Illustrationen von Brandenburgerinnen in Schwarz-Weiß mit dem Titel "Wege unsichtbarer Heldinnen"
Image: Lena Westphal

In gesellschaftspolitischen Diskussionen vereinen sich eine Vielzahl von Fragestellungen. So auch in der Betrachtung von weiblichen Erfolgen in der Wirtschaftsgeschichte – vom Gender-Data-Gap über die (Un-)Sichtbarkeit weiblich besetzter Führungspositionen. Wieso sind uns so wenige Frauen bekannt, die erfolgreich in der Selbständigkeit standen oder Unternehmen leiteten und damit die Wirtschaftsgeschichte nachhaltig beeinflussten? Welche Geschichten bleiben bis heute unbeachtet, die einen gleichstellungspolitischen Diskurs bereichern können? Welche Impulse bringt die Auseinandersetzung mit diesen Biografien für junge Frauen in der heutigen Zeit?

FrauenOrte in Brandenburg beleben seit Jahren die Geschichte spannender Frauen aus Kunst, Kultur, Politik und Stiftungswesen. Wir schauen nun gemeinsam in die Geschichte der weiblichen Wirtschaftskraft. Denn Unternehmerinnen und weibliche Führung gab es bereits vor Jahrhunderten. Fünf historische Beispiele, in fünf unterhaltsamen Podcasts erzählt, führen Hörer*innen in das Brandenburg des 18. Jahrhunderts. Dort formten Frauen unsere Region, wo sie nur selten vermutet werden: an der Spitze eines Unternehmens.

Wir wünschen viel Freude beim Eintauchen in die Geschichte!

Die Glashüttenbesitzerin | 1733 – 1810

Zeichnung Johanna Louise Pirl
Image: Lena Westphal

Frauen sind in Handwerks- und Manufakturarbeit noch immer in der Minderheit. Doch eine Frau unter den Glasmachern des 18. Jahrhunderts scheint eine wahre Rarität zu sein. Sie war die inoffizielle Meisterin der regionalen Glasmacherkunst. Aufgewachsen als Tochter eines Brandenburger Glasmacher-Meisters, exportierte Johanna Louise Pirl nach der Übernahme der ehelichen Manufaktur Flaschen und Arzneigläser in das Umland. Ihre Geschichte erklärt den Weg dieser eindrucksvollen Handwerksfrau. Und auch wie sie aus zunächst ökonomischen Gründen schließlich zur Ortsbegründerin am Dagowsee* wurde. (*Hier hat sich ein kleiner Fehler im Podcast-Script eingeschlichen. Wir bitten um Nachsehen.)

Hier geht's zu Johanna Louise Pirl.

Zeichnung Johanna Louise Pirl
Image: Lena Westphal

Die Eisenhüttenbesitzerin | 1683 – 1776

Zeichnung Benedicta Freifrau von Löwendal
Image: Lena Westphal

Mut zur Innovation, wirtschaftliches Geschick und nicht zuletzt die richtigen Kontakte: Benedicta Freifrau von Löwendal wusste früh ihre Privilegien einzusetzen, um ihr Lebenswerk zu gestalten. Geboren im Jahr 1683 wuchs Benedicta als Mitglied einer bedeutenden Adelsfamilie in Brandenburg auf. Mit ihrer Heirat wurde sie schließlich zur Freifrau von Löwendal. Im Jahr 1725 wurde der Familie die Unterstützung ihrer Pläne zum Eisenabbau an der sächsischen Grenze zugesagt. Das Resultat waren ein Großbetrieb an der heute brandenburgisch-sächsischen Grenze und beachtliche fünfzig Jahre der Unternehmensleitung einer Frau in der Eisengewinnung.

