Anne Pirwitz - Lehre

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Sommersemester 2021

Das Cinéma du Métissage

In diesem Seminar beschäftigen wir uns mit dem transkulturellen Kino, dem Cinéma du Métissage in Frankreich. Hierbei setzen wir uns insbesondere mit dem Cinéma beur, dem maghrebinisch-französischem Kino auseinander und thematisieren dabei auch Sonderformen wie das Cinéma de Banlieue. Filme u.a. von Mehdi Charef, Tony Gatlif, Mohamed Hamidi. Abdellatif Kechiche und Karim Dridi werden besprochen und in Kleingruppen analysiert und präsentiert.

Ein Fokus liegt auf der Analyse filmischer Räume. Besonders interessiert uns dabei, wie die Filme mit dem Thema Heimat umgehen.

Französischkenntnisse sind erwünscht, aber keine Voraussetzung. Studierende, die das Modul über Studium+ belegen und nicht über Französischkenntnisse verfügen, haben die Möglichkeit sich in den Gruppenarbeiten stattdessen mit dem deutsch-türkischen Métissage-Kino zu beschäftigen, wodurch Vergleiche mit dem maghrebinisch-französischem Kino ermöglicht werden.

Nicht zuletzt werden wir diskutieren, ob es überhaupt angebracht ist, Filmemacher*innen und ihre Werke in Kategorien wie Cinéma beur oder deutsch-türkisches Kino einzuteilen und ob dadurch nicht eine von den Filmemacher*innen ungewollte Reduzierung auf ihre Herkunft provoziert wird.

Einzeltermine: Freitag 7. Mai, Sonntag 9. Mai, Freitag 18. Juni, Sonntag 20. Juni

 

Frankreich und die DDR – unterschätzte Kulturbeziehungen?

Denkt man an die deutsch-französischen Beziehungen der Nachkriegszeit, so sind es vor allem de Gaulle und Adenauer, der Elysée-Vertrag oder das Deutsch-Französische Jugendwerk, die einem in den Sinn kommen. Dass es neben diesen Beziehungen zwischen Frankreich und der BRD auch ostdeutsch-französische Kontakte gab, wird häufig erst bei einem genaueren Blick deutlich. Die „‘anderen‘ deutsch-französischen Beziehungen“, wie Ulrich Pfeil sie nennt, sind bis 1973 durch die Nicht-Anerkennung der DDR und damit fehlende offizielle politische Kooperation geprägt. Umso bedeutsamer waren die Kulturbeziehungen, die bereits vor dem offiziellen Kulturabkommen nicht zu verachten waren. In den 60er Jahren bestanden bereits 76 Städtepartnerschaften zwischen der DDR und Frankreich, France Gall oder Gilbert Bécaud traten in Shows der DDR auf, Brigitte Bardot und Louis de Funès waren in den Kinos zu sehen, Camus und Sartre wurden in den Französischlehrbüchern präsentiert. In Frankreich rezipierte man Brecht, das Berliner Ensemble spielte mehrfach in Paris, DDR-Delegationen wurde beim Filmfestival in Cannes empfangen und insbesondere die Parti communiste française engagierte sich für engere Zusammenarbeit.

Zu keinem anderen kapitalistischen Land führte die DDR so weitreichende Beziehungen wie zu Frankreich. Die DDR versuchte auf diesem Wege eine Anerkennung „von unten“ voranzutreiben und sich unter Berufung auf ihre antifaschistische Haltung als besseren deutschen Staat zu präsentieren.

Wie sich der Drahtseilakt der DDR zwischen Öffnung und Abgrenzung vollzog, wie genau die kulturellen Kontakte zu Frankreich aussahen und welche Hindernisse es gab, wollen wir in diesem Seminar besprechen. Dabei werden wir uns u.a. Französischlehrbücher aus der DDR und Unterlagen der Staatssicherheit über den deutsch-französischen Austausch genauer anschauen.

Einzeltermine: Sonntag 25. April, Freitag 11. Juni, Sonntag 13. Juni 

 

Vergangene Semester

WiSe 2020/2021

Übung zur Einführung in die Kultursemiotik

Le Franco-Allemand: Einführung in die deutsch-französischen Kulturbeziehungen

Einführung in die wichtigsten Etappen der Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen, sowie relevante kulturwissenschaftliche Begriffe und Konzepte.

 

SoSe 2020

Brücken bauen, Gräben überwinden: Kulturvermittlung zwischen Frankreich und Deutschland gestern und heute

Seit den 1980er Jahren untersucht die Kulturtransferforschung unter anderem die Rolle der Kulturmittler, die sich intensiv für den Austausch und die Verständigung zwischen den Nationen einsetzen. In diesem Seminar werden wir uns mit verschiedenen Kulturmittlern zwischen Deutschland und Frankreich vom 19. Jh. bis zur heutigen Zeit beschäftigen. Dabei werden insbesondere Mittler aus dem politischen, kulturellen und zivilgesellschaftlichen Bereich behandelt.

