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Unterm Kapokbaum – Wie Michael Burkart hilft, den Botanischen Garten von Sansibar wiederzubeleben und nebenher eine seltene Pflanze vor dem Aussterben rettet

Der große Kapokbaum im Botanischen Garten Sansibars. In den Säcken darunter befindet sich Müll, der zuvor auf dem Gelände eingesammelt wurde. Foto: Uwe Scharf.

Der große Kapokbaum im Botanischen Garten Sansibars. In den Säcken darunter befindet sich Müll, der zuvor auf dem Gelände eingesammelt wurde. Foto: Uwe Scharf.

Dr. Michael Burkart konnte kaum glauben, was er sah: Auf dem ansonsten eher verfallen wirkenden Gelände des ehemaligen Botanischen Gartens von Sansibar stand ein riesiger, uralter Kapokbaum. Sein dicker, gräulicher Stamm schien meterbreit zu sein, die kräftigen Wurzeln ragten weit in das Gelände hinein. Ein imposanter Anblick – und ein ungewöhnlicher dazu. Denn der Baum hatte mindestens 250 Jahre auf dem Buckel. Doch vor mehr als zwei Jahrhunderten waren solche Bäume in dieser Gegend eher selten – es sei denn, sie sind von arabischen Sklavenhaltern angepflanzt worden. 

Vor einem halben Jahr war Michael Burkart, Kustos des Botanischen Gartens der Universität Potsdam (UP), mit einer Delegation der Stadt Potsdam nach Sansibar gereist, um die bestehende Städtepartnerschaft mit Leben zu füllen. Beide Seiten verständigten sich darauf, die Plattenbausiedlung Kikwajuni in Sansibars Landeshauptstadt schöner zu gestalten und auch den dortigen Botanischen Garten wiederzubeleben. Die AG Landschaftmanagement und der Botanische Garten der UP sind an dem Projekt beteiligt. 

„Während des Aufenthalts haben wir einen ersten Überblick gewonnen, wie viele Pflanzenarten auf der fast zehn Hektar großen Gartenfläche vorhanden sind“, erzählt Burkart. Das Ergebnis sei erstaunlich gewesen. In nur drei Stunden habe man mithilfe eines afrikanischen Experten 180 Pflanzenarten gezählt. Vor allem die alten Bäume erinnern demnach an die frühere Anlage, durch die eine Straße führt und auf der sich einige Wohnhäuser befinden. Sogar einen Fußballplatz gibt es. Er ist für die Menschen vor Ort wichtig und soll deshalb bleiben.

„Das Areal liegt direkt am Meer, den Weg zum Strand säumen rechts und links mehrere Dutzend Palmen“, schwärmt Burkart. „Das sind gute Voraussetzungen für das, was wir gemeinsam entwickeln wollen.“ Der Wissenschaftler hat bereits die nächsten Aufgaben definiert. So muss eine Bestandsaufnahme erfolgen und ein Konzept dafür erarbeitet werden, welche Pflanzen der 1870 gegründete Garten zeigen möchte. Das sei allerdings Angelegenheit der afrikanischen Partner, betont Burkart. Wie auch die Klärung zu Details der Begrenzung und Beleuchtung. 

„Die Kollegen dort sind gerade dabei, einen Gartenkustos einzustellen“, beschreibt der Biologe den aktuellen Stand. Auch ein Direktor sei möglicherweise gefunden: Dr. A.I. Ali von der Universität Sansibar. Das wichtigste langfristige Ziel beider wird es sein, die Bevölkerung mit der einheimischen Vegetation vertraut zu machen und ein Bewusstsein für den Reichtum der Natur zu schaffen. Das ist auch für Sansibar äußerst wichtig. Denn der Inselstaat kämpft mit einem Problem, das weltweit grassiert: die Folgen der zunehmenden agrarischen Nutzung von Land für Flora und Fauna.

Die Zusammenarbeit mit den Fachleuten in Sansibar ist für den Botanischen Garten in Potsdam von höchstem Interesse. Denn die Einrichtung verfügt über eine große Sammlung tropischer Pflanzen, darunter ostafrikanische. „Für uns ist es unverzichtbar, dies durch entsprechende Felduntersuchungen zu ergänzen“, unterstreicht der Garten-Kustos. Bei all seinem Engagement im Vorhaben und darüber hinaus nimmt er sich noch Zeit, um über die Berlin-Brandenburgische Auslandsgesellschaft Kisuaheli zu lernen. „Ich will meine Rede zur Eröffnung des Gartens in unserer Partnerstadt in dieser Sprache halten“, beteuert er. Im Oktober ist er erneut Richtung Sansibar aufgebrochen.

Burkart ist ein Stück weit Idealist. Abseits vom Projekt rettet der Forscher derzeit, unterstützt von Uni-Studierenden beider Partner-Städte, eine seltene Pflanze in Sansibar vor dem Aussterben: die Aloe pembana. Sie kommt nur auf der Insel Pemba vor, die vor der Hauptinsel Sansibar liegt. Inzwischen sind vier Standorte gefunden. Fürs Überleben der Aloe, die bei den Einheimischen als Heilpflanze bei Darmerkrankungen verwendet wird, ist das keine sichere Bestandsgröße. Auch wenn im Potsdamer Garten eine Notreserve steht. Burkart hat deshalb ein Artenschutzprojekt angeschoben und 5.000 Dollar beim Mohamed bin Zayed Fund eingeworben. „Damit führt jetzt Dr. Ali eine Bewusstseinskampagne durch“, berichtet er. „Wir wollen den Einwohnern vermitteln, dass man mit der seltenen Aloe keinen Raubbau treiben darf.“ Damit sie weiterleben kann, wie der alte Kapokbaum im wiedererwachenden Botanischen Garten Sansibars.

Kontakt: 

Universität Potsdam
Dr. Michael Burkart, Kustos des Botanischen Gartens 
Maulbeerallee 2
E-Mail: mburkart@uni-potsdam.nomorespam.de

Text: Petra Görlich
Online gestellt: Alina Grünky
Kontakt zur Online-Redaktion: onlineredaktion@uni-potsdam.nomorespam.de