Anne Pirwitz - Lehre

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Sommersemester 2020

Brücken bauen, Gräben überwinden: Kulturvermittlung zwischen Frankreich und Deutschland gestern und heute

Seit den 1980er Jahren untersucht die Kulturtransferforschung unter anderem die Rolle der Kulturmittler, die sich intensiv für den Austausch und die Verständigung zwischen den Nationen einsetzen. In diesem Seminar werden wir uns mit verschiedenen Kulturmittlern zwischen Deutschland und Frankreich vom 19. Jh. bis zur heutigen Zeit beschäftigen. Dabei werden insbesondere Mittler aus dem politischen, kulturellen und zivilgesellschaftlichen Bereich behandelt.

 

Heimat – eine europäische Utopie im Zeitalter der Globalisierung

Migration, Globalisierung, kulturelle Entwurzelung, das Ende politischer Systeme, die Auflösung traditioneller Sozialformen, aber auch die Bedrohung durch Terrorismus führen zu Veränderungen des Heimatbegriffs. In der schnelllebigen, vielfältigen und sich in einem ständigen Wandel befindenden postmodernen Gegenwart sehnen sich viele Menschen wieder nach Geborgenheit, Stabilität und einer intakten, überschaubaren Welt aus Kindertagen. Heimat wird zum Zeichen einer unwiederbringlichen Vergangenheit und wie Bernhard Schlink es formuliert, zur Utopie: Ein Nicht-Ort, der seinen Wert erst erlangt, wenn man ihn verlassen hat und der mehr ein Gefühl als ein konkreter Ort ist.

Der erste Teil des Seminars befasst sich mit der Geschichte des Heimatbegriffs und seiner aktuellen Diskussion. Anschließend erarbeiten die Studierenden in drei Gruppen verschiedene Aspekte.

Die erste Gruppe widmet sich dem Thema „Heimat im Zeitalter von Globalisierung, Migration und Mobilität” und untersucht welche Rolle Heimat überhaupt in unserer flexiblen und mobil gewordenen Welt spielt. 250 Millionen Menschen leben derzeit außerhalb ihres Geburtslandes, hinzukommen unzählige Menschen, die innerhalb ihres Landes migrierten. Was empfinden Sie als Heimat? Haben wir wirklich nur eine Heimat, oder können wir heute vielleicht vielmehr von pluri-lokalen Heimaten oder einer hybriden Patchwork-Heimat sprechen? Kann Heimat noch konkret gefasst werden? Oder wird Heimat mit zunehmender Mobilität immer veränderlicher und diffuser? Welche Rolle spielt Europa bei all den Debatten um Heimat?

Die zweite Gruppe befasst sich mit dem Missbrauch des Heimatbegriffs. In den beiden Weltkriegen zogen die Soldaten für die Verteidigung ihrer Heimat in den Krieg. Insbesondere im Nationalsozialismus wurde Heimat zum Vorwand für menschenverachtende Vernichtungspolitik. Lange Zeit blieb der Heimatbegriff mit der deutschen „Blut- und Boden-Politik” verknüpft. Auch heute wird Heimat wieder zum politischen Thema. Fühlen sich manche Menschen heute von fremden Kulturen so bedroht, dass sie Schutz in der kleinen Mikrowelt ihrer als traditionell und national oder regional suggerierten Heimat suchen? Besinnen sich die Menschen wieder mehr auf Traditionen und Rituale, die sich in sinnlichen Substraten wie Speisen, Festen oder Trachten manifestieren? Wie machen sich Parteien dieses Bedürfnis zunutze? Wie wird Heimat als Zeichen im Wahlkampf oder in politischen Diskussionen genutzt? Welches Bild von Heimat versuchen insbesondere rechtspopulistische Parteien den Wähler/innen zu vermitteln?

Die dritte Gruppe untersucht Heimat schließlich als Trendwort im Marketing. In der Unterhaltungsindustrie boomt der Heimatbegriff. Wie wird Heimat bei der Lebensmittelvermarktung und dem Anreiz zum Kauf regionaler Produkte eingesetzt? Steigt die Nachfrage an mit dem Heimatbegriff verbundenen Waren, wie beispielsweise traditionellen Trachten, wieder mehr? Was macht den Erfolg der Werbung mit der Heimat aus?

Parallel zum Seminar werden die Studierenden mit dem MIZ Babelsberg gemeinsam in die filmische Umsetzung eingeführt. Drehplan, Kameratechnik, Schnitt und Studiotechnik werden in zusätzlichen Seminaren erläutert.

