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Unterwegs in Nordamerika – 27. März: Boote auf dem Ozean

Reisetagebuch: Deutsche CIOs besuchen ihre Kollegen in den USA und Kanada
Die University of California, Berkeley. Foto: U. Lucke.

Die University of California, Berkeley. Foto: U. Lucke.

Unser Tag in San Francisco beginnt beim CIO des Verbunds der University of California (UC). Schnell wird deutlich, dass die zehn Universitäten im kalifornischen Verbund – etwa in Berkeley, San Francisco oder Los Angeles – bisher kaum Initiative für Kooperationen zeigen. Anders als in North Carolina erkennen wir aber Veränderungen. Zwischen den beiden Polen zentral und dezentral entsteht ein dritter Weg: „shared services“. Das heißt: Dienste, die an einer Uni gut laufen, können von den anderen Unis ebenfalls genutzt werden. Vorausgesetzt, man weiß davon. Und vertraut einander. Der Ansatz des CIO ist daher kein technischer, sondern ein sozialer: Er bringt die Leute zusammen, sorgt für Vernetzung und beständigen Austausch, investiert in den Aufbau eines gemeinsamen Verständnisses, gemeinsamer Visionen. Damit, wie der CIO der University of California es umschreibt, die Kapitäne der zehn universitären „Boote“ in die gleiche Richtung steuern.

Danach geht es weiter an die University of California, Berkeley. Das Statement dort ist klar: Wir sind dezentral organisiert und werden das auch bleiben. An den zentralen Angeboten des UC-Systems findet man keinen Gefallen. Dass manche Fächer eigene IT-Abteilungen betreiben, die so groß sind wie die zentrale Informationstechnik (IT), wird nicht in Frage gestellt. Von 900 Personen im IT-Bereich berichtet nicht einmal ein Drittel an den CIO. Es gibt kaum zentrale IT-Dienste. Selbst grundlegende Dinge wie Netzwerk und Nutzerverwaltung sind dezentral organisiert. Kein Wunder, dass das Wissenschaftsnetz eduroam in fast der Hälfte der UC-Standorte nicht funktioniert. Zugleich wird über deutliche Budget-Kürzungen geklagt. Ob sich diese Struktur noch lange halten lässt?

In Berkeley wird Datenschutz erst entdeckt

Einige Innovationen finden sich bei der Digitalisierung der Lehre. Es gibt einen Innovationsfonds für die Lehre. So wird an der Einführung von Learning Analytics gearbeitet – das sind Werkzeuge zum Sammeln, Analysieren und Auswerten von Daten der Lernenden –, um sogenannte Students at Risk zu identifizieren. Im Blick sind dabei zunächst Athleten, die wegen Wettkämpfen Kurse oder  Prüfungen versäumen und besondere Beratung benötigen. Datenschutz wurde an der University of California als Thema jedoch gerade erst entdeckt. Eine Digital Learning Strategy hätte man gern. Ohne klare Governance-Struktur wird das aber schwierig.

Bemerkenswert ist, dass es keine Kooperationen mit der lokalen Informatik gibt. Eine der renommiertesten weltweit – welches Potenzial geht hier verloren! (Erst gestern erfuhren wir an der Duke University, dass sich im Informatik-Master studentische Projekte auch mit zentralen IT-Systemen der Uni befassen. Nach dem Motto: selbst etwas lernen und dabei die Uni voran bringen.) Interessiert schaut die Kollegen in Berkeley auf das in Deutschland verbreitete Modell von professoralen CIOs, die ihre Erfahrung aus Forschung und Lehre in die strategische Weiterentwicklung der Informationstechnik einbringen. Gerade vor dem Hintergrund digitaler Forschungs-Infrastrukturen ist der Bedarf groß. 

Fehlende Transparenz und vorbildliche Schulungen in San Francisco

Unsere letzte Station für heute ist die San Francisco State University. Die hier massiv zersplitterte Informationstechnik arbeitet sehr ineffizient. Allein 14 „Help Desks“ stehen auf dem Campus für die Nutzer parat – aber wohin sich die Hilfesuchenden wofür wenden müssen, ist wenig transparent. Als weiteres Problem diskutieren die Kolleginnen und Kollegen in San Francisco Projekte mit hohen IT-Anteilen –  und welche sind das heute nicht? Als schwierig erweist sich insbesondere das ungeordnete Zustandekommen der Projekte: Zum Zuge kommt, wer das Geld hat – ob von der Hochschulleitung oder von außen. Ob die zur Umsetzung darüber hinaus benötigten Ressourcen in der zentralen IT überhaupt frei sind, wird bei der Auswahl nicht geprüft. So versackt manches Projekt, manche Innovation. Hoffnungen ruhen dagegen auf dem neu gegründeten Projektmanagement-Team. Es steht nun bereit, neue Projekte zu begleiten. Dafür wurden alle Mitarbeiter der zentralen Informationstechnik in einschlägigen Vorgehensmodellen geschult. Vorbildlich!

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Text: Ulrike Lucke
Online gestellt: Alina Grünky
Kontakt zur Online-Redaktion: onlineredakion@uni-potsdam.de