Best Practice für internationale Kollaborationen

Mit dem Format OIL.UP wird die Internationalisierung der Lehre durch den Einsatz von E-Learning Werkzeugen ermöglicht. Damit bei der Umsetzung eines internationalen Lehrszenarios alles wie geschmiert läuft, gilt es jedoch einiges zu beachten.

Ein erster Schritt auf dem Weg zur Internationalisierung der Lehre ist die Erarbeitung von geeigneten Kollaborationen. Es müssen Szenarien entwickelt werden, in denen Studierende und Lehrende im Rahmen ihrer Zusammenarbeit effektiv voneinander lernen können. Im Idealfall entstehen sogenannte Blended Learning Szenarien, in denen internationale Studierende gemeinsam an längerfristigen Projekten zusammenarbeiten und einen regelmäßigen und intensiven Austausch pflegen. 

Mehrwert und Ziele einer gelungenen Kollaboration

Durch eine gut strukturierte Kollaboration kann solch ein intensiver und regelmäßiger Austausch ermöglicht werden. Eine Online-Kollaboration mit einer Partner-Universität bedeutet, im Gegensatz zu einer gewöhnlichen Seminarplanung, einen erhöhten Planungsaufwand und die Notwendigkeit einer strukturierteren Vorbereitung. Die Lehrinhalte und technischen Voraussetzungen der Kollaborationspartner müssen vorab miteinander besprochen und aufeinander abgestimmt werden. Dafür bietet eine gut strukturierte Kollaboration immer auch einen Wissenszuwachs, den kein herkömmliches Seminar in dieser Weise leisten kann. Ziel einer solchen Kollaboration ist die inhaltliche Bereicherung der eigenen Lehrveranstaltung, der Auf- und Ausbau von Netzwerken und nicht zuletzt insgesamt die Internationalisierung der Lehre.


Ein schwäbisches Sprichwort besagt: „Verschüttetes Öl ist nicht gut aufzuheben.“ – Daher empfiehlt es sich bereits vor Beginn die richtigen Voraussetzungen für eine gelingende internationale Kollaboration zu schaffen. In einer erfolgreichen Kollaboration werden die Studierenden zur intensiven Arbeit mit den internationalen Partnern durch die Lehrenden angeleitet. Sie sollten zur wissenschaftlichen Diskussion angeregt werden, wodurch letztendlich ein produktiver Austausch entstehen kann. Der Weg zur gut strukturierten Kollaboration lässt sich dabei in Abschnitte untereilen, die alle mit sorgfältiger Planung und Ausführung maßgeblich zum Erfolg der Kollaboration beitragen.

Eine strukturierte Kommunikation führt zu besserer Organisation

Zu Beginn jeder Kollaboration steht die Organisation und Planung. Zusätzlich zur klassischen Seminarplanung sollten Aufgaben und Deadlines mit den Kollaborationspartnern abgestimmt werden. Ebenso sollte die Art der gewünschten Kommunikation und die dazu benötigten Kollaborations-Werkzeuge frühzeitig festgelegt werden. Grundvoraussetzung ist dabei immer eine niedrigschwellige Basis für den Einstieg in die Kollaboration. Dies bezieht sich sowohl auf die technische als auch die zwischenmenschliche Ebene. Die Lehrenden sollten mit den jeweiligen technischen Ressourcen problemlos umgehen können, die zur Umsetzung ihres Lernszenarios benötigt werden. Ebenso sollte für die Studierenden ein unkomplizierter Einstieg gewährleistet sein. Daher sollten nach Möglichkeit Medien genutzt werden, die unter Studierenden weit verbreitet sind oder deren Handhabung in einer Einführung ohne weiteres erklärt werden kann. Ist die gemeinsame Seminarplanung abgeschlossen, beginnt die eigentliche Kollaboration.

Zu Beginn eines kollaborativen Seminars sollte immer eine Kennenlern-Phase eingeplant werden. Um die Berührungsängste zwischen den Studierenden zu mindern, sollten sogenannte Ice-Breaking-Activities eingebaut werden. Dabei handelt es sich um kurze, kreative Aufgaben, die die Studierenden dazu bringen sich gegenseitig besser kennen zu lernen. Diese Aufgaben dienen dabei gleichzeitig auch als Vorbereitung für die nachfolgende Zusammenarbeit der Studierenden in internationalen Lerngruppen. Durch das gemeinsame Arbeiten an seminarrelevanten Themen soll die wissenschaftliche Diskussion der Studierenden untereinander angeregt werden. Erst durch diesen Austausch kann das Wissen der einzelnen Studierenden als Lernressource nutzbar gemacht werden. Daher ist eine thematische Schwerpunktsetzung für die internationale Kollaboration besonders wichtig. Nur wenn die Kollaboration inhaltlich zum Thema des Seminars passt, beziehungsweise dieses ergänzt, kann eine wirkungsvolle Perspektivenverschränkung ermöglicht werden. Im Idealfall ergibt sich aus solch einer Perspektivenverschränkung eine doppelte Reflexion, wie es beispielsweise in Alexander Knoths Seminar „Welfare State and Gender“ der Fall war. Hierbei diskutierten Studierende aus drei verschiedenen Ländern auf einer Blogplattform virtuell aus der für ihr jeweiliges Seminar relevanten Perspektive über die gleichen Themen. Dadurch ergab sich eine doppelte Reflexion für die Seminarteilnehmer, einmal über den eigenen kulturellen Hintergrund, wie auch über fremdkulturelle Kontexte und deren Eigenarten und Besonderheiten.