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Zeichnung Benedicta Freifrau von Löwendal
Image: Lena Westphal

Die Pensionatsleiterin | 1774 – 1849

Zeichnung Ulrike von Kleist
Image: Lena Westphal

Sie war die Familienmanagerin ihrer Zeit und Halbschwester des Dramaturgen, Heinrich von Kleist. Philippine Ulrike Amalie von Kleist lebte an der Schwelle zum 19. Jahrhundert in Frankfurt (Oder). Als Ansprechpartnerin in familiären und finanziellen Belangen ist sie der Geschichtswissenschaft bereits lange bekannt. Als Frau mit beeindruckendem, diplomatischem Geschick gibt sie uns aber noch oft Rätsel auf und wurde doch stets zur rettenden Problemlöserin. Im Jahr 1820 eröffnete sie schließlich ein Mädchenpensionat in ihrer Heimatstadt und widmete sich somit ihrem ganz eigenen Lebensprojekt.

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Zeichnung Ulrike von Kleist
Image: Lena Westphal

Die Seidenkultivateurin | 1728 – 1805

Zeichnung Anne Marie Baral
Image: Lena Westphal

Anne Marie Baral wurde als Bäckerstochter hugenottischer Abstammung in Berlin geboren. Nach ihrer Hochzeit arbeitete sie zunächst als Malerin an den beeindruckenden Bauten Potsdams. Doch Anne Marie Baral hatte Großes vor. Sie nahm sich eines schier unmöglichen Projektes an und baute die Seidenproduktion mitten in der heutigen Landeshauptstadt auf. Dort galt es, als einzige Ausbilderin ihrer Disziplin durchzugreifen. Im Alter von sechzig Jahren wurde sie schließlich zur Leiterin der örtlichen Seidenmanufaktur im höfischen Dienst. Der Produktionsort: das heutige Justizzentrum der Stadt.

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Zeichnung Anne Marie Baral
Image: Lena Westphal

Die Verlagsleiterin | 1741 – 1813

Zeichnung Friederike Helene Unger
Image: Lena Westphal

Talentiert, kritisch, ambivalent: Friederike Unger schrieb und veröffentlichte anonym im Berlin des frühen 19. Jahrhunderts und ging als herausragende Autorin von Bildungsromanen in die Geschichte ein. Doch sie war eine strenge Beobachterin ihrer Zeit. Fast verbittert soll sie zum Ende ihres Lebens in der preußischen Metropole gewesen sein. Und doch bleibt sie als Autorin und Verlagsleitung des ehelichen Unger-Verlages bis heute in Erinnerung. Mit Friederike Unger endet unsere Podcast-Reihe zu den unsichtbaren Heldinnen der Region. Und sie macht deutlich: auch Heldinnen sind damals wie heute nur Menschen.

Hier geht's zu Friederike Helene Unger.

Zeichnung Friederike Helene Unger
Image: Lena Westphal

Sichtbare Heldinnen des Podcasts

Mitwirkende Charlyn Jähn und Juliane Krause
Photo: Nina Tschirner

Diese Reihe entstand im Rahmen des Programms Mentoring Plus für Studentinnen, in wunderbarer Zusammenarbeit mit verbundenen Mentorinnen, Trainerinnen und Kolleginnen. Die wissenschaftliche Basis entstammt der Forschungsarbeit von Charlyn Jähn (links), welche sich gemeinsam mit Juliane Krause (rechts) auf die akustische Reise in die Geschichte begibt. Ein großes Dankeschön geht an unsere Sprecherinnen, die unsere Heldinnen zum Leben erwecken:

Gerlinde Kempendorff als Johanna Louise Pirl
Jana Herz als Benedicta Freifrau von Löwendal
Julia Lemmle als Ulrike von Kleist
Janine Gottwald als Anne Marie Baral
Corinna Gödel als Friederike Helene Unger

Mitwirkende Charlyn Jähn und Juliane Krause
Photo: Nina Tschirner

Noch mehr spannende Geschichten zu unsichtbaren Heldinnen finden sich hier: Brandenburger FrauenOrte oder im unabhängigen Netzwerk FER – Neu gegründet von Alumnae der Universität Potsdam. Für mehr Sichtbarkeit von Frauen in der Wirtschaftsgeschichte.

Die Podcasts sind darüber hinaus Teil des Programms der Brandenburgischen Frauenwoche 2021 "Superheldinnen am Limit". Weitere spannende Angebote finden sich im landesweiten Veranstaltungskalender.