Anne Pirwitz - Lehre

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Wintersemester 2021/22

Projektseminar: Zivilgesellschaft und Kulturtransfer zwischen Frankreich und `les deux Allemagnes´

In diesem deutsch-französischen Projektseminar (Kooperation mit der Universität Bordeaux) beschäftigen wir uns auf kreative Weise mit der Geschichte der deutsch-deutsch-französischen Kulturbeziehungen und den gesellschaftlichen und kulturellen Austauschprozessen zwischen den drei Staaten und bekommen so insbesondere einen Einblick in die fast vergessenen ostdeutsch-französischen Beziehungen. Diese sind bis 1973 durch die Nicht-Anerkennung der DDR und damit fehlende offizielle politische Kooperation geprägt. Umso bedeutsamer waren die Kulturbeziehungen.

Wie sich der Drahtseilakt der DDR zwischen Öffnung und Abgrenzung vollzog, wie genau die kulturellen Kontakte zu Frankreich aussahen und welche Hindernisse es gab, wollen wir in diesem Seminar besprechen. Dabei werden Sie sich u.a. Französischlehrbücher aus der DDR, Lehrbücher aus Frankreich über die DDR und Unterlagen der Staatssicherheit über den deutsch-französischen Austausch genauer anschauen.

Am 6.12. findet von ca. 10-15 Uhr eine Diskussionsrunde mit Zeitzeug*innen im Bildungsforum statt.

Die Erkenntnisse aus dem Seminar werden im zweiten Teil des Kurses filmisch verarbeitet. Die Workshops zur Beitragsproduktion werden von Dezember 2021 bis März 2022 online vom Medieninnovationszentrum (MIZ) Babelsberg durchgeführt. Sie arbeiten in Kleingruppen an einem Kurz-Beitrag über die kulturellen Beziehungen zwischen Frankreich und der DDR (Kulturtransfer (Film, Musik, Literatur etc.), zivilgesellschaftliche Begegnungen (Städtepartnerschaften und Jugendaustausch), Schule und Universität (Französischunterricht in der DDR und Lehre über die DDR in Frankreich).

Studierende, die selbst nicht am Filmprojekt direkt mitarbeiten möchten, können Plakate zu verschiedenen Aspekten des Themas gestalten.

Die Beiträge und die Plakate werden im April im Goethe Institut Bordeaux und im Mai beim Potsdamer Tag der Wissenschaften im Rahmen eines deutsch-französischen Nachmittages der Öffentlichkeit präsentiert. Zudem werden die Beiträge im TV-Magazin "Kulturen im Fokus" bei ALEX Berlin im TV und zusätzlich auf dem YouTube-Channel des MIZ Babelsberg veröffentlicht.

Termine:
Mo, 25.10.-29.11. 10-12, Raum 1.19.1.21
Mo, 6.12. 10-15 im Bildungsforum Potsdam

Online Termine:
13.12. 10-13 Konzeption & Beitragsgestaltung, Grundlagen Medienrecht & Drehplanung
20.12. 10-14 Mobile Reporting I & Interviewführung
10.01. 10-14 Mobile Reporting II & Grundlagen Bildgestaltung

Drehzeitraum
07.02. 10-14  Postproduktion I – Grundlagen Schnitttechniken & Programm
14.02. 10-14 Zwischenpräsentation Rohschnitt & Postproduktion II
07.03. 10-12 Abschlusspräsentation der Beiträge & Auswertung

 

