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Exkursion nach Trier vom 25. bis 28.09.2012

Text: T. Welder

 

Nachdem wir uns im Sommersemester mit Frau Tischer schon ausführlich über die Treverer, Trier und seine Bedeutung im Römischen Reich informiert hatten, sollte nun vor Ort die Verknüpfung von Bildern aus dem Seminar und den „echten“ Sehenswürdigkeiten erfolgen. Zusammen mit Frau Tischer und Frau Heger machten sich also 18 Studierende und ein Gast erwartungsvoll auf den Weg nach Augusta Treverorum. Wir waren gut vorbereitet und auf vieles gefasst, aber dass wir in den nächsten Tagen mit so viel Regen bedacht werden sollten, hat uns dann doch überrascht…

Montag, 24. September 2012:


Viele Exkursionsteilnehmer reisten schon einen Tag eher an, sodass sie ausgeschlafen zum offiziellen Exkursionsbeginn am Dienstag um 14 Uhr bereit stehen konnten. Manche kamen per Bahn, andere per Auto und die wahren VIPs ließen sich einfliegen. Nach dem langen Anreiseweg von etwa acht Stunden (je nach Verkehrsmittel) hieß es zunächst, Zimmer beziehen im Warsberger Hof, der Jugendherberge, die uns allen, vom Tage erschöpft, ein warmes Doppelstockbett bieten sollte (na gut, fast allen) und dessen Grundmauern sich auf das 14. Jahrhundert datieren lassen. Im Anschluss traf man sich auf ein gepflegtes Symposium bei Walderdorffs Vinothek vis a vis vom Dom, wo laut Wandspruch schon Napoleon genächtigt und Moselwein getrunken haben soll. Ab diesem Zeitpunkt war wohl jedem klar, dass in Trier jedes Staubkorn eine Geschichte hat, die sich in der Regel von der eines durchschnittlichen brandenburgischen Staubkornes sehr unterscheidet. Nachdem wir, zuvor vollends ausgehungert, vom Feinsten gegessen hatten und Kellner Fabian (betont französisch ausgesprochen) uns neben dem Kuchen vom Frühstücksbuffet noch die ein oder andere kulinarische Kostspieligkeit angedreht hatte, zogen wir zurück zum Warsberger Hof, wo sich noch eine kleine Gruppe mit dem Kofferraumbier von Herrn Sosna (Zitat: „Ohne einen Kasten Bier fahr ich nirgends hin, schon mal „der Superstau“ gesehen?“) im Innenhof auf den darauf folgenden Tag einstimmte.

Dienstag, 25. September 2012:


Weitere Teilnehmer reisten an oder waren bereits im Laufe der Nacht angereist. Während manche noch ein Nickerchen nahmen, gingen andere, darunter einige erfrischt von der eisigen Dusche, zum gemeinsamen Frühstück in die Kantine, das in Hinblick auf die Lokalität klassisch gehalten war. Der freie Vormittag wurde zum Teil für einen Nettobesuch genutzt, um einen Kaffee zu trinken oder zum ersten „beschnuppern“ der Stadt. Gegen 14 Uhr trafen wir uns dann alle an der Bar des Warsberger Hofs, selbstverständlich nicht zum Alkoholgenuss, sondern zur Begrüßung und zur Klärung technischer Fragen und um die Tagesziele samt Ablauf vorzustellen. Unsere Triererkundung begann auf dem Hauptmarkt im historischen Stadtkern. Hier sahen wir eine Kopie des Marktkreuzes, den Petrusbrunnen, das Rote Haus, hielten vor der Judengasse und traten darauf in die St. Gangolfkirche, um dann auch vor der Steipe Halt zu machen. Im Anschluss zog es uns zur mittlerweile sagenumwobenden Römerbrücke (das Prädikat „älteste Stadt Deutschlands“ geht auf diese Brücke zurück). Wir sahen sie bei heftigen Böen und ebenso starken Autoverkehr von oben, als auch unter ruhigeren Bedingungen von unten, um von dort aus direkt zu den Barbarathermen zu laufen, denn in Trier ist alles fußläufig. Dort konnten wir von einer Plattform aus einige Mauern betrachten, die die tatsächlichen Ausmaße nur vermuten ließen. Vermuten, vorstellen, im Kopf ergänzen. Diese Fähigkeiten sollte jeder von uns in den vier Tagen trainieren. Über das Kurfürstliche Palais ging es zur Basilika, die durch ihre heutige Schlichtheit ein sehr beeindruckendes Bild abgibt. Im Anschluss einer 30-minütigen Pause sollten wir Trier sehen, wie es die Römer gesehen haben mussten, als sie vom Petrisberg ins Tal hinab blickten. Daher hieß es in einem sportlichen Marsch hinauf. Der tatsächliche Ausblick war etwas ernüchternd, jedoch war man nach diesem letzten Programmpunkt erschöpft genug, um sich in ein warmes Stübchen zu setzen und etwas zu essen und ganz individuell den Abend zu gestalten.

