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Exkursion nach Rom vom 13. bis 23.03.2013

ROMAM ANTIQUAM!

Eine Exkursion zum Nabel unserer Welt(stadt)

Text: P. Okonek/ M. Heger/ K. Blaschka

Quandiu stabit coliseus, stabit et Roma.   Solange das Kolosseum steht, steht auch Rom.

Quando cadit coliseus, cadet et Roma.  Wenn das Kolosseum fällt, fällt auch Rom.

Quando cadet Roma, cadet et mundus.  Wenn Rom fällt, fällt auch die Welt.

Im 8. Jahrhundert verfasste der angelsächsische Benediktinermönch Beda Venerabilis diese bekannte Phrase, welche uns Rom als caput mundi vor Augen führt. Insbesondere am 13. März 2013 schaute die ganze Welt wieder einmal auf Rom – nein, nicht aufgrund der Ankunft der „12 Potsdamer Apostel“,  sondern anlässlich der Wahl des 266. Papstes.

Doch an ebendiesem Tag begann für uns – zwölf Studierende, die Exkursionsleiterinnen Frau Blaschka und Frau Heger sowie 3,5 Gäste – ein zehntägiger Studienaufenthalt in Rom. Im Wintersemester 2012/13 hatten wir uns im Seminar „Roma antiqua“ ein ordentliches Wissenspolster erarbeitet. Vor Ort wollten wir nun unseren vermeintlichen Expertenstatus auf die Probe stellen und in die römische Kultur eintauchen. Einige hatten sogar ihr Italienisch aufgefrischt. Übrigens: Trotz der langfristigen Planung der Exkursion leugnen wir weiterhin jegliche Verantwortung für den Rücktritt Benedikts XVI., dessen Folgen wir noch einige Überraschungen verdanken sollten.

Dies I

Am 13. März landeten wir in Rom Fiumicino und verspürten einen solchen Exkursionsdrang, dass gleich eine Studentin auf ihrer eigenen Exkursion durch den Flughafen kurz verloren ging. Das Wetter war zwar regnerisch, aber dennoch ein willkommenes Entkommen aus dem verschneiten Deutschland. Wir wohnten in Apartments direkt in Roms Zentrum: Sechs Studierende in der Via Piave, wo die Herren (natürlich) im kleinen „Blümchenzimmer“ einquartiert wurden und man fortan einen mysteriösen Joghurtkult etablierte. Die sechs Studentinnen der zweiten Gruppe bekamen das Appartement in der Via Po, das glücklicherweise mit zwei Bädern ausgestattet war. Schon am Nachmittag starteten wir auf der Piazza del Quirinale mit einem ersten Romspaziergang. Wir erkundeten die Fontana di Trevi, wo bereits einige das bekannte Münzritual durchführten oder sich einen ersten Gelato gönnten. Es folgten die Via del Corso und die Piazza di Spagna mit der Spanische Treppe und der Fontana della Barcaccia. An der oberhalb der  Spanischen Treppe gelegenen Santa Trinità dei Monti, der ersten von vielen Kirchen, die wir während der Exkursion besuchen sollten, endete der Spaziergang aufgrund des strömenden Regens vorzeitig. In unseren Appartements angekommen, vernahmen wir aus dem italienischen Fernsehen die Meldung: „Fumata Bianca“ – der neue Papst war gewählt worden und sorgte für ordentliche Spannung, da er sich bis zur Besteigung seines Balkons Zeit ließ. Sein Name lautete schließlich "Francesco". Unter dem Eindruck dieses weltpolitischen Ereignisses und mit der ungewohnten deutschen Namensversion "Franziskus" im Ohr ließen wir den ersten Abend in Rom beim Auspacken ausklingen. Schon am folgenden Tag sollte uns das Konterfei des neuen Papstes überall begrüßen: auf Titelblättern, Postkarten, Plakatwänden, Bussen ...

