Rahmenbedingungen

Foto: Stefanie Bosse

Im Land Brandenburg besteht eine langjährige Erfahrung in der gemeinsamen Unterrichtung von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Behinderungen. Bereits in seinem ersten Schulreformgesetz (1991) ist festgelegt, dass der gemeinsame Unterricht Vorrang gegenüber einer separierenden Beschulung hat. Um – der UN-Behindertenrechtskonvention folgeleistend – die inklusive Beschulung weiter voranzutreiben, wurde das Pilotprojekt „Inklusive Grundschule“ (PING) initiiert. Indem wertvolle Erkenntnisse darüber gewonnen werden sollen, welche vielschichtigen Bedingungen eine erfolgreiche Umsetzung inklusiven Unterricht begünstigen, nimmt PING eine Brückenfunktion zwischen der derzeitigen weitgehend separierenden Beschulung und der flächendeckenden Umsetzung von Inklusion ein. Dabei steht nicht (mehr) die Frage im Vordergrund, ob Inklusion per se gelingen kann. Vielmehr geht es insbesondere darum, herauszufinden, wie Regelschulen künftig alle Schülerinnen und Schüler aufnehmen und bestmöglich fördern und unterstützen können.

PING wird seit dem Schuljahr 2012/13 im Land Brandenburg mit 75 Schulen in öffentlicher Trägerschaft und neun Schulen in freier Trägerschaft durchgeführt. Voraussetzung für eine Teilnahme an PING war eine aktive Bewerbung der Schule. Für die Grundschulen in öffentlicher Trägerschaft gelten für die Pilotphase landesweit einheitliche Rahmenbedingungen. Prinzipiell sollen alle Kinder - unabhängig von etwaigen sonderpädagogischen Förderbedarfen in den Bereichen Lernen, emotional-soziale Entwicklung und Sprache - in die erste Klasse der Regelschule aufgenommen werden. Unter dieser Prämisse steht jeder Pilotschule eine zusätzliche pauschale personelle Ausstattung in einer Höhe von 3,5 Lehrerwochenstunden für fünf Prozent der Gesamtschülerzahl der jeweiligen Schule zur Verfügung. Die Schule entscheidet dabei selbst darüber, wie oder wo sie diese Ressourcen einsetzt. Darüber hinaus beseht ein zentraler Stundenpool, auf den die Schulen zum Ausgleich für besondere Problemlagen zurückgreifen können. Zudem gibt es Festlegungen zur Größe einer Klasse: In der 1. Jahrgangsstufe einer Pilotschule lernen in der Regel 23, höchstens aber 25 Schülerinnen und Schüler. Parallel zu diesen Maßnahmen können alle Lehrerinnen und Lehrer an einem Fortbildungsprogramm teilnehmen, das durch eigens qualifizierte und den Pilotschulen zugeteilte Beraterinnen und Berater umgesetzt wird. Grundschulen in freier Trägerschaft sind assoziierte Teilnehmer am Pilotprojekt. Sie sollen die Möglichkeit haben, an Fortbildungsangeboten teilzunehmen und wurden bei der wissenschaftlichen Evaluation der Pilotschulen berücksichtigt.

Foto: Stefanie Bosse