Kultur, Identität und Nationalismus im Québec

‚Je me souviens‘ – ‚Ich erinnere mich‘ lautet das offizielle Motto Québecs, das heute auf jedem KfZ- Kennzeichen der kanadischen Provinz steht und sogar das Wappen Québecs ziert. Doch woran erinnern sich die Québecer*innen eigentlich genau? An die Entdeckung 1534 durch Jacques Cartier und die Gründung der französischen Kolonie ‚Neufrankreich‘? An die Schlacht auf den Abrahamshöhen 1759, die das Schicksal der französischen Kolonie besiegelte und die Frankokanadier*innen unter britische Herrschaft stellte? An den ‚Quebec Act‘ 1774 durch den die Briten die territoriale Integrität Québec und damit die französische Sprache und die katholische Religion anerkannten? An den ‚Aufstand der Patrioten‘ 1837-38, einer Rebellion gegen die britische Herrschaft? An die immerwährenden Bestrebungen der frankophonen Québecer*innen die französische Sprache zu verteidigen? An die ‚Révolution tranquille‘, die ‚Stille Revolution‘ in den 1960er Jahren, die die Identität der Québecer*innen stärkte und zu einer umfassenden Modernisierung der Provinz führte? An die ‚Oktoberkrise‘ 1970, die zur Ermordung eines québecer Ministers führte? An das ‚Gesetz 101‘ 1977 das Französisch zur einzigen offiziellen Sprache Québecs machte? An die Volksabstimmungen über die Unabhängigkeit Québecs 1980 und 1995? An die bis heute andauernde Weigerung Québecs die kanadische Verfassung zu unterschreiben? Diese und viele weitere historische Ereignisse prägen die Identität der Bevölkerung Québecs auf besondere Weise. Seit 2006 werden die Québecer*innen als eigene Nation im vereinten Kanada in der kanadischer Verfassung anerkannt.

In diesem Seminar beschäftigen wir uns zunächst mit der Geschichte Québecs, der Verankerung bestimmter Ereignisse im kollektiven Gedächtnis der Bevölkerung und der Entwicklung eines québecischen Nationalismus.

Im zweiten Teil des Kurses untersuchen wir, welche Rolle die Erinnerung an das französische Erbe heute noch spielt, welche Themen die Kultur (Literatur, Musik und Film) der Region prägen, welchen Stellenwert indigene Sprachen und Kulturen haben und wie Québec mit den stetig steigenden Zahlen an Einwanderer*innen umgeht und welche Auswirkungen die Immigration auf die québecische Identität hat.

Blockseminar: 5.11. 14-18.00, 27.11. 10-16.00, 28.11. 10-16.00, 29.01. 10-15.00, Raum 1.19. 0.12

 

Vergangene Semester

SoSe 2021

 

Das Cinéma du Métissage

In diesem Seminar beschäftigen wir uns mit dem transkulturellen Kino, dem Cinéma du Métissage in Frankreich. Hierbei setzen wir uns insbesondere mit dem Cinéma beur, dem maghrebinisch-französischem Kino auseinander und thematisieren dabei auch Sonderformen wie das Cinéma de Banlieue. Filme u.a. von Mehdi Charef, Tony Gatlif, Mohamed Hamidi. Abdellatif Kechiche und Karim Dridi werden besprochen und in Kleingruppen analysiert und präsentiert. Ein Fokus liegt auf der Analyse filmischer Räume. Besonders interessiert uns dabei, wie die Filme mit dem Thema Heimat umgehen.

Frankreich und die DDR – unterschätzte Kulturbeziehungen?

Denkt man an die deutsch-französischen Beziehungen der Nachkriegszeit, so sind es vor allem de Gaulle und Adenauer, der Elysée-Vertrag oder das Deutsch-Französische Jugendwerk, die einem in den Sinn kommen. Dass es neben diesen Beziehungen zwischen Frankreich und der BRD auch ostdeutsch-französische Kontakte gab, wird häufig erst bei einem genaueren Blick deutlich. Die „‘anderen‘ deutsch-französischen Beziehungen“, wie Ulrich Pfeil sie nennt, sind bis 1973 durch die Nicht-Anerkennung der DDR und damit fehlende offizielle politische Kooperation geprägt. Umso bedeutsamer waren die Kulturbeziehungen, die bereits vor dem offiziellen Kulturabkommen nicht zu verachten waren. In den 60er Jahren bestanden bereits 76 Städtepartnerschaften zwischen der DDR und Frankreich, France Gall oder Gilbert Bécaud traten in Shows der DDR auf, Brigitte Bardot und Louis de Funès waren in den Kinos zu sehen, Camus und Sartre wurden in den Französischlehrbüchern präsentiert. In Frankreich rezipierte man Brecht, das Berliner Ensemble spielte mehrfach in Paris, DDR-Delegationen wurde beim Filmfestival in Cannes empfangen und insbesondere die Parti communiste française engagierte sich für engere Zusammenarbeit.

