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Margit Reimann

Margit Reimann

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

im Bereich Hochschulstudien am Zentrum für Qualitätsentwicklung in Lehre und Studium der Universität Potsdam


Was haben Sie studiert?

Ich habe noch einen Abschluss als Magistra-Artium in den Fächern Anthropogeographie und Soziologie gemacht. So bot sich mir die Möglichkeit, zwei Fächer gleichwertig zu studieren und diese durch interdisziplinäre Veranstaltungen oder auch meine Abschlussarbeit sinnvoll miteinander in Beziehung zu setzen. Auf diese Weise konnte ich zudem erste (eigenständige) Erfahrungen im Umgang mit quantitativen und qualitativen Befragungen und Auswertungen sammeln.

Wo arbeiten Sie und was ist dort Ihre genaue Aufgabe?

Ich arbeite am wunderschönen Neuen Palais am Zentrum für Qualitätsentwicklung in Lehre und Studium (ZfQ) der Universität Potsdam für den Bereich Hochschulstudien. Als zentrale Einrichtung stehen wir sowohl Studierenden als auch Lehrenden, den Qualitätsbeauftragten und Gremien beratend zur Seite, wobei der Schwerpunkt meiner Arbeit auf der Einrichtung und Akkreditierung von Studiengängen liegt.

Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?

Ich habe bereits während meines Studiums im Qualitätsmanagement gearbeitet. Die dort gemachten Erfahrungen in den Bereichen Evaluation und Qualitätsentwicklung in Kombination mit meiner Methodenausbildung während des Studiums haben mich nicht nur für den Umgang mit Daten sensibilisiert, sondern auch die dahinter stehenden Strukturen und Institutionen besser verstehen lassen. Nach meinem Studium habe ich dann erst die Lehrveranstaltungsevaluation des ZfQ unterstützt und im Anschluss an meine Elternzeit in den Bereich der Internen Akkreditierung gewechselt.

Welche drei Sachen haben Sie auf der Arbeit zuletzt erledigt?

  • Fachgespräch mit Studiengangverantwortlichen
  • Neuordnungen bzw. Änderungsfassungen von Studienordnungen auf das Einhalten von Akkreditierungsstandards überprüft
  • Jour Fixe mit den Kollegen/-innen des Akkreditierungsteam

Wie verstehen Sie Ihre Rolle - sind sie die Pingelige mit dem Rotstift?

Natürlich achten wir im Zuge unserer Akkreditierungsverfahren auch auf die Einhaltung formaler Kriterien. Unsere Berichte (Qualitätsprofile) vereinen jedoch sowohl Studiengangevaluation als auch Akkreditierungsbericht und beziehen sich dazu auf qualitative und quantitative empirische Befunde. So können wir einerseits die Einhaltung von Akkreditierungskriterien überprüfen andererseits aber auch Einschätzungen zu möglichen Stärken oder Schwächen der Studiengänge äußern und durch entsprechende Empfehlungen zur Studiengangentwicklung beitragen. Zudem dienen unsere Berichte als Grundlage für spätere Entscheidungen der Internen Akkreditierungskommission. Einen Rotstift findet man bei mir auf dem Schreibtisch also nicht.

Was ist für Sie gute Qualität?

Gute Qualität umfasst nicht nur das Einhalten von Standards und Regularien. Gute Qualität entsteht dort, wo schon bei der Konzeption von Abläufen oder Inhalten deren Auswirkungen und Ziele mitgedacht werden. Gute Qualität ist nicht statisch, sondern entwickelt sich ständig weiter. Die Beurteilung der Qualität von Studienprogrammen muss dabei vor allem unter Berücksichtigung des Erreichens eigener organisationaler und fachlich formulierter Ziele, aber auch unter Berücksichtigung externer, zum Teil gesetzlicher Vorgaben erfolgen. Um gute Qualität beurteilen zu können, muss festgestellt werden, ob die bestehenden Eigenschaften mit den vorher formulierten Anforderungen übereinstimmen.

Woher kommen Ihre Qualitätsziele und wer definiert sie?

