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Foto: A. Forst

Exkursion nach Kampanien vom 22.09. bis 30.09.16

Acht Tage lang machten 17 Studenten unter Leitung von Frau Forst und in Begleitung von Frau Hömke, Frau Heger, Frau Tischer und einem Gast die Campania felix zu ihrem wortwörtlichen Forschungsgebiet. Nach umfassender, literarischer Reise durch den Golf von Neapel im Sommersemester 2016 sollte im September das Erlernte vor Ort angewandt und vertieft werden.

Für uns Kampanioniken hieß es dabei Führungsqualitäten zu beweisen, wenn wir unsere Mitreisenden durch Ausgrabungsstätten und Museen führten.

Foto: A. Forst
Foto: A. Forst

Dies I - Ankunft

Am 22. September landeten wir mit leichter Verspätung in Neapel und konnten uns dank Koffer und mittelschnellem Sprint zum Shuttle-Bus ein erstes Mal sportlich betätigen. In Piano di Sorrento angekommen, verteilten sich die 22 Teilnehmer der Exkursion auf vier Wohnungen (mit zum Teil recht eigenwilliger Innenausstattung), ein Hotel und eine Vier-Personen-Exklave in Sorrento. Am Abend konnte die Bildungsreise (nicht Urlaub!) mit einer ersten kulinarischen Expedition eingeleitet werden. Auf Pasta, Pizza und Co. folgte zu fortgeschrittener Stunde das erste noch so vieler Gelati.

Foto: A. Forst
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Dies II - Neapel

Nach erfolgreich überstandener Zugfahrt in die Innenstadt Neapels starteten wir im Museo Archeologico Nazionale mit der ersten Führung der Exkursion. Diese hielt nicht nur einen beeindruckenden Reader, sondern auch eine Reihe von Aha-Momenten für die Teilnehmer bereit: Wer hätte gedacht, dass unsere guten Römer bereits Eierkocher und Gläser gebrauchten sowie mit Würfeln spielten (und betrogen), die den heutigen zum Verwechseln ähnlich sehen? Die größte Überraschung sollte jedoch noch folgen: Fortuna zeigte uns, wie weit ihre göttliche Macht reicht und ließ uns im fernen Neapel eine Kommilitonin aus Potsdam treffen. Zufall? Ausgeschlossen. 

Foto: A. Forst
Foto: A. Forst

Eine repräsentative Forsa-Umfrage in der Mittagspause sollte die Highlights unseres Museumsbesuchs ans Tageslicht bringen. Das Ergebnis war eindeutig: Am meisten beeindruckte mit ca. 24 Tonnen ein echtes Schwergewicht, die Figurengruppe 'Farnesischer Stier'. Es folgten auf dem zweiten Platz die zahlreich ausgestellten Mosaike. Von den Umfrageteilnehmern besonders hervorgehoben wurden hier das Alexandermosaik mit seinen ca. 1 Mio. Steinen, das Mosaik der Musikanten und die Darstellung des auf einem Tigerlöwen reitenden Dionysos. Den dritten Platz musste sich der Farnesische Herkules mit dem Salone della Meridiana und den, sagen wir, sehr fantasievoll dargestellten Phalli des Geheimkabinetts teilen. 

Foto: A. Forst
Foto: A. Forst

In den anschließend besuchten Katakomben erfuhren wir, dass uns nicht nur Fortuna geneigt sei. So verflüssigte sich beim nur wenige Tage vor unserer Ankunft durchgeführten Brauch des Blutwunders das Blut des heiligen Gennaro, ein gutes Omen für Neapel. Es hieß also aufatmen, da wir mit hoher Wahrscheinlichkeit wohl keinem Spontanausbruch des Vesuvs zum Opfer fallen sollten. Entspannt konnten wir den Abend so in der berühmten Pizzeria di Matteo ausklingen lassen, die vor uns Kampanioniken bereits Bill Clinton als Gast begrüßen durfte.

Foto: A. Forst

Dies III - Capri

Nach Flieger, Bus und Bahn konnten am dritten Tag unserer Reise auch die Verkehrsmittel Boot und Seilbahn erfolgreich gemeistert werden. Auf Capri angekommen, durften wir dann der zweiten Führung unserer Exkursion folgen. Bei herrlichem Sonnenschein lernten wir, dass die Insel so groß wie Brandenburg Stadt sei, aber auch dass es sich bei Kaiser Tiberius um einen sehr traurigen, jedoch umso sportlicheren Mann gehandelt haben muss. Anders sind die zahlreichen Treppen auf dem Weg zu und in seiner Villa Iovis wohl nicht zu erklären. Auf Capri wurde unsere Reise zudem kurzerhand zu einer antik-botanischen Exkursion mit alternativ-queeren Elementen erweitert. Spontane Gesangseinlagen rundeten die Wanderung über die Insel weiter ab und spätestens auf der vom Sonnenuntergang begleiteten Bootsfahrt zurück nach Sorrento dürfte auch der letzte Exkursionsteilnehmer die Melodie der Capri-Fischer gesummt haben.