Dies II

Unser erster Programmpunkt bei sonnigem Wetter war die Basilika Santa Maria Maggiore, vor der ohne ersichtlichen Grund Kamerateams postiert waren. Wie sich später herausstellte, hatten wir knapp den neuen Papst verpasst, der kurz nach 8.00 Uhr in ebendieser Basilika unangekündigt seinen ersten Gottesdienst abgehalten hatte. Als Nächstes stand Santa Prassede auf dem Programm. Das Besondere an dieser Kirche aus dem 5. Jh. ist die Abbildung einer BischöfIN auf einem Kirchenfresko.
Die Reihe unserer Führungen eröffnete Paul an den Kaiserforen – mit einer Assistentin in tragender Funktion. Den Höhepunkt der Ausgrabungsstätte bildeten die Trajansmärkte auf dem Trajansforum, die in ihrer Architektur auf heutige Einkaufszentren hinausweisen. Nicht weniger interessant war die Trajanssäule mit ihrem ca. 200 m langen Windungsrelief, dessen Abdruck wir später noch im Museo della Civiltà Romana aus der Nähe betrachten sollten. Von der Terrasse der Mercati Traiani bot sich ein herrlicher Blick auf das Forum Romanum. Dieser Ausblick inspirierte uns zum ersten Gruppenfoto und der Idee, fortan täglich auf diese Weise den fortschreitenden Verfall und die Schwundquote der Gruppe zu dokumentieren.

Vorbei am Monument zu Ehren Vittorio Emanueles, aufgrund der Form auch “macchina da scrivere“ (Schreibmaschine) genannt, erreichten wir das Kapitol und besichtigten die Kapitolinischen Museen. Sie beeindruckten uns nicht nur mit den Fragmenten der Kolossalstatue Konstantins, dem Reiterstandbild Marc Aurels und zahlreichen Kaiserbüsten, sondern gewährten uns auch besondere Einblicke in die Geschichte Roms und des Kapitols. Gemäß dem Motto „imitatio et aemulatio“ begannen wir hier mit einem weiteren von nun an festen Programmpunkt der Exkursion: der Statuenimitation.

Unvergesslich auch die Aussicht vom Tabularium auf das Forum. Auf dem Weg zum Circus Maximus besichtigten wir das Forum Boarium, auf dem noch der Tempel des Portunus und der Rundtempel des Hercules Victor erhalten sind, und die nahestehende Santa Maria in Cosmedin, welche der Potsdamer Friedenskirche als architektonisches Vorbild gedient hat. Den Abschluss des Tages bildete der Circus Maximus, von dem heute kaum mehr als die Sandbahn übrig ist.

Dies III

Der Konstantinsbogen war der Treffpunkt des dritten Tages. Matthias II., einer unserer Exkursionsgäste und in der Spätantike besonders bewandert, erklärte uns die Geschichte des Bogens. Anschließend zog es uns zum Forum Romanum. Nachdem unsere Exkursionsleiterinnen hartnäckig, aber vergebens um den kostenlosen Eintritt gekämpft hatten, mussten wir zudem noch eine Extrarunde zum Eingang drehen. Über das Forum Romanum wurden wir fachkundig von Matthias I., einem zweiten mitreisenden Althistoriker, geführt. Besonders interessant war der umbilicus urbis, der „Nabel“ der (zumindest römischen) Welt. Anschließend bestiegen wir den Palatin, wo uns Judith über das – zu großen Teilen mit dem schönen orangen Band abgesperrte – Gelände führte. Leider waren viele Attraktionen daher nicht begehbar. Dieses Schicksal sollte uns noch mehrmals ereilen …
Nach einer Pause, während der einige von uns ihre kulinarische Checkliste (Lasagne, Pizza, Tiramisu, Gelato, etc.) abarbeiteten, widmeten wir uns dem Kapitol. Im an dessen Fuße gelegenen Carcer Mamertinus kamen wir spontan in den Genuss einer italienischen Führung, die unsere Exkursionsleiterinnen für uns übersetzten. Hier also hatte Caesar den Gallier Vercingetorix in einer Art Totengrube gefangen gehalten. Kurzzeitig fürchteten auch wir, dass uns diese Erfahrung zuteil würde, als beim Verlassen des Kerkers "lustigerweise" die Tür klemmte. Nach der Besichtigung der Überreste einer römischen insula und der Santa Maria in Aracoeli führte uns Sven über das Kapitol. Das sich uns darbietende Panorama übertraf die bisherigen noch einmal. Nach der intensiven und letztlich erfolgreichen Fahndung nach dem erhaltenen Podiumsrest des Juppiter-Tempels machten wir uns auf den Weg zur leicht überfluteten Tiberinsel. Der Tiber flößte uns aufgrund seiner starken Strömung und des enormen Wasserstandes erhebliche Ehrfurcht ein. Hinzu kommt der Verschmutzungsgrad des Flusses … Nach der Besichtigung von Santa Maria in Trastevere stand noch die Ersteigung des Giannicolo auf dem Plan. Doch nur vier Wagemutige trotzten dem eisigen Wind und der Dunkelheit – und wurden mit einem exklusiven Panorama von Rom bei Nacht belohnt. Bisherige und zukünftige Programmpunkte boten sich uns hoch oben in einem ganz besonderen Licht dar. Zu einer gemeinsamen Cena fanden wir alle uns am Tagesende transtiberim wieder zusammen.

