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„Gleichnisse und Vergleiche“

Beitrag zum DFG-Projekt Epische Bauformen - Strukturen epischen Erzählens  (mit Prof. Dr. U. Gärtner, Uni Graz)

Kontakt: Dr. Karen Blaschka (karen.blaschkauni-potsdamde)

„Wie die Blätter im Wald und die Sterne am Himmel, so unzählig sind“, könnte man sinngemäß fortfahren, „die Gleichnisse im antiken Epos“. Kaum eine antike Literaturgattung ist durch Gleichnisse und Vergleiche so bestimmt wie das narrative und didaktische Epos.

Gleichnisse erweisen sich dabei von Homer bis in die christliche Spätantike als ebenso konstante wie anpassungsfähige Bauelemente. Sie dienen dabei nicht nur der Visualisierung erzählter wie nicht erzählter Geschehnisse, sondern übernehmen vielfältigste Aufgaben innerhalb der Erzählung. Sie gliedern, bilden Ruhepunkte oder erhöhen die Spannung, sie dienen der Charakterisierung von Personen, sie deuten pro- oder analeptisch auf Geschehnisse; sie liefern Hinweise für die Interpretation und werden in ihrer Gelehrsamkeit zu Spezialformen ‚alexandrinischer Fußnoten‘.

Charakteristisch für Gleichnisse ist die Deutungsnotwendigkeit ihres Kontextes. Dies gilt zunächst für den unmittelbaren Kontext innerhalb der Erzählung; schon hier ist es oft schwierig zu bestimmen, welchen Umfang dieser hat und ob sich Korrespondierungen festmachen lassen. Hinzu kommt der intra- und infratextuelle Kontext: Damit ist das weitere Umfeld im Text gemeint, das durch Fernbeziehungen der Gleichnisse verwoben wird und somit das Gesamtwerk zu einem ‚Kontext‘ macht. Einbezogen werden muss der intertextuelle Kontext: Dieser entwickelt durch das ständige gattungsimmanente Wiederaufgreifen und Neukontextualisieren gleicher und verwandter Bilder einen Code, der den Lesern eine Deutung als wahrscheinlich nahelegt. Hierbei lädt sich das Gleichnis durch die Veränderungen auf der Bildebene auf. Es transportiert daneben unausgesprochen auch sämtliche Kontexte der Prätexte als ebenso ‚andere‘ wie für die Deutung essenzielle ‚Fremd‘-Kontexte in das Werk hinein.

In der diachronen Betrachtung muss schließlich der kulturelle Kontext beachtet werden. Die Bilder stammen in der Regel aus einer dem narrativen Kontext fremden bzw. komplementären Welt. Das Epos wird dadurch in den kulturellen Kosmos seiner Zeit (und Tradition) bzw. dieser in das Epos  eingeschrieben.

In dem Beitrag zu den Gleichnissen und Vergleichen in der antiken epischen Dichtung werden Entwicklungslinien in der immer komplexeren Verwendung dieses Bausteins durch antike griechische und lateinische Autoren nachgezeichnet und an ausgewählten Beispielen aufgezeigt.