Foto: A. Forst

Dies IV - Pompeji

Sonntag ist Ruhetag, jedoch nicht für uns abenteuerlustige Kampanioniken! Heute nämlich sollte in Pompeji die mit ca. 9,5 h längste Führung der Reise erfolgen. Nachdem uns von Frau Forst heldenhaft der freie Eintritt erkämpft worden war, geleitete uns ein kompetentes Dreiergespann durch die antiken Straßen der Vesuv-Stadt. Dabei war die Wortwitzdichte fast so hoch wie die der Besucher der Ausgrabungsstätte: „Im Apodyterium haben die Männer ihre Kleidung abgelegt. Das werden wir dann auch gleich machen.“ „Im Lupanar müsst ihr euch gleich allein vergnügen.“ Nicht nur diese mehr oder minder freiwillig gestreuten Pointen hinterließen Eindruck. Der dramaturgische Höhepunkt der Führung fand nämlich im Tempel der Isis statt. Die musikalische Untermalung zum Vortrag des Isis-Mythos stimmte auf den Takt genau und der anschließende Szenenapplaus war mehr als angebracht. Wir sollten nie erfahren, wann und wie lang für diese Showeinlage geprobt worden war. Nach Forum, Thermen, Tempeln, Lupanar, Theatern, Bäckereien, Villen und Co. wurde zum Ende des Tages doch noch die Zeit knapp. Eilig ging es zum krönenden Abschluss in die Villa dei Misterii, die im Licht des Sonnenuntergangs ihrem Namen alle Ehre machte. Es musste jedoch das eine oder andere Tränchen getrocknet werden, als wir im Anschluss feststellten, dass der Museumsshop seine Pforten bereits geschlossen hatte.

Foto: A. Forst
Foto: A. Forst

Dies V - Oplontis und Vesuv

Die erste Hälfte des fünften Tages stand ganz im Zeichen des Luxus. Die Führung durch die Otium-Villa der Poppaea in Oplontis ließ uns (unter strenger Beobachtung) den antiken Tagesablauf nachempfinden, hielt Gossip zur ehemaligen Hausherrin bereit und ließ uns zu Kunstexperten der römischen Wandmalerei werden. Uns wurden sogar die Türen zum eigentlich geschlossenen Cubiculum der Poppaea geöffnet. 

Foto: A. Forst
Foto: A. Forst

In einer abenteuerlichen Taxifahrt mit zum Teil fehlenden Anschnallmöglichkeiten und Seitenspiegeln (die braucht ja eigentlich auch kein Mensch) ging es im Anschluss auf den Vesuv. Hier wurde dann auch sogleich das Überleben aller Fahrgäste durch ein Gruppenfoto dokumentiert. Trotz atemberaubender Aussicht waren, oben angekommen, aber alle froh, dass der Vesuv heute nur noch halb so hoch ist wie noch vor seinem verheerenden Ausbruch 79. n. Chr.

 

Foto: A. Forst
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Dies VI - Paestum

Eine Busfahrt, die ist lustig, eine Busfahrt, die ist ... brechreizerregend? Auf Grundlage von Erfahrungsberichten und der vortägigen Taxifahrten wurde am Morgen des sechsten Tages die ein oder andere Reisetablette eingenommen. Es sollte nämlich mit dem Bus auf Serpentinen an der Amalfiküste entlang bis nach Paestum gehen. Die Fahrt wurde mit vielen Ohs und Ahs kommentiert, sowie pflichtgetreuen Lachern nach jedem der zahlreichen Witze unseres Fahrers (im folgenden Achill genannt). Nach einer Reihe von Halten, an denen zufällig auch immer eine Shoppingmöglichkeit bestand, und gefühlt 1000 geschossenen Fotos pro Exkursionsteilnehmer erreichten wir schließlich Paestum. Zielsicher und kompetent wurden wir von unserem Grazien-... äh Führungsduo von Schattenplatz zu Schattenplatz gelotst. Mit einer Reihe von Rätseln und Vorträgen wurden uns die Architektur der Tempelanlagen sowie der Aufbau der ehemaligen Griechenstadt näher gebracht. Spätestens als ein Teil der Kampanioniken jedoch damit begann, sich die Flora der Ausgrabungsstätte für die Nahrungsaufnahme zu erschließen, wurde es Zeit für eine Mittagspause. Nach der Enttäuschung von Pompeji war nun auch die Sternstunde für die Museumsshop-Süchtigen unter den Teilnehmern gekommen. Dies sollte sich beim anschließenden Besuch des Museo di Paestum noch als wahrer Glücksfall erweisen: Um die fehlende Grabplatte des Tauchers (die frecherweise ohne unsere Genehmigung nach Neapel geschafft worden war) doch noch besprechen zu können, wurde kurzerhand das neu erworbene T-Shirt eines Kommilitonen inklusive Träger gebraucht. Not macht Kampanioniken erfinderisch! Dann ging es zurück nach Hause, und als sich die Sonne über der Bucht zu einem fast übertrieben romantischen Untergang senkte, fiel es schwer, nicht doch kurz an das verbotene Wort mit U zu denken. 