 

Vergangene Semester

WiSe 2019/2020

Flucht und Grenzüberschreitung - in Kooperation mit dem City Kino Wedding (Berlin)

In diesem Seminar wollen wir gemeinsam mit dem City Kino Wedding (Berlin) zwei Filmabende zum Thema Flucht organisieren. Die Veranstaltung findet in Form eines Blockseminars statt.
In der ersten Sitzung findet eine Einführung in die Methoden der Filmanalyse und eine Beschäftigung mit dem Thema Flucht und Migration statt. Gemeinsam werden wir in der zweiten Sitzung einen beispielhaften Film analysieren und erlernte Methoden anwenden. Anschließend wird sich die Gruppe teilen und die erste Gruppe wird den Film Le Havre von Aki Kaurismäki und die zweite Gruppe den Film Sin Nombre von Cary Fukunaga bearbeiten. Die Ergebnisse werden in der dritten Sitzung vorgestellt und gemeinsam diskutiert und für eine Präsentation vor Publikum aufbereitet. Am 10.12. abends wird ein Teil der ersten Gruppe Le Havre im Kino vorstellen und anschließend mit dem Publikum diskutieren. Am 28.01. wird dann Sin Nombre auf gleiche Weise präsentiert.

Übung: „Medien, Mythen, Migration. Fake, Fiktion und Faktizität“

 

SoSo 2019

Heimat als Utopie. Nostalgie und Sehnsucht im „accented cinema“. 

In seinem Essay „Heimat als Utopie“ bezeichnet Bernhard Schlink Heimat als einen Nicht-Ort, der seinen Wert erst erlangt, wenn man ihn verlassen hat und der mehr ein Gefühl als ein konkreter Ort ist. In Zeiten der Mobilität und Flexibilität bekommt der Heimatbegriff eine neue Bedeutung. Heimat wird zum Zeichen einer unwiederbringlichen Vergangenheit. Erst die Erinnerungen machen den Ort zur Heimat, der letztendlich die Sehnsüchte nach Geborgenheit, Stabilität und einer intakten, überschaubaren Welt aus Kindertagen verkörpert und der schnelllebigen, vielfältigen und sich in einem ständigen Wandel befindenden postmodernen Gegenwart kontrastiv gegenübersteht. Wie viel hat die vorgestellte Heimat überhaupt noch mit der wirklichen Heimat gemeinsam? Welche Rolle spielt Heimat überhaupt in unserer flexiblen und mobil gewordenen Welt? Und wird Heimat im Zeitalter der Globalisierung zu einem Mythos und letztlich zu einer Utopie?

„The dream of a glorious homecoming“ (Naficy, 2001) wird zu einem dominanten Thema des “accented cinema”, unter dem nach Hamid Naficy Filme zu verstehen sind, die unter der Erfahrung von jeglichen Formen der Migration entstanden sind oder diese thematisieren. Im Seminar wollen wir nun anhand dieser Filme untersuchen, was Heimat bedeutet, wie sie im Film dargestellt wird und welche Verbindungen zum Genre des Heimatfilms bestehen. Eine theoretische Grundlage bildet dazu u.a. der von Michail Bachtin eingeführte Begriff des Chronotopos, der einen „untrennbaren Zusammenhang von Zeit und Raum“ (Bachtin, 1975) bezeichnet und von Naficy um den Chronotopos der Heimat im „accented cinema“ ergänzt wurde.

 

WiSe 2018/2019

Migration im Film. Semiotische Analyse filmischer Räume: Nicht-Orte, Heterotopien und Transitorte

Migration ist ein Phänomen das bereits seit Beginn der Menschheitsgeschichte existiert. Heute, im 21. Jahrhundert nimmt Migration, beeinflusst durch die Globalisierung, neue Formen an. Dadurch kommt es aber nicht etwa zur Auflösung des Raumes, sondern zur Entstehung neuer transnationaler Sozialräume. Der Raumbegriff bleibt von Bedeutung.

Ob in der Musik, der Kunst, der Literatur oder im Film- überall erfreut sich der Topos der Migration großer Beliebtheit. In diesem Seminar wollen wir uns mit der Thematik der Migration in Kurz- und Spielfilmen aus verschiedenen Ländern beschäftigen. Der Schwerpunkt liegt auf der semiotischen Analyse filmischer Räume. Hierbei soll besonders das Verhältnis zwischen den präsentierten Architekturräumen und den transnationalen sozialen Räumen der Figuren untersucht werden. Im Fokus der Analyse stehen sogenannte Transit-Orte, wie der Flughafen, der Hafen, der Bahnhof oder das Hotel, deren Darstellung und Semantik im jeweiligen Film genauer betrachtet werden sollen.

 

SoSe 2018

Migration in Zeiten der Globalisierung: Transmigration und pluri-lokale Sozialräume