Zu keinem anderen kapitalistischen Land führte die DDR so weitreichende Beziehungen wie zu Frankreich. Die DDR versuchte auf diesem Wege eine Anerkennung „von unten“ voranzutreiben und sich unter Berufung auf ihre antifaschistische Haltung als besseren deutschen Staat zu präsentieren. Wie sich der Drahtseilakt der DDR zwischen Öffnung und Abgrenzung vollzog, wie genau die kulturellen Kontakte zu Frankreich aussahen und welche Hindernisse es gab, wollen wir in diesem Seminar besprechen. Dabei werden wir uns u.a. Französischlehrbücher aus der DDR und Unterlagen der Staatssicherheit über den deutsch-französischen Austausch genauer anschauen.

 

WiSe 2020/2021

Übung zur Einführung in die Kultursemiotik

Le Franco-Allemand: Einführung in die deutsch-französischen Kulturbeziehungen

Einführung in die wichtigsten Etappen der Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen, sowie relevante kulturwissenschaftliche Begriffe und Konzepte.

 

SoSe 2020

Brücken bauen, Gräben überwinden: Kulturvermittlung zwischen Frankreich und Deutschland gestern und heute

Seit den 1980er Jahren untersucht die Kulturtransferforschung unter anderem die Rolle der Kulturmittler, die sich intensiv für den Austausch und die Verständigung zwischen den Nationen einsetzen. In diesem Seminar werden wir uns mit verschiedenen Kulturmittlern zwischen Deutschland und Frankreich vom 19. Jh. bis zur heutigen Zeit beschäftigen. Dabei werden insbesondere Mittler aus dem politischen, kulturellen und zivilgesellschaftlichen Bereich behandelt.

Heimat – eine europäische Utopie im Zeitalter der Globalisierung

Migration, Globalisierung, kulturelle Entwurzelung, das Ende politischer Systeme, die Auflösung traditioneller Sozialformen, aber auch die Bedrohung durch Terrorismus führen zu Veränderungen des Heimatbegriffs. In der schnelllebigen, vielfältigen und sich in einem ständigen Wandel befindenden postmodernen Gegenwart sehnen sich viele Menschen wieder nach Geborgenheit, Stabilität und einer intakten, überschaubaren Welt aus Kindertagen. Heimat wird zum Zeichen einer unwiederbringlichen Vergangenheit und wie Bernhard Schlink es formuliert, zur Utopie: Ein Nicht-Ort, der seinen Wert erst erlangt, wenn man ihn verlassen hat und der mehr ein Gefühl als ein konkreter Ort ist.

 

WiSe 2019/2020

Flucht und Grenzüberschreitung - in Kooperation mit dem City Kino Wedding (Berlin)

In diesem Seminar wollen wir gemeinsam mit dem City Kino Wedding (Berlin) zwei Filmabende zum Thema Flucht organisieren. Die Veranstaltung findet in Form eines Blockseminars statt.
In der ersten Sitzung findet eine Einführung in die Methoden der Filmanalyse und eine Beschäftigung mit dem Thema Flucht und Migration statt. Gemeinsam werden wir in der zweiten Sitzung einen beispielhaften Film analysieren und erlernte Methoden anwenden. Anschließend wird sich die Gruppe teilen und die erste Gruppe wird den Film Le Havre von Aki Kaurismäki und die zweite Gruppe den Film Sin Nombre von Cary Fukunaga bearbeiten. Die Ergebnisse werden in der dritten Sitzung vorgestellt und gemeinsam diskutiert und für eine Präsentation vor Publikum aufbereitet. Am 10.12. abends wird ein Teil der ersten Gruppe Le Havre im Kino vorstellen und anschließend mit dem Publikum diskutieren. Am 28.01. wird dann Sin Nombre auf gleiche Weise präsentiert.

