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Geschichte des Jüdischen Friedhofs in Fürstenwalde/Spree

Foto: Andreas Kremer
Aufstellungsfläche der erhalten gebliebenen und nicht mehr am ursprünglichen Standort lokalisierbaren Grabsteine

Über einen frühen jüdischen Friedhof der Stadt Fürstenwalde ist nicht mehr bekannt, als dass er nach 1795 direkt hinter der Stadtmauer neben dem Neuen Tor, der heutigen Reinheimer Str. / Geschwister-Scholl-Str., errichtet worden war und sein ältester Grabstein das Todesjahr 1746 nannte. Offenbar war dieses Grundstück recht klein und daher schnell belegt. Denn am 20. Juli 1829 weihte die Jüdische Gemeinde zu Fürstenwalde ihren neuen Friedhof in unmittelbarer Nähe an der Frankfurter Straße / Grünstraße, gleich gegenüber des großen städtischen Friedhofs. Eingefriedet war der neue jüdische Begräbnisplatz wahrscheinlich mit einem Zaun, denn erst sechs Jahre später ist eine umlaufende Friedhofsmauer aus gebrannten Steinen belegt.

Anfang 1926 fasste die inzwischen auf 161 Mitglieder gewachsene Jüdische Gemeinde den Beschluss, bei der Stadtverordneten-Versammlung einen Antrag zu stellen, ihren Friedhof aufgrund neuerlichen Platzbedarfes  erweitern zu dürfen. Bereits im Februar bewilligte das Gremium diesen Antrag und überließ der Gemeinde Erweiterungsfläche nach Süden und Westen. Gleichwohl wurden die Fürstenwalder Juden verpflichtet, „für eine geschlossene architektonische Gesamtwirkung des Friedhofs (...) zu sorgen“. Dem entsprach ihre zwei Jahre später, am 4. Juni 1928 eingeweihte neue achteckige Trauerhalle, welche durch einheimische Handwerker in großer Sorgfalt errichtet worden war. Als Ausdruck des gelungenen Zusammenwachsens der Stadtgesellschaft wurde dieser Akt nicht nur durch die Anwesenheit der kommunalen und christlichen Prominenz gewürdigt, sondern auch mit einem ausführlichen und wohlwollenden Beitrag in der „Fürstenwalder Zeitung“.

Die von Bürgermeister Stoll ausgesprochene Hoffnung, dass „die Halle von Frieden erfüllt sein“ möge, erfüllte sich jedoch nicht. In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde sie komplett zerstört; auch viele Grabsteine fielen der nazistischen Zerstörungswut zum Opfer. 1944 musste die auf wenige Juden geschrumpfte jüdische Gemeinschaft das Grundstück an die Stadt Fürstenwalde verkaufen. Der bereits 1829 geschlossene erste Friedhof war bereits in den 1850er Jahren entweiht worden, als der Direktor der Tivoli-Brauerei auf diesem Grundstück einen Biergarten betreiben durfte. Dieses Lokal wich später einer Villa, in der schließlich 1928 der Direktor der nahe gelegenen Schultheiß-Mälzerei lebte.

Nach Ende der Nazi-Herrschaft verwaiste und verwilderte der Jüdische Friedhof in Fürstenwalde. Es gab niemanden mehr, der Gräber und Anlage hätte pflegen und vor antisemitischen Übergriffen schützen können. Dennoch blieb dieser Friedhof im Gegensatz zum gegenüber liegenden, 30.000 m² großen kommunalen Begräbnisort erhalten, welcher bis 2008 zu einer Wohnanlage mit Park umgestaltet wurde. In Vorbereitung der DDR-weit organisierten Gedenkveranstaltungen zum 50. Jahrestag der Pogromnacht kam es 1988 zu umfangreiche Aufräumarbeiten auf dem Jüdischen Friedhof, bei denen erhalten gebliebene Grabsteine und Grabsteinfragmente geborgen und entlang der Nordmauer aufgestellt wurden. Am 9. November 1988 erfolgte die Weihe einer Gedenktafel am Eingang des Friedhofes, die diesen Ort als mahnenden Gedenkort markierte.

Dennoch dauerte es weitere zehn Jahre, bis sich am desolaten und unwürdigen Zustand des Friedhofs Grundsätzliches änderte. So wurde 1998 in einem ersten Schritt die baufällige Ostmauer vollkommen erneuert, als die Stadt auf dem Nachbargrundstück ihre neue Feuerwache errichtete. Bürgermeister und Stadtverwaltung beauftragten 1999 das Städtische Museum Fürstenwalde mit einer fotodokumentarischen Bestandsaufnahme; in Abstimmung mit dem brandenburgischen Landesrabbiner folgten behutsame Sondierungsgrabungen. Die ursprüngliche Position der erhaltenen Grabsteine konnte jedoch nicht mehr rekonstruiert werden.

Zusätzlich entstand darum ein Konzept zur denkmalgerechten Umgestaltung des gesamten Friedhofes, das in der Folgezeit auch umgesetzt wurde. Begleitet wurde dieses Programm durch eine Veranstaltungsreihe der kommunalen Kulturfabrik, ein Work-Camp auf dem Friedhof selbst und mehrere Schülerprojekte. Am 4. September 2001 fand unter Anwesenheit der Stadtbevölkerung schließlich die offizielle Übergabe des Gedenkortes Jüdischer Friedhof Fürstenwalde statt.

Anke Geißler-Grünberg