Kernlandschaft um Berlin als Mark Brandenburg historische Identität. Denn schaut man ein wenig genauer hin, welche Gebiete er mit seinen historischen Erzählungen vor dem Auge des Lesers mit Geschichte erfüllte, dann bemerkt man rasch, dass die Alt- und Neumark, aber auch große Teile der Uckermark und Prignitz nicht Gegenstand seiner dichten Beschreibungen waren.

Auch die Historiographie ignorierte weitgehend das historische Brandenburg und seine Teillandschaften, sieht man von den Heimatforschern ab. Der Blick konzentrierte sich auf preußische Vergangenheiten. Aus dem Rahmen fiel daher Reinhold Kosers gedrängte Geschichte der brandenburgischen Politik bis 1648 aus dem Jahre 1913. Eine solide Gesamtgeschichte der Mark Brandenburg sollte jedoch noch ein halbes Jahrhundert auf sich warten lassen, ehe Johannes Schultze diesem Mangel abhalf. Sie spiegelte allerdings nur einen Teil der Geschichte des heutigen Bundeslandes Brandenburg wider, denn dessen Lausitzer und altsächsische Landesteile blicken auf andere historische Wurzeln zurück.

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Wappen Preußische Provinzen - Brandenburg

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