Dies IV

Zu Beginn des vierten Tages besichtigten wir San Pietro in Vincoli. Hier ist der gehörnte Moses Michelangelos zu sehen. Seine Behörnung beruht auf einem Übersetzungsfehler infolge schlechter Texttradition: In Wirklichkeit sollte er nicht gehörnt sein, sondern glänzen. Dazu ist Textkritik also gut! Unter Stephanies Führung besichtigten wir endlich das Amphitheatrum Flavium a.k.a. Colosseum. Wir können bestätigen: „Coliseus stat“. Es folgte der Aufstieg auf den Aventin und die Besichtigung der Basilica Santa Sabina. Deren Holzportal aus dem 5. Jh. mit Szenen aus dem Leben Jesu ist im Original erhalten. „Romantisch“ ist der sich anschließende Orangengarten, in dem wir mit einem herrlichen Blick auf Rom unser gemeinsames Picknick begingen. Erwähnt sei auch ein mysteriöses Schlüsselloch, das so geheimnisvoll ist, dass hier nichts verraten werden soll.
Nach unserem Abstieg vom Aventin konnten wir die Aurelianische Stadtmauer und die eingerüstete Cestiuspyramide begutachten oder wohl eher nicht, da uns auch dies vom Schicksal (und einer Plane) verwehrt blieb. Eine beinahe verzauberte Atmosphäre strahlte der Cimitero acattolico, der „nicht-katholische“ Friedhof, aus, auf dem bekannte Persönlichkeiten wie August von Goethe oder John Keats ruhen. Von dort aus ging es nun nach Ostia antica. Dieses Mal führte Philipp über das archäologische Gelände. Ostia antica vermittelt zwar exzellent das römische Alltagsleben, aber eine – leider nicht bewältigte - Hürde bildete die schlechte Begehbarkeit Ostias – das berühmte orange Absperrband war auch hier unser stetiger Begleiter. Dass das große Mosaik der Neptunthermen dann auch noch abdeckt war, konnten wir nur noch mit einem Lächeln hinnehmen.
Eine kleine, immer noch unermüdliche Abordnung unserer Gruppe nahm als Zugabe am Abend die Bahn nach Lido di Ostia, um bei Sonnenuntergang den Mittelmeerstrand zu erblicken. Selbstverständlich wurde auch hier eine Cena zur weiteren Erkundung der landestypischen Esskultur zelebriert. Der zweite Teil der Gruppe kehrte direkt nach Rom zurück, um die Eis-Studien fortzusetzen Ein Zwischenergebnis: In puncto Eis bildeten sich alsbald zwei Lager heraus: die Della-Palma-Fans und die Giolitti-Fans. Beide Läden können wir guten Gewissens zu einem Must-have-seen jedes Romtrips erklären!