Prüfungsleistungen können in die Kollaboration integriert werden

Ein weiterer wichtiger Punkt, der bereits bei der Seminarplanung bedacht werden sollte, ist die Konzeption der Prüfungsleistungen. In einem kollaborativen Seminar bietet es sich an, die Prüfungsleistung mit der Gruppenarbeit der internationalen Studierenden zu verbinden, damit der Austausch auch hierbei gefordert wird. Durch die gemeinsame Bearbeitung einer identischen Aufgabenstellung lassen sich Unterschiede und Gemeinsamkeiten besonders gut herausarbeiten und reflektieren. Ein gutes Beispiel dafür lieferte Doreen Bannasch-Grigoleits Seminar „All inclusive!“, bei dem Lehramt-Studierende aus Deutschland und Amerika über das Thema Inklusion Essays schrieben und so über ihre unterschiedliche Wahrnehmung desselben Themas diskutieren konnten. Bei der Konzeption solcher Aufgaben bietet es sich an, den Fokus besonders auf die Zusammenarbeit der internationalen Studierenden zu legen. Dadurch wird die Kommunikation der Studierenden untereinander gefordert und die Internationalisierung innerhalb des Seminars zu einem relevanten Thema. Dabei sollte im Rahmen jeder Kollaborationsplanung abgewogen werden, ob mehrere kleinere Aufgaben über das Semester verteilt oder ein großes Abschlussprojekt den größeren Nutzen bringen. Ziel sollte dabei immer die höchstmögliche Interaktion und Kommunikation zwischen den Studierenden sein.

Besondere Anforderungen an Studierende berücksichtigen

Bereits bei der Planung sollte darauf geachtet werden, dass eine faire Arbeitsverteilung für alle Beteiligten vorliegt. Die Studierenden sollten nicht das Gefühl haben unverhältnismäßig mehr oder weniger Arbeit als ihre internationalen Gruppenmitglieder bewältigen zu müssen. Passend zu der Überlegung des geforderten Arbeitsaufwands, sollte auch ein realistischer Zeitaufwand kalkuliert werden. Besteht zwischen den kollaborierenden Universitäten ein großer Zeitunterschied, sollte dieser unbedingt in der Planung berücksichtig werden. Die Studierenden müssen bei solch einer Kollaboration nicht nur ihr eigenes Zeitmanagement organisieren, sondern dieses auch auf die Arbeit in einer Gruppe abstimmen, die in unterschiedlichen Zeitzonen agiert. Daher sollten Lehrende genug Zeit für (Online-)Meetings in die Seminarplanung einbeziehen. Auch die Bearbeitungszeiten und Fristen für die zu erbringenden Leistungen sollten die erschwerten zeitlichen Gegebenheiten berücksichtigen. Damit letztendlich alle Beteiligten mit dem Inhalt und Ausgang der Kollaboration zufrieden sind, empfiehlt es sich bereits zu Beginn der Planung Erwartungen und Anforderungen zu definieren und abzugleichen. Ebenso sollte geklärt werden, wie die Lehrenden mit Problemen innerhalb der Kollaboration umgehen wollen. Dazu kann beispielsweise eine Feedback-Phase bereits in der Mitte des Semesters eingeplant werden, um schnell auf ungelöste Fragen oder Konflikte reagieren zu können. Am wichtigsten ist dabei jedoch immer, dass die Lehrenden flexibel bleiben und nicht zu viel auf einmal verlangen. Eine Kollaboration braucht Zeit um sich zu entwickeln. Trotz allem sollte die Kommunikation zwischen den Kollaborationspartnern niemals einschlafen. Lehrende sollten sich nicht darauf verlassen, dass die Kommunikation zwischen den Studierenden von alleine weiterläuft. Es sollten immer wieder „zwingende“ Anlässe zur Kommunikation eingebaut werden, wie beispielsweise ein gemeinsames Feedback, kleinere Aufgaben oder etwa Bonus-Punkte für Skype-Meetings.

Eine gut geplante Kollaboration geht runter wie Öl – und genau dieses gute Gefühl sollten nach Möglichkeit alle Beteiligten nach jeder Kollaboration haben. Veranstaltungen aller Disziplinen eignen sich für internationale Kollaborationen. Mit den richtigen E-Learning Werkzeugen und eingehender Planung entstehen gelungene Kollaborationen von denen sowohl Studierende als auch Lehrende profitieren können. Eine erfolgreiche Kollaboration trägt zur Verbesserung der fachlichen und kulturellen Reflexion bei, verbessert die Fremdsprachenkompetenzen der Teilnehmer und ermöglicht eine kulturelle Mobilität auch bei eingeschränkter physischer Mobilität.

Erfolgreiche internationale Kollaborationen – Kurz und knapp:

  • niedrigschwellige technische & zwischenmenschliche Basis für alle Beteiligten schaffen
  • kontinuierliche Zusammenarbeit der internationalen Studierenden fordern & fördern
  • thematischen Schwerpunkt setzen & beibehalten
  • einheitliche Prüfungsleistungen zur gemeinsamen Bewertung
  • technische Ressourcen der Universität nutzen
  • Unterstützungsangebote nutzen!