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Forschungsstelle Europäische Strafrechtsgeschichte


Für die Erforschung der Strafrechtsgeschichte kann die Beschränkung auf den nationalen Rahmen nicht sinnvoll sein. Zwar hat das Strafrecht an der sich seit Mitte des 20. Jahr­hunderts vollziehenden rechtlichen Einigung Europas bisher in geringerem Maß teilgehabt als die anderen juristischen Teilgebiete. Aber auch hier sind die Verflechtungen mittlerweile sehr beträchtlich, und abgesehen davon ist die Geschichte des deutschen Strafrechts im Ganzen - wie diejenige der anderen Teilgebiete - Ausschnitt der europäischen Rechtsgeschichte, determiniert durch die Verbindung von Antike und Christentum, durch die Herausbildung des kirchlichen und die Rezeption des römischen Rechts, durch Scholastik, Renaissance und Reformation, durch die Aufklärung, den deutschen Idealismus und den Nationalstaatsgedanken, durch die Kriege, den Nationalsozialismus, den realexistierenden Sozialismus und die europäische Einigung.

Die Forschungsstelle Europäische Strafrechtsgeschichte gibt mittels international besetzter Tagungen Impulse zur Erforschung der deutschen als Ausschnitt der europäischen Strafrechtsgeschichte und trägt zum Ausbau eines Netzwerks hierzu arbeitender europäischer Forscherinnen und Forscher bei.

 

 

 

Bibliothek

 Die im Aufbau befindliche Basisbibliothek zur europäischen Strafrechtsgeschichte ist über den allgemeinen Bibliothekskatalog (OPAC) der Universität Potsdam zugänglich.

 

 

Team

 

Prof. Dr. Georg Steinberg - gsteinbeuni-potsdamde

Ref. iur. Sebastian Kürten - kuerten@uni-potsdam.de

Ann-Christin Polewka - apolewkauni-potsdamde

 

 

Aktuelles Projekt

Strafrecht in der alten Bundesrepublik 1949-1990

Allgemeiner Teil, Grundlagen und Rechtsfolgenseite im zeitgeschichtlichen Spiegel von Gesellschaft und Politik

Tagungen am 21.-22. März sowie am 8.-9. November 2019

in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Arnd Koch, Universität Augsburg, und Prof. Dr. Andreas Popp, Universität Konstanz

Neunundzwanzig Jahre nach dem Mauerfall kann man das Strafrecht der alten Bundesrepublik (1949-1990) zum Gegenstand zeitgeschichtlicher Untersuchung machen. Gemeinsam mit Ih­nen und Euch wollen wir das tun, nämlich für bestimmte strafrechtliche Themenbereiche nach den Bezügen der Wissenschaft und Praxis zu den gesellschaftlichen und politischen Ent­wick­lungen der Zeit fragen. Wir erhoffen uns hiervon Einsichten nicht betreffend die "Richtigkeit", sondern die Zeitbedingtheit der damaligen strafrechtsdogmatischen Konzepte.

 

 


Abgeschlossenes Projekt

Sozialistische Straftheorie und -praxis in Europa

Herausgegeben von Prof. Dr. Georg Steinberg

2018, 271 S., Broschiert,
ISBN 978-3-8487-4870-9
(In Gemeinschaft mit Dike Verlag Zürich/St. Gallen und facultas)

www.nomos-shop.de/37391

 

Das Buch gibt Einblicke in das Strafrecht des real existierenden Sozialismus in Europa, insbesondere der DDR. Gespannt wird der Bogen von den philosophischen Ausgangspunkten im 19. Jahrhundert (Marx) über die rechtstheoretischen Debatten in der Sowjetunion in den 1920er Jahren und später in der DDR, und von dort weiter zur Strafpraxis, nämlich dem Wirtschaftsstrafrecht der DDR und der Todesstrafe als exemplarischen Feldern. Einblicke zu anderen Ländern des damaligen Warschauer Pakts geben Aufsätze über die Strafzumessung in Polen, den strafrechtlichen Lebensschutz in Ungarn und den tschechoslowakischen Straftatbestand der Ausschreitung. Anliegen ist es, durch die Profilierung des Theorie-Praxis-Bezugs ein vertieftes Verständnis dieses Strafrechtsdenkens zu unterstützen.