Dies V

Wir trafen uns am Tag des Rom-Marathons wie immer pünktlich und in aller Frühe, dieses Mal auf der Piazza del Popolo. Damit befanden wir uns bereits auf dem antiken Marsfeld, über das uns Kerstin an diesem Tag führte. Über Mausoleum Augusti und Ara Pacis informierte uns Monika. Nach dem Templum Divi Hadriani und dem Horologium Augusti gingen wir zu (Giolitti und) dem Pantheon, das – es verfolgte uns –zunächst wegen einer Messe geschlossen war. Nach der Besichtigung von Sant' Ignazio, einer Kirche, die mit einer Scheinkuppel überrascht, unterbrachen wir das offizielle Exkursionsprogramm für zwei Stunden: Die Möglichkeit, Papa Francesco an diesem Sonntag zum Angelusgebet auf dem Petersplatz live zu sehen, wollten sich die meisten nicht entgehen lassen. Aufgrund des ungeheuren Besucherstroms war es zwar kaum möglich, bis zum Petersplatz vorzudringen, aber dank zahlreich aufgestellter Großbildleinwände konnten wir Francesco am Ende doch noch hautnah erleben.
Am Nachmittag setzten wir unser Programm mit Santa Maria sopra Minerva fort. An der Inschrift des Pulcino della Minerva, der vor der Kirche stehenden Elefantenskulptur Berninis mit Obelisk, stellten unsere Exkursionsleiterinnen unser Latein auf die Probe. Es folgten das Stadium Domitiani bzw. die auf seinen Mauern errichtete Piazza Navona mit dem beeindruckenden Vier-Ströme-Brunnen von Bernini. Dass wir gerade hier im ehemaligen Stadion den Schlusslichtern der Maratona di Roma, die uns schon den ganzen Tag über begleitet hatte, begegneten, fanden wir sehr passend. Kerstin beendete ihren Marathon an der Area Sacra di Largo Argentina (die sich uns eher als Area Sacra dei Gatti präsentierte). Ohne es zu bemerken, flanierten wir durch die (!) Porticus Octaviae, wo uns Nicole abschließend das Marcellus- und das Pompeiustheater vorstellte. Unser Fazit: Vom einem steht noch so viel, wie bei dem anderen fehlt – nämlich kaum etwas.
Das Finale dieses langen kalten Tages unter freiem Himmel bildeten mehrere Jets – möglicherweise die Frecce Tricolori –, die die italienische Flagge über uns in den Himmel zeichneten. Zum Anlass gibt es verschiedene Thesen: Saint Patrick's Day, politische Gründe, oder – wovon mancher fest überzeugt war– eine Würdigung unseres Rom-Besuchs!? Wir mochten uns damals nicht festlegen. Aber zumindest wussten wir, warum Judiths Führung über den Palatin alle fünf Minuten von Testflügen unterbrochen worden war …Heute ist uns bekannt, dass am 17. März 1861 das neue Königreich Italien ausgerufen worden ist. Der 152. Jahrestag dieses bedeutenden Ereignisses scheint also der wahre Anlass für diese Flugshow gewesen zu sein.

Dies VI

Der sechste Tag war ein feuchter, in mehrerlei Hinsicht unterirdischer Tag für uns Exkursionsteilnehmer. Wir begannen mit der Kirche San Clemente, durch die uns Georgias Infoblatt navigierte, und erreichten im Untergrund ein Mithräum. Die Atmosphäre dort war schön feucht und dunkel, gerade richtig, um den Abenteuerinstinkt für die Katakomben zu wecken. Spontan versuchten wir außerplanmäßig unser Glück in Santi Quattro Coronati. Dank der äußerst redseligen Nonne Suora Theresa, die, beflügelt von unserem Interesse an der Antike, am liebsten jeden Stein im Kreuzgang erklärt hätte, konnten wir sogar das Baptisterium mit den berühmten Konstantinsfresken besichtigen. Bei stürmischem Wetter wandelten wir durch die immensen Caracalla-Thermen. Die typischen Elemente einer Therme – Apodyterium, Frigidarium, Tepidarium, Caldarium, Palaestra – kennen wir nun wohl alle aus dem Effeff.
Dann ging es zur Via Appia. Wir besichtigten die Chiesa 'Domine, quo vadis?' mit einem vermeintlichen Abdruck der Füße Jesu. Außerdem gab es wieder etwas zum Übersetzen: „Quo vadis, Domine? – Romam vado iterum crucifigi.
Insgeheim hatten Frau Blaschka und Frau Heger als Überraschung für alle eine Fahrradtour entlang der Via Appia geplant. Diese fiel leider ins Wasser. So erkämpften wir uns den Weg zu den Katakomben im strömenden Regen zu Fuß.

Dabei stellte sich eine weitere Erkenntnis ein: Auf der Via Appia sieht man das gleiche wie auf dem Helikon: viele Schafe (vgl. Hesiod). In den Callixtus-Katakomben erhielten wir eine Führung für Touristen. Wir wurden doch tatsächlich gefragt, ob wir Latein oder Altgriechisch verstünden – das konnte nur rhetorisch gemeint sein! Die Stunde unseres Triumphs! Noch mehr durften sich unsere Exkursionsleiterinnen freuen, als sie dank ihrer iovialen Erscheinung gar nicht als solche erkannt wurden. Es folgte der Abstieg in das feuchte Dunkel. Zum Abschluss des Tages hatte sich die Gruppendynamik so weit entwickelt, dass trotz (oder gerade wegen) des miesen Wetters im Chor gesungen wurde, um die gefühlte Ewigkeit zu überbrücken, die wir auf einen Bus warteten.
Unsere Ausdauer wurde am Abend mit einer weiteren gemeinsamen Reflexionscena in der Via Piave belohnt. Die anschließende Apartmentbesichtigung, zu der die dort untergebrachte WG die Exkursionsleiterinnen und -teilnehmer eingeladen hatte, eröffnete interessante Einblicke ...

