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Sommerschule mit Tandem-Projekt 2019

"Medien und Macht im postkommunistischen Russland"

Die diesjährige interdisziplinäre slavistische Sommerschule zum Thema „Medien und Macht im postkommunistischen Russland“ fand vom 28.07.2019 - 03.08.2019 an der Universität Potsdam statt. Wie bereits bei der ersten slavistischen Sommerschule 2017, bestand die Gruppe der TeilnehmerInnen aus Potsdamer StudentInnen der Interdisziplinären Russlandstudien und aus StudentInnen der russischen Partneruniversitäten aus Moskau, St. Petersburg und Irkutsk.

Der Sommerschule vorangegangen waren im Laufe des Sommersemesters 2019 die Ringvorlesung „Medien und Macht - Fokus Osteuropa“ und ein begleitetes studentisches Tandem-Projekt. Durch thematisch passende Veranstaltungen bekamen die Studierenden so zum einen einen vielschichtigen Einblick in die aktuelle medienpolitische und gesellschaftliche Lage und die damit einhergehenden Probleme in Osteuropa und zum anderen ermöglichte das Tandem-Projekt einen intensiven Wissensaustausch zwischen den TeilnehmerInnen der Partneruniversitäten und den Potsdamer Studierenden.

Während des semesterbegleitenden Tandem-Projekts entstanden in den thematisch aufgeteilten Arbeitsgruppen Workshops, welche die jeweiligen Gruppen im Laufe der Sommerschule durchführten. Die Arbeitsgruppen waren in die Bereiche Periodika, Fernsehen, Soziale Netzwerke und YouTube untergliedert. Die entstandenen Workshops verdeutlichten durch innovative Aufgabenstellungen und Durchführungsmethoden die Herausforderungen journalistischer Tätigkeiten, die Bedeutung von Sprache in der Berichterstattung, die Abhängigkeit der Berichterstattung von Redaktionen, Medieneigentümern und staatlichen Institutionen sowie die Auswirkungen von Fake News und Filterblasen auf Informationsbeschaffung und Wahlkämpfe. 

Durch die Ringvorlesung und das Tandem-Projekt im Sommersemester wurde die intensive Auseinandersetzung mit Themen wie der osteuropäischen Medienlandschaft, den Wechselbeziehungen zwischen Medienapparaten und Trägern staatlicher Macht sowie die Zukunft des Journalismus, gewährleistet. Im Laufe der Sommerschule wurden darüberhinaus ausgewählte Themenkomplexe durch GastreferentInnen ausführlicher beleuchtet. Die Vorträge der verschiedenen ExpertInnen wurden als offene Vorlesungen konzipiert und waren somit nicht nur für die TeilnehmerInnen der Sommerschule zugänglich sondern trafen auch bei BesucherInnen, Studierenden, DozentInnen und Alumni auf großes Interesse. So referierte beispielsweise Herr Prof. Dr. Alexander Wöll über den Einfluss und die unterschätzte Macht von Internettrollen und über das aufstrebende russische Cyberimperium. Frau Dr. Anna Litvinenko von der FU in Berlin diskutierte mit den Gästen und TeilnehmerInnen der Sommerschule über die Implementierung eines souveränen Internets, die Gefahren und Auswirkungen von Populismus in Social Media und das Machtpotential des Internets und digitaler Medien im postsowjetischen Raum. Mit dem Journalisten, Aktivisten und Bühnenautor Mikhail Kaluzhsky analysierten die TeilnehmerInnen die Veränderungen der Debattenkultur in den russischen Medien, während die TeilnehmerInnen durch die Journalistin und Slavistin Tamina Kutscher einen umfassenden Einblick in die Arbeit mit unabhängigen russischen Medien und hinter die Kulissen der Plattform dekoder.org bekamen.

Abgerundet wurde die Sommerschule durch ein vielfältiges und thematisch passendes Kulturprogramm und Exkursionen in Potsdam und Berlin. So bekamen wir beispielsweise eine interessante Führung durch das Neue Palais und besichtigten anschließend mit unseren Tandem-PartnerInnen den Park Sanssouci. Des Weiteren erwartete uns in Berlin ein weiterer kultureller Höhepunkt der Sommerschule, die Besichtigung der Berliner Unterwelten. Wir nahmen an der Tour „Unterirdisch in die Freiheit“ teil und bekamen einen sehr interessanten und durch die Berichte von Zeitzeugen besonders emotionalen und persönlichen Einblick in die Tunnelfluchten unter der Berliner Mauer. Es war beeindruckend zu erfahren wie es über 300 DDR-Bürgern gelang von Ost- nach West-Berlin zu flüchten. Die Führung schaffte bei den TeilnehmerInnen ein tiefes Bewusstsein für den historischen Charakter Berlins und für die alltäglichen Probleme, mit welchen sich viele DDR-BürgerInnen konfrontiert sahen aber lud auch zum Insichgehen ein und verdeutlichte wie politische Systeme und Entscheidungen das Leben von tausenden Menschen massiv beeinflussen können.

Die Exkursionen führten uns u.a. in das Museum für Kommunikation nach Berlin, in das ARD-Hauptstadtstudio zu Herrn Markus Sambale, zu dem in Berlin ansässigen russischsprachigen Fernsehsender OstWest und zum rbb nach Potsdam-Babelsberg. Mit Markus Sambale, welcher fünf Jahre lang Korrespondent im ARD-Hauptstadtstudio in Moskau war, diskutierten die TeilnehmerInnen ausführlich über die Lage von Journalisten in Russland, über die Unterschiede in der Berichterstattung in Russland und Deutschland, die Bedeutung von verantwortungsbewusstem Umgang mit Sprache in der Berichterstattung und über das von der ARD in Auftrag gegebene „Framing Manual“-Gutachten. Der Austausch mit einem, auf internationaler Ebene erfahrenen Journalisten war höchst interessant und hat den TeilnehmerInnen einen Einblick in die Arbeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks geben können. Im Gegensatz dazu, war es spannend zu erfahren wie ein privater, rein russischsprachiger Fernsehsender arbeitet, berichtet und thematische Schwerpunkte setzt.

Die Sommerschule mit dem dazugehörigen Tandem-Projekt ermöglichte es allen TeilnehmerInnen umfassende und einmalige Einblicke in die deutsche und russische Medienlandschaft zu erwerben und schuf den Raum für einen Wissens- und Erfahrungsaustausch sowie für konstruktive Debatten unter den Studierenden, mit den ExpertInnen und MedienvertreterInnen. Besonders das Tandem-Projekt ist vielen TeilnehmerInnen positiv in Erinnerung geblieben. So konnten sowohl die TeilnehmerInnen aus Russland als auch aus Deutschland an der Sommerschule und während der Vorbereitungszeit aktiv am Projekt partizipieren, sich austauschen und Kontakte knüpfen.

Wir bedanken uns herzlich bei den OrganisatorInnen und den Verantwortlichen für diese schöne, informative und abwechslungsreich gestaltete Sommerschule und für das gut betreute und lehrreiche Tandem-Projekt.

 

Bericht von Maria Schuhmann