Ein erstes (allgemeingültiges) Zitat: „Mir ist immer noch kalt“ (Fr. Kirmse)

Mittwoch, 26. September 2012


Die ganze Nacht hatte es apokalyptische Regenschauer gegeben, sodass wir kurzfristig überlegten, ein Archebauprojekt ins Leben zu rufen. Dies war der Auftakt für das miese Wetter, das uns von nun an stets begleiten sollte. Unser Tag startete gegen 9 Uhr mit den Thermen am Viehmarkt, die zu unserem Glück vollständig von einem Glasgebäude umschlossen sind. Darauf gingen wir, größtenteils mit Regenschirmen bewaffnet, zu den Kaiserthermen, deren unterirdische Gänge uns häufig Schutz boten. Von 11:45 – 13 Uhr konnte jeder seine Zeit gestalten, wie er wollte. Die meisten nutzten die Gelegenheit für einen kleinen Snack und/oder ein heißes Getränk. Im Anschluss wurden wir von einer Museumspädagogin durch das Rheinische Landesmuseum von Trier geführt, die uns neben Fachlichem auch pädagogische Aspekt des Museums erläuterte und uns 18 Kilo Goldmünzen zeigte, woraufhin man meinen konnte, bei einigen von uns Dollarzeichen in den Augen erkennen zu können. Hernach konnte jeder selbst das Museum weiter durchstöbern oder auch nicht. Die letzte Etappe führte uns zum Amphitheater, wo wir uns rund eine Stunde bis 17:30 Uhr aufhielten, um den Feierabend entgegen zu sehen. Feierabend? Nicht ganz! Gegen 20 Uhr war eine Kulturveranstaltung der besonderen Art geplant. Händereibend betrat so mancher den Verkostungsraum des zwei Fußballfelder umfassenden Weinkellers der Weinstube Kesselstatt, um dort aufs Manierlichste die sieben dargebotenen Weine auf ihre Qualitäten hin zu prüfen. Nach einer kurzen Führung  durch den teilweise antiken Keller mit seinen riesigen Weinfässern nutzten einige die Zeit darauf, um sich des Geschmackes des einen oder anderen Weines erneut zu vergewissern und um vielleicht ein Souvenir aus Trier zu erwerben.

Folgende Sentenzen des Tages sind wohl eher für die damals Anwesenden von Interesse:

„An dieser Stelle müsste man eigentlich sehen...“ (diverse Male in ähnlicher Form)
„Der Vorteil an diesem Raum ist, dass man was sieht.“ (Hr. Zok)
„Das muss jeder selbst entscheiden, ob ihn das interessiert.“ (Fr. Hukelmann)
„Das ist nicht so interessant aber ich zeig's euch trotzdem.“ (Fr. Hukelmann)
„Also wenn man jetzt Archäologe wäre, würde einen das bestimmt interessieren.“ (Fr. Sydow)

Outtakes:
 
"Einst habe Hamilcar Hannibal, den Sohn der Schweine, [...] mit sich in einen Tempel geführt, erzählt Titus Livius.“ (Fr. Heger über einen Übersetzungsfehler in einem Latinumskurs)
vgl. Latinum B L 14 (S.81):
Aliquando Hamilcarem Hannibalem filium suum, puerum novem annorum, secum in templum duxisse Titus Livius narrat.

