uni-potsdam.de

Sie verwenden einen veralteten Browser mit Sicherheitsschwachstellen und können die Funktionen dieser Webseite nicht nutzen.

Hier erfahren Sie, wie einfach Sie Ihren Browser aktualisieren können.

Projekte

Die kosmopolitische Vorstellungswelt in der polnischen Literatur, ca. 1800-1939

Dieses Forschungsvorhaben zeichnet die Genealogie des polnischen Kosmopolitismus nach, und möchte damit in zweifacher Hinsicht als Korrektiv wirken: erstens hinsichtlich des methodischen Nationalismus, der die Mehrheit der Forschung in dieser Region prägt; zweitens hinsichtlich der auffälligen Vernachlässigung von zentral- und osteuropäischen Perspektiven in der akademischen Debatte über den Kosmopolitismus als ein gleichermaßen globales und einheimisches Phänomen. Dadurch soll eine neue kritische Forschungssicht auf die Kulturgeschichte von Zentral- und Osteuropa entstehen und zu einer vergleichenden Weltgeschichte von trans- und supranationalen Identitätsdiskursen beitragen.Kosmopolitismus ist sowohl „ein Forschungsobjekt als auch ein unverkennbarer methodischer Ansatz der sozialen Welt“ (Delanty 2006, S. 25). Demnach wird das Forschungsvorhaben Kosmopolitismus sowohl als Form der kulturellen Selbstverortung analysieren als auch eine kosmopolitische Methode des interpretativen Lesens weiterentwickeln, die Dialogismus, vergleichende Ansätze und Hybridität betont. Hierbei ist besonders hervorzuheben, dass das zentrale Thema des Vorhabens „Kosmopolitismus“ als formbare und sich dynamisch ändernde Strategie verstanden wird und nicht als vordefiniertes Gebilde oder als idealisierte ethische Position. Das Hauptanliegen des Vorhabens ist es, eine Genealogie der kosmopolitischen Vorstellungswelt der polnischen Kultur im 19. und frühen 20. Jahrhundert auszuarbeiten. Die wichtigste Forschungsfrage lautet: Wie haben polnischsprachige Schriftsteller und Intellektuelle im 19. und frühen 20. Jahrhundert supranationale Ideen von kultureller und ethnischer Vielfalt in ihrem Verständnis von Gemeinschaft und kollektiver Identität aufgegriffen und für sich vereinnahmt? Das Vorhaben klassifiziert literarische Quellen in erster Linie als kulturelle Texte, die in einen Dialog mit größeren Trends und Ideologien ihrer Zeit treten; mit anderen Worten spielen intertextuelle Überlegungen und Machtverhältnisse für diese Arbeit eine übergeordnete Rolle. Romane, Kurzgeschichten, Theaterstücke und Gedichte werden als kulturelle Artefakte gelesen, die Zeugnis vom Wandel des intellektuellen Umfelds von Polen ablegen, aber auch Angelpunkte innerhalb des größeren, globalen Literatursystems darstellen. Die Analyse von Schriften einzelner Intellektueller wird wertvolle Einblicke in die Entwicklung des Kosmopolitismus geben – sowohl als Unterton als auch als Gegendiskurs zu den dominanten Ideologien des Imperialismus und des Nationalismus.