Dies VII

Kirche, Kirche, Kirche. Manch einer wollte Frau Heger einen Kirchenfimmel andichten, was sie bis zuletzt unter Betonung des Bildungsaspekts vehement von sich wies. Auf jeden Fall war so mancher, was Kirchen anbetraf, gesättigt (und wird es auch für den Rest des Jahres sein). Allerdings wurden die Kirchen auch immer spezieller: Dieses Mal begann der Tag nämlich mit Santa Maria degli Angeli, die in die Diokletiansthermen hineingebaut worden war. Diese beindruckten uns hinsichtlich ihrer Größe und Ausstattung noch stärker als die Caracallathermen ohnehin schon. Gleiches gilt für das Museo delle Therme: Völlig unerwartet stießen wir hier auf die aus der Veranstaltung "Einführung in die Klassische Philologie" bekannte Fibula Praenestina. Etwas verschwörerisch erschien uns die Angelegenheit mit dem Lapis Niger. Angeblich war dieser hier ein Imitat und das Original im Museo della Civiltà Romana zu finden. Dort aber erzählte man uns das Gegenteil. Es folgten der Palazzo Massimo delle Therme – hier kam es zur Klimax der Statuenimitatio – sowie das Museo Etrusco di Villa Giulia. Der folgende Nachmittag stand zur individuellen Gestaltung – war also „frei“. So konnte an die Post gedacht, der Trevibrunnen bei Sonne besucht oder einiges für den zukünftigen Geschichts- oder Lateinunterricht im Museumsshop erworben werden; Fans sollen v.a. lateinische Comics, Freskomagneten mit lateinischer Inschrift und Pop-Up-Bücher zum römischen Alltag gefunden haben. Unnötig zu erwähnen, dass auch die Gelatophilen den Nachmittag nicht ungenutzt ließen.

Dies VIII

Am achten Tag besichtigten wir das Museo della Civiltà Romana, das uns durch seine bemerkenswerte Bandbreite an Ausstellungsstücken faszinierte, auch wenn es sich bei diesen fast ausschließlich um Repliken aus Kunststoff handelt. Etwas enttäuscht über das Fehlen antiker Originale verbuchten wir dies wohlwollend unter dem Motto imitatio et aemulatio. Trotz der immensen Kälte im Museum – man konnte den eigenen Atem sehen! – und unzähligen Schülergruppen müssen wir eingestehen, dass die von den Rekonstruktionen gebotenen Einblicke in die Kultur und Geschichte Roms uns enorm beeindruckt haben. Gekrönt wurde unser Besuch durch die Königin der Modelle: das konstantinische Rom von Gismondi. Fama est, dass die Gelatophilie bei einigen Exkursionsteilnehmern solche Ausmaße angenommen habe, dass sie versuchten, Giolitti im Modell (des antiken Rom!) zu lokalisieren.
San Paolo Fuori Le Mura, eine weitere Basilica Papale, wirkte auch auf Nicht-Kirchen-Fans überwältigend. In dieser Basilica konnten wir die Portraits aller Päpste bis zum jüngst zurückgetretenen Benedetto betrachten. Nach einem langen Fußmarsch – mal wieder im Regen – auf dem uns Statuen in ungewöhnlichem Ambiente zwischen Dampfmaschinen versprochen worden waren, standen wir an der Centrale Montemartini ACEA vor verschlossenen Türen – außerplanmäßige Schließung wegen einer Stadtverordnetenversammlung im Museum. Das gibt es auch nur in Rom! Danach waren wir in der passenden Stimmung für Santo Stefano in Rotondo – eine blutige Angelegenheit, da die Fresken des gesamten Innenraums dieser Kirche Märtyrer im Augenblick ihrer Hinrichtung abbilden. In San Giovanni in Laterano, der früheren Papst-Basilika, deren Hauptportal die Türflügel der Curia Iulia trägt, fand der wohl anstrengendste und verregnetste Tag der ganzen Exkursion sein herbeigesehntes Ende. Wir hatten mal wieder genug Kirchen gesehen und waren auch ausreichend durchnässt, um endlich Sonne erwarten zu dürfen?