Die derzeitigen Ziele des Qualitätsmanagements und der Qualitätsentwicklung der Universität Potsdam wurden im Hochschulentwicklungsplan 2014-2018 formuliert. Dabei liegt der Fokus unserer Arbeit auf der Sicherstellung eines strukturierten Studiums mit studierbaren Curricula unter Einsatz wissenschaftsadäquater Verfahren und Instrumente. Unser zentrales Ziel ist es, eine Kultur an der Universität Potsdam zu etablieren, in der sich alle Angehörigen an der Entwicklung von Lehre und Studium aktiv und verantwortlich beteiligen.

Spielen QM-Normen, wie z. B. die DIN-ISO-Norm auch für soziale und Bildungseinrichtungen wie die Uni Potsdam eine Rolle?

DIN-ISO-Normen kommen v.a. dann zum Einsatz, wenn es sich um zertifizierte Qualitätsmanagementsysteme handelt. Die Universität Potsdam hat hingegen ein eigenes strategisches Qualitätsmanagement aufgebaut, welches einem föderalen Steuerungsgrundsatz folgt und mit einem vergleichsweise hohen Grad an Dezentralisierung verbunden ist. Die Fakultäten haben bei der Ausgestaltung ihres Qualitätsmanagements zur Erreichung der universitätsweiten Qualitätsziele weitgehende Freiheiten. Zudem finden bei der Entwicklung von Qualitätszielen die fachkulturellen Besonderheiten entsprechend Berücksichtigung. Das ZfQ entwickelt das dezentral angelegte Qualitätsmanagementsystem weiter, steuert interne Prozesse und unterstützt die Fakultäten in ihrer Qualitätsentwicklung. Als Grundlage für die Ausgestaltung der Verfahren und Prozesse der Qualitätsentwicklung in den Fakultäten dient insbesondere die zentrale Evaluationssatzung der Universität.

Das Streben nach stetiger Verbesserung wird häufig als das Hauptziel von QM beschrieben – was ist, wenn irgendwann alles perfekt ist?

Ich denke nicht, dass Verbesserung im Sinne einer Erhöhung der Qualität, automatisch mit dem Erreichen von Perfektion in Verbindung steht. Qualitätssicherungs- und Qualitätsentwicklungsprozesse stellen vielmehr die Reaktion und Umsetzung auf sich wandelnde Bedingungen und Anforderungen dar.

Was fordert Sie an Ihrem Beruf heraus, was finden Sie daran spannend?

Spannend finde ich die Einblicke, die wir in bestehende oder auch neue Studienprogramme der Universität Potsdam erhalten. Auch wenn generell die gleichen formalen Kriterien zu beachten sind, sind sowohl die inhaltliche Ausrichtung als auch die Auswirkungen der jeweiligen Fächerkulturen ebenso entscheidend für den Auslegungsspielraum, der uns zur Verfügung steht. Darüber hinaus erfordert unsere Arbeit den Umgang mit allen Statusgruppen: vom Studierenden, zur Verwaltung, über die Qualitätsmanagementbeauftragten bis hin zu den Professoren/-innen, als auch unseren Fach- und Berufsgutachtern/-innen. So erhalten wir spezifische Einblicke in die unterschiedlichen Perspektiven oder auch Wünsche und versuchen diese in Einklang mit den rechtlichen Rahmenvorgaben zu bringen.

Ihre Tipps für Berufseinsteiger*innen?

Ganz klar: Schon vor dem Berufseinstieg Erfahrungen in der Arbeitswelt sammeln!

Dazu ist es ganz egal, ob dies über ein Praktikum oder einen studentischen Nebenjob geschieht. Wichtig ist vielmehr, über einen längeren Zeitraum für einen Arbeitgeber tätig zu sein, Strukturen und Abläufe kennenzulernen, sich in ein Team zu integrieren, einen verantwortungsvollen Umgang mit seinen Aufgaben, aber auch mit dem Vertrauen, dass einem entgegen gebracht wird zu lernen. Dabei müssen diese praktischen Erfahrungen nicht immer den Kontext des eigenen Studiums widerspiegeln, sollten sich aber auch nicht völlig abseits persönlicher Interessen befinden.