uni-potsdam.de

Sie verwenden einen veralteten Browser mit Sicherheitsschwachstellen und können die Funktionen dieser Webseite nicht nutzen.

Hier erfahren Sie, wie einfach Sie Ihren Browser aktualisieren können.

Tagung des Arbeitskreises Mittelbau und Nachwuchs - 20. bis 22. September 2018

Vom 20. bis 22. September findet die Tagung des Arbeitskreises Mittelbau und Nachwuchs der Deutschen Vereinigung für Religionswissenschaft (DVRW) an der Universität Potsdam - Campus Am Neuen Palais - statt.

Kontakt: akmn2018@uni-potsdam.nomorespam.de

Keynote Prof. Dr. Eva Spies (Bayreuth):
Zur Relationalität religionswissenschaftlicher Wissensproduktion: Forschen mit/über Missionare/n auf Madagaskar

Aktuelles: Call for Papers

Wissenschaftlichkeit und Normativität in der Religionswissenschaft – Religionswissenschaft als Akteurin im öffentlichen Religionsdiskurs

 

Tagung des AK Mittelbau und Nachwuchs (AKMN) der DVRW in Kooperation mit dem Institut für Jüdische Studien und Religionswissenschaft der Universität Potsdam

20.–22. September 2018, Universität Potsdam, Am Neuen Palais 10, 14469 Potsdam

 

Die religionswissenschaftliche Fachgeschichte ist durchzogen von Versuchen, das Verhältnis der Religionswissenschaft zu Normativität zu klären. Unter verschiedenen Vorzeichen wurden so Positionen der Werturteilsfreiheit postuliert: Objektivität (Weber 1904), Einklammerung der Wahrheitsfrage (Wach 1924), Epoché (van der Leeuw 1933), Verzicht auf Werturteile (Seiwert 1977), methodischer Atheismus/methodologischer Neutralismus (Rudolph 1978 bzw. 1992), wissenschaftliche Wertneutralität (Franke/Maske 2008) und objektive Neutralität (Schlieter 2012) sind Begriffe, die versuchen, eine solche Position programmatisch auf den Punkt zu bringen. Dabei ist es längst unstrittig, dass diese Position selbst ein Standpunkt und damit normativ ist und dass es eine voraussetzungslose Religionswissenschaft nicht geben kann (Freiberger 2000). Die wiederkehrenden Selbstverständigungsdebatten auf der religionswissenschaftlichen Mailingliste Yggdrasill zeigen aber auch, dass dieser Klärungsprozess keineswegs als abgeschlossen betrachtet werden kann. Mit der 2018 eingerichteten Stiftungsprofessur für Religionskritik an der Universität Leipzig tritt im Gegenteil ein Novum in der deutschen Universitätslandschaft hinzu, das die Frage provoziert, ob „wissenschaftliche Religionskritik“ nun die abschließende Antwort auf die Normativitätsfrage sei.

Es geht also darum, zu klären, wie es in den verschiedensten Zusammenhängen um Normen und Normativität in der Religionswissenschaft bestellt ist: Nicht nur die meist religiösen Wahrheitsansprüche ihres Forschungsgegenstandes konfrontieren das Fach mit dieser Normativitätsfrage. Sie stellt sich auch im Blick auf das zur Verfügung stehende, zum Teil unter christlich-theologischen Vorzeichen erhobene Material (bspw. ethnographisches Material in Missionsarchiven). Weiter kommt sie in der nahezu unvermeidbar scheinenden Universalisierung christlich-theologischer Begrifflichkeiten (bspw. Begriffe wie Theologien, Kanonisierung, Soteriologie usw.) in komparatistischen Untersuchungen zum Tragen. Sie wirkt fort, im Blick auf implizit oder explizit religiöse, im europäischen und nordamerikanischen Kontext meist christlich geprägte Sozialisationen von Religionswissenschaftler*innen. Zudem trägt auch die Öffentlichkeit die Erwartung an das Fach heran, sich zu religionsbezogenen Fragen normativ zu äußern, was sich bisweilen in einer Irritation über das „Gelehrte Schweigen“ der Religionswissenschaft bezüglich tagespolitisch aktuellen Themen niederschlägt (Röther 2017). Teilweise kommen insbesondere für institutionell in theologischen Fakultäten verortete Religionswissenschaftler*innen konkrete Abgrenzungsdebatten zu christlich-theologischen Vorverständnissen hinzu. Außerdem fordern auch neuere wissenschaftliche Entwicklungen, wie gender, poscolonial, queer oder dis/ability studies zu einer Auseinandersetzung und Klärung der Normativitätsfrage auf.