Übung: „Medien, Mythen, Migration. Fake, Fiktion und Faktizität“

 

SoSo 2019

Heimat als Utopie. Nostalgie und Sehnsucht im „accented cinema“. 

In seinem Essay „Heimat als Utopie“ bezeichnet Bernhard Schlink Heimat als einen Nicht-Ort, der seinen Wert erst erlangt, wenn man ihn verlassen hat und der mehr ein Gefühl als ein konkreter Ort ist. In Zeiten der Mobilität und Flexibilität bekommt der Heimatbegriff eine neue Bedeutung. Heimat wird zum Zeichen einer unwiederbringlichen Vergangenheit. Erst die Erinnerungen machen den Ort zur Heimat, der letztendlich die Sehnsüchte nach Geborgenheit, Stabilität und einer intakten, überschaubaren Welt aus Kindertagen verkörpert und der schnelllebigen, vielfältigen und sich in einem ständigen Wandel befindenden postmodernen Gegenwart kontrastiv gegenübersteht. Wie viel hat die vorgestellte Heimat überhaupt noch mit der wirklichen Heimat gemeinsam? Welche Rolle spielt Heimat überhaupt in unserer flexiblen und mobil gewordenen Welt? Und wird Heimat im Zeitalter der Globalisierung zu einem Mythos und letztlich zu einer Utopie?

„The dream of a glorious homecoming“ (Naficy, 2001) wird zu einem dominanten Thema des “accented cinema”, unter dem nach Hamid Naficy Filme zu verstehen sind, die unter der Erfahrung von jeglichen Formen der Migration entstanden sind oder diese thematisieren. Im Seminar wollen wir nun anhand dieser Filme untersuchen, was Heimat bedeutet, wie sie im Film dargestellt wird und welche Verbindungen zum Genre des Heimatfilms bestehen. Eine theoretische Grundlage bildet dazu u.a. der von Michail Bachtin eingeführte Begriff des Chronotopos, der einen „untrennbaren Zusammenhang von Zeit und Raum“ (Bachtin, 1975) bezeichnet und von Naficy um den Chronotopos der Heimat im „accented cinema“ ergänzt wurde.

 

WiSe 2018/2019

Migration im Film. Semiotische Analyse filmischer Räume: Nicht-Orte, Heterotopien und Transitorte

Migration ist ein Phänomen das bereits seit Beginn der Menschheitsgeschichte existiert. Heute, im 21. Jahrhundert nimmt Migration, beeinflusst durch die Globalisierung, neue Formen an. Dadurch kommt es aber nicht etwa zur Auflösung des Raumes, sondern zur Entstehung neuer transnationaler Sozialräume. Der Raumbegriff bleibt von Bedeutung.

Ob in der Musik, der Kunst, der Literatur oder im Film- überall erfreut sich der Topos der Migration großer Beliebtheit. In diesem Seminar wollen wir uns mit der Thematik der Migration in Kurz- und Spielfilmen aus verschiedenen Ländern beschäftigen. Der Schwerpunkt liegt auf der semiotischen Analyse filmischer Räume. Hierbei soll besonders das Verhältnis zwischen den präsentierten Architekturräumen und den transnationalen sozialen Räumen der Figuren untersucht werden. Im Fokus der Analyse stehen sogenannte Transit-Orte, wie der Flughafen, der Hafen, der Bahnhof oder das Hotel, deren Darstellung und Semantik im jeweiligen Film genauer betrachtet werden sollen.

 

SoSe 2018

Migration in Zeiten der Globalisierung: Transmigration und pluri-lokale Sozialräume