Heimat – eine europäische Utopie im Zeitalter der Globalisierung

Migration, Globalisierung, kulturelle Entwurzelung, das Ende politischer Systeme, die Auflösung traditioneller Sozialformen, aber auch die Bedrohung durch Terrorismus führen zu Veränderungen des Heimatbegriffs. In der schnelllebigen, vielfältigen und sich in einem ständigen Wandel befindenden postmodernen Gegenwart sehnen sich viele Menschen wieder nach Geborgenheit, Stabilität und einer intakten, überschaubaren Welt aus Kindertagen. Heimat wird zum Zeichen einer unwiederbringlichen Vergangenheit und wie Bernhard Schlink es formuliert, zur Utopie: Ein Nicht-Ort, der seinen Wert erst erlangt, wenn man ihn verlassen hat und der mehr ein Gefühl als ein konkreter Ort ist.

 

WiSe 2019/2020

Flucht und Grenzüberschreitung - in Kooperation mit dem City Kino Wedding (Berlin)

In diesem Seminar wollen wir gemeinsam mit dem City Kino Wedding (Berlin) zwei Filmabende zum Thema Flucht organisieren. Die Veranstaltung findet in Form eines Blockseminars statt.
In der ersten Sitzung findet eine Einführung in die Methoden der Filmanalyse und eine Beschäftigung mit dem Thema Flucht und Migration statt. Gemeinsam werden wir in der zweiten Sitzung einen beispielhaften Film analysieren und erlernte Methoden anwenden. Anschließend wird sich die Gruppe teilen und die erste Gruppe wird den Film Le Havre von Aki Kaurismäki und die zweite Gruppe den Film Sin Nombre von Cary Fukunaga bearbeiten. Die Ergebnisse werden in der dritten Sitzung vorgestellt und gemeinsam diskutiert und für eine Präsentation vor Publikum aufbereitet. Am 10.12. abends wird ein Teil der ersten Gruppe Le Havre im Kino vorstellen und anschließend mit dem Publikum diskutieren. Am 28.01. wird dann Sin Nombre auf gleiche Weise präsentiert.

Übung: „Medien, Mythen, Migration. Fake, Fiktion und Faktizität“

 

SoSo 2019

Heimat als Utopie. Nostalgie und Sehnsucht im „accented cinema“. 

In seinem Essay „Heimat als Utopie“ bezeichnet Bernhard Schlink Heimat als einen Nicht-Ort, der seinen Wert erst erlangt, wenn man ihn verlassen hat und der mehr ein Gefühl als ein konkreter Ort ist. In Zeiten der Mobilität und Flexibilität bekommt der Heimatbegriff eine neue Bedeutung. Heimat wird zum Zeichen einer unwiederbringlichen Vergangenheit. Erst die Erinnerungen machen den Ort zur Heimat, der letztendlich die Sehnsüchte nach Geborgenheit, Stabilität und einer intakten, überschaubaren Welt aus Kindertagen verkörpert und der schnelllebigen, vielfältigen und sich in einem ständigen Wandel befindenden postmodernen Gegenwart kontrastiv gegenübersteht. Wie viel hat die vorgestellte Heimat überhaupt noch mit der wirklichen Heimat gemeinsam? Welche Rolle spielt Heimat überhaupt in unserer flexiblen und mobil gewordenen Welt? Und wird Heimat im Zeitalter der Globalisierung zu einem Mythos und letztlich zu einer Utopie?

„The dream of a glorious homecoming“ (Naficy, 2001) wird zu einem dominanten Thema des “accented cinema”, unter dem nach Hamid Naficy Filme zu verstehen sind, die unter der Erfahrung von jeglichen Formen der Migration entstanden sind oder diese thematisieren. Im Seminar wollen wir nun anhand dieser Filme untersuchen, was Heimat bedeutet, wie sie im Film dargestellt wird und welche Verbindungen zum Genre des Heimatfilms bestehen. Eine theoretische Grundlage bildet dazu u.a. der von Michail Bachtin eingeführte Begriff des Chronotopos, der einen „untrennbaren Zusammenhang von Zeit und Raum“ (Bachtin, 1975) bezeichnet und von Naficy um den Chronotopos der Heimat im „accented cinema“ ergänzt wurde.

 

WiSe 2018/2019

Migration im Film. Semiotische Analyse filmischer Räume: Nicht-Orte, Heterotopien und Transitorte

Migration ist ein Phänomen das bereits seit Beginn der Menschheitsgeschichte existiert. Heute, im 21. Jahrhundert nimmt Migration, beeinflusst durch die Globalisierung, neue Formen an. Dadurch kommt es aber nicht etwa zur Auflösung des Raumes, sondern zur Entstehung neuer transnationaler Sozialräume. Der Raumbegriff bleibt von Bedeutung.

Ob in der Musik, der Kunst, der Literatur oder im Film- überall erfreut sich der Topos der Migration großer Beliebtheit. In diesem Seminar wollen wir uns mit der Thematik der Migration in Kurz- und Spielfilmen aus verschiedenen Ländern beschäftigen. Der Schwerpunkt liegt auf der semiotischen Analyse filmischer Räume. Hierbei soll besonders das Verhältnis zwischen den präsentierten Architekturräumen und den transnationalen sozialen Räumen der Figuren untersucht werden. Im Fokus der Analyse stehen sogenannte Transit-Orte, wie der Flughafen, der Hafen, der Bahnhof oder das Hotel, deren Darstellung und Semantik im jeweiligen Film genauer betrachtet werden sollen.

 

SoSe 2018

Migration in Zeiten der Globalisierung: Transmigration und pluri-lokale Sozialräume