C02: Grenzen der Variabilität in der semantischen Interpretation

Teilprojekt C02 widmet sich grammatischen, kognitiven und kommunikationsbasierten Faktoren, welche Variabilität in der semantischen Interpretation bedingen. Zentrales empirisches Ziel ist die experimentelle Untersuchung von Variabilitätstypen und den Grenzen von Variabilität bei der semantischen Interpretation. Aus einer sprachvergleichenden Perspektive (Dt., Engl., Akan/Kwa/Noger-Congo) adressiert das Projekt zwei zentrale Fragen.

Die erste Frage betrifft die Grenzen von Variabilität in der Interpretation zwischen Sprecher*innen und innerhalb derselben Sprecher*innen (Variabilitätstypen 3 & 4): Welche Strategien verwenden Sprecher*innen, um die Interpretation von Äußerungen an die aktuellen kommunikativen Ziele anzupassen, und bei der Bewertung von Äußerungen als geglückt und wahr in einer bestimmten Kommunikationssituation? Der empirische und theoretische Fokus liegt auf der (Nicht-)Verfügbarkeit von strukturellen, lexikalischen, und evaluativen Anpassungsprozessen bei vier verschiedenen Phänomenen, welche vier Arbeitspaketen zugewiesen sind: relativer Quantorenskopus und die Möglichkeit von inversem Skopis (AP1); die Zulässigkeit und Interpretation von bloßen zählbaren SG Nominalargumenten (AP2); die Akkomodierbarkeit von Existenzpräsuppositionen (AP3); und die Interpretation von kontrafaktischen Konditionalsätzen (AP4).Im Projekt werden die (Nicht-)Verfügbarkeit von Interpretationen und Anpassungsprozessen einerseits in Relation zu unterschiedlichen Kommunikationssituationen und andererseits in Relation zu Beschränkungen des zugrundeliegenden grammatischen Systems untersucht. Von besonderem Interesse ist die Identifizierung (i.) von Interpretationsprozessen, welche systematisch über Sprecher*innen und Experimentsituationen hin ausgeschlossen sind; und (ii.) von Interpretationsprozessen, die auf struktureller Reanalyse basieren. Die Identifizierung solcher Fälle gibt Aufschluss über die Schnittstelle von Syntax und Semantik. Insbesondere hilft sie bei der Evaluierung der Hypothese, dass es sich bei der Syntax um ein weitgehend autonomes strukturbildendes System handelt, welches immun gegenüber Anforderungen des interpretativen Systems (Semantik) ist.

Die zweite Frage dient demselben Ziel durch die Hinzufügung einer sprachvergleichenden Perspektive. Es wird untersucht, welche Arten von Variabilität in der semantischen Interpretation sprachübergreifend konstant sind, und welche eher sprachspezifisch und durch das jeweilige grammatische System beschränkt sind (Variabilitätstyp 1). Ein besonderer Fokus liegt auf Unterschieden in der Wortstellung (fest vs. flexibel), im Inventar von Funktionswörtern zum Ausdruck von Definitheit und Indefinitheit, und in der funktionalen Interpretation von Definitheitsmarkierern in den verschiedenen Sprachen. Die empirischen Daten werden mit Hilfe von Offline-Experimenten erhoben und statistisch analysiert.

Zusammenfassend wird das Projekt zu einem besseren Verständnis der Frage beitragen, welche Aspekte von Variabilität in der Interpretation von nicht-linguistischen Faktoren wie kommunikativen Anforderungen und Verarbeitungsfaktoren abhängen, und welche von den grammatischen Beschränkungen der zugrundeliegenden linguistischen Systeme lizenziert bzw. blockiert werden.

Mitarbeiter

Prof. Dr. Alexander Koller

PI C02

 

Universität des Saarlandes
Campus Saarbrücken
C 7.2, Room 2.02
66123 Saarbrücken

Prof. Dr. Malte Zimmermann

PI C02

 

Campus Golm
Department Linguistics
Karl-Liebknecht-Strasse 24-25, House 14, Room 3.25
14476 Potsdam

Dr. Joseph De Veaugh-Geiss

 

Campus Golm
Department Linguistics
Karl-Liebknecht-Strasse 24-25, House 14, Room 3.22/3.23
14476 Potsdam

Mareike Philipp

 

Campus Golm
Department Linguistics
Karl-Liebknecht-Strasse 24-25, House 14, Room 3.22/3.23
14476 Potsdam

Alexander Schreiber

 

Campus Golm
Department Linguistics
Karl-Liebknecht-Strasse 24-25
14476 Potsdam

Publications

Publications with scientific quality assurance

Other publications

Invited talks & conference presentations

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