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Online-Reisetagebuch Afghanistan: Kabul/Jalalabad, 23. September 2014

Unterstützung für afghanische Verwaltungswissenschaften, Tag 2
Jalalabad, Foto: Harald Fuhr

Jalalabad, Foto: Harald Fuhr

Heute, am zweiten Tag unseres Besuchs, sind wir nach Jalalabad geflogen, eine Stadt mit ca. 250.000 Einwohnern in der Nähe der Grenze nach Pakistan. Die Straße von Kabul nach Pakistan, über den legendären Kyber-Pass, führt hier durch. Wir sind allerdings nicht mit dem Auto gefahren, denn RMO, die Organisation, die für sämtliche deutschen Hilfsdienste in Afghanistan die Sicherheit managt, sieht es lieber, wenn man fliegt.

Geflogen sind wir mit UNHAS, einer kleinen Fluglinie der UN, die in verschiedenen Ländern weltweit operiert, überall dort, wo es keinen oder nur schlecht funktionierenden Flugverkehr gibt und die UN im Einsatz ist. UNHAS hat einen eigenen Terminal am Flugplatz Kabul, eher eine kleine Baracke, allerdings wie immer gut beschützt. Unter anderem wird hier das Handgepäck – mehr darf man ohnehin nicht mitnehmen – von einem Sprengstoffhund beschnüffelt. Eigentlich ganz beruhigend. Davor gibt es auch einen kleinen, halbhohen Kasten mit Sand, in den man bitte seine Waffen entladen soll.

UNHAS hat in Afghanistan zwei Flugzeuge, eines mit 37 Sitzen, und eines mit 19, letzteres eine Beechcraft, mit der wir geflogen sind. Dazu kommt ein Hubschrauber. Insgesamt werden regelmäßig, wenn auch nicht täglich, ca. zwölf Städte in Afghanistan angeflogen, und im ersten Halbjahr wurden mehr als 10.000 Passagiere befördert. UNHAS fliegt (fast) nur für Mitarbeiter der UN und anderer Hilfsorganisationen, von denen in Afghanistan allerding auch mehr als 160 tätig sind. Der Flug war angenehm, das Flugzeug natürlich klein (wie ein kleiner Bus), und man hatte direkten Kontakt mit den beiden Piloten, zwei netten jungen Männern, wohl aus den USA. Die Landschaft ist unglaublich karg, eigentlich eine sehr gebirgige, zerklüftete Wüste. Man fragt sich wirklich, warum es um dieses arme, abweisende und geschundene Land sovielso viel Ärger gibt.

Schon nach 30 Minuten Flug steigen wir in Jalalabad aus unserem „Flugbus“. Nur ein paar Meter entfernt stehen wieder die verschiedenen offiziellen Fahrzeuge, mit denen man abgeholt wird, in der Regel Toyota SUVs. Das große, hellblaue UN Zeichen bestimmt das Bild. Allerdings biegen auch ein rotes, amerikanisches Feuerwehrauto, ein Transportpanzer und mehrere Pick-Ups, die Ladefläche voll mit bewaffneten Soldaten, um die Ecke. Die Stadt erinnert sehr an Indien und Pakistan: Es ist sehr wuselig, besonders fallen die vielen Tuktuks auf, die zum Teil sehr aufwendig geschmückt sind. Das „TajMahal“-Gästehaus, in dem wir untergebracht sind, liegt in einer Sackgasse, die wiederum gut bewacht ist. Unter anderem werden die Autos stets von unten mit Spiegeln kontrolliert, weil es wohl in letzter Zeit einige „Haftminen“ gegeben hat. Man darf sich aber unter dem Gästehaus nicht zu viel vorstellen, insgesamt hat das eher Jugendherbergsniveau.

Morgen besuchen wir die Universität und die Fakultät für Verwaltungswissenschaften, um mit dem Dekan, den Kollegen und dem Kanzler den Stand der Entwicklung zu besprechen. Am Nachmittag wollen wir zudem ein paar kleinere Vorträge halten. Damit wir nicht zu sehr auffallen, sind wir „afghanisch“ eingekleidet worden, d.h. Prof. Fuhr und ich tragen einen traditionellen Shalwar Kamiz, ein langes Hemd über einer weiten Hose, das ist das, was Karzai immer unter seiner grünen Weste trägt. Ich habe einen in einer typischen Sandfarbe bekommen, Harald Fuhr einen schwarzen. Die beiden Kolleginnen haben jeweils ein traditionelles, langes Kleid mit Schaal erhalten, denn Haare und Beine dürfen hier auf keinen Fall sichtbar sein, selbst wenn die Beine in einer Hose stecken. In Jalalabad leben über 90 Prozent Paschtunen, auf der Straße sieht man auch tagsüber kaum Frauen, und wenn, dann fast alle in der blauen Burkha. Das ist natürlich alles sehr gewöhnungsbedürftig. Aber wenn es hier überhaupt vorangehen soll, bedarf es ganz zentral einer starken, leistungsfähigen Verwaltung, und um zu deren Aufbau etwas beizutragen, sind wir ja hier.

Text: Prof. Dr. Werner Jann, Professor für Politikwissenschaft, Verwaltung und Organisation
Online gestellt: Silvana Seppä

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