A03: Diskursstrategien in sozialen Medien: Sprecher-, Gruppen- und Kanalvariabilität

Die Sprache in sozialen Medien weist in verschiedenen Kontexten einen formelleren (schriftähnlichen) oder informelleren (mündlichen) Stil auf und zeigt daher eine hohe Variabilität. In diesem Projekt konzentrieren wir uns dabei auf die Sprachebene der Pragmatik. Wir untersuchen das Common-Ground-Management zwischen Autor*innen und Leser*inne, und identifizieren die konsistenten Muster in den Diskursstrategien, die von Autor*innen über verschiedene Gruppen und Kanäle hinweg eingesetzt werden. Wir untersuchen drei Arten von Phänomenen des Common-Ground-Managements: Frageanhängsel, koreferenzielle Ausdrücke und Kohärenzmarker.

Frageanhängsel sind Partikeln, die typischerweise an einen Deklarativsatz angehängt werden, um eine Art Bestätigungsfrage zu erhalten. Wir führten eine umfangreiche Korpusstudie durch, in der die Kontexte und Funktionen verschiedener Frageanhängselvarianten im Deutschen verglichen wurden. Wir fanden signifikante Unterschiede zwischen den Funktionen der einzelnen Anhängsel und in der Verwendung dieser in Gesprächskorpora (Twitter und gesprochene Korpora), was zeigt, dass nur einige Verwendungen der Anhängsel in der gesprochenen Sprache auf schriftliche Konversationen übertragen werden. Wir arbeiten derzeit sowohl an computergestützten als auch an formalen linguistischen Modellen, die diese Variabilität erfassen. 

Hinsichtlich der Koreferenzbeziehungen lieferte die Forschungsliteratur zum Teil widersprüchliche Ergebnisse, aber es ist allgemein anerkannt, dass sich ihr Verhalten zwischen gesprochener und geschriebener Sprache unterscheidet, z.B. in der Länge der Referenzketten und der Art des Ausdrucks (z.B. Pronomen oder vollständige Nominalphrase), der verwendet wird. Wir haben diese Untersuchung auf Social-Media-Konversationen auf Twitter ausgeweitet und gezeigt, dass die Koreferenzbeziehungen auf Twitter eher den gesprochenen als den geschriebenen Daten ähneln. Im Folgenden haben wir ein Berechnungsmodell für die automatische Koreferenzauflösung angepasst, um die Eigenheiten von Social-Media-Gesprächen besser zu erfassen.

Schließlich untersuchen wir die Realisierung von Kohärenzbeziehungen in verschiedenen sozialen Medien. In der bestehenden Forschung ist es oft unklar, ob Unterschiede zwischen Korpora auf externe Faktoren wie das Thema des Textes, die in das Korpus aufgenommenen Autor*innen, die Sprache, den Zeitpunkt der Aufnahme usw. zurückzuführen sind. Wir spezifizieren dies, indem wir Texte aus zwei sozialen Medien (Twitter und Blogs) von denselben Autor*innen und zu ähnlichen Themen untersuchen. Dies erlaubt es uns, die Wirkung einzelner Mediumsbeschränkungen wie den Modus (gesprochen oder geschrieben) oder den Texttyp (narrativ oder interaktiv) von individuellen stilistischen Variationen und Themeneffekten zu differenzieren. So identifizieren wir Faktoren, die über all diese Dimensionen hinweg stabil bleiben und die Kohärenzmarkierung bestimmen.

Mitarbeiter

Dr. Tatjana Scheffler

PI A03

 

Campus Golm
Department Linguistics
Karl-Liebknecht-Strasse 24-25, House 14, Room 2.33
14476 Potsdam

Prof. Dr. Manfred Stede

PI A03

 

Campus Golm
Department Linguistics
Karl-Liebknecht-Strasse 24-25, House 14, Room 2.31
14476 Potsdam

Berfin Aktaş

 

Campus Golm
Department Linguistics
Karl-Liebknecht-Strasse 24-25, House 14, Room 2.13
14476 Potsdam

Yulia Clausen

 

Campus Golm
Department Linguistics
Karl-Liebknecht-Strasse 24-25, House 14, Room 2.13
14476 Potsdam

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