Wissenschaftliches Denken im Grundschulalter: 

Die Bedeutung von Interesse als Moderator für den Zusammenhang von Arbeitsgedächtnisressourcen und Lernleistung (IMAL1) 

 

Leitung: Prof. Dr. Sebastian Kempert

Mitarbeiterin: Ann-Kathrin Laufs (M.A.)

Laufzeit: 01.10.2017 - 30.09.2020

Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Projektbeschreibung:

Fachliche Inhalte in einer ansprechenden, verständlichen und adaptiven Art zu vermitteln und somit den Lernerfolg einer kognitiv und sprachlich heterogenen Schülerschaft zu unterstützen, ist eine bedeutsame Aufgabe von Lehrkräften. Eine mögliche Strategie, um Lernprozesse zu unterstützen und unterrichtsrelevante Themen zu vermitteln, ist der Einbezug individueller Interessen.

Forschungsbefunde verweisen auf den positiven Zusammenhang sowohl von fachspezifischen Interessen und Lernerfolg als auch von Leistungen bei Lernbereichen, die Bezüge zu fachunabhängigen individuellen Interessen aufweisen. Die konkreten kognitiven Mechanismen zur Erklärung der Zusammenhänge sind bislang noch nicht befriedigend erforscht. Zudem wird das Potenzial der Nutzung individueller Interessen zur Unterstützung bei der individuellen Wissenskonstruktion und des Konzepterwerbs wenig genutzt. Wir nehmen an, dass individuelles Interesse mit Vorwissen verbunden ist und sich der Rückgriff auf diese etablierten Wissensanteile bei der Beschäftigung mit neuen Themen günstig auf die kognitive Verarbeitung auswirkt: Erleichterungseffekte treten auf, da neu erlernte Inhalte besser an bereits bestehende Gedächtnisstrukturen anknüpfen können. So ist es möglich, dass freibleibende kognitive Ressourcen für andere Prozesse, wie beispielsweise das Problemlösen oder Elaboration des Wissens, genutzt werden können und dadurch die Lernleistung verbessert wird. Diese Wechselwirkung von Interesse, kognitiven Ressourcen und Lernen untersuchen wir zunächst im Bereich des wissenschaftlichen Denkens in der Grundschule.

Ziel des Projekts ist es nachzuvollziehen, inwiefern kognitive Ressourcen durch den Einbezug außerschulischer Interessen bei der Vermittlung von Konzepten des frühen naturwissenschaftlichen Sachunterrichts geschont werden und ob sich dies auf die Lern- und Behaltensleistung auswirkt. Zudem sollen konkrete Ansätze identifiziert werden, wie didaktische Materialien und Erklärungen gestaltet werden müssen, um von den möglichen Potenzialen individueller Interessen im Unterricht zu profitieren. Letztlich soll ebenfalls geklärt werden, ob der verfolgte Ansatz das Potenzial hat, sprachliche oder kognitive Schwächen von Schülerinnen und Schülern zu kompensieren. 

Weitere Informationen

Hier finden Sie den Flyer zum Projekt.

Hier geht es zu einem Bericht im Uni-Magazin Portal Wissen (2019; ab Seite 62)

 

Ausgewählte Publikationen und Literatur:

Mayer, D., Sodian, B., Koerber, S. & Schwippert, K. (2014). Scientific reasoning in elementary School children: Assessment and relations with cognitive abilities. Learning and Instruction, 29, 43-55.

Renninger, K. A., Ewen, L. & Lasher, A. K. (2002). Individual interest as context in expository text and mathematical word problems. Learning and Instruction 12(4), 467-490.

Schraw, G. & Lehman, S. (2001). Situational Interest: A Review of the Literature and Directions for Future Research. Educational Psychology Review, 13 (1), 23-52.

Sweller, J., van Merrienboer, J. J. G. & Paas, P. G. C. (1998). Cognitive Architecture and Instructional Design. Educational Psychology Review, 10 (3), 251-296.

Walkington, C. & Hayata, C. A. (2017). Designing Learning Personalized to Students´ Interests: Balancing Rich Experiences with Mathematical Goals. ZDM - International Journal on Mathematics Education, 49 (4), 519-530.

Walkington, C. A. (2013). Using Adaptive Learning Technologies to Personalize Instruction to Student Interests: The Impact of Relevant Contexts on Performance and Learning Outcomes. Journal of Educational Psychology, 105 (4), 932-945.