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Output des DARIAH-DKpro-Wrappers: lemmatisierte und POS-getaggte Wortliste aus »Effi Briest«


Digitale Literaturwissenschaft

Unter der Bezeichnung ›Digitale Literaturwissenschaft‹, auch digital literary studies, wird ein Set von Ansätzen zusammengefasst, deren Ziel es (nach meinem Verständnis) ist, mittels digitaler – in der Regel computergestützter – Methoden Daten über literarische Texte zu produzieren. Diese Daten werden unter Berücksichtigung der Fragen und Thesen der literaturwissenschaftlichen Tradition diskutiert, evaluiert und interpretativ, historiographisch oder auf andere Weise weiterverarbeitet. 

Digitale Literaturwissenschaft arbeitet in der Regel kollaborativ, also teambasiert. Und sie ist in weiten Teilen undenkbar ohne Informatik. Sie hat zudem eine besondere Affinität zu quantitativen Daten – und steht somit den formalistischen und strukturalistischen Schulen der Literaturanalyse nahe. Insofern sie in erheblichem Umfang linguistische Daten erhebt, weist die Digitale Literaturwissenschaft darüber hinaus Überschneidungen mit der Computerlinguistik auf. Dabei orientieren sich ihre Arbeitsabläufe häufig an Methoden und Kriterien empirischen Forschens.

Und doch begreift die Digitale Literaturwissenschaft ihr epistemisches Objekt, die Literatur, nicht nur als Datei oder Zeichenfolge, sondern auch als ästhetisches Artefakt. Auch dort, wo sie wesentlich quantitativ operiert, wo also der Forschungsgegenstand zu Daten abstrahiert wurde, ist sie bestrebt, diesem Gegenstand aus einer literatur- oder allgemeiner kulturwissenschaftlichen Haltung heraus zu begegnen. Dass diese Haltung durch die Daten herausgefordert wird, was ihre Annahmen, ihre Methoden, ihre Optiken betrifft, zählt durchaus zu den Reizen der Digitalen Literaturwissenschaft, die insofern auch das Potenzial bietet, etwas zur Grundlagenreflexion der Literaturwissenschaft im Allgemeinen beizutragen.

 

Laufende Aktivitäten

Algorithmik des Archivs

Im Zuge der Digitalisierung haben Archive einen doppelten ›Körper‹ ausgebildet: Neben die materiellen ›Archivkörper‹ ist der Datenkörper getreten.

Distant Reading Fontane

»Distant Reading Fontane« ist eine Initiative, bei der es um die explorative, teils experimentelle Anwendung von computergestützten Methoden zur Analyse des Erzählwerks von Theodor Fontane geht.

dlina / DraCor

Was als interdisziplinären Arbeitsgruppe für digitale literaturwissenschaftliche Netzwerkanalyse (dlina) begann, findet heute seine Fortseztung im »Drama Corpora Project« (DraCor)

Ausgewählte Materialien

Publikationen (Auswahl)

  • Peer Trilcke: Small worlds, beat charts und die Netzwerkanalyse dramatischer Texte. Reflexionen aus dem rabbit hole, erscheint in: Fotis Jannidis (Hg.): Digitale Literaturwissenschaft. Internationales DFG-Symposium 2017 [geplant für 2019] [Typoskript 29 S. wurde angenommen].                 
  • Peer Trilcke: Fontane Bibliographik im digitalen Zeitalter. Bericht und quantitative Analysen zur Fortführung der Theodor Fontane Bibliographie, in: Fontane Blätter 107 (2019), S. 137–165.
  • Peer Trilcke, Frank Fischer: Literaturwissenschaft als Hackathon. Zur Praxeologie der digitalen Literaturwissenschaft und zu ihren epistemischen Dingen, in: Sybille Krämer, Martin Huber (Hg.): Wie Digitalität die Geisteswissenschaften verändert: Neue Forschungsgegenstände und Methoden (= Sonderband der Zeitschrift für digitale Geisteswissenschaft 3), 27.6.2018, DOI: http://dx.doi.org/10.17175/sb003_003 
  • Peer Trilcke, Frank Fischer: Fernlesen mit Foucault? Überlegungen zur Praxis des distant reading und zur Operationalisierung von Foucaults Diskursanalyse, in: foucaultblog, 26.4.2016, URL: http://www.fsw.uzh.ch/foucaultblog/featured/141/fernlesen-mit-foucault
  • Peer Trilcke: Social Network Analysis (SNA) als Methode einer textempirischen Literaturwissenschaft, in: Philip Ajouri, Katja Mellmann u. Christoph Rauen (Hg.): Empirie in der Literaturwissenschaft, Münster 2013, S. 201-247. PDF des Aufsatzes (0,6 MB).
  • IPeer Trilcke: deen zu einer Literatursoziologie des Internets. Über einige Optionen der literaturwissenschaftlichen Internet Studies. Mit einer Blogotop-Analyse, in: Textpraxis 7 (2013). PDF des Aufsatzes (25,7 MB), Webversion: http://www.uni-muenster.de/textpraxis/peer-trilcke-literatursoziologie-des-internets

Vorträge

  • [Frank Fischer, Ingo Börner, Mathias Göbel, Angelika Hechtl, Christopher Kittel, Carsten Milling, Peer Trilcke]: Programmable Corpora: Introducing DraCor, an Infrastructure for the Research on European Drama, in: Digital Humanities 2019. Conference Abstracts, Utrecht University, URL: https://dev.clariah.nl/files/dh2019/boa/0268.html – siehe auch https://lehkost.github.io/slides/2019-07-10-utrecht-programmable-corpora/#/
  • [Anna Busch, Mark-Jan Bludau, Viktoria Brüggemann, Kristina Genzel, Sabine Seifert, Peer Trilcke]: Scalable Exploration. Prototype Study For The Visualization Of An Author’s Library On The Example Of ›Theodor Fontane’s Library‹, in: Digital Humanities 2019. Conference Abstracts, Utrecht University, URL: https://dev.clariah.nl/files/dh2019/boa/0490.html
  • Vortrag: »Distant Reading Fontane. Algorithmische Lektüren«, Museum Neuruppin, 7.4.2019.
  • Vortrag (gemeinsam mit Heike Gfrereis): »Eskalierende Kataloge«, Workshop »Archiv-Schnittstellen«, Schweizerische Literaturarchiv Bern, 5.7.2018.