Foto: A. Forst
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Dies VII - Cumae, Baiae, Puteoli

Es folgte ein Tag der Superlative mit gleich drei Führungen. In Cumae wurde es zunächst mythisch-mystisch: So konnten wir in ihrer Höhle die Stimme der Sybille vernehmen, die allen Teilnehmern eine 1,0 prophezeite. Im Anschluss wurden in der Festung durch mutige Forschergeister Höhlenexpeditionen gestartet. Nach kurzer Fahrt ließ uns die nächste Führung in das antike Baiae eintauchen. Im 'Ballermann der Antike' standen im Übrigen nicht nur die Sitten Kopf: Hier wachsen bis heute sogar die Feigenbäume von oben nach unten.

Foto: A. Forst
Foto: A. Forst

In Puteoli, unserem dritten Ausflugsziel dieses Tages, zogen wir in standesgemäßer pompa ins Amphitheater ein und wurden entgegen antiker Tierhatz-Tradition zum Glück nicht von plötzlich aus dem Boden auftauchenden Bestien überrascht. Uns blieb somit genug Muße und Raum zu lernen, wie es den Römern überhaupt gelang, die nahezu perfekten Ovale ihrer Amphitheater zu konstruieren. Weiterer Erkenntnisgewinn: Die Römer waren ebenso versessen auf Souvenirs wie so mancher Kampanionik. Neben tönernen Gladiatoren stellte auch die Mole Puteolis ein überaus beliebtes Motiv dar. Der anschließende Besuch der Solfatara war nichts für schwache Nasen. Der Begriff eines atemberaubenden Ausflugzieles bekam eine gänzlich neue Bedeutung und dem einen oder anderen Exkursionsteilnehmer dürfte die Lust auf Eierspeisen für gewisse Zeit vergangen sein

Foto: A. Forst
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Dies VIII - Herculaneum

In bezaubernd charmanter Weise wurden wir an unserem letzten Exkursionstag zum Abschluss noch durch das ursprünglich am Meer gelegene Herculaneum geführt. Die kleine, aber feine Ausgrabungsstätte bot uns dabei alle Möglichkeiten, unser in den vorherigen Tagen gesammeltes Wissen zu wiederholen und anzuwenden. Mit nicht wenig Stolz wurde festgestellt: Wir Kampanioniken sind (Wandmal)stilsicher. Auf der anderen Seite konnten aber auch Erschöpfungserscheinungen nicht geleugnet werden: „Wie lange noch?“ Unsere beiden Führerinnen hatten die Lage jedoch zu jeder Zeit unter Kontrolle und hielten die Teilnehmer mit einer Packung Pan di Stelle bei Laune, ein Gebäck, um das sich während der Exkursion ein für Außenstehende möglicherweise seltsam anmutender Kult entwickelt hatte. Nachdem am Nachmittag nun endlich doch noch Zeit für Urlaubsaktivitäten wie Baden, Flanieren oder Shoppen war, wurde am Abend zu einem rauschenden (fast) original römischen Festmahl geladen. Das Thema lautete 'Brot und Spiele' und so gab es neben einem überreichen Buffet bis in die späten Abendstunden auch Musik, Spiel und Gesang sowie bewegende Reden. Die Abreise am nächsten Morgen kam für die meisten viel zu früh, und das Tragen von Sonnenbrillen war für einen Großteil obligatorisch. Vielleicht auch, um die eine oder andere Träne unseres Abschiedes von der Campania felix zu verbergen.

Foto: A. Forst