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Rückenschmerzen: Prävention und Rehabilitation für Spitzensport und Alltag. Das Projekt MiSpEx

„Stress hat einen direkten Einfluss auf die Schmerzentwicklung und moderiert die Beziehung zwischen körperlicher Aktivität und Schmerz. Aufgrund dieser Kenntnisse wird ein Diagnosetool zur Prognose eines Entwicklungsverlaufes und zur individualisierten Zuordnung der Personen zu Interventionen entwickelt."

Das National Research Network for Medicine in Spine Exercise (MiSpEx) widmet sich der Problematik der Gesellschaftskrankheit Rückenschmerz (Laufzeit 2011-2018, Gesamtprojektleitung: Prof. F. Mayer). Innerhalb des Netzwerkes werden drei Multicenterstudien und ca. 25 Teilstudien durchgeführt, wobei innerhalb der Einzelstudien Teilprojektfragestellungen von unterschiedlichen Fachexperten erarbeitet werden, die direkt in die Multicenterstudien einfließen. In das Netzwerk bringen sich deutschlandweit verschiedene Forschungseinrichtungen mit klinischem und nicht klinischem Hintergrund sowie Einrichtungen mit unterschiedlichen Versorgungssystemen (Universitäten, Olympiastützpunkte, Fachverbände, Rehaklinken etc.) ein, mit dem Ziel die Auswirkungen von körperlicher Aktivität in der Prävention und Rehabilitation von Rückenbeschwerden sowohl für den Spitzensport als auch für die Gesamtgesellschaft zu erfassen und die Ergebnisse in den Alltag einfließen zu lassen. An dem Projekt sind deutschlandweit Forschergruppen eingebunden.

Die Multicenterstudie A (ZSA, Projektteil A - 2014 abgeschlossen) ist eine zweijährige längsschnittliche Grundlagenstudie mit 7 Messzeitpunkten zur Evaluation von Entstehung und Chronifizierung von unteren unspezifischen Rückenschmerzen (low back pain). Die Machbarkeitsstudie (MSB, Projektteil B - 2014 abgeschlossen) ist mit 5 Messzeitpunkten die Interventionsstudie aus der ersten Projektphase, die in der zweiten Projektphase in eine optimierte dritte multizentrische Studie mit einem längeren Mess-Setup überführt wird (MCSB, Start: Januar 2016), um die Nachhaltigkeit in verschiedenen Lebenssettings besser zu überprüfen. Ziel ist nach Entwicklung geeigneter Interventionsbausteine und Setups diese in die Praxis für die Allgemeinbevölkerung und für den Spitzensport zu transferieren (Projektteil C).

"Stress konnte durch beide Interventionsformen (SMT, SMT+VT) reduziert werden, wobei sie sich diese Reduktion beim multimodalen Programm nachhaltiger gestaltet. Eine individualisierte Zuordnung der Probanden zur Intervention mithilfe des in der ZSA entwickelten Screeningtools wird gerade geprüft."

An der Professur für Sport- und Gesundheitssoziologie werden seit 2011 die sozialwissenschaftlichen Anteile für das Netzwerk erarbeitet, wie das digitale Mess-Setup der psychosozialen Faktoren für die Multicenterstudien sowie die verhaltenstherapeutischen und settingorientierten Interventionsbausteine für die Multicenter-Interventionsstudien. Daneben werden in vier weiteren eigenen Teilstudien (MiSpEx I: PSA3, PSA 16, MiSpEx II: PSC5, PSD10) Fragen zur Dosis-Wirkung und Risikoprofilerkennung sowie zur multimodalen Kombination von individualisierbaren Interventionsbausteinen bearbeitet. Aktuell laufend sind die MCSB und die Teilstudien PSC5, PSD10.

Teilstudie PSC5: Follow-up zur Machbarkeitsstudie

Die PSC5 findet an einer Teilstichprobe der Machbarkeitsstudie (MSB) statt; es nehmen Personen aus der Potsdamer MSB-Kohorte teil. Im Fokus steht die Untersuchung der Aufrechterhaltung von Trainingseffekten eineinhalb Jahre nach der Teilnahme an der Machbarkeitsstudie MSB und die Herausarbeitung von Wirkfaktoren, die einen Rückfall verringern und Trainingsverhalten/Compliance stärken. Ziel ist es, zu überprüfen, ob sich Interventionsgruppen (uni- vs. multimodal) hinsichtlich Schmerzintensität und -beeinträchtigung langfristig unterscheiden, ob kognitiv-behaviorale Anteile des multimodalen Interventionsprogramms nachhaltige Effekte auf die Veränderung schmerzbezogener Kognitionen haben und ob sich eine verbesserte Emotionsregulationskompetenz bei Stresserleben sowie ein Anstieg an körperlicher Aktivität durch die Veränderung schmerzbezogener Kognitionen vorhersagen lässt. Neben den Therapieeffekten soll in der Studie auch die Settingpassung der Intervention und praktische Machbarkeit überprüft werden. Hierzu werden Ärzte und Physiotherapeuten aus dem Studienzentrum in Potsdam zur Durchführung des Trainings, zur Teilnehmermotivation und zu Schwierigkeiten bzw. Verbesserungsoptionen befragt. Diese Informationen aus der Teilnehmer und Therapeuten-/Ärztebefragung sollen der Optimierung des Interventionsprogrammes der MCSB dienen, die ab Januar 2016 starten wird.

Teilstudie PSD10: Dosis-Wirkungs-Beziehung verschiedener Verhaltenstherapie-Module auf die Schmerzwahrnehmung und -verarbeitung

Die PSD10 (Längsschnitt, 2 Messzeitpunkte) innerhalb des MiSpEx II-Projekts beschäftigt sich zum einen mit der Frage nach der Dosis-Wirkungs-Beziehung verschiedener Ablenkungsmodalitäten und -intensitäten auf die Schmerzwahrnehmung. Zum anderen soll die Frage geklärt werden, welche Veränderungen unter dem Einfluss einer Ablenkungsmodalität auf die Schmerzwahrnehmung und -verarbeitung nach einem Kurzzeittraining einhergehen. Die Ablenkungsmodalitäten betreffen hierbei – neben den bereits im MiSpEx I-Projekt etablierten Modalitäten des kognitiven und sensorischen Bereichs – auch emotionale und soziale Ablenkungsmodalitäten, womit zusätzlich der Einfluss der Patient-Therapeut-Interaktion berücksichtigt werden soll. Durch den Einsatz neuer Techniken wie der Magnetresonanztomographie (MRT) können mögliche Effekte auf der neuronalen Ebene (also Funktion und Struktur bestimmter Gehirnareale) dokumentiert und quantifiziert werden.

Förderung: Bundesinstitut für Sportwissenschaft