Interessenvertretung/Lobbyismus

Unter Lobbyismus versteht man die politische Interessenvertretung von Organisationen, Unternehmen oder Institutionen gegenüber Gesetzesvertreter*innen, Politik und Verwaltung. Dies können sowohl Pharmakonzerne sein, die der Regierung ihre Impfstoffe anpreisen möchten, als auch Fahrradverbände, die auf die Verkehrsplanung Einfluss nehmen wollen, oder Umweltschutzorganisationen, die auf die Bedeutung des Klimas hinweisen. Wie die Lobbyarbeit inhaltlich gestaltet ist, hängt also zunächst einmal von der Ausrichtung des jeweiligen Arbeitgebers ab. Doch natürlich verfügen meist vor allem privatwirtschaftliche Firmen und wirtschaftsnahe Verbände über genügend Mittel, um sich eine professionelle Lobbyarbeit leisten zu können, weswegen Stellen in diesen Bereichen weitaus häufiger zu finden sind, während soziale oder politische Vereine und Verbände auch hier eher auf ehrenamtliche Mitarbeit zurückgreifen müssen.

Wichtig für die politische Interessenvertretung sind die strategische Positionierung des eigenen Themas in der öffentlichen Wahrnehmung (Reputationsaufbau und –erhalt) sowie der Aufbau und die Pflege von Netzwerken mit politischen Entscheider*innen im eigenen Themenbereich. Um dies umsetzen zu können, müssen politisch relevante Entwicklungen (z. B. Gesetzesinitiativen, Marktentwicklungen, geplante Fördergelder, etc.) und Akteure beobachtet und analysiert werden (Monitoring), um im Sinne des jeweiligen Arbeitgebers darauf reagieren und diese zu dessen Gunsten nutzen oder beeinflussen zu können (auch genannt: policy tracking). Anhand der Ergebnisse dieser Monitoringaktivitäten wird dann eine politische Strategie entwickelt, um das eigene Produkt oder Thema im öffentlichen Interesse zu platzieren und zu halten. Hierfür werden z. B. Veranstaltungen organisiert oder Themenpapiere und Dossiers erstellt, die den entsprechenden Entscheider*innen im richtigen Augenblick (z. B. vor der Formulierung eines Gesetzesentwurfs) zugespielt werden. Auch gezielte Kampagnen (siehe Campaigning) können ein Weg sein, um mehr Menschen für die eigenen Anliegen zu gewinnen und damit den Druck auf die Politik zu erhöhen. Zudem gilt es, auf den relevanten politischen Tagungen, Konferenzen und Meetings präsent zu sein, um Kontakte zu knüpfen und direkte Lobbygespräche führen zu können. Der Aufbau und die Pflege strategischer Kontakte mit politischen Entscheidungsträger*innen ist eines der essentiellen Aufgabenfelder von Lobbyist*innen, egal aus welchem Bereich. Da der Begriff Lobbyist*in oft negativ konnotiert wird, ist er in Stellenauszeichnungen selten direkt zu finden. Häufig auftretende Berufsbezeichnung in diesem Feld lauten daher eher Public, Government bzw. External Affairs Advisor*in, Policy und Advocacy Manager*in oder Politik-Referent*in.

Aufgrund des großen Kommunikationsanteils innerhalb des Lobbyismus gibt es auch Überschneidungen zu den Berufsfeldern Public Relations, Marketing, Campaigning und Unternehmenskommunikation/-strategie ― also vorrangig Tätigkeiten, die die Außenwirksamkeit der zu vertretenden Organisation betreffen. Auch die Politikberatung ist ein naheliegendes Feld bzw. ein Begriff, mit dem Lobbyist*innen ihre Arbeit gerne umschreiben. Im Gegensatz zur Politikberatung ist Lobbyismus jedoch immer zielgerichtet und auf die Interessen des jeweiligen Auftraggebers abgestimmt, während Ersteres auch ganz neutral und ohne eigene Hintergedanken erfolgen kann.

Da das Spektrum an Arbeitgeber*innen, für die eine politische Interessensvertretung relevant ist, sehr breit ist, sind auch die geforderten Qualifikationen zum Teil von der jeweiligen Branche abhängig. Allerdings werden wegen des benötigten Verständnisses der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Prozesse und Entwicklungen häufig Abschlüsse in Politikwissenschaft, Wirtschaftswissenschaft oder Internationalen Beziehungen (meist mit MA) verlangt. Zusätzlich ist für höhere Positionen innerhalb der Lobbyarbeit oft mehrjährige Berufserfahrung gewünscht, weshalb es ratsam ist, bereits früh durch Praktika oder Nebenjobs Einblicke in die Arbeitsabläufe in der politischen Interessensvertretung zu machen. Als angehende*r Lobbyist*in sollte man sich nicht nur sehr gut mit den Produkten bzw. Positionen des eigenen Arbeitgebers auskennen, sondern sich idealerweise auch selbst in hohem Maße mit diesen identifizieren können. Man sollte keine Scheu vor strategischer Kommunikation sowie der aktiven Netzwerkarbeit haben und nicht müde werden, immer wieder mit dem gleichen Thema auf die gleichen Personen zurückzukommen. Für Positionen auf (inter-)nationaler Ebene sollte außerdem eine Bereitschaft zu Dienstreisen gegeben sein, da man den Entscheidungsträger*innen gegebenenfalls auch hinterher reisen muss, um fortwährend an ihnen dranzubleiben.

 

klassische Tätigkeiten

mögliche Arbeitsorte

Quellen und weitere Berufsinformationen