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Bastian Thaa

Bastian Thaa

medical writer

bei der Agentur co.medical für medizinische Kommunikation

Was haben Sie studiert?

Ich habe in Konstanz Biologie studiert.

Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?

Ich habe eigentlich immer ganz gern wissenschaftlich geschrieben und wollte, nachdem ich einige Zeit in der universitären Forschung und Lehre verbracht hatte, die Perspektive wechseln und das Schreiben zu meiner Haupttätigkeit machen.

Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?

  • Ich habe heute nach einer Kundenanfrage ein Angebot für ein neues Projekt erstellt und an den Kunden verschickt. Jetzt hoffen wir auf eine Beauftragung …
  • Ich habe im Rahmen eines laufenden Projekts eine Telefonkonferenz mit mehreren Mitarbeitern des betreffenden Pharmaunternehmens abgehalten. Es ging um eine laufende statistische Auswertung und darum, wie die Analyseergebnisse in einem Manuskript dargestellt werden sollen. Und wer wann was erledigen soll.
  • … und dann habe ich auch tatsächlich an einem konkreten Projekt gearbeitet. Ich schreibe gerade ein Protokoll eines Advisory-Board-Meetings, also einer Expertenrunde von Ärzten, die ein Pharmaunternehmen zu einem bestimmten Medikament beraten. Ich war bei diesem Meeting dabei und habe fleißig Notizen gemacht, die ich jetzt als Protokoll ausformuliere.

Mit welchen Textsorten arbeiten Sie am häufigsten?

Das ist bunt gemischt. Mal sind es kurze Texte, zum Beispiel für einen Newsletter, mal längere, zum Beispiel Manuskripte zur Veröffentlichung in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift. Wobei auch E-Mails an Kunden einen nicht unwesentlichen Teil der Texte ausmachen, die ich so schreibe.

Hatten Sie schon immer ein Faible für das Schreiben?

Im Prinzip schon. Ich stelle ganz gerne Ergebnisse in Form eines Textes dar. Bei der Arbeit an meinen akademischen Abschlussarbeiten gefiel mir das Schreiben eigentlich am besten; es hat mir immer mindestens ebenso viel Spaß gemacht wie beispielsweise das Durchführen von Experimenten im Labor.

Sind Sie auf eine bestimmte Fachrichtung spezialisiert?

Nicht wirklich. Viele Projekte betreffen die Onkologie, auch weil es in diesem Bereich besonders viel Forschungs- und Entwicklungsaktivität gibt. Da kenne ich mich inzwischen ganz gut aus. Leider haben wir nur ganz ganz selten Projekte in der Virologie – der Fachrichtung, in der ich lange selbst geforscht habe.

Arbeiten Sie eher im Team oder alleine?

Das kommt auf das Projekt an. Vieles erledige ich tatsächlich alleine, nur schon, weil sich die Projekte oft nicht so aufteilen lassen, dass mehrere Leute gleichzeitig daran arbeiten können. Wenn man sehr viel Material aufarbeiten muss, zum Beispiel klinische Studienberichte, dann ist es am besten, wenn das nur einer macht. Wir haben aber durchaus auch Projekte, an denen mehr als einer arbeitet. Das betrifft speziell Projekte, in denen auch Abbildungen gestaltet werden müssen – dafür haben wir in der Agentur Grafiker, mit denen ich dann eng zusammenarbeite.

Welche Rolle spielen Fremdsprachenkenntnisse in Ihrem Job?

Englisch muss man natürlich sehr gut können, da die Fachliteratur ja meist auf Englisch ist und viele Projekte auch in englischer Sprache umgesetzt werden – wobei wir aber auch vieles auf Deutsch schreiben. Andere Sprachen spielen im Prinzip keine Rolle. Allerdings habe ich tatsächlich mal eine schwedischsprachige Quelle zu Rate gezogen.

Wie qualifiziert man sich zum „Scientific/Medical Writer“? Benötigt man eine spezielle Ausbildung?

Scientific/Medical Writer ist keine geschützte Berufsbezeichnung, somit gibt es auch keine dezidierte Ausbildung dafür. Es gibt anscheinend Aufbaustudiengänge und solche Dinge, aber die benötigt man nicht unbedingt. Hingegen ist ein Studium der Medizin oder einer Lebenswissenschaft eigentlich die Grundvoraussetzung. Dadurch erlangt man die Fähigkeit, medizinisch-naturwissenschaftlich zu argumentieren und Studiendaten zu verstehen. Man benötigt ja auch die entsprechende Terminologie.

Ansonsten lernt man viele Dinge dadurch, dass man sie tut. Das gilt auch für das Scientific/Medical Writing. Erfahrung ergibt sich daraus, dass man etwas häufig macht.

Was macht einen guten wissenschaftlichen Text aus?

Dass er das hat, was man gerne einen „roten Faden“ nennt. Sprich: Die Aussagen bauen aufeinander auf und führen zu einer klaren Aussage, die sich aus dem ergibt, was davor dargelegt wurde. Die zentrale Botschaft muss unbedingt herauskommen und sollte Schritt für Schritt erarbeitet werden. Cliffhanger und unerwartete Wendungen sind hingegen fehl am Platz. (Ich wäre ein ganz schlechter Krimiautor …)

Was fordert Sie in Ihrem Beruf heraus?

Jedes Projekt ist neu, oft zu einem neuen Thema. Das macht die Arbeit spannend, aber eben auch herausfordernd.

Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?

Erfahrung ergibt sich daraus, dass man etwas häufig macht.