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Geschichte des Jüdischen Friedhofs in Wusterhausen/Dosse

Foto: Anke Geißler-Grünberg
Teil der aktuellen Markierung der Friedhofsgrenze unterhalb der Überbauung

Im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts legten die in Wusterhausen lebenden Juden einen eigenen Friedhof an, nachdem sie über viele Jahre ihre Toten nach Kyritz gebracht hatten. Nahe des Klempowsees pachteten sie ein entsprechendes Grundstück, das ihnen die Stadt zur Verfügung stellte. Über seine Größe gibt es unterschiedliche Angaben. Einem Grundbucheintrag des Jahres 1909 zufolge handelte es sich um bescheidene 228 m², der die Stadt als Eigentümerin benannte. In einer Flurkarte aus dem Folgejahr wird das Grundstück als jüdischer Begräbnisplatz ausgewiesen.

Es ist davon auszugehen, dass die wenigen Juden des Ortes ihren Friedhof ab diesem Zeitpunkt nicht mehr nutzten, gleichwohl aber Anlage und Gräber pflegten. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges verwaiste der Friedhof. Neben dem materiellen Verfall setzte natürlicher Bewuchs ein, der den Ort zum Ziel heimatkundlicher Exkursionen machte.

Pläne für eine Freilichtbühne in direkter Nähe zum See und zum Volkshaus sahen vor, die dazugehörige und über eine Treppe zu erreichende Pergola teilweise auf dem Grundstück des jüdischen Friedhofs zu errichten. Zeitzeugen berichten, dass bei den Bauarbeiten in den Jahren 1966/67 größere Mengen Steine abtransportiert wurden. In jedem Fall waren darunter auch Grabsteine. Wohin man diese brachte, ist allerdings nicht mehr nachvollziehbar. Wahrscheinlich ist, dass sie in eine der unzähligen wilden Kippen der Umgebung geschüttet oder für andere Zwecke privat verbaut wurden.

Gestützt wird diese Annahme durch den Fundort der im Frühjahr 2018 geborgenen und ins Wusterhausener Wegemuseum transportierten Grabstein-Fragmente. Ersten Überlegungen zufolge werden sie vom Museumsdepot übernommen. Der Standort des Friedhofs soll eingezäunt und als Gedenkort kenntlich gemacht werden.

Anke Geißler-Grünberg