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Exkursion nach Trier vom 31.08. bis 04.09.15

ROMAM SECUNDAM

Foto: V. Dietrich, C. Korn, P. Okonek
Persönlichkeiten in der Geschichte Triers - Plakette nahe der Palastaula

Extreme nördlich der Alpen

Text: P. Okonek

Armipotens dudum celebrari Gallia gestit

Trevericaeque urbis solium, quae proxima Rheno

pacis ut in mediae gremio secura quiescit,

imperii vires quod alit, quod vestit et armat.

lata per extentum procurrunt moenia collem:

largus traiiquillo praelabitur amne Mosella,

longinqua omnigenae vectans conmercia terrae.

          - Ausonius, Ordo Urbium Nobilium VI

Mit diesen Worten wollte Ausonius die Stadt Trier kompakt beschreiben. Die Richtigkeit der Worte konnten wir innerhalb der Exkursion im September 2015 untersuchen, im Seminar gelerntes anwenden und uns Gedanken zur Anwendung für den späteren Beruf machen.

Foto: V. Dietrich, C. Korn, P. Okonek
Persönlichkeiten in der Geschichte Triers - Plakette nahe der Palastaula
Foto: V. Dietrich, C. Korn, P. Okonek
Die Porta Nigra bei Nacht

LUNAE DIES: ADVENTUS

Nach einer langen Anreise wurden wir vom Exkursionsleiter Dr. Braun abgeholt und sahen im Warsberger Hof (Stichwort: Tradition) den Kurzfilm "Trier antik". Bei perfektem Exkursionswetter wanderten wir am Abend durch die Stadt (und zum gemeinsamen Abendessen). Anschließend betrachteten wir als Einstimmung für die nächsten Tage die beleuchtete Porta Nigra.

Foto: V. Dietrich, C. Korn, P. Okonek
Die Porta Nigra bei Nacht

MARTIS DIES: URCEATIM

Die Exkursion sollte mit dem Besuch der Römerbrücke starten. Leider hatten wir kein optimales Wetter: Es regnete. Also begaben wir uns spontan unter die Römerbrücke (17./18. v. u. Z.) in der Hoffnung auf Schutz und Gelegenheit für ein Referat. Allerdings erwischte uns dort erst recht die horrenda tempestas. Urceatim pluvit, aber zusätzlich wehte starker Wind, der die Wassermassen zu uns peitschte. Ein social bonding am Anfang der Exkursion. Dennoch wurde anschließend das Referat zur Brücke gehalten. Respekt an die Kommilitonin!

Es blieb nichts anderes übrigens als eine Planänderung. So präsentierten wir nach einen Trockenpause die geplanten Referate (Barbarathermen, Amphitheater und Kaiserthermen) im Warsberger Hof. Von dort aus gingen wir zu den überdachten(!) Thermen am Viehmarkt (1. Jh.), die derzeit die Ausstellung Alles meschugge? Jüdischer Witz und Humor zu sehen war. Es handelt sich um ein immer wieder erweitertes Superbalneum im Zentrum des antiken Triers, das erst im 20. Jahrhundert durch Bauarbeiten entdeckt worden war.

Von dort aus gingen wir bei mittlerweile heiterem Wetter zum Rheinischen Landesmuseum Trier - sehr empfehlenswert! Hier erhielten wir eine museumspädagogische Führung durch die Museumsdidaktikerin Anne Kurtze. Nicht nur wurden uns Möglichkeiten zur Vermittlung von Gladiatorenspielen, Mosaiken, Münzen und Grabmälern gegeben, wir erstellten gruppenweise auch selbst grobe Konzepte. Für diesen Transfer danken wir besonders.

Da das Wetter zuletzt zusagte, begaben wir uns zum Amphitheater (ca. 100 u. Z.), welches wir auch unterirdisch erlebten. Durch das Wetter am Morgen waren die vomitoria sehr passend mit Schlamm gefüllt. Das zuvor gehörte Referat wurde vertieft und praktifiziert. Die Audioqualitäten des Amphitheaters prüften wir gemeinsam. Als Dr. Braun spontan Griechisch skandierte, war alles andere still.

