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Output des DARIAH-DKpro-Wrappers: lemmatisierte und POS-getaggte Wortliste aus »Effi Briest«


Digitale Literaturwissenschaft

[Version vom 14.6.2016]

Unter der Bezeichnung ›Digitale Literaturwissenschaft‹, auch digital literary studies, wird ein Set von Ansätzen zusammengefasst, deren Ziel es (nach meinem Verständnis) ist, mittels digitaler – in der Regel computergestützter – Methoden Daten über literarische Texte zu produzieren und diese Daten unter Berücksichtigung der Fragen und Thesen der literaturwissenschaftlichen Tradition zu diskutieren, zu evaluieren und interpretativ, historiographisch oder auf andere Weise weiterzuverarbeiten. 

Digitale Literaturwissenschaft arbeitet in der Regel kollaborativ, also teambasiert. Und sie ist in weiten Teilen undenkbar ohne Informatik. Sie hat zudem eine besondere Affinität zu quantitativen Daten – und steht somit den formalistischen und strukturalistischen Schulen der Literaturanalyse nahe. Insofern sie in nicht unerheblichem Umfang linguistische Daten erhebt, weist die Digitale Literaturwissenschaft darüber hinaus Überschneidungen mit der Computerlinguistik auf. Dabei orientieren sich ihre Arbeitsabläufe häufig an Methoden und Kriterien empirischen Forschens.

Und doch begreift die Digitale Literaturwissenschaft ihr epistemisches Objekt, die Literatur, nicht nur als Datei oder Zeichenfolge, sondern auch als ästhetisches Artefakt. Auch dort, wo sie wesentlich quantitativ operiert, wo also der Forschungsgegenstand zu Daten abstrahiert wurde, ist sie entsprechend bestrebt, diesem Gegenstand aus einer literatur- oder allgemeiner kulturwissenschaftlichen Haltung heraus zu begegnen. Dass diese Haltung durch die Daten herausgefordert wird, was ihre Annahmen, ihre Methoden, ihre Optiken betrifft, zählt durchaus zu den Reizen der Digitalen Literaturwissenschaft, die insofern auch das Potenzial bietet, etwas zur Grundlagenreflexion der Literaturwissenschaft im Allgemeinen beizutragen.

So sehr die Digitale Literaturwissenschaft im nicht immer geklärten Spannungsfeld zwischen science und humanities zuweilen zum science-Pol zu tendieren scheint, sollte doch nicht vergessen werden, dass nicht unerhebliche Impulse für die Entwicklung der literaturwissenschaftlichen Disziplin aus dem Gegenstand selbst heraus erfolgt sind. Dass etwa die Werkpraktiken Goethes für die Konstituierung der Neuphilologie von zentraler Bedeutung waren, ist unbestritten. Dass Foucault, Barthes, Derrida oder auch Gadamer und viele andere ihre Theoreme immer wieder in Auseinandersetzung mit literarischen Texten entwickelt haben, ebenfalls. Und schließlich sind auch die diversen konzeptionellen Modernismen in der Literatur und die formalistischen Strömungen in der Literaturwissenschaft auf zahlreiche Weisen miteinander verstrickt.

Die Digitale Literaturwissenschaft könnte in diesem traditionsbewussten Sinne gut daran tun, neben der Entwicklung empirischer Methoden auch zu beobachten, was in der Digitalen Poesie geschieht. Tatsächlich werden die gleichen Tools, die innerhalb der Digitalen Literaturwissenschaft Anwendung finden, von der Digitalen Poesie dazu verwendet, Texte, Dateien, Zeichenfolgen aus einer poetischen Haltung heraus zu produzieren. 

Wo aber sind die Unterschiede zwischen poetischer und wissenschaftlicher Methode (eine Frage, der ich mich – in Form einer praktischen Übung – in dem kleinen Projekt »distant reading kenneth goldsmith« gewidmet habe)? Welche Versprechen bergen überhaupt die Methoden der Digitalen Literaturwissenschaft? Was ist sichtbar, was unsichtbar für diese Methoden? Und welche Fallstricke lauern, wenn man sich ihrer bedient? Diesen und zahlreichen angrenzenden Fragen soll im Rahmen dieses Schwerpunkts der Juniorprofessur nachgegangen werden.

Laufende Aktivitäten

Distant Reading Fontane

Sich im Aufbau befindende Initiative, bei der es um die explorative, teils experimentelle Anwendung von computergestützten Methoden zur Analyse des Erzählwerks von Theodor Fontane geht.

dlina-Arbeitsgruppe

In der interdisziplinären, institutionell ungebundenen Arbeitsgruppe wird ein automatisierter Workflow zur Extraktion, Analyse und Interpretation von Netzwerkdaten aus literarischen Texten entwickelt.

Ausgewählte Materialien

Publikationen

Vorträge

  • Dramen als ›Small Worlds‹. Netzwerkdaten zur Geschichte und Typologie deutschsprachiger Dramen 1730-1930 [gemeinsam mit Frank Fischer, Mathias Göbel, Dario Kampkaspar, Christopher Kittel], Konferenz DHd2016, Leipzig, 10. März 2016. Siehe auch die Slides unter dlina.github.io/presentations/2016-leipzig/
  • Digital Network Analysis of Dramatic Texts [gemeinsam mit Frank Fischer, Dario Kampkaspar]. Konferenz »DH2015: Global Digital Humanities« in Sydney, 2. Juli 2015. Siehe auch die Slides unter sydney.lina.digital sowie das Skript unter dlina.github.io/Our-Talk-at-DH2015/