uni-potsdam.de

Sie verwenden einen veralteten Browser mit Sicherheitsschwachstellen und können die Funktionen dieser Webseite nicht nutzen.

Hier erfahren Sie, wie einfach Sie Ihren Browser aktualisieren können.

April: „Metapher"

Die Metapher wird im Allgemeinen als ein vergleichender bildlicher Sprachgebrauch definiert und dem literarischen Schreiben zugeordnet. Philosophie und Sprachwissenschaften heben hingegen die Bedeutung der Metapher für unsere Wahrnehmung und kognitive Tätigkeit hervor. Wir denken, fühlen und handeln mit Metaphern und benutzen sie meist ohne uns dessen bewusst zu sein. Dies wird v.a. an den sogenannten toten Metaphern deutlich. Bei zusammengesetzten Wörtern wie Buchrücken, Baumkrone oder Fingernagel nehmen wir den bildlichen Vergleich nicht mehr als solchen wahr.

Etymologisch leitet sich der Begriff von metaphorà (griechisch) Übertragung ab. Dieser Aspekt des Übertragens macht bereits deutlich, dass es um ein Phänomen geht, das weit über einen sprachlichen Vergleich hinausreicht. Denn Metaphern ermöglichen es, die Eigenschaften eines Gegenstandes oder Sachverhaltes auf einen anderen Gegenstand oder Sachverhalt zu übertragen. Sie eignen sich daher in besonderem Maße dazu etwas als etwas anderes erscheinen zu lassen. Die Werbung nutzt sie um die Eigenschaften ihrer Produkte hervorzuheben und in der Politik dienen sie bei Stellungnahmen zu gesellschaftlichen und ökonomischen Entwicklungen der vereinfachenden Anschaulichkeit und Meinungsmache. Sie werden beispielsweise zur Vereinfachung und Verharmlosung von Sachverhalten („Rettungsschirm „Finanzspritze“ oder „Steueroase“) eingesetzt, können Ängste wecken („Flüchtlingsströme“) und Fremdenfeindlichkeit sowie Nationalismus verstärken („Volkskörper“ oder „Festung Europa“). Die konstruktiven Aspekte möglicher Lösungen werden durch solche Fokussierungen ausgeblendet. Umso wichtiger ist es metaphorische Umschreibungen beim Wort zu nehmen und zu hinterfragen, um den Blick für die durch sie verdeckten Kontexte und damit für die Realitäten eines Sachverhalts oder einer Entwicklung nicht zu verlieren.

 

(Prof. Dr. Eva Kimminich)