Dies IX

Der vorletzte Tag war bei herrlichem Wetter – Ha! Endlich! – der Villa Adriana und Tivoli gewidmet. Über die riesige Villenanlage führte uns Annika, die ihren Vortrag sogar von der Musikeinlage einer spanischen Schülergruppe begleiten ließ – das nennt man Einsatz! Zum Highlight der Villa kürten wir das Teatro Marittimo, die von einem kleinen Kanal umgebene Privatinsel Kaiser Hadrians, dicht gefolgt vom Canopus, dem Miniaturnachbau eines Kanals in Ägypten. Aber Achtung: „Cave crocodilum!“ Hier konnte man also alles finden, was das (Kaiser-)Herz begehrte. In Tivoli – dort ist das Eis übrigens nicht ganz so gut – flanierten wir durch die Villa d'Este. In ihrem unvergleichlichen Wassergarten erweiterte Stephanie unseren altphilologischen Horizont durch einen Vortrag zu Rom aus geographischer Perspektive. Den feierlichen Abschluss des Tages bildete vor atemberaubender Kulisse das Geburtstagsständchen für Paul, der als Überraschungsgeschenk eine Münze mit dem Portrait seines Lieblingskaisers erhielt.

Dies X

Am zehnten Tag schlossen wir unser Programm trotz sciopero generale dei mezzi pubblici planmäßig mit den Vatikanischen Museen, dem Petersdom sowie der Engelsburg und der Villa Borghese ab – zwar zu Fuß, aber bei herrlichem Sonnenschein.
Um 9.30 Uhr hatten wir endlich den Eingang in die Vatikanischen Museen passiert. Um die Besichtigung eines der größten Highlights, der Sixtinischen Kapelle, hatten wir wegen des Konklave schon im Vorfeld der Exkursion gebangt. Doch der neue Papst war gewählt und die Kapelle wieder frei. Da versetzte es uns einen kleinen Schock, als wir auf einem Schild lasen, die Kapelle wäre aufgrund einer Botschafterversammlung ab 10.00 Uhr geschlossen. Sollten wir dieses Must-have-seen doch noch verpassen? 'Nicht mit uns!', dachten wir. Gravissimis itineribus ging es unter Svens Führung auf kürzestem Wege zur Sixtinischen Kapelle – mit nur 20 min Laufzeit dürften wir einen Rekord aufgestellt haben – und kamen gerade rechtzeitig, um „Das Jüngste Gericht“ und „Die Schöpfung Adams“ zu betrachten. Akustisch wurde dies durch nicht verstummende „Silencio“- und „Schhhh“-Einrufe der Ordner begleitet, die wir zu einem kleinen Museumsrap weiterentwickelten.  Anschließend fanden auch die übrigen Sehnsuchtsobjekte ihre Bewunderer, so die berühmte Laokoon-Gruppe oder die Vasendarstellung des mit Ajax Schach spielenden Achill (Geheimtipp für Orientierungslose: im etruskischen Department!). Nicht in Erscheinung getreten ist leider ein gewisser Augustus von Primaporta, der es wieder einmal vorzog, sich restaurieren zu lassen.
Am Nachmittag betraten wir den Petersdom und erstiegen (dank Schlange scheinbar in Zeitlupe) seine Kuppel. Aber oben angekommen wurden wir mit einem spektakulären Panorama belohnt und konnten am letzten Tag unserer Reise abstecken, wo überall wir nun schon gewesen waren. Auf der Terrasse der Engelsburg, unserem letzten offiziellen Programmpunkt, genossen wir wehmütig die Sonnenstrahlen und fanden uns zu einem letzten Fotoshooting zusammen.
Nur 6 Verwegene begaben sich maximis itineribus noch auf eine Odyssee durch das Streik-geplagte Rom, um sich die bemerkenswerten Bernini-Statuen in der Villa Borghese anzuschauen. Das Exkursionsfinale zelebrierten wir mit einer letzten gemeinsamen Reflexionscena an der Piazza Navona. Trotz fortgeschrittener Uhrzeit konnten wir am Ende auf eines natürlich nicht verzichten: eine letzte Gelato-Orgie. Und die Gewissensfrage lautete: „Wähle ich Giolitti oder Della Palma … oder einfach beides?“ Wer hätte gedacht, dass damit die Exkursion enden würde?
Alle!

Der Abschied von Rom fiel schwer und so flogen wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge aus dem nun endlich sonnigen Rom zurück in unsere noch immer im Schnee versunkene Heimat zurück – Kälteschock inklusive. Doch eines ist gewiss: Wir kommen wieder - dem Münzwurf sei Dank!

Spezial I: Die allgegenwärtige Lupa

Spezial II: Das allgegenwärtige SPQR