Nach der Rückkehr zum Warsberger Hof ließen wir Studierende gemeinsam den Tag im Warsberger Hof ausklingen.

MERCURII DIES: INFERI

Am Mittwoch begannen wir mit einem Referat zum sehr nahe gelegenen Hauptmarkt. Hier kann man vor allem von mittelalterlichen Geschehnissen sprechen. Auch gibt es hier die hyperbolische Inschrift, dass Trier 3000 Jahre älter sei als Rom. Einige lernten hier auch erstmals ein Chronogramm kennen.

Von dort aus begaben wir uns zur Konstantinbasilika oder besser: Palastaula (Anfang 4. Jh.). Auch hierzu erhielten wir via Referat weiteres Input, umliefen das Gebäude, vollzogen Markierungen auf dem Boden nach, die ursprüngliche Gebäudeumrisse offenbarten. Natürlich betraten wir die Palastaula auch.

Nach der Mittagspause trafen wir uns vor dem (eingerüsteten) St. Paulin (4. Jh., 12. Jh., 18. Jh.) mit dem Archäologen Jens Baumeister. Er konnte uns für den Rest des Tages für sein Fachgebiet begeistern. In St. Paulin konzentrierten wir uns auf das beeindruckende sequentielle Deckengemälde. Anschließend ging es zu St. Maximin (4. Jh.). Nicht nur liegt neben der Kirche ein Sportfeld, auch die Kirche selbst ist zu einer Sporthalle umgestaletet worden. Besonders befremdlich ist dabei, dass direkt unter dieser eine hohe Anzahl frühchristlicher Gräber zu finden ist. Um diese zu sehen stiegen wir in die Unterwelt hinab und mussten an einer Stelle sogar über Leichen gehen. Trier zeichnet sich durch eine Abundanz an frühchristlichen Gräbern im Vergleich zu Restdeutschland aus (ca. 1200:100).

Wieder am Tageslicht angekommen nahmen wir uns endlich den Trierer Dom (4. Jh.) vor. Herr Baumeister klärte uns über die Geschichte des Doms auf, erklärte unter anderem die Trierer Trinität und die antiken Säulen. Auch gab es einen Schwenkexkurs. Daraufhin sahen wir das Dommuseum an, wo es quasi die Mona Lisa der Mosaiken zu sehen gibt. Dieses konstantinische Deckenmosaik läd zu mannigfaltigen Diskussionen ein. Hier könnte auch die einzige Darstellung Apuleius' zu finden sein. Wüsste man doch nur, wie er überhaupt aussah!

Nach einer Pause stiegen wir abermals in die Unterwelt hinab - dieses Mal zum Schwerpunkt Domgrabung. So wurden unmittelbar vor dem Dom neue Schichten freigelegt, anhand derer man die Baugeschichte nachvollziehen konnte. Von dort aus fuhren wir zu St. Matthias (5. Jh.), besichtigten die Kirche und erfuhren ein weiteres Neu in Sachen Abstieg. In der Gruft funktionierten unerwarteterweise die Lampen nicht, was die dunkle und kühle Atmosphäre noch verstärkte. Zum Glück gab es eien Taschenlampe - und auch Smartphones sind nicht zu unterschätzen. Hier findet man das wertvollste antike Grab Triers.

Somit beendeten wir unseren Tag und kehrten zum Warsberger Hof zurück. Hier ließen wir Studierende den Tag wieder gemeinsam ausklingen.

