Nachruf auf Hildegard L. C. Tristram

Mit großer Traurigkeit haben wir erfahren, dass unsere ehemalige Kollegin Frau Prof. Dr. Hildegard L.C. Tristram am 29. Oktober 2020 nach längerer Krankheit im 79. Lebensjahr im Kreise ihrer Familie in Freiburg i.Br. verstorben ist. Damit verlor die gesamte mediävistische Fachwelt und insbesondere die Keltologie eine überaus engagierte, professionell organisierte  Wissenschaftlerin und begeisterte Vermittlerin ihres fachlichen Wissens.

Nach ihrem Studium der Anglistik und Romanistik an den Universitäten Münster, London, Grenoble und Freiburg sowie nach weiteren Lehr- und Forschungsaufenthalten in Freiburg i.Br., Konstanz, Massachusetts (USA) und Brest (Frankreich), wurde Hildegard Tristram 1993 an die Philosophische Fakultät der Universität Potsdam berufen, an der sie den Lehrstuhl für Geschichte der Englischen Sprache und Mittelalterliche Literatur bis zu ihrer Emeritierung im Jahr 2006 inne hatte.

Ein besonderes Verdienst gebührt Hildegard Tristram um ihre Initiative und kreative Umsetzung bei der Organisation und Durchführung des Potsdamer Projekts zur Erforschung der „Celtic Englishes“ sowie der Potsdamer Studientage zum englischen Mittelalter (SEM). Das Projekt der „Celtic Englishes“, aus dem vier durchgehend hervorragende Tagungsbände hervorgegangen sind, war Inspiration für eine ganze Generation von Wissenschaftlern und hat die Universität Potsdam weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht. Mit den Potsdamer Studientagen zum Englischen Mittelalter hat Hildegard Tristram eine ganz eigene Tradition angestoßen, die der Vernetzung und Nachwuchsförderung in der anglistischen Mediävistik an deutschsprachigen Universitäten dient und in Form von regelmäßigen jährlichen Zusammenkünften bis heute aufrechterhalten und weiter gepflegt wird.

Hildegard Tristram hat es geschafft, junge Menschen mit ihren Ideen und ihrem Elan zu gewinnen und zu begeistern. Ihre Freude an der Lehre und ihre großzügige Bereitschaft, ihre Erfahrungen und ihr Wissen mit anderen zu teilen, hinterlassen einen tiefen Eindruck von Trauer und Dankbarkeit bei allen, die ihr begegnen durften.