„Virtuelle Welten, ne? Mein nächster Kurs läuft mit Avataren!“ (Fr. Tischer)

Hr. Sosna: „Sie reden so schnell!“ (0:17 Uhr)
Fr. Tischer: „Ich denke auch so schnell!“

Donnerstag, 27. September 2012:


Wieder gegen 9 Uhr trafen wir uns an der Porta Nigra bei schönstem Nieselregen. An das ehemalige Stadttor schloss sich das Stadtmuseum Simeonstift nicht nur räumlich, sondern auch hinsichtlich unserer Tagesordnung an. Um 13 Uhr trafen wir uns zur Busfahrt zum Kaiserpalais. War die Busfahrt gänzlich regenfrei verlaufen, so schüttete es wie aus Eimern kurz, nachdem wir aus den zwei Kleinbussen ausgestiegen waren. Der Pfarrer vor Ort gab im besten Trierer Dialekt einige „Schnittschen“ zum Besten und zeigte uns das, was von dem ehemalig monumentalen Gebäude übrig geblieben ist, u.a. ein Hypokaust im Keller. Dabei betonte er die Qualität des bislang nicht rekonstruierbaren Supermörtels der Römer und der tollen römischen Mauern. Im gleichen Atemzug wies er darauf hin, dass sein Weinkeller lediglich eine einzige original römische Mauer habe, woraufhin einige von uns eine Träne des Mitleids unterdrücken mussten. Die beiden Busfahrer rasten darauf zum Tempelbezirk in Tawern, einer Art antiken Autobahnkirche. Von dort ging es zu einem Mosaikboden in der Villa Nennig und im Anschluss zum „Römerleben zum Anfassen“ in der Villa Borg. Die Fahrt zur Igeler Säule beendete schließlich diesen langen und anstrengenden Tag zum Anbruch der Dunkelheit.

Sprüche des Tages:

„Und das hier ist das heutige dort.“ (Fr. Fritsche)
„Scheiße Wetter.“ (Busfahrer in gebrochenem Deutsch)

 „Da hinten ist Steinbruch. Da könnt ihr auch Steine gucken, sogar mitnehmen.“ (Busfahrer)

Freitag, 28. September 2012


An unserem letzten Tag waren wir ziemlich gerädert von den vergangenen Tagen und der Nacht, die vor allem von einer Horde holländischer Jugendlicher geprägt war. Wir wussten, dass wir von nun an über Leichen gehen würden. So kam es dann auch, als wir uns gegen 9:30 Uhr vor der ehemaligen Reichsabtei St. Maximin trafen, um in zwei Gruppen eben diese und das Kloster St. Paulin zu erkunden. Dafür hatten wir jeweils eine Führung gebucht. St. Maximin ist heutzutage eine Turnhalle. Der Keller jedoch beherbergt eine unglaubliche Zahl an Sarkophagen. Das Kloster St. Paulin zeichnet sich vor allem durch sein beeindruckendes Deckengemälde aus, welches vermutlich bei dem einen oder anderen zum schmerzenden Nacken am Folgetag geführt hat. Gegen 11:30 wurden wir dann zu einem aktuellen Ausgrabungsort unter dem Haus der Dominformation geführt und von da aus weiter durch den Dom selbst, um als Abschluss eine konstantinische Deckenmalerei im Bischhöflichen Dom- und Diözesanmuseum zu betrachten. Darauf ging jeder seiner Wege. Einige fuhren gen Heimat, andere schlossen einen Urlaub an und wieder andere blieben noch eine weitere Nacht.

Sentenzen des Tages:

„Ist eigentlich ein wunderschöner Fußboden... das sieht man jetzt nur nicht.“ (Führer Baumeister)
„Sie sind wahrscheinlich alle Protestanten.“ (Kirchenführer Baumeister)