IOVIS DIES: AMOENA

Nachdem sich das Wetter in den letzten Tagen zu perfekten Exkursionswetter entwickelt hatte, holten wir endlich die Barbarathermen (2. Jh.), die größten Thermen der Antike nördlich der Alpen, nach. Erst jüngst waren diesen wieder durch eine Steg mit Informationstafeln zugänglich gemacht worden.  Ebenfalls holten wir die wohl nie genutzten, da nie vollendeten, Kaiserthermen (3. Jh.) nach, die zumindest mehr als die Barbarathermen vermuten lassen und zu Fuß zu besichtigen sind. Hier konnten wir wieder einmal unterirdisch unterwegs sein. Durch diese Thermen hatten wir abermals von der römischen Fußbodenheizung gehört. Gemeinsam waren wir über die Tage auch im übertragenen Sinne (vor allem nach dem Römerbrückentrauma) so warm geworden. Kurz vor den Kaiserthermen stoß man erst kürzlich (wohl) auf den Eingangsbereich, sodass die Skizze der Kaiserthermen etwas korrigiert werden müssten. Die Ausgrabungen laufen.

Noch einmal besuchten wir das Rheinische Landesmuseum Trier, für das wir zuvor nicht genug Zeit nehmen konnten. Da momentan die Igeler Säule im Original und In Replik eingerüstet waren, aber im Museum zumindest die Schutzhülle die Motivik darstellte, holten wir das dazugehörige Referat hier nach. Die Säule enthält interessante mythologische und alltägliche Szenen kombiniert mit Jenseitsvorstellungen und ist nicht zuletzt eine Werbeinstanz für die Tuchhandelsfamilie der Secundinier.

Daraufhin trafen wir uns bei der schon mehrmals passierten Porta Nigra (ca. 180 u. Z.). Natürlich gab es hierzu auch ein Referat, mittels dessen zusammenkam, was zusammengehörte, bzw. repräsentativ die Trierer Geschichte darstellbar war. Auch ist die Porta nicht umsonst das Stadtwahrzeichen. Gleich nebenan warfen wir noch einen Blick in das Stadtmuseum Simeonsstift Trier, das das Landesmuseum ab dem Mittelalter ergänzt und auch zeigt, was Trier in den Weltkriegen mitmachen musste. Vor der Porta nahmen wir uns schnell die Zeit für ein Gruppenphoto. Leider unvollständig, da der jüngste Exkursionsteilnehmer mit Anhang fehlte.

Nach einer Pause entfernten wir uns zunehmend von Trier und fanden mit der Mariensäule (19. Jh.) ein wörtliches Highlight an. Von hier konnten wir ein Panorama Triers erfahren und noch ein Gruppenphoto hinzunehmen - leider spontan ebenfalls nicht ganz vollständig.

Nun begaben wir uns weiter raus nach Tawern, Nennig und zur Villa Borg. Tawern (1. Jh.) ist eine dem Mercur geweihte Tempelanlage, da hier Reisende vorbeikamen. Auch kann man von hier aus schon Trier erblicken. Die Stätte ist teils ausgegraben, teils rekonstruiert. In Nennig fanden wir eine römische Villa vor, die das größte Mosaik nördlich der Alpen aufweist. Dieses ist wieder zusammengesetzt und überdacht. Der Rest der Villa liegt ausgegraben vor. Tawern und Nennig ergänzend besuchten wir die römische Villa Borg. Diese ist weitestgehend rekonstruiert und lässt das römische Villenleben lebendig werden. Hier kann man in den Tavernae sogar speisen und ein mit Wasser gefülltes (kleines) Frigidarium und Caldarium antreffen. Aus Zeitgründen reisten wir hier früher ab, denn schon am Abend würden wir uns von einer Kommilitonin verabschieden.

Den kulinarischen gemeinsamen Abschluss der Exkursion legten wir auf das Kartoffel-Restaurant Kiste, wo die meisten nach mehreren Tagen Pasta und Ähnlichem nationalere Gericht ausprobierten, vor allem Trierer Gefüllte.

VENERIS DIES: DISCESSIO

Nach jenen ereignisreichen Tagen verabschiedeten wir uns vom Exkursionsleiter Dr. Braun und reisten gemeinsam wieder mit dem Bus nach Berlin zurück - durch Täler und entlang Weinbergen.