Normativität ist demzufolge also eine Charakteristik, die nicht nur religionswissenschaftliche Forschungsobjekte auszeichnet. In der religionswissenschaftlichen Arbeit verweist sie auf religiöse, politische, wissenschaftstheoretische und vermutlich auch andere Interessen, die sich im religionswissenschaftlichen Tun in verschiedensten Spannungsverhältnissen verschränken. Diesem Komplex möchte sich die diesjährige Tagung des Arbeitskreises Mittelbau und Nachwuchs (AKMN) der DVRW im September in Potsdam widmen. Es soll dabei nicht um abstrakte Soll-Aussagen über das Wie von Religionswissenschaft gehen. Gewünscht sind hingegen Beiträge, die an einem jeweiligen Forschungsprojekt offenlegen, inwiefern Religionswissenschaftler*innen konkret mit diesen Spannungen konfrontiert sind, wie sie sie reflektieren und wie sie damit praktisch in Ihrer Arbeit umgehen. Anregungen zu den verschiedenen Spannungsfeldern können sein:

·                    Normen und Normativität der Gegenstände: (Wie) Werden Normen und Normativität des Forschungsgegenstandes erhoben, dargestellt und analysiert? Werden sie bewertet?

·                    Normative Vorzeichen des Materials: Werden Daten und Darstellungen verwendet, die möglicherweise unter normativen Vorzeichen erhoben wurden? Wie wird mit religiöser Religionsforschung, insbesondere mit christlich-theologischen Arbeiten z.B. zu außereuropäischen Religionen religionswissenschaftlich umgegangen? Inwiefern ist ihre Verwendung un/-zulässig?

·                    Universalisierung christlich-theologischer (oder anderer religiöser) Begriffe: Wie wird mit Begriffen aus den christlichen Theologien in der religionswissenschaftlichen Beschreibung, Analyse und Interpretation von (nicht-)christlichen Religionen umgegangen? Welche Alternativen haben sich bewährt? Mit welchem Ergebnis?

·                    Sozialisation der Forschenden: Wie wird mit der eigenen implizit oder explizit (nicht-)religiösen Sozialisation umgegangen?

·                    Normative Erwartungen der Öffentlichkeit: Wie werden in religionswissenschaftlichen Arbeiten Fragen und Erwartungen aus der Öffentlichkeit einbezogen oder bewusst ausgeblendet? Inwiefern spüren Forschende, dass gezielt an ihre Projekte Erwartungen herangetragen werden oder dass sie sich in bestimmter Art und Weise positionieren sollen?

·                    Religionswissenschaft in theologischen Fakultäten: Wie wird in religionswissenschaftlichen Arbeiten, die an theologischen Fakultäten entstehen, mit der Normativität der Theologie(n) umgegangen?

·                    Religionswissenschaft im Kontext zu gender, poscolonial, queer oder dis/ability studies etc.: Wie verhalten sich wertneutrale studies of religion, wenn sie mit gender, poscolonial, queer oder dis/ability studies oder dergleichen verbunden werden, die  einen gesellschaftspolitisch normativen Anspruch haben?

 

Wir laden daher für unsere Tagung 2018 herzlich zur Teilnahme mit Beiträgen ein, welche die oben skizzierte, mehrschichtige Normativitätsfrage am jeweiligen Forschungsprojekt diskutieren, reflektieren und Vorschläge des Umgangs damit anbieten. Selbstverständlich ist auch eine passive Teilnahme ohne eigenen Vortrag möglich.

Die Tagungsgebühren betragen für DVRW-Mitglieder 15€, für alle anderen Teilnehmer 25€. Darin enthalten sind die Pausenversorgungen sowie ein Nahverkehrsticket (Stadt Potsdam) für den gesamten Tagungszeitraum.

Während der Tagung wird es für Interessierte Raum geben, sich über eine (gemeinsame) Publikation von Vorträgen auszutauschen. Informationen hierzu ebenso wie zum vorläufigen Programm und der Registrierung können der Tagungswebseite entnommen werden. Die Übernahme von Fahrt- und Übernachtungskosten können unter Vorbehalt der Finanzierungszusage von Drittmittelgebern übernommen werden. Im B&B Hotel Potsdam wurden 15 Einzel-, zehn Doppel-, ein Dreibettzimmer und ein Familienzimmer reserviert. Weil das Kontingent nur bis zum 30. April vorgehalten werden kann, ist eine zeitnahe Rückmeldung von denjenigen wichtig, die im B&B Hotel Potsdam übernachten möchten.

Bitte das auf der Tagungshomepage hinterlegte Anmeldeformular ausgefüllt

bis zum 30. April (ACHTUNG verlängert) als Mailanhang an akmn2018@uni-potsdam.nomorespam.de senden.

Der CfP zum download hier.